Anax

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Die archaische Inschrift [...]Ι ϜΑΝΑΚΤΙ ([...]i wanakti) auf diesem Keramikfragment entspricht dem Wort ἄναξ (ánax, „Fürst“) im klassischen Griechischen.

Anax (griechisch ἄναξ, ursprünglich ϝάναξ wánax, von mykenisch 𐀷𐀙𐀏 wa-na-ka) war wahrscheinlich die Bezeichnung für den „König“ im archaischen Griechenland. Das Wort ist eine Nominalbildung zum Verb ϝαν-άγειν „(ein Heer) führen“. Jüngst wurde allerdings vom Althistoriker Tassilo Schmitt die These aufgestellt, es habe in mykenischer Zeit keine Monarchen gegeben, und wa-na-ka sei die Bezeichnung eines Gottes gewesen. Ob sich diese Position durchsetzen wird, bleibt vorerst abzuwarten. Homer jedenfalls gebraucht einige Jahrhunderte nach den Mykenern Anax als Titel eines "Oberkönigs" in mythischer Vorzeit (nicht allerdings in seiner eigenen Gegenwart).

Davon abgeleitet ist der wissenschaftliche Name Anax für die Gattung der Königslibellen (Große und Kleine Königslibelle).

Literatur[Bearbeiten]

  • James T. Hooker: The Wanax in Linear B Texts, in: Kadmos 18, 1979, S. 100-111.
  • P. Carlier: wa-na-ka derechef. Nouvelles réflexions sur la royautés mycéniennes; in BCH 122, 411-415.
  • Thomas G. Palaima: The Nature of the Mycenaean Wanax: Non-Indo-European Origins and Priestly Functions, in: Paul Rehak (Hrsg.), The Role of the Ruler in the Prehistoric Aegean (= Aegaeum 11), Lüttich 1995, S. 119-139.
  • Martin Schmidt: The semantics of anax and basileus in Homer, in: S. Deger-Jalkotzy u.a. (Hgg.), Ancient Greece 1200 - 700 BC, Edinburgh 2006.
  • Tassilo Schmitt: Kein König im Palast. Heterodoxe Überlegungen zur politischen und sozialen Ordnung in der mykenischen Zeit, in Historische Zeitschrift 188, 2009, S. 281ff.
  • Naoko Yamagata: ἄναξ and βασιλεύς in Homer, in: The Classical Quarterly 47, 1997, S. 1-14.