Angriff auf Strömstad

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Angriff auf Strömstad
Zeichnung Strömstads aus Erik Dahlbergs Suecia antiqua et hodierna 1690–1710
Zeichnung Strömstads aus Erik Dahlbergs Suecia antiqua et hodierna 1690–1710
Datum 19. Juli 1717
Ort Strömstad, Bohuslän, Schweden
Ausgang schwedischer Sieg
Konfliktparteien
SchwedenSchweden (Seekriegsflagge) Schweden DanemarkDänemark (Seekriegsflagge) Dänemark
Befehlshaber
SchwedenSchweden (Seekriegsflagge) Johan Giertta DanemarkDänemark (Seekriegsflagge) Peter Tordenskiold
Truppenstärke
Strandbatterien und Infanterie
1800 Mann
drei Linienschiffe[1]
zwei Stückprahmen[1]
neun Galeeren[1]
20 Ruderboote
Verluste
19 Tote
173 Verwundete
96 Tote
246 Verwundete[2]

Der Angriff auf Strömstad im Jahre 1717 war eine militärische Intervention im Großen Nordischen Krieg. Der dänische Kapitän Peter Wessel Tordenskiold versuchte am 19. Juli 1717 den Hafen und die Stadt Strömstad an der schwedischen Westküste zu zerstören.

Im Vorfeld[Bearbeiten]

Die Stadt Strömstad liegt nur zwei Meilen von der schwedisch-norwegischen Grenze entfernt. Nach der Niederlage im Dynekilen-Fjord und dem anschließenden Rückzug aus Norwegen begannen die Schweden die kleine Küstenstadt zu befestigen. Sie war ein sehr günstig gelegener Stützpunkt für die schwedische Flotte, denn von diesem Hafen aus konnten die Aktivitäten der dänischen Flotte sehr gut überwacht werden. Außerdem wurde die Stadt als Versorgungsstützpunkt ausgebaut. Karl XII., welcher noch immer in Norwegen einmarschieren wollte, befahl die Stadt festungsähnlich auszubauen. Zu diesem Zweck wurde auf der vorgelagerten Insel Laholm ein Hornwerk mit 14 Achtzehnpfund-Kanonen angelegt. Die Festung wurde zu Ehren des Königs „Carolus-Batterie“ genannt. Die Insel wurde mit dem Festland durch eine Brücke verbunden.[1] Des Weiteren wurden an beiden Seiten der Stadt jeweils sechs Geschützbatterien angelegt.

Die Verteidigung dieser strategisch wichtigen Stadt übergab der König dem Generalmajor Johan Giertta. Dieser hatte dem schwedischen König in der Schlacht bei Poltawa das Leben gerettet.[1] Ihm standen etwa 1800 Mann in der Garnison zur Verfügung. Diese Vorbereitungen für einen zweiten Norwegenfeldzug entgingen den Dänen nicht. Sie entsandten Tordenskiold, um die Stadt zu zerstören. Dieser lichtete am 14. Juli die Anker vor Fredrikshald und segelte Richtung Strömstad. Ungünstige Winde ließen einen Teil der Flotte zurückbleiben.

Am 15. Juli erreichten die Linienschiffe die Insel Laholm und begaben sich in Schussreichweite zu der auf der Insel befindlichen Carolus-Batterie. Tordenskiold ließ sich auf eine vorgelagerte Insel bringen und begutachtete die Befestigungen. Die Hauptgefahr ging seiner Meinung nach vom Hornwerk auf Laholm aus. Die beiden Batteriestellungen an den Seiten der Stadt hielt er für nicht besonders bedrohlich. Bei der Carolus-Batterie fiel ihm ein Schwachpunkt auf, denn die Stellung war am Fuße einer Steilwand errichtet worden. Dadurch konnten die Kanonenkugeln, welche zu hoch abgefeuert wurden, trotzdem Schaden anrichten, denn sie prallten von der Steilwand ab und fielen auf die schwedische Stellung herab.

Tordenskiold erstellte nun gemeinsam mit seinen Schiffskommandanten den Angriffsplan. Die drei Linienschiffe sollten die Carolus-Batterie ablenken, während die Stückprahmen und die Galeeren an der Insel vorbei in den Hafen steuerten. Die Sturmtruppen (1000 Mann) sollten dann mit Hilfe von Ruderbooten den Hafen und die an Land befindlichen Stellungen einnehmen.

Der Plan konnte aber erst umgesetzt werden, wenn alle Schiffe vor Strömstad lagen. Am 18. Juli erreichte der Stückprahmen Noah Ark mit drei Galeeren den Ankerplatz der Dänen. Mit den Verzögerungen wuchs die Gefahr eines Scheiterns der Unternehmung, denn der schwedische General Giertta zog immer mehr Truppen in Strömstad zusammen. Von den dänischen Schiffen aus konnte man die weißen Zelte der Infanterieregimenter sehen. Deren Anzahl wuchs von Tag zu Tag. Dies veranlasste den dänischen Kommandeur gemeinsam mit seinen Kommandanten eine Planänderung zu beratschlagen. So wurde beschlossen, nicht mehr auf die restlichen Schiffe zu warten und in der folgenden Nacht anzugreifen.

Der Angriff[Bearbeiten]

In der Nacht vom 18. auf den 19. Juli begann der Angriff. Der Prahm Noah Ark legte sich vor die Carolus-Batterie und begann gegen ein Uhr mit dem Beschuss. Da die Linienschiffe nicht so schnell gefolgt waren, musste der Kapitän Grip den Angriff abbrechen und sich hinter einen hervorspringenden Felsen zurückziehen. Gegen sechs Uhr morgens lagen die drei Linienschiffe und der Prahm gemeinsam vor der Batterie in Stellung und begannen mit dem tödlichen Beschuss. Wenig später waren alle schwedischen Artilleristen entweder tot oder verwundet und die Batterie ausgeschaltet.[3] Doch der schwedische General reagierte auf diese Situation und entsandte über die Brücke neue Truppen in die Batterie wodurch diese den Beschuss wieder aufnahm.

Um diese Verbindung mit dem Festland zu unterbrechen, schickte Tordenskiold seine drei Galeeren gegen die Brücke, um diese zu beschießen. Auf dieser Position waren die Schiffe den Festlandbatterien schutzlos ausgeliefert, so dass sie sich schnell wieder zurückzogen. Nur der Prahm Noah Ark unter dem Kapitän Grip blieb auf dieser Position. Er verhinderte, dass weitere Truppen in die Carolus-Batterie entsandt wurden, der Kapitän aber wurde durch eine Kartätschenkugel so schwer verwundet, dass er in seine Kajüte gebracht werden musste. Von dort gab er weiterhin Befehl die Stellung zu halten und die Brücke zu beschießen. Der kommandierende Leutnant manövrierte den Prahm erst aus dem Gefahrenbereich, nachdem er vier Treffer unterhalb der Kiellinie erhalten hatte und zu sinken drohte.

Auch die Linienschiffe standen unter starken Beschuss der Carolusbatterie. Tordenskiold, welcher sich auf der Laland befand, stand nur noch mit seinem Bruder Kapitän Wessel und einem Matrosen allein an Deck als er von der Verwundung des Kapitän Grip erfuhr.

In diesem Moment erschienen der zweite Prahm und die restlichen Galeeren. Tordenskiold ließ vier Galeeren mit 300 Mann auf die Küste zusteuern und versuchte eine Landung. Er selbst befand sich an Bord der Galeere Sophia und befehligte den Angriff. Aber nur zwei Besatzungen hatten überhaupt den Mut zu dieser Aktion. Als sich die Mannschaften der Galeeren Sophia und Prinz Karl der Küste näherten und sich bereithielten in die Landungsboote zu steigen, wurden sie von einem Grenadierbataillon unter dem direkten Befehl von General Giertta in einen Hinterhalt gelockt. Auf knapp 30 Fuß Entfernung wurden die Schiffsdecks unter Gewehrfeuer genommen und waren kurze Zeit später von Toten und Verwundeten übersät. Auf den Schiffen herrschte Panik und wer konnte, rettete sich unter Deck, um den Kugeln zu entkommen. Auf der Galeere Prinz Karl überlebten nur zwei Besatzungsmitglieder den Angriff.[2]Bei dem Versuch Verstärkung zu rufen wurde Tordenskiold von drei Kugeln in den Oberkörper getroffen.[4]Der Landungsversuch wurde abgebrochen und die Galeeren mit den zu Hilfe eilenden Galeeren aus dem Gefahrenbereich geschleppt.

Das Feuer der Carolus-Batterie flammte erneut auf und als Tordenskiold erkannte, dass die Unternehmung gescheitert war, ließ er alle Schiffe aus Batteriereichweite bringen und segelte zurück nach Fredrikshald.

Die Folgen[Bearbeiten]

Die Dänen hatten zwar keines ihrer Schiffe verloren, aber dennoch hohe Verluste erlitten. Als direkte Folge des misslungenen Versuches die Stadt zu zerstören, wurde Tordenskiold der Oberbefehl über die Kattegatflotte entzogen. Der Admiral Rosenpalm übernahm das Kommando und erhielt den Befehl Strömstad zu blockieren. Diese Blockade musste aber am 28. August desselben Jahres aufgegeben werden, denn eine schwedische Transportflotte durchbrach die Blockade und bei der anschließenden Verfolgung der Schiffe gerieten die dänischen Schiffe in das Feuer der Landbatterien von Strömstad und erlitten sehr starke Verluste.[5]

Der schwedische König begab sich persönlich nach Strömstad, um dem General für die erfolgreiche Verteidigung zu danken. Er erreichte die Stadt, als gerade ein Dankgottesdienst abgehalten wurde. Nach seiner Teilnahme an diesem besuchte der König Verwundete und das Schlachtfeld. Er befasste sich auch mit der Verstärkung der Verteidigungsanlagen.[4]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Lundblad, S. 542
  2. a b Lundblad, S. 546
  3. Lundblad, S. 544
  4. a b Fryxell, S. 428
  5. Lundblad, S. 547

Literatur[Bearbeiten]

  • Anders Fryxell: Lebensgeschichte Karl des Zwölften, Königs von Schweden Band 2, Braunschweig (1861)
  • Knut Lundblad, Georg Friedrich Jenssen-Tusch: Geschichte Karl des Zwölften, Königs von Schweden, Band 2, Hamburg (1835)