Ann Coulter

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Ann Coulter (2011)

Ann Hart Coulter (* 8. Dezember 1961 in New York) ist eine US-amerikanische konservative Kolumnistin und Sachbuchautorin. Coulter, die sich selbst als Polemikerin („polemicist“) beschreibt, erlangte Bekanntheit aufgrund zahlreicher von ihr ausgelöster Kontroversen.

Leben und Arbeit[Bearbeiten]

Coulter wurde als drittes Kind einer Familie der oberen Mittelklasse in New York geboren und wuchs in New Canaan im Bundesstaat Connecticut auf. Ihr Vater John Vincent Coulter war neun Jahre lang als Agent für das FBI tätig, bevor er als Anwalt zu arbeiten begann. Aufgrund seiner Auseinandersetzungen mit verschiedenen Gewerkschaften als Vertreter der Arbeitgeberseite kam er in den 1980er Jahren als „union buster“ zu einer gewissen Prominenz.

Ihr Studium an der Cornell University, wo sie an der Gründung der Fachzeitschrift The Cornell Review mitwirkte, schloss Coulter 1984 mit der Benotung cum laude ab. Es folgte ein Jurastudium an der University of Michigan Law School, wo sie zeitweise die Stelle der Herausgeberin der Zeitschrift Michigan Law Review übernahm. Außerdem gründete sie einen lokalen Ableger der Federalist Society und absolvierte Journalismuskurse am National Journalism Center.

Nach dem Studium arbeitete Coulter zunächst als Sachbearbeiterin im Büro von Pasco Bowman II., einem Anwalt am Bundesberufungsgericht des achten Bundesgerichtsbezirks, in Kansas City. Es folgte ein kurzes Engagement in einer New Yorker Privatkanzlei, wo sie sich auf Firmenrecht spezialisierte, ehe sie 1994 eine Stellung als Mitarbeiterin im Justizkomitee des Senats erhielt, nachdem die Republikanische Partei im selben Jahr die Kontrolle über den Kongress übernommen hatte. Als Spezialistin für die Sachgebiete Kriminalität und Immigrationsrecht arbeitete sie in dieser Funktion dem damaligen Senator für Michigan, Spencer Abraham, zu.

Einer breiteren Öffentlichkeit wurde Coulter 1996 im Zusammenhang mit dem Fall Paula Jones bekannt, in dem sie als eine Beraterin von Jones in deren Auseinandersetzung mit Präsident Bill Clinton wegen sexueller Belästigung auftrat.

Coulters politische Kolumne wird gegenwärtig von sechs konservativen Websites veröffentlicht: Human Events Online, World Net Daily, Townhall.com, Front Page Mag, Jewish World Review sowie ihrer eigenen Homepage.

Mediale Präsenz[Bearbeiten]

Ann Coulter

Einer breiteren Öffentlichkeit wurde Coulter erstmals 1996 bekannt, als sie für den Fernsehsender MSNBC als Justizkorrespondentin über Rechtsthemen berichtete. Seither tritt sie regelmäßig als Vertreterin rechter Positionen im politischen Meinungsspektrum in Fernseh- und Radiotalksendungen auf. Zu den Sendungen, in denen sie besonders häufig zu Gast ist oder war, zählen The Today Show, Hannity and Colmes, The O’Reilly Factor, American Morning, Crossfire, Real Time with Bill Maher, Politically Incorrect, The Fifth Estate, The Sean Hannity Show, The Rush Limbaugh Show und Mike Gallagher. 2005 fungierte sie zudem als Jurorin in der Rankingshow The Greatest American.

In der Dokumentation FahrenHYPE 911 versuchte sie als eine von vielen prominenten Konservativen die Behauptungen von Michael Moores Film Fahrenheit 9/11 zu widerlegen. In Is It True What They Say About Ann? befasste sie sich mit der Kritik an ihrer Person.

Als Buchautorin hat Coulter bislang sechs Werke vorgelegt, die alle hohe Plätze auf der Bestsellerliste der New York Times erreichten. Während ihr erstes Buch von 1998 Argumente zugunsten einer Amtsenthebung von Präsident Clinton vortrug, wandte sich ihr zweites Buch 2002 gegen die ihrer Meinung nach unfaire Berichterstattung der Medien gegenüber George W. Bush. Ihr viertes Buch fasste Zeitungskolumnen zusammen, während ihr fünftes Buch sich mit der angeblichen Gottlosigkeit und Gottesfeindlichkeit der „liberals“ befasst.

Bewertung und Kritik[Bearbeiten]

In den USA ist Coulter aufgrund scharfer Polemiken gegen die Demokratische Partei und die politische Linke – die sie als „liberals“ bezeichnet – sehr umstritten. Ihre meist provokant formulierten rhetorischen Angriffe auf die Demokraten und „die liberalen Medien“ („liberal media“) haben ihr unter der politischen Rechten seit den späten 1990er Jahren eine begrenzte Bekanntheit verschafft. Die britische Wochenzeitung The Observer versuchte Coulters eigenwillige Popularität auf den Punkt zu bringen, indem sie sie als „republikanische Variante von Michael Moore“ („the Republican Michael Moore“) und als „Rush Limbaugh im Minirock“ charakterisierte.

Den Anhängern der Demokraten und den von ihr als „liberals“ gescholtenen tatsächlichen oder vermeintlichen Linken gilt Coulter umgekehrt als Reizfigur: Keith Olbermann, Nachrichtenmoderator und -kommentator des Senders MSNBC, benutzt seit einigen Jahren routinemäßig den verballhornenden Spitznamen „Coultergeist“ (ein Mischwort aus Coulters Namen und dem auch im Englischen gebräuchlichen Wort Poltergeist), wenn er über Coulter spricht. Der Komiker Richard Belzer brachte die ihr von vielen Linken entgegengebrachte heftige Abneigung in einer Ausgabe der Sendung Real Time – einer von HBO ausgestrahlten humoristischen Politsendung – zum Ausdruck, als er auf die Ankündigung von Moderator Bill Maher, Coulter für ein Interview live ins Studio zu schalten, den Vorwurf erhob, diese sei eine „Faschistin“ („fascist“). Außerdem konnte er nur mit Mühe von Maher daran gehindert werden, das Studio zu verlassen. Maher selbst, obwohl privat mit ihr eng befreundet, ist ebenfalls ein deutlicher Kritiker Coulters.

Als Beispiel für Coulters Kritikstil kann eine Rede von 2007 vor der Conservative Political Action Conference herhalten, in der sie ihre Ablehnung des Präsidentschaftskandidaten John Edwards damit begründete, dass dieser eine „Schwuchtel“ („faggot“) sei. Edwards charakterisierte sie wegen dieses und anderen Angriffen als „she-devil“ und hielt ihr vor, sich einer Sprache des Hasses zu bedienen.

Politische Tätigkeit[Bearbeiten]

1999 erwog Coulter eine Kandidatur für den Kongress als Kandidatin der Libertären Partei im vierten Wahlbezirk von Connecticut. Ihr Ziel war es, so die Wiederwahl des republikanischen Mandatsinhabers Christopher Shays zu verhindern, dem sie wichtige Stimmen aus dem konservativen Stimmenpool abzweigen wollte, um so dem demokratischen Gegenkandidaten zum Mandat zu verhelfen. Shays sollte so für seine, aus Coulters Sicht, „unerhörte“ Weigerung abgestraft werden, für die Amtsenthebung von Bill Clinton zu stimmen. Nachdem die Führer der Libertären sich weigerten, sie zu unterstützen, zerschlug sich dieses Projekt schließlich.

Bei Präsidentschaftswahlen unterstützt Coulter üblicherweise die Kandidaten der Republikaner. Für die Nominierung zum republikanischen Kandidaten für die Wahl im November 2008 unterstützte sie zunächst den Kongressabgeordneten Duncan Hunter und, nach dessen Ausscheiden, den ehemaligen Gouverneur von Massachusetts Mitt Romney. John McCain, der die Nominierung schließlich erhielt, lehnte Coulter als angeblichen „liberal“ ab. So kündigte sie während des Vorwahlkampfes an, eher für Hillary Clinton als für McCain zu stimmen, sollte er die Nominierung erhalten. Den Kandidaten Mike Huckabee tat sie als einen „republikanischen Jimmy Carter“ ab.

Auf Seite der demokratischen Spitzenpolitiker ist Coulter insbesondere wegen ihrer wiederholten Angriffe auf den ehemaligen Senator John Edwards aufgefallen, den sie sowohl im Vorfeld der Wahlen von 2004 als auch 2007 und 2008 wiederholt heftig kritisierte.[1] So warf sie ihm vor, er würde den Unfalltod seines Sohnes 1996 politisch instrumentalisieren, und beschimpfte ihn mehrfach als „Schwuchtel“ („faggot“).

Kontroversen[Bearbeiten]

  • Ann Coulter beschuldigte vier Witwen von Opfern des 11. September, die politische Aktivistinnen geworden sind, nur auf Geld und Öffentlichkeit aus zu sein, und nannte sie in diesem Zusammenhang „Hexen“.[2]
  • Coulter liegt im Streit mit der liberalen New York Times und bedauerte einmal, dass der Oklahoma-City-Attentäter Timothy McVeigh nicht zum New-York-Times-Gebäude gegangen sei.
  • Im März 2011 erklärte sie nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima in einem Interview, dass sich radioaktive Strahlung laut einiger Studien angeblich positiv auf die Gesundheit auswirke und daher unbedenklich sei.[3]
  • Im Juni 2014, während der Fußball-Weltmeisterschaft 2014, in welcher die USA das Achtelfinale erreichten, beschwerte sich Coulter über die zunehmende Beliebtheit des Fußballs in ihrem Heimatland und bezeichnete dies als „Zeichen für den moralischen Verfall“ innerhalb der Gesellschaft und dass „niemand, dessen Urgroßvater in Amerika geboren wurde, Fußball gucken“ würde.[4] In den folgenden Tagen entstand weite Kritik gegen Coulters Aussagen, sowohl von US-amerikanischen Medienanstalten – die Huffington Post reagierte mit dem Kommentar, dass „Ann Coulter uns daran erinnert, dass nur Vollidioten Fußball ohne jeden Grund hassen“ könnten – als auch von Nutzern sozialer Netzwerke wie Facebook oder Twitter.[5]

Schriften[Bearbeiten]

  • High Crimes and Misdemeanors. The Case Against Bill Clinton, 1998.
  • Slander. Liberal Lies About the American Right, 2002.
  • Treason. Liberal Treachery from the Cold War to the War on Terrorism, 2003.
  • How to Talk to a Liberal (If You Must), 2004.
  • Godless. The Church of Liberalism, 2006.
  • If Democrats Had Any Brains, They’d Be Republicans, 2007.
  • Demonic. How the Liberal Mob is endangering America, 2011.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ann Coulter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Coulter under fire for anti-gay slur. In: CNN, 4. März 2007 (englisch).
  2. Ginamaria Capogreco: Ann Coulter Attacks 9/11 Widows. In: CBS News, 7. Juni 2006.
  3. Ann Coulter: Radiation Is 'Good For You' (VIDEO) In: The Huffington Post, 25. Mai 2011 (englisch).
  4. Ann Coulter: America's favorite national pasttime: Hating soccer. 25. Juni 2014. Abgerufen am 28. Juni 2014.
  5. Axel Postinett: Besiegelt Fußball den Untergang der USA?. 29. Juni 2014. Abgerufen am 29. Juni 2014.