Anjar

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Die Ruinen von Anjar

Anjar (arabisch ‏عنجر‎, DMG ʿAnǧar, armenisch: Անճար), auch bekannt als Haoush Mousa (‏حوش موسى‎, DMG Ḥauš Mūsā), ist ein Ort im heutigen Libanon. Er liegt ca. 60 km östlich von Beirut. Anjar hat ca. 2400 Einwohner, die größtenteils Armenier sind.

Der moderne Ort[Bearbeiten]

Das moderne Anjar wurde 1939 mit Unterstützung der französischen Kolonialmacht von mehreren tausend armenischen Flüchtlingen vom Musa Dagh (Provinz Hatay in der Türkei) gegründet. Die sechs Ortsteile sind nach den sechs Dörfern des Musa Dagh benannt.

Die sechs Ortsteile von Anjar heißen:

  • Haji Hababli
  • Kabusia
  • Vakif
  • Khodr Bek
  • Yoghun Oluk
  • Bitias

Noch heute sind nahezu alle 2.400 Einwohner Armenier, die einen westarmenischen Dialekt sprechen und mehrheitlich der Armenischen Apostolischen Kirche, zu einem kleineren Teil der Armenisch-Katholischen Kirche und der Armenischen Evangelischen Kirche angehören. Es gibt in Anjar drei konfessionelle armenische Schulen.[1] Während der Stationierung syrischer Streitkräfte im Libanon zwischen 1976 und 2005 war Anjar Hauptsitz des syrischen Geheimdienstes im Libanon.[2]

Die antike Siedlung[Bearbeiten]

Neben der modernen Siedlung befinden sich die Reste einer umayyadischen Stadt, die von Al-Walid I. zu Beginn des 8. Jahrhunderts erbaut wurde. Der Ort wurde schon bald wieder verlassen, nachdem der letzte syrische Umayyaden-Kalif Marwan II. seinen Konkurrenten Ibrahim 744 vor den Toren der Stadt besiegte, die dabei offensichtlich zu Schaden kam.[3]

Der Ort war in der klassische Antike eine Festung mit dem Namen Gerrha. Die Reste der heute zu sehenden Stadt, deren Ausgrabung 1943 begann, sind gut erhalten. Sie stammen aus arabischer Zeit. Die Stadt war nur ca. 370 x 310 m groß und von einer Stadtmauer umgeben, die vier Tore hat. Zwei Hauptstraßen durchqueren kreuzförmig die Siedlung. Diese sind mit Kolonnaden dekoriert und waren von ca. 600 Läden gesäumt. Öffentliche Gebäude sind eine Moschee, ein Bad und ein Tetrapylon. Das heutige Erscheinungsbild der Stadt, insbesondere des so genannten „Nordpalastes“, ist durch erhebliche Restaurierungsmaßnahmen verzerrt.

Die Stadt gilt als eines der besten Beispiele frühislamischer Stadtplanung. In der Architektur und im Stadtplan sind noch starke byzantinische Einflüsse zu beobachten. Der Ort gehört deshalb seit 1984 zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Quellen[Bearbeiten]

  1. Geography and Demographics of Anjar. http://www.mousaler.com/anjar/data/demographics.html
  2. Libanon: Karames Überraschung. Website der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 1. März 2005. Abgerufen am 19. Juli 2010.
  3. Evaluation (PDF; 297 kB) der ICOMOS für das Welterbekomitee, 2. Dezember 1983

Weblinks[Bearbeiten]

33.72583333333335.929722222222Koordinaten: 33° 44′ N, 35° 56′ O