Andreas Schmidt-Schaller

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Andreas Schmidt-Schaller (links) 2008 mit Darstellern aus SOKO Leipzig: hinten von links Marco Girnth, Melanie Marschke und Tyron Ricketts, vorne Jürgen Tarrach

Andreas Schmidt-Schaller (* 30. Oktober 1945 in Arnstadt) ist ein deutscher Schauspieler. Er begann seine Karriere am Theater und erlangte in den 1980er Jahren Bekanntheit als unkonventioneller Ermittler in der Krimireihe Polizeiruf 110 des DDR-Fernsehens. Nach zahlreichen weiteren Fernsehrollen ist er seit 2001 als Chefermittler Hajo Trautzschke in der ZDF-Krimiserie SOKO Leipzig zu sehen.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Ausbildung und Theaterjahre[Bearbeiten]

Andreas Schmidt-Schaller wuchs in Weimar und anschließend in Gera auf, wo er 1964 sein Abitur machte. Über ein Schulprojekt für den FDJ-Kulturwettstreit und eine Tätigkeit als Bühnenarbeiter am Theater kam er zur Schauspielerei.[1] Nach dem Schauspielstudium 1965–1969 an der Theaterhochschule Leipzig war er zunächst am Städtischen Theater Karl-Marx-Stadt engagiert. Während seiner Schauspielausbildung wurde Schmidt-Schaller 1967 vom Ministerium für Staatssicherheit angeworben, dem er als „IM Jochen“ Informationen über die Leipziger Theaterhochschule und das Theater Karl-Marx-Stadt zutrug. 1971 beendete er die Zusammenarbeit, als von ihm verlangt wurde, persönliche Dinge über seine Schauspielkollegen zu berichten.[2][3] In Karl-Marx-Stadt gehörte Peter Sodann zu seinen Regisseuren. Diesem folgte Schmidt-Schaller 1975 nach Magdeburg, wo Sodann den Posten des Schauspieldirektors an den Städtischen Bühnen erhielt. Als Sodann 1980 das Magdeburger Theater verließ, ging Andreas Schmidt-Schaller als freier Schauspieler nach Berlin.[4]

Polizeiruf 110[Bearbeiten]

Bereits 1973 war Andreas Schmidt-Schaller erstmals in einem für die Fernsehreihe Polizeiruf 110 produzierten Film zu sehen: In Alarm am See spielte er einen Tatverdächtigen.[5] Nach einigen weiteren Episodenrollen in den 1980er Jahren übernahm er in der bedeutendsten Krimireihe des DDR-Fernsehens mit dem 1986 gesendeten Fall Ein großes Talent die wiederkehrende Rolle des Leutnants Thomas Grawe. Als junger Mann neben den gestandenen Polizeiruf-Ermittlern Hauptmann Fuchs (Peter Borgelt) und Oberleutnant Hübner (Jürgen Frohriep) konnte sich Grawe als junger, sympathischer Leutnant profilieren und wurde schnell zum Publikumsliebling. Im Gegensatz zu seinen Vorgesetzten wurde Grawe ein Privatleben zugestanden. In der Folge Der Kreuzworträtselfall (1988) wurde Grawe zum Oberleutnant befördert, nach der Wende trug er im September 1990 in Ball der einsamen Herzen den neuen Volkspolizei-Dienstgrad Oberkommissar.

Als ostdeutschem Pendant zum unkonventionellen Tatort-Kommissar Schimanski wurde Andreas Schmidt-Schaller der Beiname Schimanski des Ostens angeheftet. Im Film Unter Brüdern, der 1990 anlässlich der deutschen Wiedervereinigung produzierten gemeinsamen Folge des Polizeiruf 110 mit dem westdeutschen Tatort, ermittelten Schmidt-Schallers Grawe und Götz Georges Schimanski zusammen.

Nach dem Ende des Fernsehens der DDR und dessen Nachfolgeeinrichtung Deutscher Fernsehfunk endete 1991 vorerst auch die Reihe Polizeiruf 110. Als die ARD die Reihe fortsetzte, kehrte Schmidt-Schaller 1994 für zwei Folgen als Hauptermittler auf den Bildschirm zurück. Mit Grawes letzter Fall verließ er 1995 die Reihe und hatte später nur noch einige Gastauftritte. So gehörte er 2001 zu den Darstellern in der Jubiläumsfolge Kurschatten und ließ im Jahr 2004 in der Folge Ein Bild von einem Mörder die Figur Thomas Grawe noch einmal kurz als Privatdetektiv aufleben. Zwischen 1973 und 2004 war er in 40 Polizeiruf-110-Folgen zu sehen.[6] In der Sendefassung der 1974 nicht fertiggestellten, 2009 ohne Tonspur aufgefundenen und 2011 ausgestrahlten Polizeiruf-Folge Im Alter von … sprach Schmidt-Schaller für den inzwischen verstorbenen Jürgen Frohriep die Rolle des Oberleutnants Hübner.[7]

Nachwendezeit[Bearbeiten]

Andreas Schmidt-Schaller wirkte vor und nach der Wende bei zahlreichen weiteren Fernsehproduktionen mit. Noch für den Deutschen Fernsehfunk spielte er 1990 die Hauptrolle des Flussmeisters Hans Lutki in der siebenteiligen Familienserie Spreewaldfamilie. In der ARD-Serie Oppen und Ehrlich[8] verkörperte er 1992 in 16 Folgen den Industriellen Ottwin Ehrlich, der mit seinem Adoptivbruder, dem Bürgermeister Hinrich Oppen (Uwe Friedrichsen), im Dauerstreit lag. Neben der Fernseharbeit war Andreas Schmidt-Schaller auch weiterhin für das Theater tätig. Von 1993 bis 1995 leitete er das Kleine Theater in Gera, ein Puppentheater.

In der 1997 gesendeten dreizehnteiligen MDR-Serie Leinen los für MS Königstein spielte Andreas Schmidt-Schaller den Sohn eines von Dietmar Schönherr dargestellten Elbschiffers in der Sächsischen Schweiz. Der ZDF-Spielfilm Ein Mann stürzt ab zeigte ihn 1998 an der Seite von Katrin Sass in der Hauptrolle eines angesehenen Schiffbaumeisters, der durch Arbeitslosigkeit in die Abwärtsspirale gerät. In der RTL-Actionserie Der Clown, zu der 2005 auch ein Kinofilm erschien, trat er von 1998 bis 2001 als BKA-Beamter Führmann auf.

Seit 2001 ist Andreas Schmidt-Schaller wieder regelmäßig als Ermittler fürs öffentlich-rechtliche Fernsehen im Einsatz: Als Kriminalhauptkommissar Hajo Trautzschke, Chef der SOKO Leipzig, spielt er eine der Hauptrollen in der gleichnamigen ZDF-Reihe und war bisher in mehr als 250 Folgen zu sehen.

Persönliches[Bearbeiten]

Andreas Schmidt-Schaller war zweimal mit der Schauspielerin Christine Krüger verheiratet, mit der er gemeinsam studierte, am Theater arbeitete und zwei Kinder hat. Mit 22 wurde Schmidt-Schaller erstmals Vater eines Sohnes.[9] Seine Tochter Petra Schmidt-Schaller (* 1980) ist ebenfalls Schauspielerin. Mit ihr trat er gemeinsam im Kinofilm Balkan Traffic – Übermorgen Nirgendwo und in den SOKO-Leipzig-Folgen Tödliche Falle (2003)[10] und Bernie (2008) auf – beide Folgen sendete das ZDF jeweils am Tag nach seinem Geburtstag. 1982 kam Schmidt-Schallers zweiter Sohn zur Welt, der Schauspieler Tom Radisch.[11][12] Aus der Beziehung zur Regisseurin Swentja Krumscheidt stammt sein jüngster Sohn Matti Schmidt-Schaller (* 1996),[13][14] der 2013 eine größere Rolle als Schauspieler im ZDF-Fernsehfilm Kein Entkommen erhielt.

In dem 2006 in Buchform erschienenen Interview Über Gott und die Welt – Andreas Schmidt-Schaller im Gespräch mit Horst Wörner erzählt er erstmals aus seinem beruflichen und privaten Leben, insbesondere auch über seine Erfahrungen zu Zeiten der DDR. Zu seiner Tätigkeit als Stasi-IM in den 1960er-Jahren bekannte er sich im Februar 2013, als er von der Presse mit Aktenfunden in der Jahn-Behörde konfrontiert wurde.[15][3]

Schmidt-Schaller ist Mitglied der Deutschen Filmakademie und engagiert sich als ehrenamtlicher Botschafter der Stiftung Kinderhospiz Mitteldeutschland Nordhausen in Tambach-Dietharz. Er lebt in Berlin.

Filmografie (Auszug)[Bearbeiten]

Folgen der Reihe Polizeiruf 110[Bearbeiten]

1986–1995 als Thomas Grawe im Ermittlerteam:

Spätere Gastauftritte:

  • 2001: Kurschatten
  • 2002: Memory
  • 2004: Ein Bild von einem Mörder
  • 2011: Im Alter von … (Stimme von Oberleutnant Hübner)

Weitere Fernseharbeiten[Bearbeiten]

Kino[Bearbeiten]

Hörbuch[Bearbeiten]

  • Frank Fröhlich (Herausgeber und Gitarre): Das alte Weimar: Ein literarisch-musikalischer Streifzug durch Weimar von Goethe bis Herder. Andreas Schmidt-Schaller und Petra Schmidt-Schaller (Sprecher), Fröhlich Verlag / Goldmund Hörbücher, Dresden 2007. ISBN 3939669105
  • Die drei ??? – Folge 150 A Geisterbucht als Mr. Sapchevsky. Europa, 2011.[17]
  • Fünf Freunde – Folge 94 und die Sturmflut als Constable Brix. Europa, 2011.[18]

Literatur[Bearbeiten]

  • Horst Wörner, Andreas Schmidt-Schaller: Über Gott und die Welt, Gerhard-Hess-Verlag, Bad Schussenried 2006, ISBN 3-87336-338-0

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wörner, Schmidt-Schaller: Über Gott und die Welt, Seite 31
  2. Stasi-Vorwürfe gegen Schmidt-Schaller: ZDF hält an "Soko Leipzig"-Star fest. Spiegel Online vom 19. Februar 2013
  3. a b Fernsehermittler Andreas Schmidt-Schaller holt nach fast 50 Jahren seine Stasi-Vergangenheit ein. Märkische Allgemeine vom 20. Februar 2013
  4. Wörner, Schmidt-Schaller: Über Gott und die Welt, Seite 63
  5. Alarm am See wurde laut polizeiruf110-lexikon.de zwar zunächst als Polizeiruf 110 produziert, zu Zeiten der DDR jedoch nur außerhalb dieser Reihe ausgestrahlt.
  6. Laut Aufzählung der Internet Movie Database, Stand 16. Februar 2010
  7. Die verbotene Folge, sueddeutsche.de vom 22. Juni 2011
  8. Oppen und Ehrlich bei Fernsehserien.de, abgerufen am 16. Februar 2010
  9. Vgl. dazu Horst Wörner, Andreas Schmidt-Schaller: Über Gott und die Welt, Gerhard-Hess-Verlag, Bad Schussenried 2006, ISBN 3-87336-338-0, S. 90-91
  10. Welt.de: Schmidt-Schaller als Doppelpack im Krimi "Soko Leipzig", vom 31. Oktober 2003
  11. Bild Leipzig vom 23. September 2013: „Auch Andreas Schmidt-Schaller […] ließ sich die Eröffnung des Oktoberfestes nicht entgehen – er kippte zusammen mit seinem Sohn Tom Radisch (31) ein paar Maßkrüge Bier“
  12. Tom Radisch am Residenztheater München, abgerufen am 24. März 2014
  13. Andreas Schmidt-Schaller im Porträt. (PDF; 85 KB, auf die-agenten.de; Quellenangabe dort: MDR Fernsehen 21. März 2011)
  14. Matti Schmidt-Schaller bei Agentur Kokon, abgerufen am 24. März 2014
  15. Stasi-Beichte in BILD. Bild.de vom 18. Februar 2013
  16. Nach den Jahren im Filmarchiv der Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam
  17. Die drei Fragezeichen: Statements prominenter Mitwirkender, abgerufen am 15. November 2012
  18. Fünf Freunde (94) "...und die Sturmflut", abgerufen am 10. November 2013