Anglo-Afghanische Kriege

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Zentralasien im 19. Jahrhundert

Die Anglo-Afghanischen Kriege waren drei militärische Interventionen des Britischen Empire in Afghanistan zwischen 1839 und 1919. Ziel dieser Kriege war es, die britische Vormachtstellung in diesem Raum zu sichern und den Expansionsbestrebungen des Russischen Reiches Einhalt zu gebieten. Diese Anglo-Russische Politik wird auch als The Great Game bezeichnet.

Erster Anglo-Afghanischer Krieg 1839 bis 1842[Bearbeiten]

Last Stand at Gundamuck von William Barnes Wollen. Heroisierende Darstellung der Niederlage der britischen Truppen bei Gandamak

Hauptartikel: Erster Anglo-Afghanischer Krieg

Im Jahr 1837 eskalierten die russischen und britischen Interessen in einem Konflikt zwischen dem Schah von Iran und Dost Mohammed, dem Herrscher von Afghanistan. Lord Auckland, der britische Generalgouverneur von Kalkutta, beschloss daraufhin mit dem Manifest von Shimla vom 1. Oktober 1838 Dost Mohammed zu entmachten und den vorherigen Herrscher Shoja Shah Durrani einzusetzen. Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, marschierten im Frühjahr ca. 16.500 britische und indische Truppen sowie ca. 35.000 Bedienstete und Familienmitglieder unter dem Kommando von General Keane über den Bolan-Pass nach Afghanistan ein. Am 23. November 1840 ergab sich Dost Mohammed dem britischen Leiter William Hay Macnaghten. Ein Teil der britischen Truppen wurde abgezogen und eine Division unter dem Kommando von Generalmajor Elphinstone verblieb in Kabul. Anfang November 1841 begann ein Aufstand gegen die britische Besatzung. Weihnachten 1841 wurde Macnaghten von Afghanen getötet, die auch die Verbindung zwischen Kabul und Indien unterbrachen. Die britische Division war nun eingekreist und stand praktisch unter Belagerung. Am 1. Januar 1842 unterzeichnete Elphinstone einen Vertrag in dem ihm der Abzug gewährt wurde. Im Gegenzug übergab er einen Teil seiner Waffen und seiner Vorräte. Am 6. Januar 1842 begann Elphinstone den Rückzug aus Kabul. Ziel war das Erreichen der nächsten Garnison in Dschalalabad, ca. 140 Kilometer entfernt. Insgesamt waren 17.000 Menschen im Tross. Bereits beim Verlassen der Garnison wurden sie angegriffen. Die Angriffe setzen sich fort und die versprochene Eskorte erschien nicht. Unterwegs kam es zu mehreren Verhandlungen und Elphinstone blieb als Geisel zurück. In den folgenden Tagen wurde die Armee am Chaiber-Pass vollständig vernichtet. Als Reaktion auf diese Niederlage wurde eine Strafexpedition ausgesandt. Zwei Armeen unter General George Pollock und General William Nott entsetzten im Frühjahr Dschalalabad und Kandahar. Daraufhin marschierten sie auf Kabul. In Kabul hatte Akbar mittlerweile Shah Shuja aus der Zitadelle von Bala Hissar gelockt und ermordet. Nach der Einnahme von Kabul und der Inthronisation von Shujas Sohn erfolgte die Rettung der Geiseln. Der ehemalige Kommandeur Elphinstone war mittlerweile verstorben. Am 11. Oktober 1842 zogen sich die Truppen aus Kabul und in der Folge aus Afghanistan vollständig nach Indien zurück, nachdem die Britische Ostindien-Kompanie zu dem Schluss gekommen war, dass die fortgesetzte Besetzung zu riskant und kostspielig war. Dost Mohammed kehrte auf den Thron zurück und herrschte bis zu seinem Tod 1863.

Zweiter Anglo-Afghanischer Krieg 1878 bis 1880[Bearbeiten]

"Beschütze mich vor meinen Freunden!" - britischer Cartoon 1878
Bala Hissar aus westlicher Richtung gesehen im Jahr 1879

Hauptartikel: Zweiter Anglo-Afghanischer Krieg

Zum Zweiten Anglo-Afghanischen Krieg kam es 1878. Nach seinem Erfolg im Russisch-Osmanischen Krieg von 1877/78 wandte sich Russland erneut Zentralasien zu, wo es seit 1868 über Westturkestan herrschte. Im Juli 1878 gelang es den Russen - sehr zum Ärger der Briten - einen Abgesandten in Kabul zu platzieren, wo Dost Mohammeds drittältester Sohn Shir Ali als Emir herrschte. Der Vizekönig von Indien Lord Lytton protestierte und beauftragte im September General Neville Chamberlain, ebenfalls das Recht einer Repräsentation in Kabul zu erwirken. Dessen Mission wurde jedoch von den Afghanen abgefangen und zur Umkehr gezwungen. Daraufhin marschierten die Briten mit starken Kräften der Britisch-Indischen Armee in Afghanistan ein. Shir Ali floh nach Russland, von dem er sich Unterstützung versprach, starb aber im Februar des folgenden Jahres in Mazar-i-Sharif. Nachdem die Briten einen großen Teil des Landes besetzt hatten, unterzeichnete sein Sohn und Nachfolger Mohammed Yakub im Mai 1879 den Vertrag von Gandamak, der den Briten nicht nur das Recht von Residenturen in Kabul und anderen Städten einräumte, sondern ihnen auch die Kontrolle über Afghanistans Außenpolitik gab. Bereits im September 1879 wurde jedoch der neue britische Resident in Kabul Louis Cavagnari mit seinem gesamten Stab von aufständischen Afghanen ermordet. Damit begann die zweite Phase des Kriegs, in der zunächst die Briten unter General Frederick Roberts im Oktober Kabul besetzten, wo sie im Dezember belagert wurden. 1880 setzte Roberts Abdur Rahman, Sohn des ältesten Sohns von Dost Mohammed Afzul Khan, als neuen Emir ein. Ein anderer Sohn Shir Alis, Ayub Khan, der sich im Westen des Landes bei Herat gehalten hatte, besiegte im Juli 1880 ein britisches Heer in der blutigen Schlacht von Maiwand, wurde aber im September, nachdem er die Überlebenden in Kandahar belagert hatte, von Roberts´ Truppen in der Schlacht von Kandahar geschlagen. Die im April 1880 gewählte neue britische Regierung unter William Ewart Gladstone gab sich mit dem Erreichten zufrieden und beschloss 1881 den Abzug der Truppen.

Dritter Anglo-Afghanischer Krieg 1919[Bearbeiten]

Im dritten Anglo-Afghanischen Krieg im Mai 1919 konnte die afghanische Armee unter dem im selben Jahr an die Macht gekommenen Amanullah Khan gegen die Briten anfangs mit Unterstützung aller Stammeskrieger größere Erfolge erzielen. Im Gegenzug bombardierten die Briten den Palast Amanullahs. Am 8. August 1919 erfolgte im Frieden von Rawalpindi die provisorische Anerkennung Afghanistans als souveräner und unabhängiger Staat durch Großbritannien.

Literatur[Bearbeiten]

  • Saul David: Die größten Fehlschläge der Militärgeschichte. Von der Schlacht im Teutoburger Wald bis zur Operation Desert Storm (= Heyne 19, Heyne-Sachbuch 833). Heyne, München 2003, ISBN 3-453-86127-2 (behandelt u. a. den Rückzug aus Kabul 1842).
  • Charles Miller: Khyber. British India's North West Frontier. The Story of an Imperial Migraine. Macdonald and Jane's, London 1977, ISBN 0-354-04167-3.

Weblinks[Bearbeiten]

Detaillierte Darstellung der Kriege