Anish Kapoor

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Anish Kapoor (2008)
Cloud Gate, Chicago

Sir Anish Kapoor (* 12. März 1954 in Mumbai, Indien) ist ein in Indien geborener, in London ansässiger britischer Bildhauer. Als Gewinner einiger der begehrtesten Kunstpreise und Träger hoher ziviler Auszeichnungen gehört er zu den weltweit angesehensten Künstlern seiner Zeit.

Leben[Bearbeiten]

Kapoor ist der Sohn eines indischen Hindu, der als Ingenieur bei der Indian Navy arbeitete, und einer jüdischen Irakerin. Im Alter von 16 Jahren verließ er Indien, lebte zuerst in einem Kibbuz in Israel und kam 1973 nach London, wo er zunächst Kunst am Hornsey College of Art und später an der Chelsea College of Art and Design studierte. Außerdem besuchte er die Doon School in Dehradun, Indien. Seine Arbeiten zeigen Einflüsse westlicher und östlicher Kultur und beinhalten auch religiöse Themen. Eine Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religion ist nicht offensichtlich.

Internationale Aufmerksamkeit erhielt er bereits in den 1970er Jahren mit Skulpturen aus Farbpigmenten. Über monochrome Rauminstallationen gelangte er zu Monumentalskulpturen aus ungewöhnlichen Werkstoffen. Sein Marsyas (→ Marsyas) aus dem Jahr 2002 war in der Turbinenhalle der Tate Modern in London installiert. Ein von ihm geschaffener Altarstein befindet sich in der Unterkirche der Dresdner Frauenkirche. 2003 errichtete er für eine Werkausstellung im Kunsthaus Bregenz eine 20 Tonnen schwere rote Skulptur aus Vaseline und Wachs mit dem Titel My red Homeland. 2004 folgte Cloud Gate, eine 110 Tonnen schwere, rostfreie Stahlkonstruktion im Millennium Park in Chicago. 2008 schuf Kapoor in Berlin mit der 24 Tonnen schweren Stahlskulptur Memory eine Auftragsarbeit für die Deutsche Guggenheim; 2009/10 war sie im Solomon R. Guggenheim Museum zu sehen.[1]

Von Kapoor stammt der Entwurf für den ArcelorMittal Orbit, eine 115 Meter hohe Skulptur für die Olympischen Spiele 2012 in London. Die Konstruktion besteht aus ineinander verdrehten Stahlstreben und erinnert an die Form einer orientalischen Wasserpfeife. Als Spitze ist eine Aussichtsplattform geplant. Der Stahlturm soll auch nach den Olympischen Spielen bestehen bleiben.

Ausstellungen[Bearbeiten]

  • Vom 30. Mai bis 7. September 2008 zeigte das Institute of Contemporary Art in Boston die Kapoors Schaffen gewidmete Ausstellung "Past, Present, Future".
  • Bis April 2009 war Kapoor mit seiner Ausstellung Shooting into the Corner im Museum für Angewandte Kunst (MAK) in Wien zu sehen. Im selben Jahr widmete die Royal Academy in London dem vielfältigen Schaffen des Künstlers eine umfangreiche Ausstellung.[2]
  • 2011 wurde im Grand Palais in Paris seine 12 Tonnen schwere und mit 72.000 Kubikmetern Luft aufgeblasene Struktur Leviathan im Rahmen der jährlich stattfindenden Monumenta ausgestellt. Im selben Jahr zeigte Kapoor auf der 54. Kunstbiennale in Venedig seine Installation „Ascension“. In der Basilica di San Giorgio fand er dafür genau den richtigen Ausstellungsraum: „In meinen Arbeiten verschwimmen häufig Schein und Wirklichkeit. Was mich an „Ascension“ besonders interessiert, ist die Idee von Immaterialität, die hier zum Objekt wird: Rauch formt sich zu einer Säule. In dieser Arbeit findet sich auch eine Anspielung auf Moses, der einer Rauchsäule, einem Lichtstrahl in der Wüste folgte.“[3] Parallel dazu waren in Mailand Werke von Kapoor an zwei Ausstellungsorten zu sehen: In der Rotonda di Via Besana und in der Fabbrica del Vapore.
  • Für den Lichthof des Martin-Gropius-Baus, in dem 2013 die Ausstellung Kapoor in Berlin stattfand[5], fertigte der Künstler die Installation „Symphony for a Beloved Sun“ an. Blutrote Wachsklumpen werden auf Förderbändern mehrere Meter in die Höhe gefahren und fallen dann vor einer riesigen, die untergehende Sonne symbolisierenden, tiefroten Scheibe in die Tiefe.[6]

Preise und Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Anne Schloen: Anish Kapoor: I am a painter who is a sculptur, in: Künstler. Kritisches Lexikon der Gegenwartskunst, Ausgabe 50, Heft 14, München 2000. ISSN 0934-1730
  • Sandhini Poddar: Anish Kapoor - memory. [Deutsche Guggenheim, Berlin, 30. November 2008 bis 1. Februar 2009]. Guggenheim Museum Publ., New York 2008. ISBN 978-0-89207-378-8.
  • Peter Noever (Hg.): Anish Kapoor - shooting into the corner [Publikation erschien anlässlich der gleichnamigen Ausstellung, MAK Wien, 21. Jänner bis 19. April 2009]. Cantz Verlag, Ostfildern 2009. ISBN 978-3-7757-2382-4.
  • David Anfam: Anish Kapoor. Phaidon, London 2009. ISBN 978-0-7148-4369-8.

Dokumentationen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Anish Kapoor – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.db-artmag.de/de/57/feature/anish-kapoors-memory-im-new-yorker-guggenheim-museum/
  2. http://www.independent.co.uk/arts-entertainment/art/reviews/anish-kapoor-royal-academy-london-1792126.html
  3. http://www2.illy.com/wps/wcm/connect/DE/illytools/footer/presse/pressemitteilungen/preview-anish-kapoor-ascension-54-kunstbiennale-venedig
  4. Beschreibung auf der Website des Museums, abgerufen am 29. März 2013 (englisch)
  5. [1] Website des Martin-Gropius-Baus, abgerufen am 28. Juni 2013
  6. [2], artberlin.de, abgerufen am 28. Juni 2013
  7. Anish Kapoor in: Handbuch der Kulturpreise: Preise, Ehrungen, Stipendien und individuelle Projektförderungen für Künstler, Publizisten und Kulturvermittler in Deutschland und Europa, Band 4, Karla Fohrbeck, Zentrum für Kulturforschung (Bonn, Germany), ARCult, 2001 - 1606 Seiten, Seite 409
  8. https://www.gov.uk/government/uploads/system/uploads/attachment_data/file/206698/Birthday_Honours_List_2013.pdf