Anne Frank

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Anne Frank (Begriffsklärung) aufgeführt.
Statue in Amsterdam

Annelies Marie „Anne“ Frank (* 12. Juni 1929 in Frankfurt am Main als Anneliese[1] Marie Frank; † Anfang März 1945 im KZ Bergen-Belsen) war ein jüdisches deutsches Mädchen, das 1934 mit seinen Eltern in die Niederlande auswanderte, um der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu entgehen, und kurz vor dem Kriegsende dem nationalsozialistischen Holocaust zum Opfer fiel. Zuvor hatte sie sich mit ihrer Familie in einem Hinterhaus in Amsterdam versteckt gehalten, wo sie ihre Erlebnisse und Gedanken in einem Tagebuch niederschrieb.

Das nach dem Krieg von ihrem Vater Otto Frank veröffentlichte Tagebuch der Anne Frank gilt als ein historisches Dokument aus der Zeit des Holocaust und die Autorin als Symbolfigur für alle Opfer der Vernichtungspolitik der Zeit des Nationalsozialismus.

Leben

Kindheit in Frankfurt

Gedenkstele in Frankfurt am Main
Gedenkstein in Aachen

Anne Frank wurde am 12. Juni 1929 als zweite Tochter von Otto Heinrich Frank und Edith Frank-Holländer in der Klinik des Vaterländischen Frauenvereins in der Eschenheimer Anlage in Frankfurt am Main geboren. Diese Klinik wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Anne lebte bis zu ihrem zweiten Lebensjahr im Haus Marbachweg 307 und wohnte daraufhin in der Ganghoferstraße 24 (beide im Stadtteil Dornbusch). Die Familie lebte in einer assimilierten Gemeinschaft von Juden und anderen Bürgern und die Kinder wuchsen mit katholischen, protestantischen und jüdischen Freunden auf. Die Franks waren Reformjuden, die viele Traditionen des jüdischen Glaubens bewahrten, aber nur wenige Gebräuche pflegten. Edith war der gläubigere Elternteil, während Otto, der im Ersten Weltkrieg als Offizier aktiv war und nun als Unternehmer arbeitete, sich mehr um die Bildung seiner beiden Töchter kümmerte. Er verfügte über eine umfangreiche Privatbibliothek und animierte die Mädchen zum Lesen. Anne musste sich ständig mit ihrer drei Jahre älteren Schwester Margot vergleichen lassen. Margot galt als gutmütig, vorbildlich und zurückhaltend, während Anne vielseitig interessiert und lebhaft, aber auch oft extrovertiert und impulsiv war und sich gegenüber Margot benachteiligt fühlte. Bevor die judenfeindliche Politik der Nationalsozialisten ihr junges Leben in Unruhe brachte und schließlich völlig zerstörte, lebte sie unbeschwert mit ihrer Familie und ihren Freunden in Frankfurt. Sie konnte auch ihre Großmutter, Ottos Mutter, in Basel besuchen. Im Jahr 1931 zog diese mit Annes Tante Helene (Otto Franks Schwester, genannt Leni) und den Kindern Stephan und Bernhard[2] nach Basel, wo ihr Mann 1929 die Schweizer Vertretung der Opekta eröffnet hatte. Anne Frank wird von ihrem Cousin Buddy Elias als lebendiges Kind beschrieben, das „gelacht und gelacht“ habe.[3]

Als die NSDAP am 13. März 1933 – wenige Wochen nach Hitlers Machtergreifung – bei der Kommunalwahl in Frankfurt die Mehrheit erreichte, kam es sofort zu antisemitischen Demonstrationen. Otto Frank sah große Probleme auf seine Familie zukommen, und die Eltern fragten sich besorgt, was wohl passiere, wenn sie weiter in Deutschland blieben. Später in diesem Jahr zog Edith mit den Kindern nach Aachen zu ihrer Mutter Rosa Holländer. Otto blieb zunächst in Frankfurt, erhielt dann jedoch von Robert Feix das Angebot, eine Niederlassung der Opekta in Amsterdam aufzubauen. Er zog in die Niederlande, um die Geschäfte zu arrangieren und alles für die Ankunft seiner Familie vorzubereiten. Durch das Reichsbürgergesetz verlor die Familie Frank dort ihre deutsche Staatsbürgerschaft.

Exil in Amsterdam

Wohnhaus bis 5. Juli 1942, am Merwedeplein

Edith und die beiden Töchter kamen im Februar 1934 nach und lebten in einem Mehrfamilienhaus am Merwedeplein 37 im neuen Stadtteil Rivierenbuurt (deutsch: Flussviertel) am damaligen Südrand der Stadt. Dort suchten zahlreiche jüdische Familien aus Deutschland eine neue Heimat. Sie wollten in den Niederlanden bleiben, weil sie sich hier sicherer fühlten als in ihrer eigentlichen Heimat.

Die Eltern Frank kümmerten sich im Exil weiterhin um die Bildung ihrer beiden Kinder. Margot besuchte eine öffentliche Schule und Anne wurde an der öffentlichen Montessori-Schule in der benachbarten Niersstraat angemeldet. Während Margot vor allem in Mathematik glänzte, zeigte Anne ihre Fähigkeiten beim Lesen und Schreiben. Zu Annes engsten Freunden ab 1934 zählten Hannah Goslar und Sanne Ledermann. Goslar erzählte später, dass Anne häufig heimlich schrieb und nichts über den Inhalt ihrer Schriften verraten wollte. Diese frühen Aufzeichnungen sind verloren gegangen, aber „Hanneli“, wie Anne ihre beste Freundin nannte, ist heute eine wichtige Zeitzeugin, deren Erinnerungen Alison Leslie Gold 1998 in einem Buch festhielt. Eine weitere Freundin, Jacqueline van Maarsen, berichtete einige Jahre später ebenfalls von ihren Erlebnissen mit Anne.

Die Montessori-Schule, die Anne besucht hat, heutige Anne-Frank-Schule

Otto Frank leitete ab 1933 die niederländische Filiale der deutschen Firma Opekta. 1938 gründete er zusammen mit dem Fleischer Hermann van Pels, der mit seiner ebenfalls jüdischen Familie aus Osnabrück geflohen war, eine zweite Firma namens Pectacon, die Gewürze verkaufte. Otto war sehr bemüht, dauerhaft seinen Lebensunterhalt zu sichern, da er miterleben musste, wie die Bank seines Vaters Michael in Aachen, die bereits durch die Weltwirtschaftskrise 1929 geschwächt war, von den Nationalsozialisten enteignet wurde.

1939 kam Ediths Mutter zu den Franks nach Amsterdam, wo sie bis zu ihrem Tod im Januar 1942 blieb. Wie rücksichtslos die Nationalsozialisten vorgingen, erfuhren die Franks aus erster Hand von Ediths Bruder Walter Holländer, der im Rahmen der „Reichskristallnacht“ festgenommen und ins KZ Sachsenhausen gebracht worden war, bevor er mit einer Sondergenehmigung in die Niederlande reisen durfte. Otto Frank ließ sich jedoch durch die schockierenden Berichte über die brennenden Synagogen nicht von seiner optimistischen Einstellung abbringen. Er bezeichnete das Ereignis als „Fieberanfall“, der alle Beteiligten zur Vernunft bringen müsse. Die Hoffnung verwandelte sich jedoch in Angst, als mit dem Angriff auf Polen im September 1939 der Zweite Weltkrieg ausbrach.

Inneres der von den Franks besuchten Synagoge im Stadtteil Rivierenbuurt

Die Juden im Exil waren besorgt, dass auch die Niederlande, die versuchten ihre Neutralität zu wahren, von Hitlers Expansionsdrang gefährdet seien. Am 10. Mai 1940 wurden die Niederlande von der deutschen Wehrmacht angegriffen und besetzt, die niederländischen Streitkräfte kapitulierten, Königin Wilhelmina floh nach London ins Exil. Schnell wurde deutlich, dass den Juden in den Niederlanden das gleiche Schicksal bevorstand wie in den anderen besetzten Gebieten. Otto und Edith Frank konnten die politischen Probleme nicht länger vor ihren Kindern verborgen halten. Bisher hatten die Eltern versucht, ihre Töchter abzuschirmen, um eine gewisse Normalität zu bewahren, aber Anne verstand nun die Welt nicht mehr. Aufgeben passte nicht zu ihrem kämpferischen Charakter; sie war es gewohnt, ihre Meinung durchzusetzen.

Immer neue Judengesetze nahmen ihnen zunehmend ihre Rechte. Sie wurden vom gesellschaftlichen Leben und allen öffentlichen Einrichtungen ausgeschlossen. Das Kino-Verbot traf Anne, die mit Begeisterung Fotos von Filmstars sammelte, besonders hart. Mit ihren jüdischen Mitschülern musste sie nun eine besondere Schule, das Lyzeum, besuchen, wodurch sie von vielen Freunden getrennt wurde. Alle Juden mussten sich und später sogar ihre Fahrräder registrieren lassen. Als sie durch die Verpflichtung, den Judenstern tragen zu müssen, gebrandmarkt wurden, solidarisierten sich viele Niederländer mit ihnen. Allerdings formierte sich auch eine niederländische nationalsozialistische Partei. Um seine Firmen vor den strengen Kontrollen der Wirtschaftsprüfung zu schützen, übergab Otto Frank die Leitung pro forma an seine arischen Mitarbeiter Johannes Kleiman und Victor Kugler.

Am 12. Juni 1942 bekam Anne zum 13. Geburtstag ein rot-weiß kariertes Tagebuch. Noch am selben Tag begann sie in niederländischer Sprache ihr Tagebuch.

Versteck im Hinterhaus

Rekonstruktion der Bücherregal-Tür zum Versteck im Hinterhaus

Otto Frank hatte im Hinterhaus der Firma in der Prinsengracht 263 ein Versteck vorbereitet, wie es sein Mitarbeiter Kleiman vorgeschlagen hatte. Das Hauptgebäude in der Nähe der Westerkerk war unauffällig, alt und typisch für dieses Viertel von Amsterdam. Das Achterhuis war ein dreistöckiges Gebäude an der Rückseite des Gebäudes. Auf der ersten Etage gab es zwei kleinere Zimmer mit Bad und Toilette, darüber ein großes und ein kleines Zimmer; von letzterem führte eine Leiter auf den Dachboden. Die Tür zum insgesamt rund 50 m² großen Hinterhaus, das über eine steile Treppe mit dem Gang vor den Büroräumen verbunden war, wurde mit einem Bücherregal verdeckt.

Otto Frank hatte seine Sekretärin Miep Gies (geb. Hermine Santrouschitz) zuvor um Hilfe gebeten. Obwohl sie wusste, dass ihr die Todesstrafe drohte, wenn die versteckten Juden entdeckt würden, sagte sie ohne Zögern zu und übernahm die schwierige Verantwortung. Zusammen mit ihrem Mann Jan Gies, Ottos Mitarbeitern Kugler und Kleiman sowie Bep Voskuijl half sie den Bewohnern des Hinterhauses.

Die Lage der Familie Frank spitzte sich zu, als Margot Frank am 5. Juli 1942 einen Aufruf von der Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam erhielt, der ihre Deportation in ein Arbeitslager anordnete. Hätte sich Margot nicht gemeldet, wäre die ganze Familie Frank verhaftet worden. Aufgrund des Aufrufs beschloss Otto Frank, früher als geplant mit seiner Familie unterzutauchen. Bereits am nächsten Tag, dem 6. Juli, begann daher für die ganze Familie ein Leben im Untergrund, da eine Flucht aus den besetzten Niederlanden unmöglich erschien. Als Annes Freund Edmond „Hello“ Silberberg sie zuhause besuchen wollte, traf er sie nicht mehr an. Zur Tarnung hatten sie ihre bisherige Wohnung unordentlich zurückgelassen und einen Zettel hinterlegt, um eine plötzliche Flucht in die Schweiz vorzutäuschen. Nach einer Woche folgte die Familie van Pels ins Achterhuis und im November 1942 kam noch Fritz Pfeffer dazu.

Die Versteckten im Hinterhaus
Name Pseudonym Geboren Gestorben
Otto Heinrich Frank Frederik Aulis / Robin (bei Anne) 12. Mai 1889 in Frankfurt am Main 19. August 1980 in Birsfelden bei Basel
Edith Frank-Holländer Nora Aulis / Robin (bei Anne) 16. Januar 1900 in Aachen 6. Januar 1945 im KZ Auschwitz-Birkenau
Margot Betti Frank Betty Aulis / Robin (bei Anne) 16. Februar 1926 in Frankfurt am Main Anfang März 1945 im KZ Bergen-Belsen
Annelies Marie Frank Anne Aulis / Robin (bei Anne) 12. Juni 1929 in Frankfurt am Main Anfang März 1945 im KZ Bergen-Belsen
Hermann van Pels Hans van Daan (bei Anne)
Hermann van Daan (im Buch)
31. März 1898 in Gehrde 6.[4] oder 8.[5] September 1944 im KZ Auschwitz-Birkenau.
Auguste van Pels Petronella van Daan 29. September 1900 in Buer 9. April 1945 in Raguhn, Außenlager des KZ Buchenwald.[5]
Peter van Pels Alfred van Daan (bei Anne)
Peter van Daan (im Buch)
8. November 1926 in Osnabrück 5. Mai 1945 im KZ Mauthausen[5]
Fritz Pfeffer Albert Dussel 30. April 1889 in Gießen 20. Dezember 1944 im KZ Neuengamme
Die Helfer der Versteckten
Name Pseudonym Geboren Gestorben
Miep Gies-Santrouschitz Anne van Santen (bei Anne) 15. Februar 1909 in Wien 11. Januar 2010 in Amsterdam
Jan Gies Henk van Santen (bei Anne) 18. Oktober 1905 in Amsterdam 26. Januar 1993 in Amsterdam
Victor Kugler Harry Kraler (bei Anne) 5. oder 6. Juni 1900 in Hohenelbe[6] 16. Dezember 1981 in Toronto
Johannes Kleiman Simon Koophuis (bei Anne) 1896 in Koog aan de Zaan 30. Januar 1959 in Amsterdam
Elisabeth „Bep“ van Wijk-Voskuijl Elly Kuilmans (bei Anne) 5. Juli 1919 in Amsterdam 6. Mai 1983 in Amsterdam
Prinsengracht 263, in dessen Hinterhaus sich die Familie versteckte

Die anfängliche Hoffnung der Versteckten, nach ein paar Wochen oder Monaten wieder frei zu sein, erwies sich als vergeblich. Sie lebten etwas länger als zwei Jahre im Hinterhaus. Während dieser Zeit konnten sie nicht nach draußen und durften keine Aufmerksamkeit erregen (z. B. durch laute Geräusche), was ihr Leben stark einschränkte. Die angespannte Atmosphäre im Hinterhaus, wo die Versteckten in ständiger Angst und Ungewissheit lebten, führte immer wieder zu Unruhe und Spannungen zwischen ihnen. Je länger sie im Hinterhaus zusammenlebten, desto deutlicher kamen persönliche Konflikte zum Vorschein. So ärgerte sich Anne über Fritz Pfeffer, der mit ihr ein Zimmer teilte und damit ihre Privatsphäre störte. Sie benutzte für ihn deshalb das Pseudonym „Dussel“ (Dummkopf), ohne zu beachten, dass es auch für den Zahnarzt, dessen Partnerin Charlotte Kaletta als Christin nichts zu fürchten hatte, nicht einfach war. Anne geriet häufig in Konflikte mit ihrer Mutter, weil sich Edith zunehmend verzweifelt und hoffnungslos zeigte, was nicht zu Annes Charakter passte. Otto musste vermitteln. Für Anne war es besonders schwierig, weil sie ausgerechnet zu Beginn ihrer Jugend, die bei anderen jungen Menschen von einer launischen und rebellischen Stimmung geprägt ist, mit ihren Eltern eingesperrt war und sich diszipliniert und angepasst verhalten musste.

Miep Gies besorgte nicht nur Lebensmittel, sondern informierte die acht Untergetauchten auch über das aktuelle Kriegsgeschehen. Mittags trafen sich die Helfer mit den Versteckten zum gemeinsamen Mittagessen und abends, wenn die anderen Angestellten der Firma das Gebäude verlassen hatten, konnten Anne und die anderen ins Vorderhaus kommen. Dort hörten sie die Nachrichten des BBC-Hörfunks, die sie zunehmend verunsicherten. Am 17. Juli fuhr der erste Zug nach Auschwitz und den Juden wurde die Staatsbürgerschaft aberkannt.

Anne Frank las im Versteck viele Bücher, schulte ihren Stil daran und entwickelte sich schnell vom kapriziösen „Backfisch“ zur eigenständigen Schriftstellerin, ihre schriftstellerischen Fähigkeiten und ihr Selbstbewusstsein als Autorin wuchsen. Sie bezweifelte, dass Otto Edith wirklich liebte und vermutete, dass er sie eher aus Vernunft geheiratet habe. Anne selbst begann sich für den zunächst als zu schüchtern und langweilig beschriebenen Peter van Pels zu interessieren, aber nach einem kurzen stürmischen Intermezzo mit einigen Zärtlichkeiten war die Beziehung schnell wieder beendet. Aus dem Tagebuch geht auch hervor, dass Anne über die Deportationen und das auf Juden ausgesetzte Kopfgeld Bescheid wusste, von denen sie wenige Tage nach ihrem letzten Eintrag selbst betroffen war.

Verrat

Es gilt als gesichert, dass das Versteck verraten wurde. Der Täter wurde nie sicher identifiziert. Lange Zeit galt der Lagervorarbeiter Willem Gerard van Maaren (1895–1971), der 1943 der Nachfolger von Bep Voskuijls erkranktem Vater geworden war, als Hauptverdächtiger. Er hatte eine Geldbörse gefunden, die Hermann van Pels zuvor im Lager verloren hatte, und daraufhin Verdacht geschöpft. Jedoch konnten trotz zweier Untersuchungen keine ausreichenden Beweise beigebracht werden, so dass es nie zu einer Anklage kam. Van Maaren war kein Antisemit. Er selbst hatte seinen Sohn während des Krieges versteckt, weil dieser sich nicht zum Arbeitsdienst melden wollte. In der Firma galt er aber als gefährlich, weil er misstrauisch war, herumschnüffelte und gegenüber Miep Gies mit angeblichen Verbindungen zur Gestapo prahlte. Vor allem Kugler, Kleiman und Voskuijl verdächtigten ihn. Später stellte sich heraus, dass er stahl und wahrscheinlich durch sein Verhalten seine eigenen Taten zu vertuschen versuchte.

Bei einer Untersuchung bestritt er 1948 den Verrat. Daraufhin sprach die ermittelnde Politieke Recherche Afdeling ihn auf Bewährung frei. 1949 legte er Berufung ein und wurde vom Bezirksgericht bedingungslos freigesprochen. Zwischen November 1963 und November 1964 stand er jedoch erneut als Verdächtiger vor Gericht, als das Criminal Investigation Department den SD-Oberscharführer Karl Josef Silberbauer, der die Versteckten festgenommen hatte, aufspürte und den Fall neu aufrollte. Silberbauer konnte jedoch weder van Maaren identifizieren noch irgendwelche neuen Informationen liefern, da sein Vorgesetzter (der sich nach der deutschen Niederlage das Leben genommen hatte) ihm den Namen des Informanten nicht mitgeteilt hatte. Van Maaren war der am häufigsten untersuchte Verdächtige in diesem Fall und beharrte bis zu seinem Tod 1971 auf seiner Unschuld.

Die zweite verdächtigte Person war Lena van Bladeren-Hartog († 1963), die als Putzfrau in der Firma arbeitete. Ihr Mann Lammert, der als Gehilfe unter van Maaren angestellt war, hatte von dessen Beobachtungen erfahren und seiner Frau davon erzählt. Lena erzählte es Anna Genot, die ihrerseits Kleiman informierte. Anna und ihr Mann Petrus gaben außerdem an, dass sie schon 1942 angesichts der großen Mengen Milch und Brot, die in der Firma angeliefert wurden, Verdacht geschöpft hätten. Zu dem Verdacht gegen Lena passte die Aussage, dass die Meldung über die versteckten Juden von einer weiblichen Stimme gekommen sei. Aber auch ihr konnte keine Schuld nachgewiesen werden. Melissa Müller nannte sie zwar 1998 als Informantin, nahm die Behauptung aber 2003 zurück, als die britische Historikerin Carol Ann Lee ihr widersprach und eine Untersuchung des Niederländischen Instituts für Kriegsdokumentation (Nederlands Instituut voor Oorlogsdocumentatie, NIOD) zu keinem eindeutigen Ergebnis kam.

Lee präsentiert in ihrem Buch The hidden life of Otto Frank 2002 einen neuen Namen, den niederländischen Juden-Kopfgeldjäger Anton Ahlers (1917–2000). Diese Kopfgeldjäger waren zur Zeit der Besatzung zahlreich und verdienten mit den Verhaftungsprämien ihren Lebensunterhalt. Lees Recherchen ergaben, dass der potenzielle Verräter, der als Informant für Kurt Döring im Amsterdamer Hauptquartier der Gestapo arbeitete, den Vater Otto Frank erpresst haben soll. Allerdings ist die Theorie umstritten. Das NIOD glaubt nicht daran, da die Vermutungen nur auf Aussagen von Ahlers selbst und seiner Familie beruhen (seine Frau Martha wies die Vorwürfe zurück, sein Bruder Cas bestätigte sie). Da Ahlers nur mit dem Verrat des Verstecks geprahlt hatte, gibt es keinen gesicherten Beweis.

Verhaftung

Wer den entscheidenden Hinweis gab, wurde nie geklärt, aber sicher ist, dass die Nationalsozialisten am Morgen des 4. August 1944 gegen 10 Uhr in der Prinsengracht erschienen, nachdem ein Anruf bei der Gestapo eingegangen war. Die Helfer konnten die Juden nun nicht mehr schützen und mussten dem aus Österreich stammenden Karl Josef Silberbauer das Versteck zeigen. Kugler und Kleiman wurden in das SD-Gefängnis in der Euterpestraat gebracht. Sie kamen am 11. September 1944 ins Polizeiliche Durchgangslager Amersfoort. Kleiman wurde am 18. September 1944 aus gesundheitlichen Gründen entlassen, Kugler gelang am 28. März 1945 die Flucht. Bep Voskuijl konnte das Chaos bei der Festnahme nutzen, um mit einigen Dokumenten, die auf Verbindungen zum Schwarzmarkt hinwiesen, zu fliehen. Miep Gies sammelte die Blätter mit Annes Aufzeichnungen, die Silberbauer bei seiner Suche nach einem Behälter für das Geld und den Schmuck der Gefangenen auf dem Boden verstreut hatte, und verwahrte sie in einer Schublade, um sie nach dem Krieg an Anne oder ihren Vater zurückzugeben.

Die Versteckten wurden zunächst bei der Gestapo verhört und über Nacht festgehalten. Am 5. August brachte man sie in das überfüllte Gefängnis Huis van Bewaring in der Weteringschans. Zwei Tage später kamen die Juden ins Durchgangslager Westerbork. Da sie als Verbrecher galten, mussten sie in den Strafbaracken harte Arbeit verrichten. Die Frauen arbeiteten – von den Männern getrennt – in einer Batterien-Abteilung. Sie lebten in der Hoffnung, sich durch die Arbeit unentbehrlich zu machen und so einem noch schlimmeren Schicksal zu entgehen. Jedoch hörten sie nicht nur Gerüchte über die Fortschritte der Alliierten, sondern auch Nachrichten über Transporte in die Konzentrationslager im Osten. Anne wirkte nach Angaben der anderen Gefangenen in Westerbork wie gelöst. Nach der langen Zeit im Versteck holte sie sich ihre Zuversicht durch den Glauben an Gott. Am 2. September wurde sie mit ihrer Familie und der Familie van Pels beim Appell zum Transport nach Auschwitz ausgewählt.

Tod im KZ

Am 3. September 1944 fuhr der letzte Zug mit 1.019 Juden nach Auschwitz, wo er zwei Tage später ankam. An der Rampe sahen sich die Männer und Frauen zum letzten Mal. Es ist nicht eindeutig geklärt, ob alle Bewohner des Hinterhauses die Selektion überstanden. Nach Aussagen und Nachforschungen des Roten Kreuzes wurde Hermann van Pels direkt nach der Ankunft vergast; allerdings behauptete Otto Frank, van Pels sei erst einige Wochen später ermordet worden, also kurz bevor die Vergasungen eingestellt wurden. Auguste van Pels wurde über das KZ Bergen-Belsen und KZ Buchenwald am 9. April 1945 ins Ghetto Theresienstadt gebracht. Sie starb während des Transports nach Theresienstadt. Peter van Pels wurde am 16. Januar 1945 auf einen Todesmarsch von Auschwitz zum KZ Mauthausen geschickt, wo er kurz vor der Befreiung starb. Edith Frank starb am 6. Januar 1945 in Auschwitz an Hunger und Erschöpfung. Zuvor hatte sich Rosa de Winter um Annes Mutter gekümmert und sie in eine Krankenbaracke gebracht.

Anne war drei Monate vor der Ankunft in Auschwitz 15 Jahre alt geworden und entging damit dem direkten Tod. 549 der 1.019 Passagiere – darunter alle Kinder unter 15 Jahren – kamen direkt in die Gaskammern. Die 258 Männer und 212 Frauen, die die Selektion überstanden hatten, mussten die demütigende Prozedur mit Ausziehen, Desinfektion, Rasur und dem Eintätowieren einer Nummer auf ihrem Arm über sich ergehen lassen. Anne, Margot und Edith Frank wurden in Block 29 des Frauenlagers Birkenau untergebracht. Da ihnen eine hohe Nummer eintätowiert worden war, standen sie in der Hierarchie weit unten. Tagsüber mussten sie harte Arbeit verrichten und nachts in überfüllten Baracken frieren. Die anderen Häftlinge beschrieben Anne als stark oder introvertiert. Ihre Sehnsucht und ihr Lebenswille erwiesen sich als treibende Kraft. Dennoch konnte sie den Krankheiten, die wegen der katastrophalen hygienischen Bedingungen im Lager grassierten, nicht entfliehen und infizierte sich mit Krätze. Zum Schutz der anderen Häftlinge wurde sie zusammen mit Margot in einen Isolierblock, den sogenannten Krätzeblock, verlegt. In diesem Isolierblock herrschten noch katastrophalere hygienische Zustände.

YAD VASHEM Gedenkblatt zu Anne Frank

Da die Alliierten immer näher rückten, entschlossen sich die Nationalsozialisten, Auschwitz allmählich zu räumen. Am 28. Oktober deportierten sie 1308 Frauen aus Birkenau ins KZ Bergen-Belsen. Sie gehörten zu den insgesamt 8.000 „kranken, aber potentiell wiederherstellungsfähigen Frauen“ (Müller 2000: 337), die für einen späteren Einsatz in der Rüstungsindustrie vorgesehen waren. In Bergen-Belsen brachte man Anne und Margot sowie die anderen Gefangenen in Zeltlagern unter. Die beiden Mädchen verlegte man im Januar 1945 in ein Schonungslager. Dort traf sie ihre Freundinnen Hannah Goslar und Nanette Blitz wieder, die seit Februar 1944 als „Austauschjüdinnen“ in einem anderen Lagerteil gefangen waren. Bei ihren Gesprächen am Zaun erzählte Anne, die wegen Läusebefalls nur mit einem Tuch bekleidet war, dass sie und ihre Schwester alleine seien, weil sie ihre Eltern für tot hielt. Hannah und Nanette beschrieben Anne als kahl, ausgemergelt und zitternd, aber Anne zeigte sich trotz ihrer eigenen Krankheit mehr um Margot besorgt.

Im März 1945 begann eine Fleckfieber-Epidemie im Lager, an der etwa 17.000 Gefangene starben.[7] Auch Typhus und andere Krankheiten waren im Lager weitverbreitet.[8] Es ist nicht klar, welchen Krankheiten Anne und Margot zum Opfer fielen. Laut Zeugenaussagen fiel Margot geschwächt von ihrer Pritsche und starb. Einige Tage später war auch Anne tot. Die genauen Daten wurden kurz vor dem Kriegsende nicht mehr notiert. Wenige Wochen später, am 15. April 1945, befreiten britische Truppen das Lager.

Otto Frank überlebte als Einziger der im Hinterhaus untergetauchten Juden. Nach der Befreiung des KZ Auschwitz-Birkenau durch die Rote Armee am 27. Januar 1945 wohnte er bis 1953 weiter in Amsterdam. Dann siedelte er in die Schweiz nach Basel über, wo seine Schwester lebte. Dort heiratete er die gebürtige Wienerin Elfriede Markovits, die ihren ersten Mann, Erich Geiringer, und ihren Sohn ebenfalls im Konzentrationslager Auschwitz verloren hatte. Bis zu seinem Tod am 19. August 1980 lebte Otto Frank in Birsfelden bei Basel und widmete sich dem Tagebuch seiner Tochter Anne und der Verbreitung der darin enthaltenen Botschaft.

Heutige Spuren

Gedenkstein auf der KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen

Anne Franks Grab befindet sich auf dem Gelände der Gedenkstätte Bergen-Belsen. Angehörige haben dort nach der Befreiung des KZ einen Gedenkstein für Anne und ihre Schwester Margot errichtet. Der Stein markiert keinen exakten Beisetzungsort, da beide in einem der umliegenden anonymen Massengräber ruhen.

Anne-Frank-Haus

Hauptartikel: Anne-Frank-Haus

Am 3. Mai 1957 gründete eine Gruppe um Otto Frank die Anne Frank Foundation, um das Haus in der Prinsengracht 263 vor dem Verfall zu retten und es der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Als primäres Ziel der Stiftung nannte Otto Frank den Kontakt und die Kommunikation zwischen jungen Menschen mit verschiedenen Kulturen, Religionen oder ethnischen Hintergründen, um Intoleranz oder rassistischer Diskriminierung entgegenzuwirken. Das Museum und Dokumentationszentrum im Anne-Frank-Haus wurden am 3. Mai 1960 eröffnet.

Anne-Frank-Fonds

Hauptartikel: Anne-Frank-Fonds

1963 gründete Otto Frank mit seiner zweiten Ehefrau in Basel den Anne-Frank-Fonds als Wohltätigkeitsstiftung. Er vermachte das Urheberrecht am Tagebuch dem Fonds mit der Auflage, dass die ersten 80.000 Schweizer Franken der jährlichen Einnahmen seinen Erben zukommen und das restliche Geld für Projekte eingesetzt werden, die die Verwaltung als würdig ansieht. Der Fonds finanziert die medizinische Behandlung der Gerechten unter den Völkern und kümmert sich um die Erziehung der Jugend gegen Rassismus. Dazu unterstützt der Fonds beispielsweise die seit dem Jahr 2000 jährlich von der Stadt Bergen ausgerichteten „Anne Frank Friedenstage“. Dort werden jedes Jahr Jugendliche aus mehreren europäischen Städten eingeladen, die an Informationsveranstaltungen teilnehmen, eigene Recherchen betreiben und Ergebnisse öffentlich präsentieren.[9]

Dem United States Holocaust Memorial Museum in Washington, D.C. hat der Fonds für eine Ausstellung 2003 einige Blätter von Annes Aufzeichnungen zur Verfügung gestellt. Der jährliche Report zeigt die Bemühungen auf globaler Ebene bei Projekten in Deutschland, Israel, Indien, der Schweiz, dem Vereinigten Königreich und den USA.[10] Seit 1996 ist Annes Cousin Buddy Elias Präsident des Fonds.

Anne Frank Zentrum

Hauptartikel: Anne Frank Zentrum

Im Jahre 1998 wurde das Anne Frank Zentrum in Berlin gegründet, dessen Ursprung auf eine Initiative aus dem Jahr 1994 zurückgeht. Das Anne Frank Zentrum ist eine gemeinnützige Einrichtung mit Sitz in Berlin-Mitte, unmittelbar neben den Hackeschen Höfen. Für die Öffentlichkeit ist dort die ständige Ausstellung »Anne Frank. hier & heute« zugänglich. Für Schulklassen und Jugendgruppen werden gesonderte pädagogische Programme innerhalb der Ausstellung angeboten. Ebenso werden die deutschen Anne-Frank-Wanderausstellungen von hier aus koordiniert.

Merwedeplein 37

2005 wurde die frühere Wohnung am Merwedeplein 37 in Amsterdam in den Zustand zurückversetzt, in dem sie war, als die Familie Frank dort wohnte. Sie steht Schriftstellern, die in ihrer Heimat nicht frei arbeiten können, für jeweils ein Jahr zur Verfügung.[11]

Jugendbegegnungsstätte Anne Frank

Die „Jugendbegegnungsstätte Anne Frank“ ist ein Bildungszentrum in Anne Franks Geburtsstadt Frankfurt am Main. Sie wird vom Anne-Frank-Fonds in Basel unterstützt. Die Einrichtung soll Jugendlichen und Erwachsenen eine Möglichkeit zur Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nationalsozialismus und ihren vielfältigen Bezügen zur Gegenwart bieten. Ausgangs- und Bezugspunkt der Arbeit bilden die Biografie und das Tagebuch der Anne Frank. Seit 2003 ist dort die multimediale und interaktive Dauerausstellung „Anne Frank. Ein Mädchen aus Deutschland“ für die Öffentlichkeit zugänglich.

Schildkraut-Archiv

Der Schauspieler Joseph Schildkraut, der in zwei Filmen Otto Frank darstellte, sammelte Briefe, Dokumente und Fotos der Familie Frank. Eine Reihe von Dokumenten stammt aus dem Besitz des Vaters. Das Archiv wurde am 5. November 2012 im Auktionshaus Doyle in New York versteigert.[12][13]

Anne Frank in Film, Bühnenwerken und Literatur

Das Leben und die Schriften von Anne Frank wurden in zahlreichen Büchern, Filmen und anderen Werken dokumentiert und gewürdigt.

Theater

  • Mitte der 1950er Jahre schrieben die Hollywood-Drehbuchautoren Albert Hackett und Frances Goodrich das Theaterstück Das Tagebuch der Anne Frank, basierend auf Annes Tagebuch. Das Stück wurde 1956 uraufgeführt und erlebte seitdem zahlreiche Wiederaufführungen.[14]

Film

Hörspiel

Dichtung

  • Der US-amerikanische Schriftsteller Philip Roth schildert in seinem fiktiven Roman The Ghost Writer von 1979, wie Anne Frank als Überlebende des Zweiten Weltkriegs anonym als Schriftstellerin in den USA lebt.
  • Der Science-Fiction-Autor Geoff Ryman präsentiert Anne Frank in seinem zunächst online veröffentlichten Roman 253 als ältere Passagierin in einem Wagen der London Underground.[15]

Musik

  • Der britische Komponist Robert Steadman schuf ein 20-minütiges Werk für Chor und Saiteninstrumente mit dem Titel Tehillim for Anne. Es enthält die hebräischen Texte von drei Psalmen, die vom Chor wie ein bellender Mob geschrien werden. Das Werk zu Ehren von Anne Franks 75. Geburtstag hatte im November 2004 in Southwell Minster in Nottinghamshire unter der Leitung von Nicholas Thorpe seine Premiere.
  • Der russische Komponist Grigori Frid schrieb 1969 die seither sehr oft gespielte Oper Das Tagebuch der Anne Frank für eine Sängerin; Ulrike Patow besorgte die Textzusammenstellung aus dem Tagebuch.
  • Der spanische Regisseur Rafael Alvero präsentierte 2008 ein Musical über das Leben Anne Franks. Das Werk, in dem die Kubanerin Isabella Castillo die Hauptrolle spielt, wurde im Teatro Häagen-Dazs Calderón in Madrid aufgeführt.[16]
  • Bernard Kops schildert in seinem Drama Dreams of Anne Frank von 1993 ihr Leben im Hinterhaus mit Elementen aus Fantasy und Musik.

Weitere Medien

  • Der Maler Marc Chagall illustrierte eine limitierte Ausgabe des Tagebuchs.
  • Am 11. November 2007 gab der brasilianische Choreograph Carlos Cortizo in Nürnberg die Uraufführung von Anne Frank als Tanztheaterstück über das Leben der Anne Frank.

Würdigungen

Gedenksteine für 11.134 ermordete Frankfurter Juden in der Mauer des alten jüdischen Friedhofs in Frankfurt
Gedenksteine – Ausschnitt mit Stein für Anne Frank

Im Juni 1999 veröffentlichte das Magazin TIME eine Sonderausgabe mit dem Titel TIME 100: Heroes & Icons of the 20th Century. In der Liste der hundert einflussreichsten Politiker, Künstler, Erfinder, Wissenschaftler und Ikonen erscheint auch der Name Anne Frank. Roger Rosenblatt, der Autor von Children of War, schrieb in seinem Eintrag zu Anne Frank:

„Die Leidenschaften, die das Buch entzündet, suggerieren, dass Anne Frank allen gehört, dass sie über den Holocaust, das Judentum, die Mädchenzeit und sogar die Tugend hinausgewachsen und zu einer Totemfigur der modernen Welt geworden ist – der moralische, individuelle Geist, der von der Maschinerie der Zerstörung besetzt ist und auf das Recht pocht, für die Zukunft der Menschen zu leben, zu fragen und zu hoffen.“[17]

Das gleiche Magazin veröffentlichte auch ein Foto von Anne Frank in der Reihe 100 Photos that Changed the World (100 Fotos, die die Welt veränderten).[18] In der Liste Die 100 Bücher des Jahrhunderts von Le Monde wählten die Franzosen das Buch auf Platz 19.

Miep Gies wehrt sich in einem Nachwort zu Melissa Müllers Biographie von Anne Frank jedoch gegen die Ansicht, dass Anne die sechs Millionen Opfer des Holocaust symbolisiere (S. 396f.). Das Leben und der Tod des Mädchens seien ihr individuelles Schicksal. Dieses Schicksal könne jedoch helfen, das weltweite Leid durch den Holocaust zu fassen.

Melissa Müller selbst schreibt am Ende ihres Buches:

„Die mordenden Nazis und ihre schweigenden Helfer konnten Anne ihr Leben nehmen – ihre Stimme jedoch nicht. […] An Annes Glauben an sich selbst scheiterte der Naziterror. Er sollte sie töten, machte sie aber nicht mundtot.“ (S. 355)

Gedenken

  • Ein Asteroid bekam den Namen (5535) Annefrank. Er wurde 1942 entdeckt, in dem Jahr, als Anne ihr Tagebuch begann und ihr Versteck bezog.
Stolpersteine für Familie Frank in Aachen
  • Viele Schulen in Deutschland und anderen Ländern sind nach Anne Frank benannt, so auch die Montessori-Schule in Amsterdam, die sie selbst besuchte.
  • Viele Straßen und Plätze wurden nach Anne Frank benannt.
  • In Frankfurt am Main wird an Anne Frank erinnert auf der Frankfurter Treppe sowie mit Gedenktafeln an den früheren Wohnungen der Franks im Marbachweg 307 und an der Ganghoferstraße 24[19] sowie an einer Fußgängerunterführung an der Kreuzung Marbachweg/Eschersheimer Landstraße im Stadtteil Dornbusch.[20]
  • Vor der letzten frei gewählten Wohnung am Pastorplatz 1 in Aachen erinnern im Gehweg eingelassene Stolpersteine sowie ein Gedenkstein vor dem nicht mehr existenten Haus der Großmutter an das Schicksal der Familie.

Literatur

  • Anne Frank-Fonds (Hrsg.): Gesamtausgabe. Tagebücher – Geschichten und Ereignisse aus dem Hinterhaus – Erzählungen – Briefe – Fotos und Dokumente. Übersetzt aus dem Niederländischen von Mirjam Pressler. Fischer, Frankfurt am Main, 2013, 816 Seiten. ISBN 978-3-10-022304-3 Gesamtausgabe sämtlicher Texte von Anne Frank -- mit bislang unveröffentlichten Briefen und Schriften und vielen Fotos
  • Anne Frank u. a.: Geschichten und Ereignisse aus dem Hinterhaus. Fischer, Frankfurt am Main, 2002, ISBN 3-596-15777-3 (Die Erstausgabe erschien 1947, hrsg. von dem Vater Otto Frank)
  • Miep Gies: Meine Zeit mit Anne Frank. Scherz, Basel, 1987, ISBN 3-502-18266-3.
  • Albrecht Goes/ Anneliese Schütz (Hrsg.): Das Tagebuch der Anne Frank. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-596-20077-6.
  • Willy Lindwer: Anne Frank, Die letzten sieben Monate.. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2000, ISBN 3-596-11616-3.
  • Jacqueline van Maarsen: Ich heiße Anne, sagte sie, Anne Frank.. S. Fischer, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-10-048822-9.
  • Alison L. Gold: Erinnerungen an Anne Frank. Ravensburger Buchverlag, 2000, ISBN 3-473-58142-9.
  • Melissa Müller: Das Mädchen Anne Frank. Die Biographie. Claassen, München 1998, ISBN 3-546-00151-6.
  • David Barnouw: Anne Frank. Econ, ISBN 3-612-26620-9.
  • Carol Ann Lee: Anne Frank. Die Biographie. Piper, München 2000, ISBN 3-492-04152-3.
  • Carol Ann Lee: The hidden life of Otto Frank. William Morrow, 2003, ISBN 0-06-052083-3.
  • Mirjam Pressler (unter Mitarbeit von Gerti Elias): Grüße und Küsse an alle. Die Geschichte der Familie von Anne Frank. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-10-022303-6.
  • Anne Frank Stichting (Hrsg.): In Anne Franks Haus. Eine bebilderte Reise durch Annes Welt. S. Fischer, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-10-076715-2.
  • Jürgen Steen, Wolf von Wolzogen: Anne aus Frankfurt. Leben und Lebenswelt Anne Franks. Historisches Museum, Frankfurt am Main 1990.
  • Marion Siems: Anne Frank Tagebuch. Erläuterungen und Dokumente. Reclam, Stuttgart 2003, ISBN 3-15-016039-1.
  • Matthias Heyl: Anne Frank. Rowohlt TB, Reinbek 2002, ISBN 3-499-50524-X. (rm 50524)
  • Anne Frank Haus: Ein Museum mit einer Geschichte. Anne Frank Stichting, Amsterdam 2002, ISBN 90-72972-56-2.
  • Anne Frank Stiftung, Amsterdam. Ruud van der Rol, Rian Verhoeven: Anne Frank. Oetinger, Hamburg 1993, ISBN 3-7891-7600-1.
  • Ernst Schnabel: Anne Frank. Spur eines Kindes.. Fischer, Frankfurt am Main 1958, ISBN 3-596-25089-7.
  • Menno Metselaar, Ruud van der Rol: Die Geschichte der Anne Frank. Anne Frank Stichting, Amsterdam 2004, ISBN 90-72972-84-8.
  • Barbara Honigmann: Das Gesicht wiederfinden. Über Schreiben, Schriftsteller und Judentum. Essays. Hanser, München 2006, ISBN 3-446-20681-7. (Reihe: Edition Akzente) (über Anne Frank, Rahel Varnhagen, Glückel von Hameln im Vergleich, u. a.; über die Änderungen am Tagebuch durch den Hg. Otto Frank)
  • Robert M. W. Kempner: Edith Stein und Anne Frank. Zwei von Hunderttausend. Die Enthüllungen über die NS-Verbrechen in Holland vor dem Schwurgericht in München. Die Ermordung der »nichtarischen« Mönche und Nonnen. Freiburg 1968, DNB 457181761.
  • Otto Graf zu Stolberg-Wernigerode: Frank, Anne. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 5, Duncker & Humblot, Berlin 1961, ISBN 3-428-00186-9, S. 339 (Digitalisat).

Weblinks

 Wikiquote: Anne Frank – Zitate
 Commons: Anne Frank – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Filme

Einzelnachweise

  1. Robert Kempner: Edith Stein und Anne Frank. S. 61.
  2. Andrea Bollinger: Fortleben, auch nach dem Tod. In: Der Bund, 12. Juni 2009.
  3. Katharina Sperber: "Sie hat gelacht und gelacht" In: Frankfurter Rundschau, 21. Oktober 2009 (Gespräch mit dem Cousin Buddy Elias und Gerti Elias).
  4. Rijksinstituut voor Oorlogsdocumentatie: De dagboeken van Anne Frank, 's-Gravenhage und Amsterdam, 1986, S. 58 und S. 66, Anm. 8, mit Verweis auf das Niederländische Rote Kreuz, Aktenzeichen 103586
  5. a b c Stolpersteine in Osnabrück
  6. Porträt bei annefrank.org
  7. Müller 1999 (englische Übersetzung), S. 261
  8. GBB - Nothospital
  9. Offizielle Seite der Anne Frank Friedenstage
  10. Jahresbericht des Anne Frank Fonds
  11. In the footsteps of Anne Frank. Abgerufen am 12. Juli 2014.
  12. Jennifer Schuessler: Rare Otto Frank Archive to Be Auctioned in New York. In: New York Times. 14. August 2012 (englisch).
  13. Christian Buß: Das Schildkraut-Archiv wird versteigert. In: Spiegel Online, 14. August 2012.
  14. The Diary of Anne Frank Summary and study guide (engl.), zuletzt abgerufen am 24. Januar 2011.
  15. Eintrag zu Anne Frank im Roman 253 (englisch)
  16. Leonie Wild: Anne Frank wird zum Musical-Star. In: Spiegel Online, 8. Januar 2008.
  17. TIME 100 – Artikel zu Anne Frank (englisch)
  18. Life.com 100 Photos that Changed the World (englisch)
  19. Website der Stadt Frankfurt, abgerufen am 27. Mai 2011.
  20. Susanne Wegner: Erinnerung aus Glas. In: Frankfurter Rundschau, 12. Juni 2009.
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Dieser Artikel wurde am 2. September 2005 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.