András Pándy

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András Pándy (* 1. Juni 1927; † 23. Dezember 2013 in Brügge[1]) war ein belgischer Serienmörder ungarischer Herkunft, der sechs Familienangehörige sowie mutmaßlich 13 weitere Personen tötete. Er konnte 1997 wohl nur deshalb überführt werden, weil die belgische Justiz infolge des Skandals um Marc Dutroux einige ungeklärte Vermisstenfälle erneut untersuchte.

Frühe Hinweise auf Verbrechen[Bearbeiten]

Pándy war mit seiner ersten Frau, Ilona Sőrés, in den 1950er Jahren von Ungarn nach Belgien ausgewandert. Das Paar bekam drei Kinder und trennte sich dann. Pándys zweite Frau, Edith Fintor, stammte ebenfalls aus Ungarn. Sie brachte die Töchter Tunde, Timea und Andrea mit in die Ehe.

Edith Fintors ungarische Verwandte erhielten 1986 einen Brief von András Pandy, in dem dieser schrieb, das Edith unheilbar an Krebs erkrankt sei. Dann brach der Kontakt ab. 1988 bat Ediths Schwester den holländischen Gastpfarrer Andries Den Broeder, Pándy in Belgien nach dem Verbleib von Edith zu befragen. Den Broeder erhielt keine befriedigende Antwort und schrieb 1988 und dann noch einmal 1993 an Justizminister Melchior Wathelet, der die Sache aber nicht verfolgte. 1992 zeigte Agnes, Pándys Tochter aus erster Ehe, ihren Vater wegen sexuellen Missbrauchs der Stieftochter Timea an und meldete außerdem ihre Mutter sowie ihre Brüder Zoltan und Daniel als vermisst. Von der Polizei befragt, präsentierte Pándy angebliche Briefe der Vermissten, die beweisen sollten, dass diese schon lange ins Ausland verzogen seien.

Geständnis und Prozess[Bearbeiten]

Erst 1996 wurde der Fall erneut eröffnet. Die Polizei durchsuchte sein Wohnhaus, fand im Keller menschliche Knochen und verhaftete den Pastor. Gleichzeitig stellte die ungarische Polizei eine Schreibmaschine sicher, auf der Pándy die angeblichen Lebenszeichen seiner Angehörigen geschrieben hatte. Schließlich wurde auch Pándys Tochter Agnes verhaftet. Sie gestand, mit Pándy in inzestuöser Beziehung gelebt und die von ihr als vermisst gemeldeten Personen – ihre Mutter und ihre Brüder, Pándys zweite Frau Edith und deren Tochter Andrea – auf Pándys Anordnung hin getötet zu haben. Deren sterbliche Überreste habe man nicht finden können, da sie mit Hilfe eines Abflussreinigers komplett verflüssigt worden seien. Vor Gericht wurde diese Aussage in einem Experiment belegt.[2]

Timea, die andere Tochter von Edith Fintor, bestätigte, dass auch auf sie ein Mordanschlag verübt worden war. Gentests bewiesen, dass Pándy selbst der Vater von Timeas Sohn Marc ist. Trotzdem bestritt Pándy bis zum Schluss sowohl den Inzest als auch die Morde. Er kündigte an, die Ermordeten würden sich demnächst persönlich bei Gericht melden. András Pándy wurde von einem Brüssler Schwurgericht zu lebenslanger, Agnes zu 21 Jahren Haft verurteilt. Die in Pándys Haus gefundenen Knochen und Zähne stammten von 13 verschiedenen Personen, deren Identität nicht geklärt werden konnte. Möglicherweise gehörten sie zu ungarischen Witwen, die Pándy über Kontaktanzeigen kennenlernte und zu sich nach Brüssel kommen ließ.

In Haft befand er sich im Gefängnis von Löwen und aus gesundheitlichen Gründen wurde er in das medizinische Zentrum des Gefängnisses in Brügge gebracht, wo er am 23. Dezember 2013 verstarb.

Literatur[Bearbeiten]

  • Jens Haberland: Die Beschuldigungen gegen Andras Pandy, in: ders.: Serienmörder im Europa des 20. Jahrhunderts, Berlin 1997, ISBN 3-930057-38-7, S.187–192

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Serienmörder Andras Pandy im Gefängnis gestorben
  2. "Der Mix macht's" – SPIEGEL 50/1998"