Andritz AG

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Andritz AG
Logo
Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN AT0000730007
Gründung 1852
Sitz Graz, Österreich

Leitung

  • Wolfgang Leitner, Vorstandsvorsitzender
  • Hellwig Torggler, Aufsichtsratsvorsitzender
Mitarbeiter 23.400[1]
Umsatz 5.177 Mio. Euro (2012)[2]
Branche Anlagenbau
Website www.andritz.com

Die Andritz AG – frühere Bezeichnung Maschinenfabrik Andritz Actiengesellschaft – ist ein österreichischer Konzern für Maschinen- Anlagenbau mit Hauptsitz in Graz. Benannt ist das Unternehmen nach dem Grazer Stadtbezirk Andritz.

Der internationale Technologiekonzern notiert an der Wiener Börse und beschäftigt derzeit 23.400 Mitarbeiter an mehr als 220 Produktionsstätten sowie Service- und Vertriebsgesellschaften auf der ganzen Welt.

Die Andritz-Gruppe zählt in allen ihren fünf Geschäftsbereichen zu den Weltmarktführern: Hydro, Pulp & Paper, Metals, Separation und Feed & Biofuel.

2012 erzielte die Andritz-Gruppe einen Umsatz von 5.177 Millionen Euro und ein EBITDA von 419 Millionen Euro. Der Betriebserfolg (EBIT) betrug 335 Millionen Euro.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Anfänge[Bearbeiten]

Das Unternehmen wurde 1852 von dem aus Ungarn stammenden Josef Körösi als kleine Eisengießerei in der damals noch selbständigen Gemeinde Andritz gegründet. Dieser war zunächst in einer Eisenwarenhandlung in Ungarn als Lehrling ausgebildet worden, bevor er 1847 nach Graz kam. Obwohl Körösi anfangs nur kleinere Gusswaren herstellte, expandierte das Unternehmen sehr rasch und produzierte Wasserturbinen, Kräne und Pumpen. Schon 1860 beschäftigte die heutige Andritz AG über 500 Mitarbeiter, 1870 waren es bereits 1300. Mittlerweile wurden auch Dampfkessel, Dampfmaschinen, Bergbaumaschinen und sogar Brücken hergestellt.

Erste Krise[Bearbeiten]

Nach dem Tod des Unternehmensgründers übernahm sein Sohn Viktor Körösi die Maschinenfabrik. Infolge einer allgemeinen Wirtschaftskrise in Österreich (ausgelöst unter anderem durch den Verlust der österreichischen Gebiete in Oberitalien) mussten über 1000 Arbeiter entlassen werden. Viktor Körösi verkaufte das Unternehmen an die Österreichische Alpine Montanunion, einen Zusammenschluss von Eisen- und Stahlindustrieunternehmen in der Steiermark und Vorläufer der Voestalpine. Die Maschinenfabrik konzentrierte sich auf die Ausrüstung von Stahl- und Walzwerken sowie auf die Fertigung von Dampfmaschinen.

Anfang des 20. Jahrhunderts[Bearbeiten]

Im Jahr 1900 wurde das Unternehmen an den österreichischen Industriellen Max von Gutmann verkauft und in eine Aktiengesellschaft mit dem Namen Maschinenfabrik Andritz Actiengesellschaft umgewandelt. Maschinelle Ausrüstungen für Tunnelbauten wurde ein neues Unternehmenssegment, auch Kräne wurden wieder produziert. Führend im österreichischen Raum wurde das Unternehmen auch bei der Entwicklung von Hochdruck-Kreiselpumpen.

1932 musste die Maschinenfabrik Andritz aufgrund der Weltwirtschaftskrise vorübergehend die Produktion einstellen. Dennoch wurde der Fortbestand des Unternehmens gewahrt und die früheren Mitarbeiter bald wieder eingestellt.

„Anschluss“ und Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

1938, nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich wurde die Maschinenfabrik den in Berlin ansässigen Kämper Motorenwerken angegliedert und auf die Produktion von Dieselkompressoren ausgerichtet. 1941 wurde die Fabrik an die DEMAG in Deutschland verkauft. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurden dann vor allem Kräne und Förderbänder produziert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

1945 beschlagnahmten die Besatzungsmächte den Großteil der Produktionseinrichtungen als „deutsches Eigentum“. Der Unternehmensleitung gelang es jedoch, von stillgelegten Betrieben gebrauchte Maschinen und Werkzeug zu mieten und die Produktion von kleinen bis mittelgroßen Pumpen und Turbinen wieder aufzunehmen. Vier Jahre später (1949) begann eine langjährige Zusammenarbeit mit der Schweizer Escher-Wyss-Gruppe, zunächst bei Wasserturbinen. Das Produktangebot wurde komplett überarbeitet. Die Herstellung von Dampfmaschinen und Luftkompressoren wurde eingestellt, stattdessen konzentrierte sich das Unternehmen auf die Produktion von Wasserturbinen, Kreiselpumpen, Kränen und Stahlbauten. Ab 1951 konnten in Zusammenarbeit mit Escher Wyss komplette Papiermaschinen hergestellt werden.

In den 1960er und 1970er Jahren setzte die Maschinenfabrik ihr Wachstum fort: Die Fabrikhallen wurden erweitert, die Produktionsanlagen modernisiert und die Anstrengungen im Forschungsbereich intensiviert. Die Maschinenfabrik produzierte nun Hauptkühlpumpen für Kraftwerke, elektrochemische sowie metallurgische Anlagen. Das Unternehmen konnte Umsatz und Exportquote stark ausbauen. 1977 erhielt das Unternehmen die Staatliche Auszeichnung und durfte damit das Bundeswappen im Geschäftsverkehr verwenden.

Erneute Krise und Neuausrichtung[Bearbeiten]

Die zweite Ölkrise 1979/1980 und die allgemein stagnierende Weltkonjunktur zu Beginn der 1980er-Jahre traf auch die Maschinenfabrik Andritz voll. Die Aufträge gingen zurück und das Unternehmen schrieb Verluste. Eine Liquidation des Unternehmens konnte nur durch massive staatliche Subventionen und Rationalisierungsmaßnahmen zwischen 1981 und 1985 verhindert werden. Unter anderem wurde die Gießerei geschlossen und der Mitarbeiterstand von 2.300 auf 1.600 reduziert. 1987 erzielte das Unternehmen erstmals wieder operative Gewinne. Im gleichen Jahr übernahm die deutsche Investmentgesellschaft AGIV mit Sitz in Frankfurt am Main die Mehrheit an der Maschinenfabrik Andritz AG. Das Unternehmen wurde strategisch neu ausgerichtet, von einem bloßen Lizenznehmer anderer Maschinenhersteller zu einem führenden, von fremdem Know-how unabhängigem internationalen Anbieter von Hightech-Produktionssystemen.

Mit dem Erwerb von Sprout-Bauer, einem in Pennsylvania (USA) ansässigen Maschinenbauunternehmen, wurde eine erfolgreiche Expansionspolitik eingeleitet. Mit Kauf von Sprout-Bauer erweiterte die Andritz-Gruppe ihr Portfolio unter um Refiner und Anlagen zur Futtermittelproduktion.

1992 wurde die Durametal Corporation aus Oregon (USA), ein Hersteller von Refinerplatten, 1994 Kone Wood, ein Lieferant von Holzplatzeinrichtungen für die Zellstoffindustrie, und 1995 die dänische Jesma-Matador A/S für den Futtermittelbereich übernommen. Mit der Neuausrichtung hin zu einem internationalen Anbieter von Komplettlösungen änderte sich Mitte der 1990er Jahre auch der Name von „Maschinenfabrik Andritz AG“ (kurz MFA) in „Andritz AG“.

Anfang 1998 erwarb Andritz die Mehrheit an der Sundwiger Eisenhütte Maschinenfabrik GmbH & Co. (heute Andritz Sundwig) mit Sitz in Hemer (Nordrhein-Westfalen), 2000 einen Hälfteanteil an der Ahlström Machinery Group, Finnland.

Neben den zahlreichen Akquisitionen veränderten sich auch die Eigentümerverhältnisse: Die „AGIV“ verkaufte 1999 ihren Anteil an ein Konsortium aus der Carlyle Group, GE Capital, der Unternehmensinvest AG, der Deutschen Beteiligungs AG und der von Wolfgang Leitner gegründeten Custos-Privatstiftung.

Börsengang und weitere Akquisitionen[Bearbeiten]

Im Juni 2001 wurde Andritz erfolgreich mit zwei Millionen neuen Aktien an der Wiener Börse platziert. Mit dem frischen Kapital konnte Andritz neben dem Erwerb der verbleibenden 50% an Ahlstrom weitere Komplementärakquisitionen vornehmen: Mit dem Kauf des Bereichs Zellstoff- und Papiertrockner von Asea Brown Boveri 2002 war das Unternehmen bei Zellstoffproduktionssystemen erstmals in der Lage die komplette Prozesslinie vom Holzplatz bis hin zum fertigen Zellstoffballen anbieten. Noch im selben Jahr wurde Andritz mit der Übernahme eines Teilbereichs der amerikanischen SELAS Corp. auch im Bereich der kontinuierlichen Feuerverzinkungsanlagen zum Komplettanbieter.

Im Juni 2003 wurden im Rahmen des Secondary Public Offerings an der Börse rund 6,1 Millionen Aktien aus dem Besitz der Finanzinvestoren (Unternehmens Invest AG, Carlyle Group, Deutsche Beteiligungs-AG, GE Capital) an Privatanleger und institutionelle Investoren begeben. Im selben Jahr wurden IDEAS Simulation Inc. und Acutest Oy zur weiteren Verstärkung des Papier- und Zellstoffbereichs erworben.

Im September 2003 wurde die Heinrich Fiedler GmbH & Co. KG in Regensburg (Siebkörbe) erworben, 2004 Bird Machine, USA (Zentrifugen, Kammerfilterpressen) und Teile von Netzsch in Selb, Bayern (Entwässerungsaggregate, Kammerfilterpressen), Otto Kaiser in Bretten, Baden-Württemberg (mechanische Hochleistungspressen) und VA Tech WABAG (Fließbetttrocknungssysteme). Im Juni 2004 wurde ein Joint-Venture mit dem Industriedienstleister Rheinhold & Mahla AG, die European Mill Service GmbH (EMS), gegründet. Im Juni 2006 übernahm die Andritz AG die Wasserkraftsparte VA Tech Hydro GmbH, der ehemaligen VA Tech. 2008 wurde ein Teilbereich des Unternehmens März-Gautschi Industrieofenanlagen GmbH erworben. 2010 wurde mit dem Kauf des Zentrifugenspezialisten KMPT AG, Deutschland, das Angebot um Krauss-Maffei-Zentrifugen weiter ergänzt. 2010 tritt Andritz mit dem Erwerb von DMT Technology, Österreich, in den stark wachsenden Markt der Kunststofffolienproduktion ein. Das unter dem Namen Andritz Biax firmierende Unternehmen ist Lieferant von Anlagen zur Herstellung von Plastikfolien.

Mit der Akquisition von AE&E Austria Anfang 2011 kann Andritz das Angebot im Bereich der Energieerzeugung (Dampfkesselanlagen) und Umwelttechnik (Rauchgasreinigungsanlagen) weiter stärken. Im Jahr 2013 erfolgt mit der Übernahme des deutschen Pressenherstellers Schuler in Göppingen, Deutschland, weltweit Marktführer in der Metall-Umformtechnik, die bisher größte Akquisition in der Unternehmensgeschichte.

In einem Ranking des Forbes Magazine der weltweit größten Aktiengesellschaften aus dem Jahre 2013 liegt die Andritz AG auf Platz 1.558.[3]

Geschäftsbereiche[Bearbeiten]

Die Andritz AG ist in fünf Geschäftsbereichen tätig und zählt in allen Geschäftsbereichen zu den Weltmarktführern.

Andritz Hydro[Bearbeiten]

Hauptartikel: Andritz Hydro

Der Geschäftsbereich HYDRO liefert elektromechanische Ausrüstungen für Wasserkraftwerke und kann auf über 170 Jahre Erfahrung und mehr als 30.000 gelieferte Turbinen verweisen. Andritz Hydro bietet die komplette Produktpalette für Kleinwasserkraftanlagen bis zu Großanlagen von mehr als 800 Megawatt Leistung an - einschließlich Turbinen, Generatoren und Zusatzausrüstungen aller Typen und Größen. Der Bereich widmet sich auch intensiv der Reparatur, Erneuerung und Leistungserhöhung bestehender Wasserkraftanlagen. Dem Geschäftsbereich zugeordnet sind auch die Bereiche Pumpen (für Wassertransport, Bewässerung und Anwendungen in unterschiedlichen Industrien) sowie Turbogeneratoren für thermische Kraftwerke.

Andritz Pulp & Paper[Bearbeiten]

Der Geschäftsbereich PULP & PAPER stellt Anlagen für die Produktion nahezu aller Arten von Zellstoff für die Herstellung von Papier, Karton und Faserplatten sowie Spezialmaschinen für die Herstellung von Tissuepapier her. Die Technologien umfassen die Verarbeitung von Holz, Einjahrespflanzen und Altpapier, die Erzeugung von Zellstoff, Holzstoff und Recyclingfaserstoffen, die Rückgewinnung und Wiederverwertung von Chemikalien, die Aufbereitung des Papiermaschineneintrags, die Erzeugung von Papier, Tissuepapier und Karton, die Veredelung und Beschichtung von Papier sowie die Rejekt- und Schlammbehandlung. Das Serviceangebot umfasst Modernisierungen, Umbauten, Ersatz- und Verschleißteile, Wartung und Instandhaltung sowie Maschinentransfer und Gebrauchtanlagen. Dem Geschäftsbereich zugeordnet sind auch die Bereiche Biomasse-, Dampf- und Rückgewinnungskessel sowie Gasifizierungsanlagen für die Energieerzeugung, Rauchgasreinigungsanlagen, Biomassetorrefizierung und Anlagen zur Produktion von Vliesstoffen, Viskosezellstoff, Kunststofffolien und Faserplatten (MDF).

Andritz Separation[Bearbeiten]

Der Geschäftsbereich SEPARATION ist einer der führenden Lieferanten von Technologien für die Fest-Flüssig-Trennung. In diesen Bereich fallen Systeme für die Behandlung von Abwasser, Abwasserschlamm und Industrieschlamm, für den Bergbau und die Mineralienaufbereitung, die chemische Industrie sowie die Lebensmittel- und Getränkeindustrie. Das Produktangebot umfasst Zentrifugen, Filter, thermische Systeme, Rechen, Eindicker, Separatoren, Förderanlagen sowie die Biomassetorrefizierung.

Andritz Metals[Bearbeiten]

Der Geschäftsbereich METALS liefert komplette Linien für die Herstellung und Weiterverarbeitung von Kaltband aus Edelstahl, bestehend aus Anlagen zum Kaltwalzen, zur Wärmebehandlung, Oberflächenveredelung, Bandbeschichtung und -veredelung, zum Stanzen und Tiefziehen sowie zum Regenerieren von Beizsäuren. Außerdem plant, entwickelt und errichtet der Geschäftsbereich Anlagen für die Bearbeitung von Bändern aus Kohlenstoffstahl und Nicht-Eisen-Metallen, sowie schlüsselfertige Ofensysteme für die Stahl-, Kupfer- und Aluminiumindustrie. Dem Geschäftsbereich zugeordnet ist auch die ab 1. März 2013 vollkonsolidierte Schuler AG, Deutschland. Das Unternehmen liefert Maschinen, Anlagen, Werkzeuge, Verfahrens-Know-how und Dienstleistungen für die gesamte Metall verarbeitende Industrie, vor allem für die Automobilindustrie.

Andritz Feed & Biofuel[Bearbeiten]

Der Geschäftsbereich FEED & BIOFUEL liefert Systeme und Maschinen zur industriellen Herstellung von Tierfutterpellets (Haustierfutter, Fisch- und Shrimpfutter) sowie von Biomassepellets (Holzpelletierungsanlagen und Anlagen zur Pelletierung von landwirtschaftlichen und industriellen Restprodukten wie zum Beispiel Stroh).

Literatur[Bearbeiten]

  • Franz Mathis: Andritz in Big Business in Österreich, Seite 31

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatÜber uns - Andritz Group. Abgerufen am 26. April 2013.
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatGeschäftsbericht 2012. Abgerufen am 3. April 2013.
  3. Elf Firmen unter den weltweit größten. In: oesterreich.orf.at. 18. April 2013, abgerufen am 18. April 2013: „Österreich ist mit elf Unternehmen in der am Mittwoch veröffentlichten Rangliste des US-Magazins „Forbes“ der weltweit größten 2.000 Firmen vertreten. […] der Maschinenbaukonzern Andritz (Platz 1.558) […] Unter den 2.000 Firmen befinden sich ausschließlich Aktiengesellschaften, weshalb beispielsweise Red Bull nicht vorkommt. […] Zur Erstellung der Rangliste wurden folgende Kennzahlen verwendet: Umsatz, Gewinn, Vermögenswert und Marktkapitalisierung.“