Andrea del Castagno

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Andrea del Castagno: Christus im Todesgrab mit Engeln, Fresko, Italien, um 1445
Unter dem Keutz sitzende Maria

Andrea del Castagno (Andrea di Bartolo di Bargilla, auch Andrea dal Castagno di Mugello[1]; * um 1418 im Ortsteil Castagno von San Godenzo; † 19. August 1457 in Florenz) war ein italienischer Maler der Renaissance. Er wird zu den einflussreichsten Künstlern der Frührenaissance in Florenz gerechnet.[2]

Leben[Bearbeiten]

Andrea del Castagno wurde um 1418 in Castagno, einem Dorf bei Monte Falterona unweit von Florenz geboren. Während der kriegerischen Auseinandersetzung zwischen dem Herzogtum Mailand und Florenz lebte er in Corella und kehrte dann in sein Heimatdorf zurück, von wo er 1440 nach Florenz zog. Er gewann dort die Gönnerschaft von Bernadetto de’ Medici. In dessen Auftrag malte er 1440 nach der Schlacht von Anghiari die Bilder der bestraften und erhängten Verlierer an die Außenwand eines Palastes, was ihm zunächst den Spitznamen Andrea degli Impiccati, der „Andrea der Gehängten“ einbrachte.[3][4] Die Arbeit bedeutete für ihn aber den Anfang einer langen Karriere.

Andrea del Castagno arbeitet dann im Jahr Jahre 1442 zunächst dann als Freskenmaler in der Kirche San Zaccaria in Venedig. Dann in der Gegend um Florenz tätig und war er am florentinisch-venezianischen Ideenaustausch beteiligt. In seinen nachfolgenden Fresken für das Kloster San Apollonia in Florenz ist der Einfluss des bedeutenden Meisters der florentinischen Frührenaissance Domenico Veneziano und des in der Toskana tätigen Piero della Francesca erkennbar. Ab 1444 wirkte er wieder hauptsächlich in Florenz. Dort entwarf er auch eines der Rundfenster der Kuppel der Santa Maria del Fiore. Er wurde Mitglied der Lukasgilde.

Stil[Bearbeiten]

Castagno stand in der Realismustradition Masaccios. Schon Giorgio Vasari begeisterte sich im 17. Jahrhundert noch für Andreas Zentralperspektive und Darstellungen der perspektivische Verkürzung, etwa beim Hieronymus in der Corboli-Kapelle von Santa Annunziata. Castagnos Farbgebung war wohl eher unzureichend, doch verriet z.B. das „Letzte Abendmahl“ (1447, San Apollonia) sein ausgeprägtes Zeichentalent. Später stand Castagno unter dem Einfluss des Bildhauers Donatello.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

Andrea del Castagno: Das Letzte Abendmahl, Fresko, Italien 1447
Farinata degli Uberti, Fresko auf Holz, 1450, Florenz
  • Fresken in San Zaccaria in Venedig, 1442
    • Die frühesten erhaltenen Werke Castagnos sind seine Fresken für San Zaccaria in Venedig, aus dem Jahre 1442
  • Fresken im Refektorium des Klosters San Apollonia im Florenz, 1447
    • 1447 malte Castagno das Refektorium des Benediktinertklosters Sant'Apollonia mit Fresken aus, darunter das Das Letzte Abendmahl sowie anderen Szenen der Passion Christi, wie Kreuzigung, Grablegeung und Auferstehung.
  • Fresken berühmter Männer und Frauen, Villa Carducci bei Florenz, 1450
    • Eines der bekanntesten Werke Castagnos sind die Neun Fresken berühmter Männer und Frauen aus der Villa Carducci. Dies weltlichen Bilder mit geradezu statuenhafter Wirkung wurden im 19 Jahrhundert entdeckt und aus der Villa abgenommen nach Florenz gebracht, wo sie bis zum Hochwasser von 1966 im Refektorium (Cenacolo) des ehemaligen Klosters Sant'Apollonia zu sehen waren. Heute sind sie in der ehemaligen Chiesa San Pier Scheraggio zu sehen, einer Abteilung der Uffizien. Sie stellen jeweils drei in der Renaissance berühmte Krieger, Frauen und Dichter dar: Pippo Spano, Farinata degli Uberti. Niccolò Acciaiuoli, Sibylle von Cumae, Königin Ester und Königin Tomyris, sowie Dante Alighieri, Francesco Petrarca und Giovanni Boccaccio.
  • Fresken in der Basilica della Santissima Annunziata in Florenz, 1455
    • Um 1455 malte Castagno Fresken in der Basilica della Santissima Annunziata in Florenz. In verschiedenen Seitenkapellen dort schuf er Bilder des Hl. Julian und des Hl. Hieronymus sowie ein Bild der Hl. Dreifaltigkeit.

Castagno und Veneziano[Bearbeiten]

Giorgio Vasari berichtet im zweiten Teil seiner Biographien, Andrea habe Domenico Veneziano aus Neid an dessen Farbgebung getötet. Tatsächlich ist Domenico vier Jahre nach Andrea gestorben. Andrea starb vermutlich an der Pest.

Castagno-Museum[Bearbeiten]

Das Kloster Sant’Apollonia (Cenacolo di Sant’Apollonia) in Florenz (Via San Gallo/Via XXVII Aprile) ist heute ein Castagno-Museum. [5]

Literatur[Bearbeiten]

  • Eugenio Battisti: ANDREA di Bartolo, detto A. del Castagno. In: Alberto M. Ghisalberti (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 3 (Ammirato–Arcoleo), Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 1961 (italienisch).
  • Werner Richard Deusch: Andrea del Castagno. Heilbronn 1928 (Königsberg i. Pr., Univ., Diss., 1928).
  • Giorgio Vasari: Vita d’Andrea dal Castagno di Mugello e di Domenico Viniziano. In: Le vite dei più eccellenti architetti, pittori et scultori italiani, Ausgabe Newton Compton Editori, Rom 2010, ISBN 978-88-541-1425-8, S. 416 ff.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Andrea del Castagno – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. vgl. Vasari
  2. Carmela Thiele: Genialer Zeichner der Renaissance Vor 550 Jahren starb der Maler Andrea del Castagno. auf: Deutschlandradio. Kalenderblatt 19. August 2007
  3. Giovanni Ruccellais Lo Zibaldone
  4. Andrea del Castagno, degli Impiccati. In: Friedrich Müller: Die Künstler aller Zeiten und Völker. Stuttgart 1857.
  5. Webseite Musei Firenze zum Cenacolo di Sant’Apollonia, abgerufen am 5. Oktober 2013 (ital.)