Anger (Erfurt)

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Straßenschild Anger

Der Anger ist der zentrale Platz der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt. Er befindet sich im Südosten der Altstadt, zwischen Dom und Hauptbahnhof. Der Anger ist ein langgestreckter Platz, dessen nordöstliches Ende das Einkaufszentrum Anger 1 bildet. Das südwestliche Ende wird vom Angerbrunnen markiert. Die Gesamtlänge beträgt etwa 500 Meter, die Fläche (von Angerbrunnen bis Kaufmannskirche) knapp 20.000 Quadratmeter. Während der nordöstliche Teil sich zu einem Platz ausweitet, ist der südwestliche Abschnitt eine zu einer Fußgängerzone umgestaltete breite Straße.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Bezeichnung Anger für den zentralen Platz Erfurts innerhalb der Stadtmauern findet sich erstmals in einem Schriftstück aus dem Jahr 1196. Vom 14. bis 17. Jahrhundert wurde auf dem östlichen Teil des Angers ausschließlich mit Färberwaid gehandelt, dem Erfurt seinen großen Reichtum in dieser Zeit verdankt. Aus dieser Periode finden sich auch die Begriffe Weidt Anger bzw. Waydanger für den Platz.

Bebauung[Bearbeiten]

Die Randbebauung des Angers ist nicht mehr einheitlich. Die Hauptpost im neugotischen Stil stammt aus dem Jahr 1895. Am Nordende finden sich noch Häuser aus dem 17. Jahrhundert, wie beispielsweise der kurmainzische Pack- und Waagehof. Es gibt aber auch Gebäude, die erst in den letzten Jahren errichtet wurden, dazu zählt z.B. das Angereck mit moderner Glasfassade, welches die Buchhandlung Hugendubel beherbergt.

Anger 1[Bearbeiten]

Hauptartikel: Anger 1
Einkaufsgalerie Anger 1 im Jahr 2008

Die Einkaufsgalerie Anger 1 wurde zwischen 1906 und 1908 unter Leitung der Architekten Albert und Ernst Giese als Kaufhaus Römischer Kaiser (KRK) am östlichen Ende des Angers errichtet. Die Finanzierung des Kaufhausbaus lag zu einem großen Teil bei der jüdischen Kaufmannsfamilie Tietz, die bis zu ihrer Enteignung in den 1930er Jahren zahlreiche Warenhäuser besaß. Zuvor hatten sich an der Stelle des Kaufhauses ein gleichnamiges Hotel und zwei weitere Gebäude befunden, die jedoch am 12. Dezember 1905 einer Brandkatastrophe zum Opfer gefallen waren. Das Kaufhaus Römischer Kaiser bildete zusammen mit dem Kaufhaus Reibstein am Junkersand und dem Kaufhaus Germania in der Löberstraße eine neue Form des Einzelhandels, die durch ein großes Warenangebot und hallenartige Verkaufsflächen charakterisiert war. Im Jahr 1927 erfolgte der Anbau zweier Seitenflügel, wodurch die Verkaufsfläche verdoppelt wurde. Durch den aufkommenden Antisemitismus Anfang der 1930er musste zunächst eine Zweigniederlassung in der Johannesstraße und die betriebseigene Fortbildungsschule geschlossen werden. Ende 1937 wurde das Kaufhaus durch die Nationalsozialisten enteignet. Während des Zweiten Weltkriegs wurden fast alle Stockwerke sukzessiv geschlossen und im April 1945 die vierte Etage des Kaufhauses durch Artilleriebeschuss zerstört.

Kaufhaus Römischer Kaiser (KRK) in den 1920er Jahren

Ab 1. Oktober 1948 gelangte das Kaufhaus Römischer Kaiser auf Befehl der Sowjetischen Militäradministration (SMAD) in Volkseigentum und erhielt wenig später den neuen Namen Konsum-Kaufhaus. Anfang der 1950er Jahre wurde das Kaufhaus in die zentrale Handelsorganisation (HO) eingegliedert und entwickelte sich unter der neuen Bezeichnung HO-Warenhaus zu einem der größten Einkaufszentren innerhalb der DDR. Ende der 1950er Jahre kam es zu umfangreichen Umbauarbeiten in deren Folge unter anderem das Hauptportal und der alte Lichthof im Jugendstil entfernt wurden. Nach Vereinigung aller HO-Warenhäuser zur Vereinigung Volkseigener Warenhäuser im Jahr 1965 wurde das Kaufhaus in Centrum Warenhaus umbenannt.

Nach der Wende 1990 kam das Kaufhaus in den Besitz der Hertie Waren- und Kaufhaus GmbH, die 1999 mit der Karstadt Warenhaus AG verschmolzen wurde. Zwischen 1999 und 2000 ließ die Karstadt Warenhaus AG einen modernen Anbau mit Parkhaus errichten und komplexe Rekonstruktionsarbeiten durchführen. Seither bietet die Einkaufsgalerie Anger 1 auf einer Fläche von ca. 23.000 Quadratmetern etwa 50 Fachgeschäften und einer Karstadt-Filiale Platz und zählt damit zu den größten Einkaufszentren im Freistaat Thüringen.

Ursulinenkloster[Bearbeiten]

Ursulinenkloster

Das Ursulinenkloster (Albarum Dominarum) ist ein im gotischen Stil erbautes Kloster am Südostende des Angers. Es wurde 1235 erstmals urkundlich als Weißfrauenkloster erwähnt. Das Kloster stand im 12. Jahrhundert unter dem besonderen Schutz von Friedrich I. Historiker schließen daraus, dass es bereits längere Zeit vor der ersten Erwähnung existierte.

Genutzt wurde das Ursulinenkloster bis 1667 durch die Magdalenerinnen und ging danach in den Besitz der Ursulinen über, die das Kloster bis heute nutzen. Bei einem Brand 1689 wurde die Klosterkirche St. Ursula sowie das Kloster selbst schwer beschädigt, aber anschließend wieder aufgebaut.

Die später heiliggesprochene Landgräfin von Thüringen Elisabeth schrieb in diesem Kloster einen Brief an den Papst Gregor IX., in dem sie ihn um Rat bat, ob ihr Weg der Armut richtig sei. Friedrich Schiller besuchte das Kloster am 2. August 1787, um sich mit einer Schwester und einer Tante Henriette von Arnims zu treffen. Außerdem ist das Ursulinenkloster das einzige Kloster Erfurts, das bei der Säkularisation 1821 nicht aufgehoben wurde und bis heute besteht. Es ist seit dem 19. Jahrhundert ein Zentrum pädagogischer Ausbildung und wird heute von 20 Nonnen bewohnt.

Im Kloster befinden sich einige Kunstschätze, wie zum Beispiel das übergroße holzgeschnitzte Vesperschild von 1340, das Maria mit dem Leichnam Christi zeigt, sowie der Magdalenenteppich aus dem 15. Jahrhundert.

Kaufmannskirche[Bearbeiten]

Die Kaufmannskirche (mercatorum instra) ist eine im gotischen Stil erbaute Kirche am östlichen Rand des Angers. Sie wurde 1248 erstmals urkundlich als Pfarrkirche erwähnt und als Kirche der Kaufleute mit gotischer Basilika und Osttürmen von 1291 bis 1368 erbaut. Die Kirche geht auf eine Gründung friesischer Kaufleute im 11. Jahrhundert zurück, wo vermutlich die erste Kirche entstand.

Im Jahre 1521 wurde die Kaufmannskirche reformiert und erhielt im Zuge dessen von 1598 bis 1625 eine nachreformatorische Innenausstattung, bei der die Kanzel, der Taufstein und der Altar umgebaut wurden. Martin Luther hielt hier am 22. Oktober 1522 eine Predigt.

Die Kaufmannskirche erhielt zwei verschiedene Hauben, der Nordturm bekam 1684 eine barocke Haube und der Südturm 1864 neue Obergeschosse. Des Weiteren wurde 1686 der heutige Orgelprospekt fertig gestellt. In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges war die Kaufmannskirche von 1636 bis 1650 eine schwedische Garnisonskirche.

Am 20. Juli 1944 wurde die Kaufmannskirche bei einem Luftangriff der 3. US Air Division schwer beschädigt, der Wiederaufbau erfolgte in den Jahren 1946 bis 1952. Vor der Kaufmannskirche steht ein Lutherdenkmal von Fritz Schaper aus dem Jahr 1883.

Lorenzkirche[Bearbeiten]

Lorenzkirche

Die Lorenzkirche (St. Laurentius) wurde vor 1140 als Klosterkirche gegründet und später auch als Pfarrkirche genutzt. Nach dem Stadtbrand im Jahre 1413 wurde die Lorenzkirche stark beschädigt und verlor ihrer romanischen Teile. Der bis heute erhaltene 40 Meter hohe Turm stammt jedoch noch von der Kirche vor dem Brand.

In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts erfolgte ein großer Umbau und der Anbau des nördlichen Seitenschiffes sowie der südlichen Langhausfassade. Die Kirche wurde in den Jahren 1607 und 1858 restauriert und bekam 1888 eine neue Apsis sowie 1925 eine neue Sakristei. 1996 wurde die Lorenzkirche erneut umfangreich renoviert. Heute beherbergt sie eine römisch-katholische Gemeinde.

In der Lorenzkirche befindet sich ein Hochaltar von 1448 und ein freistehender Schmerzensmann in Sandstein von 1440.

Haus zum Schwarzen Löwen[Bearbeiten]

Haus zum schwarzen Löwen

Das Haus zum Schwarzen Löwen ist ein dreigeschossiger Renaissancebau, der 1577 errichtet wurde. Das Gebäude besitzt im Inneren Stuckarbeiten aus dem 17. Jahrhundert. Genutzt wurde es als Biereigen- und Waidhändlerhaus und gehörte ab 1605 der Familie Worms. Deren Mitglieder wurden im 16. Jahrhundert vier mal zum Obervierherren der Stadt gewählt.

1632 wohnte Maria Eleonora von Brandenburg, Königin von Schweden im Haus zum Schwarzen Löwen, als sie die Nachricht vom Tod Gustav II. Adolfs in der Schlacht bei Lützen erhielt. Gegenüber dem Haus zum Schwarzen Löwen befand sich die frühere Schwanapotheke. Diese war die Wirkungsstätte von Johann Bartholomäus Trommsdorff, er gilt als Begründer der modernen Pharmazie.

Ab 1885 befand sich im Gebäude die Keyser’sche Buchhandlung, deren Nachfolger bis 1992 existierte. Anschließend zogen ein Kiosk sowie ein Blumenladen ein. Seit dem 26. Januar 2007 ist eine Filiale der Restaurantkette Nordsee im Erdgeschoss untergebracht.

Hauptpostamt[Bearbeiten]

Hauptpostamt

Das Hauptpostamt ist ein von 1882 bis 1886 als Kaiserliches Hauptpostamt erbautes Gebäude mit gotisierter Fassade aus Sandstein, Klinkern und Terrakotta. Geplant wurde es von Architekt Klamodt. Zuvor standen hier Häuser aus dem Mittelalter, darunter befanden sich auch zwei Patrizierhäuser. Das Hauptpostamt ist ein Eckbau, an seiner Ecke befindet sich der Hauptpostturm. Bis zum Zweiten Weltkrieg mündete an ihm die Schlösserstraße in den Anger. Der Helm des Hauptpostturms wurde im April 1945 durch Artilleriebeschuss zerstört und danach bis 1949 in vereinfachter Form wiedererrichtet. An seinem Platz war 1612 das größte Renaissancehaus der Stadt errichtet worden, das dem Waidhändler Hiob von Stotternheim gehörte und 30 Jahre später bei einem Brand völlig zerstört wurde.

Die Erfurter Oberpostdirektion wurde am 1. Januar 1850 im Zuge der Neuordnung des preußischen Postwesens im ehemaligen Gebäude Anger 68 eröffnet. Größere Veränderungen bei der preußischen Post im Allgemeinen, bei der Oberpostdirektion Erfurt im Besonderen brachte das Jahre 1867. Am 28. Januar 1867 ging vertragsmäßig das bis zu diesem Zeitpunkt noch vorhanden gewesene Thurn- und Taxis’sche Postwesen an den preußischen Staat über. Für die Oberpostdirektion Erfurt bedeutete dies ein Gebietszuwachs von 62 auf 241 Quadratmeilen mit einer Bevölkerung von 1,3 Millionen Einwohnern. Um diesen Zuwachs zu kompensieren wurde ein neues Hauptpostamt errichtet und 1895 übergeben. Mit dem Reichspostfinanzgesetz vom 18. März 1924 wurde die Post zur selbstständigen Verwaltung Deutsche Reichspost umgestaltet. Etwa vier Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in der sowjetischen Besatzungszone die Deutsche Post der DDR geschaffen, diese nutzte das Hauptpostamt als Postzentrale der Stadt Erfurt. Mit der Wiedervereinigung Deutschlands 1990 wurde die Deutsche Post der DDR in die Deutsche Bundespost integriert. Diese nutzt das Gebäude heute noch als Zentrale Annahmestelle für Briefe und Pakete.

Im Frühjahr 2006 wurde mit einer umfangreichen Modernisierung und Neugestaltung begonnen. Nach Abschluss sämtlicher Arbeiten im Juni 2007 bietet das historische Hauptpost-Areal heute auf rund 13.900 m² Einzelhandels- und Büroflächen, davon 4.508 m² Einzelhandelsflächen im Erdgeschoss.

Angereck[Bearbeiten]

Angereck

Als Angereck wird das Gebäudeensemble an der Ecke des Angers mit dem östlichen Ende der Schlösserstraße bezeichnet. Seit der Zerstörung der früheren Bebauung durch einen Bombenangriff während des Zweiten Weltkriegs am 20. Juli 1944 und Abrissen mehrerer Häuser in der anstoßenden Schlösserstraße zur DDR-Zeit war die Fläche über 30 Jahre unbebaut. Ein erstes Angereck wurde in den Jahren von 1977 bis 1979 nach den Entwürfen des Stadtarchitekten Walter Nitsch errichtet. Es handelte sich dabei um einen sechsgeschossigen Stahlskelettbau mit Fertigteildecken und einer Vorhangfassade. Der Bau des Gebäudes wurde vom Reisebüro der DDR in Auftrag gegeben und auch durch dieses genutzt. Außerdem befand sich im Erdgeschoss ein Café mit 145 Plätzen und im ersten Obergeschoss eine Mokkabar mit vorgelagerter Terrasse. Ende der 1990er Jahre wurde das DDR-Angereck abgerissen und durch den jetzigen Neubau ersetzt. Dieser ist ein zu seiner Entstehungszeit sehr umstrittener Neubau mit moderner Glasfassade aus dem Jahr 2000. Es beherbergt die Buchhandlung Hugendubel, sowie eine Filiale der Bekleidungskette H&M, eine Bäckerei, einen Schuhladen, eine Versicherung und das Marktforschungsinstitut IMK. Des Weiteren befinden sich Wohnungen im Dachbereich des Angerecks.

Angermuseum[Bearbeiten]

Das heutige Angermuseum wurde als kurmainzischer Pack- und Waagehof durch Wiener Bauleute erbaut. Der fränkisch beeinflusste Barockbau wurde von 1706 bis 1712 auf Veranlassung des Mainzer Statthalters Graf Philipp Wilhelm von Boineburg errichtet, um sicherzustellen, dass alle ein- und ausgeführten Waren in Erfurt verzollt wurden. Des Weiteren wurde das Gebäude als Bibliothek und Zeughaus für die Landwehr genutzt. Das Bauwerk ist durch Pilaster gegliedert und trägt reichen plastischen Schmuck. Im Giebeldreieck befindet sich das Standbild des Schutzpatrons der Stadt, St. Martin, sowie die vier Plastiken Justitia, Charitas, Prudentia und Vigilantia (Gerechtigkeit, Mildtätigkeit, Tugendhaftigkeit, Wachsamkeit) von Gottfried Gröninger. Noch heute befindet sich in im Erdgeschoss die vorgesehene Halle für die Wagenabfertigung.

Seit 1886 wird der kurmainzische Pack- und Waagehof als Museum für mittelalterliche Kunst genutzt. Er wird von der Vereinigung der Erfurter Museumsfreunde e.V. und dem Verein für Kunst und Kunstgewerbe mitgetragen. Das Museum baute seine Gemäldesammlung auf dem ihm übertragenen Nachlass von Friedrich Nerly dem Älteren auf. 1912 übernahm der spätere Reichskunstwart Edwin Redslob das Museum, ihm folgte Walter Kaesbach.

Haus Dacheröden[Bearbeiten]

Haus Dacheröden
Angerbrunnen von Heinrich Stöckhardt (Architekt) und Heinz Hoffmeister (Bildhauer)

Das heute Haus Dacheröden genannte Gebäude hieß bis 1945 Lucius-Haus.[1] Früher gab es entsprechend eine großlettrige Aufschrift an der Giebelfront zur Neuwerkstraße hin. Das Gebäude ist ein Doppelhaus. 1814 erbte Sebastian Lucius das Spoenlasche Haus „Zum güldenen Hecht“ (Anger Nr. 38), das er 1832 mit dem angrenzenden, von ihm erworbenen von Dacherödenschen „Haus zum Großen und Neuen Schiff“ (Anger Nr. 37) verband. Es wurde – samt umfangreichen Hofgebäuden – Unternehmenssitz (Textil-Produktion und Handel) und Wohngebäude. Das Haus ist ein 1557 erbauter, bis heute erhaltener Renaissancebau mit polygonalem Erker und Rundbogenportal. Der Portalbogen trägt die Profilköpfe von Christus und Paulus und wurde von Blasius Hennigk entworfen. Über dem rechten Portal findet sich noch der Schriftzug: „Joh. Anton Lucius gegr. 1763“.

Das Haus „Zum großen und neuen Schiff“ war im 18. Jahrhundert der Wohnsitz der Familie von Dacheröden. Karl Friedrich von Dacheröden, Präsident der Erfurter Akademie gemeinnütziger Wissenschaften, machte sein Haus zu einem Mittelpunkt des geistigen und kulturellen Lebens in Erfurt. Hier verkehrten Karl Theodor von Dalberg, Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller. Im Jahre 1789 vermählte sich Wilhelm von Humboldt mit Caroline von Dacheröden im Haus Dacheröden. Des Weiteren fand hier 1789 die Verlobung Schillers mit Charlotte von Lengenfeld statt. Eine bei der Renovierung 1928 angebrachte Gedenktafel an der Fassade erinnerte an die Besuche von Wilhelm von Humboldt, Alexander von Humboldt, Schiller, Goethe, Bismarck und Moltke.

Ab 1814/1832 gehörte das Haus der später geadelten Familie Lucius, die sich um Erfurt sehr verdient gemacht hat. Diese betrieb zunächst einen Strickgarngroßhandel (Firma Johann Anton Lucius) und brachte bedeutende Persönlichkeiten in Wirtschaft und Politik hervor. Die heutige Lucius-Hebel-Stiftung, ein Altersheim sowie eine Niederlassung der Franziskanerinnen in Erfurt wurde durch die Familie Lucius gegründet. Auch der dem Lucius-Haus gegenüberstehende Angerbrunnen (frühere Bezeichnung: Monumentalbrunnen)[2] wurde im Wesentlichen von der Familie gestiftet. Nach dem Krieg wurde das Lucius-Haus unter Druck an den Vordruck-Leitverlag der DDR verkauft.[3]

Am 24. August 2006 brannte der frisch sanierte Dachstuhl vollkommen aus. Nach der erneuten Sanierung wird das Haus wie zuvor wieder als Kulturforum genutzt.

Wigbertikirche[Bearbeiten]

Wigbertikirche

Das Gelände auf dem sich die Wigbertikirche befindet wurde erstmals 954 als Handelshof erwähnt und war ursprünglich Hersfelder Klosterbesitz. Bereits 1210 befand sich an ihrer Stelle eine Kapelle.

Im Jahr 1259 wurde die Wigbertikirche als Pfarrkirche erbaut und war schon früh mit einem Kloster verbunden. Die Augustiner wurden 1559 ihres Klosters in Erfurt beraubt und kehrten 1651 nach Erfurt zurück. Sie bekamen das zu St. Wigbert zugewiesen, was sie sich bis 1665 neu aufbauten und bis zur Aufhebung 1824 nutzten.

Der heutige Turm der Kirche stammt aus dem Jahr 1409, die bis heute erhaltene Kirche von 1434. Der zur Kirche gehörende Chor wurde von 1473 bis 1475 erbaut. Die Turmspitze war bis 1878 einer der bewohnten Feuerwachtürme und wurde bereits 1563 zu diesem Zweck umgebaut. Die Wigbertikirche besitzt eine einschiffige spätgotische Halle mit Sterngewölbe und Rokokogestühl sowie eine Sakristei von 1670 mit Stuckatur.

Sparkasse am Anger[Bearbeiten]

Das Sparkassengebäude am Anger 25 wurde im Stil der Neuen Sachlichkeit nach Entwürfen von Ludwig Boegl und Johannes Klass errichtet und mit Figurengruppen von Hans Walther versehen. Hinter der denkmalgeschützten Fassade wurde es 1994 bis 1996 völlig umgestaltet.

Bürgerhäuser[Bearbeiten]

Anger Nr. 23
Bismarckhaus am Anger (2011)

Im westlichen Teil des Angers dominieren Bürgerhäuser aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert. Sie besitzen größtenteils Ladenflächen im Erdgeschoss und reich verzierte Fassaden. Eine Besonderheit dieser Gebäude ist, dass jedes einen eigenen historischen Namen behalten hat.

Bismarckhaus[Bearbeiten]

Zu diesen Bürgerhäusern zählt unter anderem das Anfang des 20. Jahrhunderts errichtete Bismarckhaus, an dessen Fassade seit der Restaurierung des Hauses im Jahre 2004 wieder eine überlebensgroße Bronze-Statue Otto von Bismarcks von Christian Paschold angebracht ist. Diese wurde aus Spenden finanziert (Gedenktafel) und auf Initiative des Bismarckturmvereins Erfurt e. V. angefertigt. Die Einweihung fand in Anwesenheit von Fürst Ferdinand von Bismarck statt. Die erste Statue von 1904 war 1945 beseitigt worden. In dem im Jahre 1900 abgetragenen Vorgängerbau „Haus zum Tannenberge und zum Grünen Löwen“ hatte Bismarck im März und April 1850 als Abgeordneter des Erfurter Unionsparlaments gewohnt. An der Fassade des Hauses erinnert auch folgender Spruch an Bismarck: „In Erfurt habe ich mir meine diplomatischen Sporen verdient.“ (Otto von Bismarck).

Verkehr[Bearbeiten]

Linie 5 Richtung Zoopark bei Nacht

Der Anger besitzt eine große Bedeutung für den ÖPNV Erfurts, da sich hier alle sechs Stadtbahnlinien treffen. Zwischen 1948 und 1975 war er zudem Ausgangspunkt aller Obus-Linien und bis zur Umgestaltung in eine Fußgängerzone ab 1974 auch Straßenkreuzung für den Autoverkehr. Im Zeitraum von 1961 bis zu ebendieser Umgestaltung regelte die Verkehrspolizei den Verkehrsfluss vom Angerturm aus.

Kultur[Bearbeiten]

Ü-Wagen des MDR auf dem Anger

Aus dem Café Anger-Maier sendete der MDR seit 1994 regelmäßig die Talkshow Unter uns. In dieser Sendung werden Bürger der Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen vorgestellt und Geschichten aus deren Leben erzählt. Moderiert wird die Sendung seit 1994 von Ulrike Nitzschke, ab dem 16. Januar 2004 erhielt sie Verstärkung durch Axel Bulthaupt als Co-Moderator. Ende 2008 wurde das Café geschlossen.

Farbliche Neugestaltung 1976–1978[Bearbeiten]

Der in Erfurt geborene Weimarer Künstler Horst Jährling (1922-2013) war 1975 an der Restaurierung des historischen Stadtkerns in Weimar mit der Erstellung von Farbdispositionen für Fassaden beteiligt. 1976 erhielt er den Auftrag zur farblichen Gestaltung des Angers in Erfurt, dort wurden von ihm mehr als 60 Gebäude farblich neu gefasst. Jährling hat „in den zurückliegenden Jahrzehnten der DDR-Zeit mit Mut und Überzeugungskraft Farbe in das alltägliche Grau gebracht“ (Christine Lieberknecht, 1997).[4]

„Die kompakte Masse der in unmittelbarer Nachbarschaft zum Angermuseum stehenden Gründerzeitbauten wurden farbig bis ins kleinste Detail gegliedert, um ihr die Dominanz zu nehmen. Ich hielt es für gut, bei einem Gebäude den Fond farbig zu gestalten und die Gliederung in Sandstein als farbigen Gegensatz stehenzulassen. Bei anderen Gebäuden verfuhr ich umgekehrt; die Fläche in ihrem Material, die Gliederungen farbig. So gewann der Barockbau das Primat zurück. Die Farben an den Gründerzeitbauten setzte ich in Lichtwertkontrast und in Kaltwarm-Spannung, die Klänge grotesk gesteigert, um die skurrile Formensprache des späten 19. Jahrhunderts noch sichtbarer zu machen. (...) Die Bauten der zwanziger Jahre unseres Jahrhunderts sind in grafische Spannung gesetzt, das heißt helle Wände stehen in Kontrast zu den dunklen Fensterbänken. Die Fensterhölzer sollten einen Akzent in Blau oder Rot ergeben. (...) Ich ging stets davon aus, eine Flanierzone zu schaffen und kein Architekturmuseum. (...) Die farbgestalterischen Möglichkeiten wurden voll genutzt - durch Komplementärspannungen, Lichtwertkontraste, Aktiv-passiv-Verhältnisse, Nuancierungen, Proportionskontraste und Kaltwarm-Spannungen. Als die Gerüste fielen, hat zu meiner großen Freude die Erfurter Bevölkerung das neue Gesicht ihres Angers voll angenommen.“

Horst Jährling (1978) zur farblichen Neugestaltung des Angers in Erfurt[5]

Literatur[Bearbeiten]

  • Th. Müller, H. Krause: Anger-Bummel Erfurt. DEWAG Erfurt, Erfurt 1980.
  • Stadt Erfurt (Hrsg.): Der Anger – 1250 Jahre Erfurt. Broschüre.
  • Gerd Schöneburg: Erfurt – Führer durch die historische Altstadt. Erfurt 2001.
  • Gerd Schöneburg: Erfurt – vor 100 Jahren und heute. Erfurt 2004.

Aufsätze:

  • Horst Jährling: Eine Flanierzone, kein Architekturmuseum. Zur farbigen Neugestaltung des Erfurter Angers. S. 581-584 in: Bildende Kunst Nr. 12/1978, herausgegeben vom Verband Bildender Künstler der DDR.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Steffen Raßloff: Gastliches Haus. Das Haus Dacheröden und Wilhelm von Humboldt. In: Thüringer Allgemeine vom 1. Dezember 2012.
  2. Steffen Raßloff: Sinnbild der Blumenstadt. Der Alte Angerbrunnen. In: Thüringer Allgemeine, 15. Oktober 2011.
  3. Robert von Lucius: Die Erfurter Familie Lucius. in: Erfurter Heimatbrief, Nr. 37 (1978), S. 28–37.
  4. S. 2 im Katalog Horst Jährling - Malerei 1962-1997 zur Ausstellung im Kunstkabinett am Goetheplatz, 4. Dezember 1997 bis 1. März 1998. Weimar 1997, 51 Seiten, Format ca. 21 cm x 21 cm, ohne ISBN, Auflage: 1000 Exemplare. Erster Personalkatalog des Künstlers. Mit einem Grußwort von Christine Lieberknecht.
  5. Horst Jährling: Eine Flanierzone, kein Architekturmuseum. Zur farbigen Neugestaltung des Erfurter Angers. S. 581-584 in: Bildende Kunst Nr. 12/1978, herausgegeben vom Verband Bildender Künstler der DDR

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Anger (Erfurt) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

50.97611111111111.034166666667Koordinaten: 50° 58′ 34″ N, 11° 2′ 3″ O