André Martinet

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André Martinet (* 12. April 1908 in Saint-Alban-des-Villards, Kanton La Chambre; † 16. Juli 1999 in Châtenay-Malabry) war ein berühmter französischer Linguist, der einen großen Einfluss auf den Strukturalismus hatte.

Leben[Bearbeiten]

André Martinet studierte Englisch und erwarb den Abschluss einer Agrégation. 1937 verteidigte er zwei Doktorarbeiten auf einmal: La Gémination consonantique d'origine expressive dans les langues germaniques (Die Konsonantenverdopplung von expressiver Herkunft in den germanischen Sprachen) und La Phonologie du mot en danois (Die Phonologie des Worts im Dänischen).

Von 1938 bis 1946 ist er Studiendirektor an der École pratique des hautes études. Nach dem Krieg ging Martinet nach New York, wo er von 1946-1948 die International Auxiliary Language Association leitete und zur Erarbeitung der Welthilfssprache Interlingua beitrug. Von 1947-1955 unterrichtete Martinet an der Universität von Columbia, wo er zum Leiter der sprachwissenschaftlichen Abteilung ernannt wurde. Er wurde darüber hinaus Herausgeber der Zeitschrift Word.

1955 kehrte Martinet nach Frankreich zurück, wo er zum einen seine Stelle an der École pratique des hautes études wieder einnahm, zum anderen den Lehrstuhl für allgemeine Sprachwissenschaft an der Sorbonne (Paris V) bekleidete. Im Jahre 1966 war er Präsident der europäischen Sprachwissenschaftlervereinigung. Er gründete außerdem die Gesellschaft für funktionale Linguistik und die Zeitschrift La Linguistique.

In seinen 1993 erschienen Memoiren finden sich Äußerungen über seine früheren Kollegen Roman Jakobson, Emile Benveniste und Noam Chomsky, die von manchen als antisemitisch angesehen wurden. Seine Schüler und der Herausgeber der von ihm gegründeten Zeitschrift La Linguistique distanzierten sich jedoch von diesem Vorwurf.[1]

Werk[Bearbeiten]

Geprägt von der Prager Schule begründete Martinet die funktionalistische Syntax (Syntaxe générale, 1985). Darüber hinaus verfasste er rund zwanzig bedeutende Werke zur allgemeinen Sprachwissenschaft (Éléments de linguistique générale, 1960), zur diachronen Sprachwissenschaft und zum systematisch bedingten Lautwandel (Économie des changements phonétiques, 1955, 1982 in überarbeiteter deutscher Fassung) sowie zur vergleichenden Sprachwissenschafte (Des steppes aux océans, 1986). Sein bekanntestes Werk Éléments de linguistique générale wurde in 17 Sprachen übersetzt und hat eine ganze Generation von Sprachwissenschaftlern in Frankreich und darüber hinaus beeinflusst.

Grundlage von André Martinets funktionalistischem Strukturalismus ist der von ihm im Jahr 1949 eingeführte Begriff der double articulation der menschlichen Sprache, welche diese von allen anderen Zeichensystemen unterscheidet.

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • La description phonologique avec application au parler francoprovençal d'Hauteville (Savoie), coll. « Publication romanes et françaises », Genève, Librairie Droz, 1956.
  • Éléments de linguistique générale, Paris, Armand Colin, 1960.
  • Langue et fonction, 1962.
  • La linguistique synchronique, Paris, Presses universitaires de France, 1965.
  • Le français sans fard, coll. « Sup », Paris, PUF, 1969.
  • Évolution des langues et reconstruction, Paris, PUF, 1975.
  • Syntaxe générale, 1985.
  • Des steppes aux océans, Paris, Payot, 1986.
  • Fonction et dynamique des langues, Paris, Armand Colin, 1989.
  • Mémoires d'un linguiste, vivre les langues, 1993.

Nachweise[Bearbeiten]

  1. Siehe die Erklärung Témoignage in: La Linguistique 30:1 (1994), S. 3-8.

Weblinks[Bearbeiten]