Andreas Maier (Autor)

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Andreas Maier (* 1. September 1967 in Bad Nauheim) ist ein deutscher Schriftsteller.

Andreas Maier Frankfurter Buchmesse (2013)
bei einer Lesung - 2010

Leben[Bearbeiten]

Andreas Maier studierte Altphilologie, Germanistik und Philosophie in Frankfurt am Main. Seine Romane stehen in der Tradition des österreichischen Autors Thomas Bernhard, mit dem er sich 2002 in seiner Dissertation auseinandersetzte (veröffentlicht als Die Verführung. Die Prosa Thomas Bernhards). Maiers Werke spielen bevorzugt in der Wetterau, in Tirol oder Frankfurt und thematisieren gedankenlose Sprachkultur und (fehlgeleiteten) politischen Aktionismus. Maier äußert sich auch in Zeitungsartikeln und seinen Poetikvorlesungen zu Fragen der Politik, des Umweltschutzes und der richtigen Lebensführung. Der Autor schreibt für die Literaturzeitschrift Volltext die Kolumne Neulich. 2010 erschienen diese Kolumnen über seinen Onkel gesammelt in Onkel J. Heimatkunde. Seine Romane wurden in mehr als zehn Sprachen übersetzt. Maier lebte in Brixen, Südtirol, heute lebt er in Frankfurt am Main[1]. Er ist seit 2005 Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Preise[Bearbeiten]

Poetikdozenturen[Bearbeiten]

2003 trat Maier die Mainzer, 2006 die Frankfurter Poetikdozentur an. 2007 hatte er die Poetikdozentur Junge Autoren der Fachhochschule Wiesbaden inne. Die Frankfurter Vorlesungen wurden unter dem Titel Ich (2006) veröffentlicht.

Werke[Bearbeiten]

Zu einzelnen Werken[Bearbeiten]

Wäldchestag (2000)[Bearbeiten]

Wäldchestag erzählt vom Sterben Sebastian Adomeits, über dessen Vermögen wilde Gerüchte kursieren. Die Beerdigung des Verstorbenen findet an einem Pfingstsonntag statt, die angereisten Verwandten müssen sich aber noch bis Pfingstdienstag gedulden (an dem im Frankfurter Raum traditionell der sogenannte Wäldchestag gefeiert wird), bis das Testament eröffnet werden darf.

Die Literaturkritik zog Vergleiche zur Prosa Thomas Bernhards und dessen „Beobachtungszwang“[2], aber auch zu den Romanen Eckhard Henscheids und Arnold Stadlers. Ulrich Greiner nannte das im Konjunktiv geschriebene Buch einen „Geniestreich“[2], Edo Reents ein „irritierendes Glanzstück“[2], Sibylle Cramer bemängelte dagegen, der Roman verirre sich „in den Stoffmassen eines realistischen Gesellschaftsromans“[2].

Klausen (2002)[Bearbeiten]

In Maiers zweitem Roman wird die Südtiroler Kleinstadt Klausen in der Nähe von Bozen, die von dem gigantischen Viadukt der Brennerautobahn dominiert wird, zum Ort kleinkrimineller Verstrickungen und Intrigen. Im Mittelpunkt steht dabei der als „fleißiger Nichtsnutz“ bezeichnete Josef Gasser, Angestellter des Fremdenverkehrsvereins und Bruder einer bewunderten Schauspielerin.

Die Literaturkritik nannte den Roman, der ohne einen einzigen Absatz auskommt, eine „böse Provinzsatire"[3] mit einem „Hang zur Groteske“[3], erzählt aus der Sicht eines „allwissenden Anekdotenerzählers“[3], der in „Konjunktive[n], verschwiemelte[n] Satzkonstruktionen, Assoziationsgestrüpp“[3] schwelge. Thomas Steinfeld konstatierte, Maier habe „seinen ersten Roman noch einmal geschrieben“[3], Ulrich Greiner bemängelte die fehlende „Plastizität"[3] des Figurenpersonals.

Die Verführung. Die Prosa Thomas Bernhards (2004)[Bearbeiten]

In seiner Dissertation befragt Maier die Prosa Thomas Bernhards, in dessen Arbeiten er „permanente Verstellung als Stilisierung“[4] konstatiert.

Jan Süselbeck wirft Maier vor, er sei mit „literaturwissenschaftliche[r] Naivität“[4] auf dem „Niveau österreichischer Boulevardblattleser“[4] zu Werke gegangen, Paul Jandl las in der Promotionsarbeit „das paradoxe Phänomen einer negativen Theologie"[4], während Thomas Meissner den Eindruck gewinnt, Maier wolle Bernhard gegen „bestimmte affirmative und existenzialistische Lesarten in Schutz“[4] nehmen.

Kirillow (2005)[Bearbeiten]

Inhalt des Romans: Frank Kober und Julian Nagel, die an der Frankfurter Universität studieren, beschäftigen sich mit der Frage, wie falsches und wahres Leben zu unterscheiden seien. Während Kober verstummt, hält Julian seinen Freundeskreis mit Provokationen in Atem. Bei einem Ausflug bringt Julian die Selbsttötung ins Spiel. Wenig später bricht die Gruppe zu einer Demonstration gegen die Castortransporte ins Wendland auf, bei der Julian schwer verletzt wird.

Nico Bleutge bemängelte, der Roman stolpere über die „elementare Katastrophe […] der Inkonsequenz“[5], Ina Hartwig bezeichnete die im Roman verwendete Sprache als eine „Art Volksliteratur“[5], Thomas Steinfeld nennt Maier nach der Lektüre einen „besonders hoffärtigen deutschen Schriftsteller" mit „onkelhafte[m] Humor"[5].

Frankfurt am Main in der Literatur. Andreas Maier: Kirillow

Bullau (2006)[Bearbeiten]

In "Bullau", einer Mischung aus Erinnerungen, Recherchen und Reflexionen, beschreiben Maier und Christine Büchner anhand von Spaziergängen in der Wetterau und im Wendland, in Südtirol und im Odenwald ihre „éducation naturelle".

Elisabeth von Thadden attestierte dem Buch, „die Sprache selbst zum Thema“[6] zu machen, Eberhard Rathgeb nannte es ein „Traktat über den Seelensegen der Naturerfahrung“[6].

Ich (2006)[Bearbeiten]

In seinen persönlich gehaltenen Frankfurter Poetikvorlesungen berichtet Maier von seiner schriftstellerischen Arbeit, von seinen literarischen und persönlichen Vorbildern, wie Dostojewski, Lukrez, Thomas Mann, aber auch Wolf Schmidt, dem Schöpfer der TV-Serie "Familie Hesselbach", in der die handelnden Figuren – ähnlich wie in Maiers Romanen - aneinander vorbei kommunizieren.

Als höchste literarische Referenz gilt Maier das Matthäusevangelium:

„Ich bin nur ein Mensch auf der Suche nach Worten, die längst schon gefunden sind, die im Matthäusevangelium schon alle dastehen, in perfekten logischen Sequenzen, schärfer, als Wittgenstein es je gekonnt hätte, eine erschöpfende Analyse dessen, warum wir falsch sind und warum wir dadurch schuldig werden vor allem und vor jedem, nämlich bloß kraft unseres wahrheitsfernen Tuns. […] Das größte philosophische Werk des Abendlandes. Das uns nichts sagt als bloß: Seid nicht. Das uns sagt: Wenn ihr aufhört, zu sein, dann seid ihr.[7]

Im weiteren Verlauf der Vorlesungen kritisiert der Autor den Literaturbetrieb und den – aus seiner Sicht – falschen, weil unreflektierten Umgang mit der Natur und ihren Ressourcen:

„Sie steigen in Berkersheim in Ihr Auto, kommen hierher, suchen sich einen Parkplatz, gehen in den Hörsaal und hören Andreas Maier. Diese Handlung ist falsch, schon allein wegen der Autofahrt. Jeder weiß, daß der Privatverkehr auf eine hinausgezögerte Katastrophe zusteuert. Diese müßte verhindert, nicht aber Maier angehört werden. […] Kurz gesagt, Sie suchen eine Abendunterhaltung und vernichten dafür die Welt, Sie schädigen alle Menschen, als zählten diese nicht, aber Ihre Abendunterhaltung.[7]

Steffen Martus las Maiers Vorlesungen als „Dokument der Wut und der Trauer eines Schriftstellers“, in dem er allerdings weder „überraschende Findungsgabe" noch „Beobachtungsfähigkeit" oder „überragende Intelligenz"[8] entdecken konnte.

Sanssouci (2009)[Bearbeiten]

Auf dem Frankfurter Hauptfriedhof wird der tödlich verunglückte Regisseur Max Hornung beerdigt. Aus Potsdam sind die Trauergäste Merle Johansson mit ihrem kleinen Sohn Jesus angereist, die verwahrlosten Zwillinge Heike und Arnold und einige Fernsehmitarbeiter. Der Russlanddeutsche Alexej, Novize eines russisch-orthodoxen Klosters, ist aus München gekommen.

Ina Hartwig nannte den Roman „höchst merkwürdig“[9] und bescheinigte ihm de-sadesche Qualitäten, Gustav Seibt fand in den „ungeordneten satirischen […] Geschichtchen allenfalls minderes Tatort-Niveau“[9], Roman Bucheli störte sich am „Schwebezustand der Unentschiedenheit und Formlosigkeit“[9] des Romans.

Onkel J.: Heimatkunde (2010)[Bearbeiten]

Dieses Buch ist eine Kolumnensammlung, die sich aus Maiers für die Literaturzeitung VOLLTEXT geschriebenen Kolumnen "Neulich" speist. Hier spielt auch Maiers Onkel J. schon eine Rolle, der in dem Roman „Das Zimmer“ wieder auftaucht.

Das Zimmer (2010)[Bearbeiten]

Hauptartikel: Das Zimmer (Roman)

Maier erhielt für ein Manuskript, das erneut die Wetterau thematisiert, den hessischen Robert-Gernhardt-Förderpreis 2009[10]. Die Jury lobte „sprachliche Präzision, […] persönliche Intensität und Integrität“ und einen „genauen Blick auf die rabiaten Veränderungen der Landschaft der Wetterau“[10]. Unter dem Arbeitstitel „Ortsumgehung“ plant Maier nach eigenen Aussagen ein elfteiliges Großwerk, dessen einzelne Titel bereits feststünden, u. a. „Das Zimmer“, „Das Haus“, „Die Straße“, „Der Ort“, „Der Teufel“, „Der liebe Gott“.[11] Der Roman Das Zimmer, in dem der dem Leser bereits aus Maiers Kolumnenbuch Onkel J. Heimatkunde (2010) bekannte Onkel die Hauptfigur ist, erschien im September 2010.

Das Haus (2011)[Bearbeiten]

Hauptartikel: Das Haus (Maier)

Mit dem Roman Das Haus setzte Maier die angekündigte Romanserie im Dezember 2011 fort.

Die Straße (2013)[Bearbeiten]

Als dritter Teil seiner auf elf Teile angelegten autobiografischen Romanserie erschien 2013 der Roman Die Straße.[12]

Literatur[Bearbeiten]

  • Assmann, David-Christopher: Extrinsisch oder was? Bodo Kirchhoff und Andreas Maier auf dem Markt der Aufmerksamkeit, in: Beilein, Matthias u.a. (Hg.), Kanon, Wertung und Vermittlung. Literatur in der Wissensgesellschaft, Berlin u. Boston: de Gruyter 2011, S. 239-259.
  • Harbers, Henk: "Reden könne jeder". Nihilistische Thematik im Werk von Andreas Maier, in: Weimarer Beiträge. Zeitschrift für Literaturwissenschaft, Ästhetik und Kulturwissenschaften 56(2010), Nr. 2, S. 193-212.
  • Hütter, Yvonne: "Zu sein, eine Aufgabe." Andreas Maier und die Philosophien von Meister Eckhart und Carlo Michelstaedter. Chironeia – Die unwürdigen Künste, Studien zur deutschen Literatur seit der frühen Moderne, Band 7, Bielefeld: Aisthesis 2011. ISBN 978-3-89528-852-4
  • Köppe, Tilmann: Der Konjunktiv in Andreas Maiers Roman Wäldchestag und die Theorie der Metafiktionalität, in: Bareis, J. Alexander u. Grub, Frank Thomas (Hg.), Metafiktion. Analysen zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, Berlin: Kadmos 2010, S. 115-133.
  • Schwitalla, Johannes: Sprach- und Dialoggestaltung in Andreas Maiers Roman Wäldchestag, in: Betten, Anne, Dannerer, Monika (Hg.), Dialogue Analysis IX: Dialogue in Literature and the Media. Selected Papers from the 9th IADA Conference, Salzburg 2003. Part 1: Literature, Tübingen: Niemeyer 2003, S. 183-195.
  • Süselbeck, Jan: Das Missverständnis. Zu Andreas Maiers Rezeption der Prosa Thomas Bernhards, in: Huber, Martin u.a. (Hg.), Thomas Bernhard Jahrbuch 2005/2006, Wien u.a.: Böhlau 2006, S. 191-201.
  • Wirth, Uwe: Herr Maier wird Schriftsteller (und Schreiber). Oder: Die ,Literaturwissenschaft' der Literatur, in: Zeitschrift für Germanistik Neue Folge XVII(2007), Nr. 1, S. 128-138.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://frankfurt.prinz.de/stadt/menschen/ein-mittagessen-mit-andreas-maier,555030,1,Article.html
  2. a b c d http://www.perlentaucher.de/buch/3430.html
  3. a b c d e f http://www.perlentaucher.de/buch/9757.html
  4. a b c d e http://www.perlentaucher.de/buch/19712.html
  5. a b c http://www.perlentaucher.de/buch/20333.html
  6. a b http://www.perlentaucher.de/buch/24220.html
  7. a b Maier, Andreas: Ich. Frankfurt am Main 2006
  8. http://www.perlentaucher.de/buch/24865.html
  9. a b c http://www.perlentaucher.de/buch/31261.html
  10. a b http://www.hr-online.de/website/rubriken/kultur/index.jsp?rubrik=5982&key=standard_document_37498636
  11. http://www.spiegel.de/spiegel/kulturspiegel/d-73965143.html
  12. Pubertätsroman von Andreas Maier: Im Hexenhaus, Ausführliche Rezension des Romans Die Straße von Tobias Becker auf Spiegel Online, 25. September 2013

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Andreas Maier – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Linksammlungen[Bearbeiten]

Texte von Maier[Bearbeiten]