Anetta Kahane

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Anetta Kahane, Podiumsdiskussion am 9. Juni 2014 im Rahmen des Kulturfestes „Birlikte - 10 Jahre nach dem Nagelbombenanschlag in der Keupstraße“

Anetta Kahane (* 1954 in Berlin, DDR) ist eine deutsche Journalistin.

Leben[Bearbeiten]

Anetta Kahane ist die Tochter des Journalisten Max Kahane und der Künstlerin Doris Kahane, die als jüdischstämmige Kommunisten während der Zeit des Nationalsozialismus aus Deutschland fliehen mussten. Sie ist die Schwester des Filmregisseurs Peter Kahane.

Kahane studierte Lateinamerikanistik und arbeitete als Übersetzerin.

Von 1974 bis 1982 arbeitete sie unter dem Decknamen „Victoria“ als Inoffizieller Mitarbeiter des Ministerium für Staatssicherheit (MfS). Laut Berliner Zeitung notierte ihr Führungsoffizier Mölneck zu Beginn ihrer Tätigkeit für das MfS, dass sie bereits beim zweiten Treffen „ehrlich und zuverlässig“ berichtet und auch „Personen belastet“ habe. 1982 brach sie die Zusammenarbeit mit dem MfS selbst ab, worauf sie als Dolmetscherin von der Reisekaderliste gestrichen wurde, 1986 stellte sie einen Ausreiseantrag. [1]

Nach der politischen Wende in der DDR wurde sie erste und zugleich letzte Ausländerbeauftragte des Magistrats von Ost-Berlin. 1991 gründete Kahane die „Regionale Arbeitsstelle für Ausländerfragen, Jugendarbeit und Schule“ (RAA e.V.), dessen Hauptbetätigung die Unterstützung und Trägerschaft verschiedener interkultureller Projekte in Schulen und im Schulumfeld ist. Im gleichen Jahr erhielt sie die Theodor-Heuss-Medaille stellvertretend mit anderen für „Die friedlichen Demonstranten des Herbstes 1989 in der damaligen DDR“.[2] Mittlerweile ist sie Mitglied im Kuratorium der Theodor-Heuss-Stiftung.

1998 war Anetta Kahane als Stiftungsratvorsitzende an der Gründung der Amadeu Antonio Stiftung beteiligt. Seit 2003 ist sie hauptamtliche Vorsitzende der Stiftung. Für ihr Engagement gegen Ausländerfeindlichkeit und Rechtsextremismus erhielt sie 2002 den Moses-Mendelssohn-Preis, noch bevor ihre vorherige Stasitätigkeit ruchbar wurde.[3]

2003 war Anetta Kahane als Nachfolgerin von Barbara John als Ausländerbeauftragte des Berliner Senats im Gespräch. Nach Bekanntwerden ihrer IM-Tätigkeit teilte sie mit, dass sie für das Amt nicht zur Verfügung stehe.[1]

Werke[Bearbeiten]

  • Ich durfte, die anderen mußten… in: von Wroblewsky (Hg): Zwischen Thora und Trabant. Juden in der DDR Aufbau, Berlin 1993 ISBN 3-7466-7011-X S. 124 - 144
  • Ich sehe was, was du nicht siehst. Meine deutschen Geschichten Rowohlt Verlag Berlin 2004 ISBN 978-3-87134-470-1 (348 Seiten)[4] + ISBN 3-87134-470-2 (351 Seiten)[5]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Anetta Kahane – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Eine Stasi-Debatte, die nicht beendet wurde, Berliner Zeitung, 2. Februar 2003
  2. 1991 „Die friedlichen Demonstranten des Herbstes 1989 in der damaligen DDR“ (PDF; 4,1 MB) Theodor-Heuss-Stiftung. Abgerufen am 17. Juli 2008.
  3. Pressemitteilung: Moses-Mendelssohn-Preis 2002 an Anetta Kahane
  4. http://www.perlentaucher.de/buch/anetta-kahane/ich-sehe-was-was-du-nicht-siehst.html
  5. http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2004-4-084