Anders als die Andern (1919)

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Filmdaten
Originaltitel Anders als die Andern
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Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 1919
Länge Fragment: 40 Minuten
Stab
Regie Richard Oswald
Drehbuch Richard Oswald und Magnus Hirschfeld
Produktion Richard Oswald-Film GmbH
Kamera Max Fassbender
Besetzung

Anders als die Andern ist ein Spielfilm von Richard Oswald zum Thema Homosexualität aus dem Jahr 1919, der unter Mitwirkung von Magnus Hirschfeld entstand. Er handelt von einer Erpressungsgeschichte mit tödlichem Ausgang.

Handlung[Bearbeiten]

Der Violinvirtuose Paul Körner wird von dem Stricher Franz Bollek erpresst. Als Körner sich weigert, immer mehr Geld an den Erpresser zu zahlen, zeigt Bollek ihn wegen Verstoßes gegen den § 175 an. In dem folgenden Gerichtsverfahren hält Dr. Magnus Hirschfeld (der sich selbst spielt) eine flammende Rede für Akzeptanz von und Toleranz gegenüber Homosexuellen. Bollek wird wegen Erpressung verurteilt. Paul Körner wird allerdings ebenfalls verurteilt: wegen Vergehens gegen den § 175. Sein Ruf ist ruiniert. Er zerbricht an der gesellschaftlichen Schande und begeht, keinen Ausweg findend, schließlich Suizid.

Hintergrund[Bearbeiten]

Filmplakat Anders als die Andern von 1919

Der Film kann als der erste überhaupt angesehen werden, der das Thema Homosexualität offen behandelte[1]. Er entstand in einer Zeit, in der in Deutschland keine staatliche Filmzensur existierte, nachdem der „Rat der Volksbeauftragten“ in einem Aufruf an das deutsche Volk am 12. November 1918 verkündet hatte: „Eine Zensur findet nicht statt. Die Theaterzensur wird aufgehoben.“ Der Film entwickelte sich zum Skandalfilm und entfachte neben anderen „Sitten-“ und „Aufklärungsfilmen“ eine heftige Kulturdebatte, in der von konservativer und reaktionärer Seite vehement die Wiedereinführung der Zensur gefordert wurde. Nach Wiedereinführung der Filmzensur durch das 1. Reichslichtspielgesetz am 12. Mai 1920 wurde der Film noch im selben Jahr verboten, die Kopien vernichtet[2]. Magnus Hirschfeld drehte 1927 den Dokumentarfilm Gesetze der Liebe und verwendete für das Thema Homosexualität eine gekürzte Fassung des Films Anders als die Andern. Gesetze der Liebe fiel kurz nach Erscheinen ebenfalls der Zensur zum Opfer; auf unbekannten Wegen gelangte aber eine Kopie in die Ukraine und wurde dort mit Untertiteln in der Landessprache versehen. Diese Fassung wurde Ende der 1970er-Jahre vom Stadtmuseum München entdeckt.

1982 wurde für das 1. SchwulLesbische Filmfest in Frankfurt am Main die gekürzte Fassung als 16-mm-Kopie vom Stadtmuseum München ausgeliehen, die ukrainischen Untertitel übersetzt und während der Vorführung eingelesen. Die Originalfassung von Anders als die Andern ist nicht mehr erhalten. Die Filmkopien wurden nach dem Verbot zerstört. Weite Teile des Filmes gingen dadurch unwiderruflich verloren[3]. Mittlerweile gibt es eine vom Münchener Filmmuseum restaurierte Fassung, die zunächst als stumme Version mit deutschen Zwischentiteln als VHS-Kassette veröffentlicht wurde. Seit Oktober 2006 ist auch eine DVD-Edition des Filmmuseums München erhältlich, die neben dem Film in deutscher und englischer Sprache und einer kurzen Dokumentation der Zensurgeschichte auch das Kapitel des Films Gesetze der Liebe enthält, aus dem Anders als die Andern im Wesentlichen rekonstruiert worden ist.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hans Scheugl: Sexualität und Neurose im Film. Die Kinomythen von Griffith bis Warhol (= Heyne-Bücher 7074 Heyne-Sachbuch). Genehmigte, ungekürzte Taschenbuchausgabe. Heyne, München 1978, ISBN 3-453-00899-5, S. 204.
  2.  Stefan Volk: Skandalfilme. Cineastische Aufreger gestern und heute. 2011, S. 19 ff.
  3.  Stefan Volk: Skandalfilme. Cineastische Aufreger gestern und heute. 2011, S. 25.