Anholt

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Isselburger Stadtteil Anholt in Deutschland. Für weitere Bedeutungen siehe: Anholt (Begriffsklärung).

51.8505555555566.42611111111117Koordinaten: 51° 51′ 2″ N, 6° 25′ 34″ O

Anholt
Stadt Isselburg
Wappen von Anholt
Höhe: 7 m
Fläche: 13,48 km²
Einwohner: 4107 (2012)
Eingemeindung: 1. Januar 1975
Postleitzahl: 46419
Vorwahl: 02874

Die frühere Stadt Anholt gehört seit dem 1. Januar 1975 zur Stadt Isselburg, die im Zuge des 2. Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen durch Zusammenschluss mit den Gemeinden bzw. Städten Anholt, Heelden, Herzebocholt, Vehlingen, Werth und einem Teilgebiet der Gemeinde Wertherbruch - der Hauptteil von Wertherbruch gehört seitdem zur Stadt Hamminkeln - gebildet wurde.[1]

Anholt liegt auf einer Höhe von m über NN unmittelbar an der deutsch-niederländischen Grenze. In Anholt leben derzeit 4107 Menschen (Stand 31. Dezember 2012).[2]

Inhaltsverzeichnis

Geschichte [Bearbeiten]

Rathaus am Anholter Markt
Parkweg auf dem ehemaligen Stadtwall

Der Anfang bzw. das Entstehen von Anholt liegen im Dunkeln. 1169 wurde ein Herr von Sulen und Anholt als Gefolgsmann des Utrechter Bischofs Godefried von Rhenen genannt, und unter Bischof Balduin (1178–1196) ist im Lehnsregister des Bistums ein „here van Anholt“ aufgeführt. Die Edelherren von Sulen gelten daher als die Erbauer der Anholter Burg. 1234 trat der erste namentliche Herr van Anehalte, Stephan I. von Sulen, auf.

Die Burg Anholt und die Ansiedlung waren zu einer reichsunmittelbaren Herrschaft geworden, mit dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches als ihren Lehnsherrn. Das Lehensverhältnis zu Utrecht scheint Anfang des 14. Jahrhunderts als nicht mehr existent, so erhielt Anholt am 25. Mai 1347 durch Stephan IV. von Sulen die Stadtrechte. Die Grenzlage Anholts zwischen dem Fürstbistum Münster im Osten, dem Herzogtum Kleve im Süden und dem Herzogtum Geldern im Norden und Westen gab Anlass zu immer neuen Streitigkeiten. Die Stadt Anholt wurde stark befestigt. Drei Stadttore, die Außen- und Binnengräben sowie Stadtmauer und Wall schützen die Stadt in schweren Zeiten. Verursacht durch den nicht eindeutigen Ursprung seiner Lehensherkunft, hatten die Herren von Anholt mit den Territorial-Ansprüchen seiner westlichen Nachbarn zu kämpfen.

Das Gebiet der Herrschaft Anholt scheint von altersher unverändert durch folgende Punkte begrenzt worden zu sein: In Nordosten „Dreibäumer“ (drei Schlagbäume: Fürstbistum Münster, Grafschaft Zutphen und Grafschaft Anholt), im Osten die Issel, im Süden die Clevische Landwehr, in Westen wiederum bis zur Einmündung in die Issel, die "Wilddtsche Brücke vor Gendringen und von hier aus zum Norden bis zur münsterschen Aa.

Anholt gehörte zum Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreis. Durch Heirat kam Anholt 1641 an die Fürsten Salm, die es nach dem Verlust ihrer linksrheinischen Gebiete zur Residenz ihrer münsterländischen Entschädigungslande machten (Fürstentum Salm). Das Fürstentum wurde 1810 von Frankreich annektiert. 1815 nach dem Wiener Kongress fiel es an Preußen (Provinz Westfalen).

Chronologie der Herren von Anholt [Bearbeiten]

Haus Sulen-Anholt (unvollständig)
  1. Stephan I. (1234–1249)
  2. Stephan II. (1260–1299)
  3. Johann I. (1281–1303)
  4. Stephan IV. (1313–1347)
  5. Dietrich II. (1335–1364)
verleiht Stadtrecht
  1. Stephan VI. (1364–1373)
  2. Friedrich (1371–1380)
  3. Herberga (1372–1402)
Haus Gemen-Anholt
  1. Hermann III. von Gemen (1370–1399)
  2. Margaretha von Gemen (1388–1405)
Haus Bronckhorst-Batenburg
  1. Gisbert I. (1402–1429)
  2. Dietrich I. (1429–1451)
  3. Gisbert II. (1451–1473)
  4. Jacob I. (1473–1512)
Besetzung durch Karl von Egmond, Herzog von Geldern (1512–1537)
  1. Dietrich II. (1537–1549)
  2. Dietrich III. (1549–1575)
  3. Jacob II. (1575–1582)
Kaiser Ferdinand II. verlieh den Reichsgrafenstand
Grafen von Bronckhorst-Batenburg, Grafen von Anholt
  1. Gertrud von Mylendonk (1582–1612)
  2. Dietrich IV. (1612–1645)
Fürsten zu Salm
  1. Leopold Philipp Carl (1645–1663)
  2. Carl Theodor Otto (1663–1710)
  3. Ludwig Otto (1710–1738)
  4. Nicolaus Leopold (1738–1770)
Seit 1743 Fürsten zu Salm-Salm
  1. Ludwig Carl Otto (1770–1778)
  2. Constantin (1778–1828)
Austritt aus dem Heiligen Römischen Reich und Souveränität durch Unterzeichnung der Rheinbundakte (1806); Verlust der Souveränität durch französische Annexion (1810/1811), Standesherr im Königreich Preußen (ab 1815)
  1. Wilhelm Florentin (1828–1846)
  2. Alfred I. (1846–1886)
  3. Leopold (1886–1908)
  4. Alfred II.
  5. Nickolaus Leopold II. (1923–1988)
  6. Carl Philipp (seit 1988)

Kirchengeschichte [Bearbeiten]

Die Bezeichnung „Anholt“ galt ursprünglich nur der Burg, während der Name „Bredenasle“ die Umgebung bezeichnete. Bredenasle könnte sich gegebenenfalls ableiten von „Breite Issel“. Gemeint sein könnte aber auch ein Überschwemmungsgebiet, wo sich bei Hochwasser die Issel ausbreiten konnte. Eine Kirche zu Bredenasle, in der Nähe von Schloss und Stadt Anholt, taucht 1313 in einem Register der Kirchen und Benefizien der Diözese Münster auf. Dort wird sie neben der Pfarrei Bocholt, der Münsterschen Domdekanei, als tributpflichtig genannt. Sicher ist, dass Bredenasle als selbstständige Pfarrei neben Bocholt genannt wird und zum Archidiakonat Bocholt gehörte. Die Pfarrei Bredenasle hat längst vor 1313 bestanden und ist uralt. Nach dem Urteil von Kunsthistorikern wies der Turm der alten Stadtkirche romanische Bauelemente auf. Der Turm und das Langhaus waren aus Tuffstein gemauert. Nach dem 13. Jahrhundert wurden in dieser Gegend keine romanischen Kirchen mehr errichtet und als Baumaterial kein Tuffstein mehr verwendet. Es scheint nicht ausgeschlossen, dass die Herren von Sulen vor Ende des 13. Jahrhunderts, als Gründer der Stadt, für die Ansiedlung eine „Eigenkirche“ bauen ließen. Also eine Kirche (St. Pankratius) auf der Missionsroute des angelsächsischen Missionars Bernward, als Stützpunkt zur Missionierung des Südergaus Ende des 8. Jahrhunderts. Die ersten Herren von Anholt kamen aus dem Utrechter Raum und waren Lehensleute der Utrecher Bischöfe. Zusammenfassung der Vikarien an der Anholter Pfarrkirche: 1401 St. Johannes Evangelist, 1489 St. Marien und Christopherus, 1496 St. Antonius der Gr., 1543 St. Gerog, 1587 St. Jurrien, 1666 Beate Mariae Virginis, 1675 hl. Kreuz und hl. Antonius. Das entspricht der Anholter Geistlichkeit bis 1645. Erhalten sind die Vikarien von 1666 und 1675 beiden wurden in der heutigen (1851) Pfarrkirche Seitenaltäre errichtet.

Die Jurisdiktion war indifferent, ursprünglich hat sie zunächst der Diözese Utrecht unterstanden, danach Lüttich, dann Köln und schließlich Münster. Mitte des 15. Jh. sind alle pfarrherrlichen Rechte auf die Anholter Kirche übergegangen und die Kirche von Bredenasle (als ehemalige Mutterkirche bezeichnet) wurde abgerissen. Im Jahre 1451 wurde ein gotischer Hochchor an die alte romanische Kirche gebaut, welche bis 1852 bestand. Der gotische Hochchor überragte in Höhe und Länge das romanische Langhaus. 1851 wurde der Grundstein zur neuen katholischen Kirche gelegt. Diese große neoromanische Kirche (Basilikastil) wurde von Prof. Friedrich Stummel aus Kevelaer in reicher Ausmalung geschmückt, im Volksmund gerne "Anholter Dom" genannt. Der Anholter Töpfermeister Wilm Rinck schuf ein Plattendekor welches nahezu in seiner Fülle einzigartig ist. Die gewaltigen Türme prägten das Stadtbild bis 1945. Die deutsche Wehrmacht sprengte die Türme kurz vor der Kapitulation am Gründonnerstag und Karfreitag 1945. Bemerkenswert ist die Pfarrbibliothek. Die Herren von Anholt hatten stets (von alters her) das Patronatsrecht über die Pfarrei. Sie achteten darauf, dass möglichst gelehrte Pfarrherren eingesetzt wurden. Hier sollten genannt werden: Nicolaus Pinders (1659–1699), der als Theologe selber Bücher verfasste, und Gottfried Theodor Ebereich (1700–1729), zuvor Missionar der römischen Congregation der Propaganda. Beide haben einen großteil der historischen Bücher hinterlassen. Eine erhebliche Erweiterung der Bestände erfolgte nach Auflösung seit 1717 in Anholt bestehenden Jesuiten-Mission und -Schule 1773. Schließlich fiel noch der persönliche Bestand des ehemaligen Augustiner Regular-Kanonikers von St. Elisabeth bei Roermond und späteren Kaplans in Anholt, Johann von Straelen (1801–1844) testamentarisch an die Pfarrbibliothek.

Bereits seit 1555 gab es in Anholt eine Stadtschule, die dem Landesherrn unterstand. Sie war anfangs nur Knaben zugänglich und hatte Latein als ordentliches Unterrichtsfach, besonderer Pflege wurde dem Kirchengesang gewidmet, dem sogenannten Klerkenchor. 1793 gründet der ehemalige Benediktinerpater Schollmeyer eine Lehr- und Erziehungsanstalt mit Internat für Jungen und Mädchen mit den Unterrichtsfächern Latein, Französisch und Niederländisch. Dieses Institut bestand bis 1835 und kann als Vorläufer der 1857 gegründeten Rektoratsschule gelten. Diese umfasste die Klassen von Sexta bis Untertertia. Die Rekotatsschule die sich am Anholter Markt befand wurde 1939 aufgelöst.

1787 erteilte die fürstliche Verwaltung die Genehmigung zur freien Religionsausübung, das ist der Beginn einer selbstständigen evangelischen Gemeinde in Anholt. Der erste Betsaal wurde im Pilatushof errichtet, im Jahre 1911 wurde die neue evangelische Kirche am östlichen Wallaufgang geweiht.

1616 wurde der erste jüdische Einwohner in der Herrschaft Anholt erwähnt. 1812 waren es schon 12 Familien. Im Jahre 1841 wurde in der Niederstraße eine Synogoge errichtet. Am 24. März 1945 wurde die Synagoge durch Brandbomben zerstört. Ende des 18. Jh. wurde ein Friedhof in der Dwarsefeld errichtet. Der älteste Grabstein trägt die Jahreszahl 1821.

Wirtschaftliche Geschichte [Bearbeiten]

Reich bemaltes Kircheninnere


1431 bestätigte Kaiser Sigismund (1368–1437) nochmals die reichsunmittelbaren Rechte, wie u.a. die hohe und niedrige Gerichtsbarkeit, das Münzrecht, das Zollrecht, sowie das Recht Jahrmärkte abzuhalten. Nachweislich übten die Herren von Anholt das Münzrecht aus. Um 1350 sind von Friedrich van Zuylen (Sulen) zwei Münzen erhalten mit der Umschrift moneta domini Anholtensis.

Seit Mitte des 14. Jahrhunderts sind große Prozessionen und Wallfahrten bekannt, wie zum Beispiel Sonntag vor Pfingsten zum Kapellensonntag (Kreuzkapelle Regniet), Pfingstmontag über die Burg zum Kreuzberg. Das hieß viel Volk zu beherbergen und zu verköstigen. Dieser Auflauf an Menschen, die eine „wundertätige leve vrouw“ mit sich trugen, kann als Vorläufer der heute noch stattfindenden Anholter Pfingstkirmes gesehen werden und ist somit eines der ältesten Volksfeste der näheren und weiteren Umgebung. Welche Bedeutung diese Anholter Kirmessen hatte, zeigt eine Aufzählung von 1825. Demnach standen Pfingsten 50 Buden und zur Herbstkirmess am Sonntag nach Mariä Geburt (8. September) sogar 67 Buden.

Fehden, Überfälle und Brandschatzungen sind vom 15.–18. Jahrhundert nachzuwiesen. Die sogenannte Gelder’sche Fehde von 1492 bis 1537 war im Sinne der Besetzung Anholts ein bedeutender Streitfall. Herzog Karl von Geldern besetzte 1512 Burg und Stadt Anholt und beschlagnahmte sämtliche Besitzungen der Herren von Anholt in seinem Hoheitsgebiet. Nach 25-jähriger Fremdherrschaft gelang es Dietrich II. von Bronckhorst-Batenburg am 21. November 1537 mit persönlicher Hilfe Kaiser Karls V. Herrschaft und Stadt wieder in seinen Besitz zu führen. 1579 lehnte Dietrich III. von Bronckhorst-Batenburg die Zumutung, die Utrechter Union (Vereinigung der protestantischen Provinzen der Niederlande) zu unterschreiben, ab und trat als überzeugter Katholik der spanischen Seite bei. Die Herrschaft war zeitweise eine katholische Enklave. Zu dieser Zeit waren bis zu sieben Vikare in Anholt tätig. Die Reformation hat in hiesiger Gegend ihr grausames Gesicht gezeigt. 1580 überfielen die "Geusen" (Anhänger der Vereinigung der Utrechter Union) die Stadt, setzten die Kirche in Brand und raubten ihre Schätze (Bildersturm). Als Maria Anna, letzte Gräfin von Bronckhorst-Batenburg, 1642 Leopold Philipp Carl Fürst zu Salm heiratet, beruhigt sich die politische Lage und das Anholter Land erholt sich. Stadt und Herrschaft wurden wieder aufgebaut, die Einwohnerzahl dürfte bei 900 bis 1000 gelegen haben. In den folgenden Jahren bekommt Anholt ein barockes Gesicht. Fürst Carl Theodor Otto zu Salm ließ die alte Burg zu einer repräsentativen barocken Residenz umbauen. Hier hat sicher auch seine Erfahrung als oberster Bauleiter des Schlosses Schönbrunn in Wien eine große Rolle gespielt.

Im Jahre 1802 wird Anholt die Residenz des neu gebildeten Fürstentum Salm. Die Nachbarstadt Bocholt war die Hauptstadt. Das zunächst reichsunmittelbare Fürstentum umfasste den größten Teil des westlichen Münsterlandes. 1806 erlangte das Fürstentum durch den Untergang des Heiligen Römischen Reichs die Souveränität, die aber schon 1810/11 infolge französischer Annexion endete. 1815 wurde Anholt der preußischen Provinz Westfalen einverleibt. Seit 1816 gehört Anholt zum Landkreis Borken. Wegen der vielen baulichen und landschaftlichen Sehenswürdigkeiten, insbesondere aus der Zeit der Herrschaft der Fürsten zu Salm-Salm, gilt Anholt als „Perle des Münsterlandes“.

In seinem Buch Meine Wallfahrt zur Ruhe und Hoffnung schreibt der preußische Jurist und Diplomat Justus von Gruner ausführlich über seine Reise von Osnabrück durch das Münsterland bis Kleve im Jahre 1800:

„Auf dem Wege von Ringenberg nach Emmerich passierte ich wieder ein katholisches Ländchen, aber wie sehr verschieden von dem, das ich an anderern Grenzen verlassen hatte. Die kleine Grafschaft Anholt, denn diese meine ich, besteht nur aus einigen Dörfern und der Stadt gleichen Namens. Ein kleiner, sehr angenehmer Ort, der meist vom Ackerbau lebt und das Gepräge fleißiger Regsamkeit und Wohlhabenheit in sich trägt. In der Mitte liegt das Schloß des Landesherrn, Fürst zu Salm-Salm, der sich hier aufhält und sehr beliebt zu sein scheint. Er lebt mit seiner Familie in ländlicher Stille aber voll Humanität. Die Ersteren der Stadt werden abwechselnd an seine Tafel gezogen und in der Winterzeit gibt es wöchentlich ein recht artig besuchtes Konzert, das aus der umliegenden Gegend fleißig besucht wird.“

1850 gründete Fürstin Augusta zu Salm-Salm das Augusta-Hospital. Seit 1549 ist eine Armenkommission in Anholt bekannt. 1852 nahmen die Clemensschwestern aus Münster ihre Tätigkeit in Anholt auf. Die Stadt Anholt entwickelte sich zu einen Ausflugsort, nicht zuletzt hatte sie den Rang einer Residenzstadt.

Der Zweite Weltkrieg hat der alten Stadt schwere Wunden zugefügt, 1945 wurden 75 % der historischen Altstadt dem Erdboden gleich gemacht. In den Märztagen 1945 starben 37 Zivilpersonen bei den Bombenangriffen, 88 Anholter fanden den Soldatentod und 38 Personen gelten noch heute als vermisst. Schmerzlich war vor allem der aus Religionshass geführte Befehl zur endgültigen Zerstörung der St.-Pankratius-Kirche. Nur der Umstand, dass Anholt unter schwerem Artilleriebeschuss stand, ist es zu verdanken, dass nur die beiden 57 m hohen Türme gesprengt werden konnten.

Im Jahre 1947 feierte die Stadt in Ihren Trümmern die 600-jährige Wiederkehr der Verleihung des Stadtrechtes. Am 8. Mai 1949 lud die Stadt zur Grenzlandkundgebung Recht auf Heimat ein. Ministerpräsident Arnold sowie Landrat Renzel aus Borken verfassten die sogenannte Anholter Erklärung, in welcher sich die Autoren dazu bekannten, die Besetzung deutschen Gebiets durch die Niederlande nicht hinzunehmen und den betroffenen Deutschen jede mögliche Unterstützung zukommen zu lassen. Anholt entwickelte sich zu einem blühenden Städtchen: 1950 zählte es 2800, 1974 3034 und 2010 4260 Einwohner mit rund 1300 Arbeitsplätzen sowie einer gesunden Finanz- und Infrastruktur. 1964 wurde mit dem Neubau des Augusta-Hospitales begonnen. 1967 übernahm die Kongregation der Barmherzigen Schwestern (Clemensschwestern) die Trägerschaft des Krankenhauses, welches sich zu einer Fachklinik für Neurologie entwickelte. 1958 gründeten zwölf Gärtnermeister auf Initiative des Kreises Borken und der Stadt Anholt die Gärtnersiedlung In der Flora. 1961 siedelte sich die Firma Gebrüder Trox aus Neukirchen-Vluyn in Anholt an. 1973 kam es zur kommunalen Neuordnung. Im Gerangel um die Namensgebung erarbeitete das münsterische Staatsarchiv ein Gutachten, das eindeutig für die Beibehaltung des bisherigen Namens Anholt votierte. Obwohl die Oberbehörden die eindeutige Dominanz der Stadt Anholt nicht in Frage stellten, blieb die Stadt Anholt letztlich doch die unterlegene Gemeinde und musste zum 1. Januar 1975 nach 628-jährigem städtischen Dasein ihren Namen zu Grabe tragen. Dennoch bleibt der Stadtname erhalten und findet in sich z.B. im Anholter Abkommen vom 23. Mai 1991 wieder, in der die niederländische Regierung, die deutsche Bundesregierung sowie die Ministerpräsidenten der Länder Nordrhein-Westfalen und Niedersachsens vertraglich bekunden, den gemeinsamen Handel und die Entwicklung der Grenzgebiete zwischen dem Königreich der Niederlande und der Bundesrepublik Deutschland im Bereich der Länder Niedersachsens und Nordrhein-Westfalen zu fördern.

Kultur [Bearbeiten]

Vereine [Bearbeiten]

Anholt besitzt eine reges Vereinsleben, das unter anderem von solch traditionsreichen Gruppierungen wie dem Bürger-Schützenverein von 1493 oder dem 1858 gegründeten Kirchenchor St. Pankratius, einem der ältesten Kirchenchöre im Bistum Münster, mitgestaltet wird. Weitere zahlreiche Vereine aus den Bereichen Sport und Kultur ergänzen die Anholter Vereinsaktivitäten. Die heute noch stattfindenden größeren Volksfeste sind die Pfingstkirmes und das große Bürgerschützenfest am 1. Juliwochenende.

Sehenswürdigkeiten [Bearbeiten]

Burg Anholt
In der Anholter Schweiz

Die Burg Anholt bietet heute ein glanzvolles Bild, das an französische Loire-Schlösser erinnert. Mit seinen Gärten und Parkanlagen, die in das European Garden Heritage Network eingebunden sind, ist es der Öffentlichkeit zugänglich. Im Schloss können zum Beispiel eine Gemäldesammlung (u. a. mit dem Rembrandt-Original Das Bad der Diana mit Aktäon und Kallisto), Zeugnisse herrschaftlicher Wohnkultur, die Bibliothek sowie eine umfangreiche Porzellansammlung besichtigt werden. Seit 1645 in Familienbesitz der Fürsten zu Salm-Salm.

Des Weiteren:

  • Biotopwildpark Anholter Schweiz
  • neoromanische St.-Pankratius-Pfarrkirche Anholt (1851–1862) mit vielen Wand- und Deckengemälden
  • Historisches Rathaus von 1567
  • Stadtzentrum mit Parkanlagen und Überresten früherer Befestigungen
  • Jüdischer Friedhof in der Dwarsefeld
  • Historischer Eiskeller (15. Jh.)
  • Anholter Windmühle von 1747
  • Fürstliche Gruftkapelle 17. Jh.
  • Haus Hardenberg (14. Jh.)
  • Haus Pennekamp (15. Jh.)

Persönlichkeiten [Bearbeiten]

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1.  Martin Bünermann, Heinz Köstering: Die Gemeinden und Kreise nach der kommunalen Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1975, ISBN 3-555-30092-X.
  2. Einwohnerstatistik der Stadt Isselburg. Abgerufen am 18. Februar 2013.

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Anholt (Isselburg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien