Anders Zorn

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Anders Zorn

Anders Leonard Zorn (* 18. Februar 1860 in Yvraden bei Mora; † 22. August 1920 in Mora) war ein schwedischer Maler, Grafiker und Bildhauer.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Kindheit[Bearbeiten]

Zorns Ahnentafel
Anders Zorns Atelier in Mora

Anders Zorn wurde 1860 als Anders Leonardsson in Yvraden bei Mora geboren. Sein Vater, Johann Leonhard Zorn, war ein deutschstämmiger Brauer aus Reichenberg, seine Mutter, Grudd Anna Andersdotter, arbeitete als Saisonkraft in Uppsala. Zorns Eltern hatten sich in einer Brauerei in Uppsala, in der beide zu dieser Zeit arbeiteten, kennengelernt. Die Beziehung war kurz, von einer Heirat nie die Rede, und Zorn lernte seinen Vater (der 1872 in Helsinki starb) nie kennen. Trotzdem entschied er sich später, dessen Nachnamen anzunehmen.

Da seine Mutter wegen ihrer Arbeit in Uppsala keine Zeit für ihren Sohn hatte, wuchs Zorn zunächst auf dem Hof seiner Großeltern in Yvraden auf. Schon bald zog er um nach Enköping, um dort seine Schulausbildung zu beginnen. Sein Lehrer bemerkte schon früh das außergewöhnliche künstlerische Talent des jungen Zorn. Er zeichnete Bleistift-Skizzen seiner Mitschüler, Bilder von Enköping, und fertigte einige bemerkenswerte Holzschnitte von Menschen und Pferden an, von denen viele heute im Zorn-Museum in Mora ausgestellt sind.

Schwedischer midsommar (1897)

Studium[Bearbeiten]

1875 begann Zorn im Alter von 15 Jahren ein Kunststudium an der Königlichen Akademie der Künste in Stockholm, welches er sich, aus armen Hause stammend, nur durch das kleine Erbe seines Vaters und durch die Unterstützung der deutschen Brauerei-Gesellschaft in Stockholm leisten konnte.

Nachdem Zorn sich anfänglich noch mit der Holzbearbeitung befasst hatte, konzentrierte er sich bald - möglicherweise beeinflusst durch den Besuch einer Gedenk-Ausstellung für den kurz zuvor gestorbenen Egron Sellif Lundgren - auf das Zeichnen mit Wasserfarben. Bei einer studentischen Ausstellung 1880 präsentierte er sein erstes bedeutendes Aquarell, „In Trauer“ (I sorg), welches ihm hohe Anerkennung in der Kunstszene brachte. Er machte sich schnell einen Namen als guter Porträt-Zeichner und bekam in der Folgezeit viele Aufträge von reichen schwedischen Familien. Bei einem dieser Aufträge lernte er Emma Lamm kennen, die Tochter einer wohlhabenden jüdischen Familie. Die beiden verlobten sich im Juni 1881. Emma Lamms Familie mochte den jungen Mann, doch die finanzielle Lage des jungen Künstlers erlaubte es ihm nicht, eine Familie zu ernähren; eine Heirat kam deshalb zu diesem Zeitpunkt noch nicht in Frage.

Reisen[Bearbeiten]

Um sein Studium fortzusetzen und genug Geld für den Unterhalt einer Familie zu verdienen, verließ Zorn seine schwedische Heimat. Während der vier Jahre, die er hauptsächlich in England und Spanien verbrachte, konnte er seinen Stil deutlich verbessern. Er wendete viel Zeit für das Studium der Bewegung und Reflexionen von Wasseroberflächen auf. Mit diesen neuen Kenntnissen schuf er später Werke wie „Sommer-Vergnügen“ (Sommarnöje). In Madrid entstand 1883 auch sein Werk „Liebes-Nymphe“ (Kärleksnymf), welches ihm endgültig seinen Ruf als renommierter Künstler sicherte. Die bildliche Darstellung nackter Frauen beeinflusste auch den Maler Brynolf Wennerberg. Er bekam Aufträge von verschiedenen Mitgliedern des portugiesischen und spanischen Adels, wovon er nicht nur künstlerisch, sondern auch finanziell profitierte.

Nach seiner Rückkehr nach Schweden heiratete Zorn im Herbst 1885 Emma Lamm. Auf der Hochzeitsreise nach Ungarn und in die Türkei erkrankte Zorn in Konstantinopel schwer an einem Typhus-Fieber. Erst drei Monate später hatte er sich wieder so weit erholt, dass das Paar seine Reise fortsetzen konnte.

Von Schweden aus unternahm Zorn viele weitere Reisen nach Spanien, Nordafrika und England. 1888 präsentierte er im Pariser Salon sein Werk „Fischer in St. Ives“ (Fiskare i Saint Ives) sowie die Porträts der Ballett-Tänzerin Rosita Mauri und des Journalisten Antonin Proust, welche ihm beachtlichen Erfolg einbrachten.

Anders Zorn: Grover Cleveland (1899)

Ab den 1890er Jahren bemühte Zorn sich darum, auch den deutschen Kunstmarkt von seinen Werken zu überzeugen. Im Jahr 1890 erhielt er einen Auftrag vom Direktor der Hamburger Kunsthalle, Alfred Lichtwark, ein Aquarell mit einem Hafenmotiv zu fertigen, das Lichtwark in seine "Sammlung von Bildern aus Hamburg" aufnehmen wollte. Dieses Bild wurde 1891 fertiggestellt, aber erst ab 1901 in der Hamburger Kunsthalle ausgestellt. Es waren Zorns Radierungen, die bereits 1892 in zwei Ausstellungen in Hamburg gezeigt wurden und die ihm schlussendlich in Deutschland zum Durchbruch verhalfen. Der Hamburger Hafen war der einzige Auftrag von Lichtwark zu einem Gemälde, aber bis zu seinem Tod kaufte Lichtwark insgesamt 42 Radierungen von Zorn, was bedeutet, dass die Hamburger Kunsthalle heute die drittgrößte Sammlung von Zorn-Radierungen in Deutschland besitzt. Weitere Ausstellungen folgten, vor allem in Berlin, Dresden und München, so dass Zorn auf diese Art und Weise in Deutschland bekannt wurde. [1] 1893 begann Zorn, Werke im Auftrag von Großindustriellen und Politikern in den USA zu fertigen. In dieser Zeit schuf er unter anderem ein bekanntes Porträt des 22. und 24. Präsidenten der Vereinigten Staaten, Grover Cleveland sowie des 27. Präsidenten William Howard Taft. 1896 erhielt er auf der Internationalen Kunstausstellung in Berlin eine große Goldmedaille.

Später kehrte Zorn nach Schweden zurück und malte hauptsächlich Landschaftsbilder und Akte. Er beschäftigte sich ebenfalls wieder mit der Bildhauerei und schuf Skulpturen wie „Nymphe und Faun“ (Nymf Och Faun) oder eine Statue von Gustav Vasa.

Anders Zorn starb 1920 im Alter von 60 Jahren in Mora. Sein gesamtes Erbe (mit einem Wert von umgerechnet über 6 Millionen US-Dollar) hinterließ er dem schwedischen Staat mit der Auflage, ein Museum aufzubauen, in dem nicht nur seine eigenen Werke, sondern auch seine beträchtliche Sammlung an internationaler Kunst ausgestellt werden sollte. Das Zorn-Museum, 1939 eröffnet, steht heute in seiner Heimatstadt Mora.

Literatur[Bearbeiten]

  • Celilia Lengefeld: Anders Zorn. Eine Künstlerkarriere in Deutschland (Zorn Resor, konst i kommers i Tyksland, 2000). Reimer Verlag, Berlin 2004, ISBN 3-496-01292-7.
  • Birgitta Sandström: Anders Zorn. Nationalmuseum, Stockholm 2005, ISBN 91-27-11172-5.
  • Eva Ditteney: Skandinavier in Berlin. Untersuchung zur Malerei von Lovis Corinth, Akseli Gallen-Kallela, Walter Leistikow, Max Liebermann, Edvard Munch und Anders Zorn anhand ihrer Ausstellungstätigkeit in Berlin zwischen 1892 und 1910. Dissertation, Universität Freiburg/B. 2010.
  • Alexander Bastek (Hrsg.): Anders Zorn, der schwedische Impressionist. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2012, ISBN 978-3-86568-741-8 (Katalog der gleichnamigen Ausstellung, Behnhaus, Lübeck, 15. Januar bis 15. April 2012).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Anders Zorn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Tanja Bernsau: Anders Zorns Aquarell “Hamburgs Hafen” und seine Verbindungen zu Deutschland, http://bernsau.wordpress.com/2014/09/15/anders-zorns-aquarell-hamburgs-hafen-und-seine-verbindungen-zu-deutschland/