Aniceto Guterres Lopes

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Aniceto Longuinhos Guterres Lopes (* 10. Dezember 1967 in Tapo/Memo, Portugiesisch-Timor) ist ein Politiker in Osttimor und sitzt als Abgeordneter seit 2007 im Nationalparlaments Osttimors. Hier ist er seit 2007 der Fraktionsvorsitzende der FRETILIN.[1][2]

Leben[Bearbeiten]

Guterres Lopes stammt aus einer Bauernfamilie im Nordwesten Osttimors, nahe der Grenze zu Indonesien. 1975 wurde seine Heimat, die bis dato eine portugiesische Kolonie war, von Indonesien besetzt. Auch die Ausrufung der Unabhängigkeit Osttimors von Portugal konnte die Besetzung nicht mehr verhindern.

Obwohl Guterres Lopes Klassenbester war, erhielt er keinen Universitätsplatz auf Java. Dank Mário Viegas Carrascalão, des Gouverneurs von Osttimor (damals Timor Timur), konnte Guterres Lopes 1985 sein Jurastudium an der Udayana-Universität auf Bali beginnen. Dort lernte er indonesische Anwälte und Unabhängigkeitsaktivisten kennen, die gegen die indonesische Diktatur arbeiteten. Guterres Lopes wurde ab 1989 aktives Mitglied der osttimoresischen pro-Unabhängigkeits-Studentenbewegung Resistência Nacional dos Estudantes de Timor-Leste RENETIL (Nationaler Widerstand der Studenten aus Timor-Leste) von Fernando La Sama de Araújo.

Nach seiner Rückkehr konnte Guterres Lopes dank Carrascalão verhindern, dass er wie von den Bedingungen des Stipendiums vorgeschrieben, in Staatsdienste gehen musste und ließ sich stattdessen als Rechtsanwalt in Dili nieder. Dort begann er die Menschenrechtsverletzungen durch die indonesischen Besatzer zu protokollieren, von denen seine Klienten berichteten. Von 1992 bis 1996 war Guterres Lopes Generalsekretär der Yayasan ETADEP (Osttimor Landwirtschaft- und Entwicklungsprojektstiftung). 1996 mitbegründete Guterres Lopes die Menschenrechtsorganisation Yayasan HAK (Menschenrechtsstiftung), deren Direktor er ab 1997 war. Sie sollte Opfern von Menschenrechtsverletzungen freie juristische Unterstützung bieten. Zeitweise war Guterres Lopes der einzige Anwalt der Gruppe. Er verteidigte prominente politische Gefangene ebenso wie einfache Timoresen. Massaker, Morde, Folter, Vergewaltigungen und willkürliche Verhaftungen wurden von der Stiftung dokumentiert und in Zeitungen und Radio veröffentlicht. Allein im ersten Jahr wurden 339 Fälle registriert. Ziel war es, die Bevölkerung über ihre Rechte nach indonesischen und internationalem Recht aufzuklären. Schikanen und Bedrohungen waren für Guterres Lopes die Folge.

Mit dem Ende der indonesischen Diktatur wurde 1999 der Weg frei für ein Referendum über die weitere Zukunft Osttimors. Guterres Lopes organisierte dafür Wahlbeobachter. Im Referendum entschieden sich 78 % der Wähler für die Unabhängigkeit von Indonesien. Pro-indonesische Milizen töteten daraufhin nochmals fast 2.000 Menschen, zerstörten die Infrastruktur und brannten Häuser nieder, auch das Hauptquartier der Menschenrechtsstiftung und das Heim von Guterres Lopes. Seine Eltern waren bereits vor dem Referendum in ihrem Heimatdorf Tapo/Memo durch die Milizen terrorisiert worden. Schließlich landete eine internationale Eingreiftruppe in Osttimor und die Vereinten Nationen übernahmen mit der UNTAET die Kontrolle im Lande. Ab Januar 2000 arbeitete Guterres Lopes für die UNTAET Judicial Transitional Services Commission und war im April 2000 einer der Gründer der Juristenvereinigung Osttimors.

Von Oktober 2001 bis Juli 2001 war Guterres Lopes Mitglied des National Consultative Council (NCC), der die Bevölkerung Osttimors in der UN-Verwaltung vertreten sollte. Der NCC wurde schließlich von der gewählten verfassunggebenden Versammlung abgelöst, aus der das Nationalparlament Osttimors hervorging.

Nach Erlangung der Unabhängigkeit Osttimors 2002, wurde Guterres Lopes Vorsitzender der Empfangs-, Wahrheits- und Versöhnungskommission CAVR, die im Auftrag der Vereinten Nationen die Menschenrechtsverletzungen in Osttimor zwischen April 1974 und Oktober 1999 untersuchen sollte. Der abschließende Bericht wurde 2005 vorgelegt.

2003 erhielt Guterres Lopes den philippinischen Ramon-Magsaysay-Preis. Die Jury würdigte damit seinen Mut für die Gerechtigkeit und Rechtsstaatlichkeit während der turbulenten Zeit in Osttimor einzustehen.

In den Parlamentswahlen vom 30. Juni 2007 kandidierte Guterres Lopes an elfter Position auf der Parteiliste der FRETILIN. Er wurde zusammen mit 20 anderen FRETILIN-Kandidaten in das Parlament gewählt, wo die FRETILIN nun dank 29,02 % der Wähler die größte Fraktion stellt. In dieser Legislaturperiode war Guterres Lopes Mitglied der Kommission für konstitutionelle Angelegenheiten, Justiz, Öffentliche Verwaltung, lokale Rechtsprechung und Gesetzgebung der Regierung (Kommission A).[1] Bei der Wahl des Parlamentspräsidenten am 30. Juli 2007 verlor Guterres Lopes gegen den nun Vorsitzenden der Partido Democrático PD Fernando de Araújo.

Wieder als elfter auf der Liste zog Guterres Lopes nach den Parlamentswahlen 2012 erneut für die FRETILIN in das Parlament ein. Neben seinem Amt als Fraktionsvorsitzenden ist Guterres Lopes Mitglied der Kommission für konstitutionelle Angelegenheiten, Justiz, Öffentliche Verwaltung, lokale Rechtsprechung und Korruptionsbekämpfung (Kommission A).[2]

Weblinks[Bearbeiten]

Belege[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Profil auf der Webseite des Parlaments, 29. Oktober 2008 (Portugiesisch)
  2. a b Profil auf der Webseite des Parlaments (Portugiesisch)