Ankerbrot

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Ankerbrot AG
Ankerbrot Logo
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1891
Sitz Wien, Österreich
Leitung Peter Ostendorf[1]
Mitarbeiter rund 1.600 (2012)
Umsatz 137 Mill. (2010)[2]
Branche Lebensmittelindustrie
Website www.Ankerbrot.at
Alte Reklametafel und Logo von Ankerbrot vor 1918
Ankerbrotfiliale mit altem Anker-Logo, Servitengasse in Wien
Ankerbrotfiliale am Karlsplatz

Die Ankerbrot AG ist der bedeutendste Backwarenhersteller in Österreich. Das Unternehmen wurde 1891 in Wien gegründet und hat hier nach wie vor seine Produktionsanlagen.

Geschichte[Bearbeiten]

1891 gründeten die Gebrüder Heinrich und Fritz Mendl die Wiener Brot- und Gebäckfabrik auf dem Laaer Berg an der Absberggasse 35 im 10. Wiener Gemeindebezirk, Favoriten. Der Standort auf dem Berg war deshalb gewählt worden, damit von dort aus die für die Auslieferung schwer beladenen Pferdefuhrwerke bequemer ausfahren konnten. Als Markenzeichen des Unternehmens wählten die Gebrüder Mendl 1893 den Anker, der für Sicherheit und Vertrauen stehen sollte. Das später verwendete Firmenlogo bestand aus dem Ankersymbol und den mittig eingefügten Initialen "HFM".

Zu Beginn wurden unter Einsatz von ca. 25 Bäckern in großen Lehmbacköfen täglich 2.000 Stück 2-kg schwere Rundbrote gebacken. In Spitzenzeiten lieferten bis zu 250 Pferdegespanne an die 150 Tonnen Backwaren aus. In Anerkennung ihrer Dienste und Leistungen wurde den Gebrüder Mendl 1907 der k.u.k. Hoflieferantentitel verliehen. Bis 1914 wuchs das Unternehmen auf eine Größe von 1.300 Mitarbeitern an, 1920 auf 2.000.

Während des Ersten Weltkrieges belieferte Anker die k.u.k. Armee mit schwarzem Brot.

Nach dem Krieg und der Auflösung der Donaumonarchie wurde auch Weißbrot in die Produktion eingeführt. 1922 wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Zu diesem Zeitpunkt gehörten dem Verwaltungsrat Eduard Alder, Ing. Artur Ehrenfest-Egger, Dr. Siegfried Kantor, Fritz Mendl, Stefan Mendl, Dr. Franz Quidenus, Dr. Eugen Schwiedland und Dr. Siegfried Türkel an. Anker konnte in den 1930er Jahren expandieren und begann neben Brot auch Eierteigwaren und Jausengebäck herzustellen, für das es mit farbenfrohen Plakaten Werbung machte. Das Filialnetz wuchs auf rund 100 Filialen an, täglich wurden 150 Tonnen an Brot und Gebäck geliefert.

Am 23. Jänner 1923 erhielt die Ankerbrot AG die sogenannte "Staatliche Auszeichnung" für außergewöhnliche Leistungen für die Wirtschaft der Republik Österreich und darf seither das Bundeswappen im Geschäftsverkehr verwenden.[3]

Auf den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich 1938 folgte die „Arisierung“ des Unternehmens, worauf die Mitglieder der Gründerfamilie Österreich verlassen mussten. Aufgrund seiner Bedeutung für die Sicherstellung der Versorgungslage der Wiener Bevölkerung wurde das Unternehmen von 1938 bis 1945 unter öffentliche Verwaltung gestellt. Nach der Einnahme Wiens durch die Rote Armee im April 1945 wurden die Fabriken geplündert und schwer beschädigt, auch ein Teil des Fuhrparks ging verloren.

Noch im Mai 1945 konnte aber die Produktion nach Mehllieferungen aus der Sowjetunion wieder aufgenommen werden, das Unternehmen wurde an die Gründerfamilie restituiert. Die Wiederaufbaujahre brachten dem Unternehmen wieder Wachstum, das Sortiment wurde erweitert, auf Milchgebäck, Mürbgebäck, Backhilfen, Dauerbackwaren, Semmelbrösel, Grieß und andere Teigwaren. 1969 wurde das Unternehmen vom Wiener Schoeller-Konzern übernommen, der die Firma 1970 mit den Floridsdorfer Hammerbrotwerken unter dem Namen Vereinigte Nahrungsmittel Industrie AG fusionierte.

1981 erwarben die Dr. Helmut A. Schuster GesmbH und Gerhard Schuster, der Bruder des gleichnamigen Unternehmensbesitzers, sämtliche Aktien des mittlerweile in wirtschaftliche Turbulenzen geratenen Betriebs. Sie benannten das Unternehmen 1983 wieder in Ankerbrot zurück und führten es mit Investitionen und Sanierungsmaßnahmen wieder in die Gewinnzone. Zu einem Erfolgsrezept geriet die Qualitätsverbesserung der Backwaren durch die Verwendung von echtem Natursauerteig.

Seit 1990 exportiert Ankerbrot seine Erzeugnisse auch nach Süddeutschland. 1996 wurde die Ankerbrot Ungarn AG als Tochtergesellschaft gemeinsam mit der staatlichen ungarischen ZALACO gegründet. Das Tochterunternehmen produziert in einer Fabrik am Stadtrand von Keszthely. Im gleichen Jahr übernahm Ankerbrot von der in Konkurs gegangenen Konsum-Genossenschaft die Ährenstolz GmbH mit sieben regionalen Bäckereien. Beim Verkauf des Unternehmens im Jahr 1997 gingen 74 Prozent des mittlerweile 2.630 Mitarbeiter zählenden und 2,2 Mrd. Schilling (rund 160 Mio. Euro) pro Jahr erwirtschaftenden Unternehmens an die deutsche Firma Müller-Brot. Drei Prozent gingen in Streubesitz über, die Gebrüder Schuster behielten 23 Prozent.

2003 wurde das Unternehmen mehrheitlich vom deutschen Industriellen Klaus Ostendorf erworben. Nach einer wirtschaftlich schwierigen Phase und erfolgtem Ausgleich, in dessen Rahmen das traditionelle Fabriksgelände in Wien an Banken verkauft, aber nicht verlassen wurde, steht Ankerbrot nun wieder auf eigenen Beinen. Ein geringer Anteil der Aktien befindet sich noch im Streubesitz. Im Frühjahr 2006 erwarb die US-Investmentgruppe Apax einen Unternehmensanteil von 40 Prozent. Ein ebenfalls für 2006 geplanter Verkauf von Ostendorfs Anteil an den Nordsee-Besitzer Heiner Kamps scheiterte im Februar 2007 endgültig. 2010 wurde die erste Filiale in der Slowakei eröffnet. Speziell für die Slowakei wurde auch ein Franchise-System entwickelt, wodurch der Vertrieb erweitert werden soll.

Das Unternehmen besitzt in Österreich heute rund 160 Filialen, die meisten davon in Wien und Umgebung. Ankerbrot beschäftigt 1.800 Mitarbeiter. 2010 und 2011 ließ das Unternehmen wissen, dass es beabsichtige, sein Firmengelände von den Banken zurückzukaufen. Anlässlich des 120-jährigen Firmenjubiläums wurde im Jahr 2012 ein neues Logo und Filialkonzept vorgestellt. In den kommenden Jahren sollen die Neuerungen an allen Standorten sukzessive umgesetzt werden.[4]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ingrid Haslinger. Kunde – Kaiser. Die Geschichte der ehemaligen k. u. k. Hoflieferanten. Schroll, Wien (1996). ISBN 3-85202-129-4
  • Christian Rapp, Markus Kristan und Ankerbrot (Hrsg.) Worauf freut sich der Wiener wenn er vom Urlaub kommt? – Ankerbrot. Die Geschichte einer großen Bäckerei. Brandstätter Verlag, Wien (2011). ISBN 978-3850335553

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Webpräsenz der Ankerbrot AG, Abschnitt Impressum. Abgerufen am 14. April 2012.
  2. Großbäcker Anker schreibt wieder Gewinne. ORF.at, 10. August 2011. Abgerufen am 10. August 2011
  3. Gesamtverzeichnis der Staatswappenträger
  4. Anker verpasst sich zum Jubiläum neues Aussehen. DiePresse.com, 10. August 2011, abgerufen am 21. Mai 2012.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ankerbrot – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

48.16777777777816.387777777778Koordinaten: 48° 10′ 4″ N, 16° 23′ 16″ O