Andreas von Bülow

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Andreas von Bülow (2005)

Andreas von Bülow (* 17. Juli 1937 in Dresden) ist ein ehemaliger deutscher Politiker (SPD) und Autor mehrerer politischer Sachbücher. Auf Grund seiner Publikationen, insbesondere zu den Terroranschlägen am 11. September 2001, wird ihm vorgeworfen, Verschwörungstheorien zu verbreiten.[1][2][3][4][5][6]

Er war von 1980 bis 1982 Bundesminister für Forschung und Technologie.

Familie[Bearbeiten]

Familie von Bülow am 28. Oktober 1928 vor deren Gutshaus Rogeez

Andreas von Bülow entstammt dem mecklenburgischen Uradelsgeschlecht derer von Bülow. Sein Vater Georg-Ulrich von Bülow kam 1911 auf dem Bülowschen Familiengut Rogeez im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte als Sohn des Otto von Bülow und dessen Ehefrau Auguste, geb. von Plessen (a.d.H. Dolgen[7]), zur Welt und wurde Professor für Violoncello an der Musikhochschule Heidelberg. Seine 1901 geborene Mutter Susanne, geb. Haym, war die Tochter des Musikdirektors Professor Hans Haym. Andreas von Bülow ist verheiratet, hat vier Kinder und einen jüngeren Bruder.[8]

Leben und Beruf[Bearbeiten]

Nach dem Abitur 1956 am Kurfürst-Friedrich-Gymnasium Heidelberg absolvierte Bülow ein Studium der Rechtswissenschaft in Heidelberg und München, welches er 1960 mit dem ersten Staatsexamen abschloss. Einen Studienaufenthalt verbrachte er in den USA. Im Jahre 1964 beendete er seine juristische Ausbildung mit dem zweiten juristischen Staatsexamen. 1966 trat er in den höheren Verwaltungsdienst des Landes Baden-Württemberg ein und war hier in den Landratsämtern Heidelberg und Balingen sowie beim Regierungspräsidenten von Südwürttemberg-Hohenzollern tätig. 1969 erfolgte seine Promotion zum Dr. jur. an der Universität Heidelberg mit der Arbeit Die Überwachung der Erdgasindustrie durch die Federal Power Commission als Beispiel der Funktionen der unabhängigen Wirtschaftsüberwachungskommissionen der amerikanischen Bundesverwaltung.

Politische Karriere[Bearbeiten]

Andreas von Bülow (links) mit Hans Matthöfer am SPD-Parteitag in München, 1982

Partei[Bearbeiten]

Seit 1960 ist er Mitglied der SPD. Von 1968 bis 1975 war er Vorsitzender des SPD-Kreisverbandes Balingen.

Abgeordneter[Bearbeiten]

Von 1969 bis 1994 war Bülow Mitglied des Deutschen Bundestages. Zeitweise war er Mitglied der parlamentarischen Kontrollkommission der Nachrichtendienste.

Öffentliche Ämter[Bearbeiten]

Von 1976 bis 1980 war er Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Verteidigung. Nach der Bundestagswahl 1980 wurde er dann am 6. November 1980 als Bundesminister für Forschung und Technologie in die von Bundeskanzler Helmut Schmidt geführte Bundesregierung berufen. Am 1. Oktober 1982 schied er nach der Wahl von Helmut Kohl zum Bundeskanzler aus der Bundesregierung aus.

Bilderberg[Bearbeiten]

Von Bülow nahm im April 1978 an der Bilderberg-Konferenz in Princeton (USA) teil.

Publizistische Tätigkeit[Bearbeiten]

Seit seinem Ausscheiden aus dem Bundestag 1994 arbeitet Bülow als Publizist mit dem Schwerpunkt Geheimdienste. Erfahrungen hierzu konnte er als Mitglied der parlamentarischen Kontrollkommission der Nachrichtendienste und 1992/1993 als SPD-Obmann im Schalck-Golodkowski-Untersuchungsausschuss sammeln. Nach eigener Aussage machte ihn dabei stutzig, dass in dem Untersuchungsausschuss zwar illegale Aktivitäten östlicher Nachrichtendienste diskutiert wurden, aber bei dem Verdacht illegaler Aktionen westlicher Dienste eine Mauer des Schweigens bestanden hätte. Dies regte ihn zu Recherchen zu verdeckten Operationen westlicher Dienste an, die er in seinem ersten Buch Im Namen des Staates veröffentlichte. Er stieß dabei nach eigener Aussage auf ein „erschreckendes Gemälde der systematischen operativen Verschränkung geheimdienstlicher, also staatlicher, Operationen mit der organisierten Kriminalität, dem Drogenhandel und dem Terrorismus“.

Als Publizist ist Bülow seit seinem Buch zu den Terroranschlägen vom 11. September umstritten. Kritiker bezeichnen ihn als Verschwörungstheoretiker und werfen ihm vor, dass er sich vielfach auf unzuverlässige Quellen berufe und wenig selbst recherchiert habe. Bülow selber sieht sich einer Kampagne ausgesetzt.[9]

Im Namen des Staates[Bearbeiten]

In seinem ersten Buch Im Namen des Staates schreibt Bülow über den Einsatz krimineller Methoden im Rahmen sogenannter „schwarzer Operationen“ der Geheimdienste BND, Mossad und CIA. Vor allem zu letzterem stellte er zahlreiche Thesen auf, die vielfach im Zusammenhang mit bekannten Ereignissen wie dem mysteriösen Tod Uwe Barschels oder dem Attentat auf Johannes Paul II. stehen. Im Falle Barschel beschreibt er beispielsweise detailliert dessen angebliche Ermordung durch Geheimdienste. Zur Geiselnahme von Teheran behauptet er, das Team um den späteren Präsidenten Ronald Reagan habe zur Verzögerung der Freilassung der Geiseln beigetragen, um Reagan zum Sieg bei der Präsidentenwahl gegen den amtierenden Präsidenten Jimmy Carter zu verhelfen (October-Surprise-Theorie). Das Buch erhielt bei seinem Erscheinen gute Kritiken, war recht erfolgreich und erreichte als Taschenbuch zwölf Auflagen. Der Spiegel nannte es im Jahr 1999 eine „eingehend dokumentierte, bissige Kritik an den Machenschaften der CIA und anderer West-Dienste.“[10] In einem Artikel von 2003 zu Bülows Buch über den 11. September 2001 fiel das Urteil des Spiegels über dessen erstes Buch dann deutlich kritischer aus: Es behandele „angebliche dunkle Geschäfte der Dienste mit Rauschgiftbaronen und Terroristen“, sei „Schmöker-Stoff auf James-Bond-Niveau“ und bereits ebenso „abstrus“ wie seine Publikationen zum 11. September.[11]

Die CIA und der 11. September. Internationaler Terror und die Rolle der Geheimdienste[Bearbeiten]

Das zweite Buch Die CIA und der 11. September. Internationaler Terror und die Rolle der Geheimdienste aus dem Jahr 2003 behandelt die Anschläge des 11. Septembers. Es beschäftigt sich damit, welche Rolle amerikanische Regierungsbehörden, insbesondere die CIA, bei deren Zustandekommen und der späteren Aufklärung gespielt haben könnten.

Bülow stellt hierzu zahlreiche Fragen und führt Indizien an, die nach seiner Auffassung die offizielle Darstellung der Anschläge in Zweifel ziehen. Insbesondere die Tatsache, dass nach dem 11. September kein reguläres Verfahren eingeleitet wurde, wie dies sonst bei jedem Verbrechen üblich ist, sondern unmittelbar danach die Schuldigen präsentiert wurden, ist für ihn ein Indiz, dass Fakten über die Hintergründe der Anschläge zurückgehalten oder verfälscht wurden.

Er stellt die These auf, die Anschläge seien in Wirklichkeit von der amerikanischen Regierung geplant und von den US-amerikanischen Geheimdiensten CIA und dem israelischen Mossad ausgeführt worden. Die Flugzeuge seien ferngesteuert gewesen und das World Trade Center von innen heraus gesprengt worden. Die Attentäter hätten gar nicht auf den Passagierlisten gestanden und würden zum Teil noch leben.

Mittlerweile ist es in der 7. Auflage erschienen und ins Arabische übersetzt worden.

Das Buch wurde neben Publikationen des taz-Mitarbeiters Mathias Bröckers oder des freien Journalisten Gerhard Wisnewski zum Gegenstand von Diskussionen und teils heftiger Kritik seitens der Medien.[12]

Bülow gab zahlreiche Interviews zu seinem Buch, darunter dem Magazin konkret[13], der MLPD-Wochenzeitung Rote Fahne, dem Tagesspiegel[14] und dem ZDF. Das größte Echo rief ein Auftritt bei Sandra Maischberger am 9. September 2003 hervor. Maischberger kritisierte Bülow darin stark, dass er sich zu großen Teilen auf Zeitungsberichte und Internetquellen berufe. Ihr Hauptkritikpunkt war, dass er zwar behaupte, die Attentäter lebten und seien schon interviewt worden, er aber nicht versucht habe, selbst mit ihnen Kontakt aufzunehmen. Bülow erwiderte darauf, dass er hierzu nicht die Kapazitäten hätte.

Der Journalist Hans Leyendecker verweist in der Frage der kontaktierbaren Attentäter darauf, dass Bülow sich immer wieder auf einen Artikel der britischen Zeitung Daily Telegraph berufen habe, dessen Autoren wiederum auch nicht direkt mit den angeblichen Attentätern gesprochen hätten.

Auch die arabische Ausgabe des Buches sorgte für Kontroversen. So kritisierte Khalil al Haidar in der kuwaitischen Zeitung Al-Watan am 21. Mai 2006 das Buch heftig.[15] Einer der dortigen Kritikpunkte war allerdings die falsche Behauptung auf dem Klappentext der arabischen Ausgabe, Bülow sei „Chef der Geheimdienste in der deutschen Regierung“ gewesen.

Da sich Bülow in dem Buch auch mit der Frage beschäftigt, wie viele Israelis im World Trade Center umgekommen sind,[16] und der Neonazi Horst Mahler zum Publikum einer Veranstaltung gehörte, bei der Bülow auftrat,[17] wurde Bülow eine Nähe zu Mahler unterstellt. Bülow selbst sagte bei Maischberger hierzu, er kenne Mahler überhaupt nicht.

Ehrungen[Bearbeiten]

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Das Bülow-Papier. Strategie vertrauenschaffender Sicherheits-Strukturen in Europa. Wege zur Sicherheits-Partnerschaft. Eichborn, Frankfurt am Main 1985, ISBN 3-821-81050-5.
  • Die eingebildete Unterlegenheit. Das Kräfteverhältnis West-Ost, wie es wirklich ist (= Beck'sche schwarze Reihe. Bd. 297). Mit einer Kontroverse zwischen Hans Rühle und Andreas von Bülow. C. H. Beck, München 1985, ISBN 3-406-30774-4.
  • Im Namen des Staates. CIA, BND und die kriminellen Machenschaften der Geheimdienste. Piper, München u. a. 1998, ISBN 3-492-04050-0.
  • Die CIA und der 11. September. Internationaler Terror und die Rolle der Geheimdienste. Piper, München u. a. 2003, ISBN 3-492-04545-6.
  • DVD: Die Lügen um 9/11, Schild-Verlag, Elbingen 2009, und Kai Homilius Verlag, Werder 2009, ISBN 978-3-89706-204-7.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Dominik Cziesche: Dunkle Mächte. In: Der Spiegel. Nr. 32, 2003, S. 32-33 (online).
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatChristian Stöcker: 9/11-Verschwörungstheorien: Flugzeuge im Kopf. In: Spiegel Online. 1. September 2011, abgerufen am 16. Dezember 2014.
  3. Tobias Jaecker: Antisemitische Verschwörungstheorien nach dem 11. September. LIT Verlag Münster, 2005, ISBN 978-3-8258-7917-4, S. 95. eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  4. www.uni-muenster.de
  5. www.inkultura-online.de
  6. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatSteuerung ganzer Nationen. In: FAZ.net. 12. Juli 1999, abgerufen am 16. Dezember 2014.
  7. M. Naumann: Die Plessen - Stammfolge vom XIII. bis XX. Jahrhundert. Herausgegeben von Dr. Helmold von Plessen im Auftrag des Familienverbandes. 2. neu durchgesehene und erweiterte Auflage. C. A. Starke Verlag, Limburg an der Lahn, 1971, S. 162
  8. Genealogisches Handbuch des Adels. v. Bülow, Band 92 der Gesamtreihe; Limburg (Lahn): C. A. Starke, 1987, S. 235–238
  9. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatMarcus Klöckner: "Ein Großteil der verlotterten Medien schaut nur noch auf den ausbeutbaren Skandalsatz". In: Telepolis. 11. September 2010, abgerufen am 16. Dezember 2014.
  10.  LITERATUR zu Geheimdienst und Spionage. In: Der Spiegel. Nr. 8, 1999, S. 149 (online).
  11.  Dominik Cziesche: Dunkle Mächte. In: Der Spiegel. Nr. 32, 2003 (online).
  12. Siehe z.B.  Panoptikum des Absurden. In: Der Spiegel. Nr. 37, 2003, S. 58 (online).
  13. Interview von konkret mit Andreas von Bülow, 2001
  14. Interview mit von Bülow im Tagesspiegel, 2002
  15. Übersetzte Auszüge aus dem Artikel finden sich in einem Beitrag des Spiegel-Autors Henryk M. BroderEin deutscher Versuch, Bin Laden freizusprechen
  16. Offizielle Angaben des israelischen Außenministeriums www.mfa.gov.il
  17. www.klick-nach-rechts.de