Annemarie Schwarzenbach

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Annemarie Schwarzenbach (* 23. Mai 1908 in Zürich; † 15. November 1942 in Sils im Engadin) war eine Schweizer Schriftstellerin und Journalistin.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben

Annemarie Schwarzenbach stammte aus der reichen Zürcher Industriellenfamilie der Schwarzenbachs und war die Enkelin von General Ulrich Wille. Sie wuchs in der Seegemeinde Horgen auf dem stattlichen Landgut Bocken auf und promovierte mit einer Arbeit zur „Geschichte des Oberengadins im Mittelalter und zu Beginn der Neuzeit“ bereits mit 23 Jahren. Erste journalistische Veröffentlichungen sowie literarische Texte entstanden noch während ihrer Studienzeit. Kurz nach Abschluss ihres Studiums debütierte sie mit dem Roman „Freunde um Bernhard“. Im Jahr 1931 hielt sie sich öfter in Berlin auf, wo sie in engem Kontakt mit Klaus und Erika Mann stand. In diese Zeit fallen auch ihre ersten Erfahrungen mit Morphin. Annemaries Verhältnis zu ihrer Mutter Renée war sehr gespannt, unter anderem ihrer antifaschistischen Einstellung wegen. Einige Mitglieder der Familie Schwarzenbach/Wille sympathisierten nach 1933 mit der „Schweizer Front“, die eine Annäherung der Schweiz an Nazideutschland befürwortete, während sich in Annemaries Freundeskreis zahlreiche jüdische und politische Emigranten aus Deutschland befanden.

So führte sie nach 1933 selbst teilweise das Leben einer Migrantin und reiste mehrere Jahre hintereinander in verschiedene Länder, öfter zusammen mit Klaus Mann. 1933 begab sich Annemarie Schwarzenbach zusammen mit der Fotografin Marianne Breslauer auf eine erste journalistische Reise nach Spanien. Im gleichen Jahr führte sie der Weg nach Persien. Nach der Rückkehr in die Schweiz reiste sie 1934 nach Moskau, wo sie gemeinsam mit Klaus Mann am ersten Allunionskongress sowjetischer Schriftsteller teilnahm. 1935 kehrte sie nach Persien zurück und heiratete dort - trotz ihrer lesbischen Orientierung - den ebenfalls homosexuellen französischen Diplomaten Claude Clarac. 1939 hielt sie sich längere Zeit für einen Drogenentzug in Kliniken auf. Während dieser Zeit schrieb sie ihr Buch „Das glückliche Tal“.

Gemeinsam mit der Schweizer Schriftstellerin Ella Maillart reiste sie Juni 1939 in einem Kleinauto überland nach Afghanistan, über Istanbul, Trabzon und Teheran. Im September, zum Aufbruch des Krieges, waren sie in Kabul, wo Annemarie einige Wochen krank war, und wo Ella Maillart sie verliess. Danach zog es sie in die USA, wo sie in New York erneut mit den Geschwistern Mann zusammentraf. Dort lernte sie die Schriftstellerin Carson McCullers kennen, die sich Hals über Kopf in Schwarzenbach verliebte. Diese erwiderte ihre Gefühle nicht, blieb während ihrer Zeit in den USA jedoch mit den McCullers befreundet und schrieb mehrere wohlwollende Rezensionen zu McCullers Debutromans The Heart is a Lonely Hunter. Auch in den USA musste Schwarzenbach sich wegen ihrer Morphiumsucht, schwerer Depressionen und Suizidversuchen mehrfach in psychiatrische Behandlung begeben. Nach einer Reise nach Belgisch-Kongo kehrte sie 1942 in die Schweiz zurück.

Am 7. September 1942 stürzte sie im Engadin mit ihrem Fahrrad und zog sich eine schwere Kopfverletzung zu, an der sie, nach einer Fehldiagnose, am 15. November starb.

Der Nachlass von Annemarie Schwarzenbach befindet sich im Schweizerischen Literaturarchiv in Bern.

[Bearbeiten] Werk

Bibliographie ihrer Schriften (auch ihrer nicht selbstständig erschienenen Texte) in:

  • Annemarie Schwarzenbach. Analysen und Erstdrucke. Mit einer Schwarzenbach-Bibliographie. Hrsg. Walter Fähnders / Sabine Rohlf. Bielefeld: Aisthesis 2005 (ca. 400 Titel). ISBN 3-89528-452-1
  • Das glückliche Tal (Neuauflage, mit einer Biographie der Autorin von Charles Linsmayer, Reihe Reprinted by Huber Nr. 1, Huber Verlag, 6. Auflage 2001, ISBN 3-7193-0982-7)
  • Lyrische Novelle (Neuauflage bei Lenos, 1993, ISBN 3-85787-614-X)
  • Bei diesem Regen (Neuauflage bei Lenos, 1989, ISBN 3-85787-182-2)
  • Jenseits von New York (Neuauflage bei Lenos, 1992, ISBN 3-85787-216-0)
  • Freunde um Bernhard (Neuauflage bei Lenos, 1998, ISBN 3-85787-648-4)
  • Tod in Persien (Neuauflage bei Lenos, 2003, ISBN 3-85787-675-1)
  • Auf der Schattenseite (Neuauflage bei Lenos, 1995, ISBN 3-85787-241-1)
  • Flucht nach oben (Neuauflage bei Lenos, 1999, ISBN 3-85787-280-2)
  • Alle Wege sind offen (Neuauflage bei Lenos, 2000, ISBN 3-85787-309-4)
  • Winter in Vorderasien (Neuauflage bei Lenos, 2002, ISBN 3-85787-668-9
  • Kongo-Ufer / Aus Tetouan (Erstdruck aus dem Nachlaß bei esperluète editions, 2005, ISBN 2-930223-64-2)
  • Georg Trakl. Erstdruck und Kommentar, hrsg. v. Walter Fähnders u. Andreas Tobler. In: Mitteilungen aus dem Brenner-Archiv 23/2004, S. 47-81
  • Pariser Novelle [Erstdruck aus dem Nachlaß, hrsg. v. Walter Fähnders]. In: Jahrbuch zur Kultur und Literatur der Weimarer Republik 8, 2003, S. 11-35.
  • Unsterbliches Blau (gemeinsam Ella K. Maillart und Nicolas Bouvier, Neuauflage bei Scheidegger & Spiess, 2003, ISBN 3-85881-148-3)
  • Wir werden es schon zuwege bringen, das Leben. (Briefe von A. Schwarzenbach an Klaus und Erika Mann, ISBN 3-89085-681-0)
  • Eine Frau zu sehen (Erstdruck aus dem Nachlass bei Kein & Aber Zürich, 2008, ISBN 978-3-03-695523-0)
  • Vor Weihnachten [1933]. Erstdruck aus dem Nachlass in: Wolfgang Klein u.a. (Hg.): Dazwischen. Reisen – Metropolen – Avantgarden. Bielefeld: Aisthesis, 2009, S. 69-79. ISBN 978-3-89528-731-2

[Bearbeiten] Übersetzungen

Französisch
  • "La vallée heureuse", 1991
  • Nouvelle lyrique, 1994
  • Orient exils : nouvelles, 1994 und 2000
  • Loin de New York : reportages et photographies ; (1936 - 1938), 2000
  • La mort en Perse, 1998 und 2001
  • "Où est la terre des promesses?", 2002
  • "Le refuge des cimes", 2004
  • "Rives du Congo / Tétouan", 2005
  • "Hiver au Proche-Orient", 2006
Italienisch
  • La valle felice, 1998
  • "Dalla parte dell'ombra", 2002
  • "La via per Kabul, 2002
  • Oltre New York, 2002
Spanisch
  • Muerte en Persia, 2003

[Bearbeiten] Sekundärliteratur

  • inside out. Textorientierte Erkundungen des Werks von Annemarie Schwarzenbach. Hrsg. Sofie Decock / Uta Schaffers. Bielefeld: Aisthesis 2008. ISBN 978-3-89528-697-1
  • Alexandra Lavizzari, Fast eine Liebe. Annemarie Schwarzenbach und Carson McCullers, edition ebersbach Berlin, 2008. ISBN 978-3-938740-55-2
  • Charles Linsmayer: Annemarie Schwarzenbach. Ein Kapitel tragische Schweizer Literaturgeschichte. Biographie. Mit vielen zum Teil erstmals publizierten Fotos. Huber, Frauenfeld 2008, ISBN 978-3-7193-1486-6
  • Elvira Willems, 'Annemarie Schwarzenbach. Autorin, Reisende, Fotografin'. Centaurus Verlag, 1999, ISBN 3-8255-0246-5
  • Alexis Schwarzenbach, Auf der Schwelle des Fremden. Das Leben der Annemarie Schwarzenbach, Collection Rolf Heyne, München 2008, ISBN 978-3-89910-368-7
  • Dominique L. Miermont: Annemarie Schwarzenbach - Eine beflügelte Unschuld. Eine Biographie. Ammann, Zürich 2008, ISBN 978-3-250-10520-6
  • Walter Fähnders: „Wirklich, ich lebe nur wenn ich schreibe.“ Zur Reiseprosa von Annemarie Schwarzenbach (1908-1942). In: Sprachkunst. Beiträge zur Literaturwissenschaft (Wien) 38 (2007), 1. Halbband, S. 27–54.
  • Walter Fähnders/Helga Karrenbrock: „‘Grundton syrisch‘. Annemarie Schwarzenbachs 'Vor Weihnachten' im Kontext ihrer orientalischen Reiseprosa“. In: Wolfgang Klein/Walter Fähnders/Andrea Grewe (Hg.): Dazwischen. Reisen – Metropolen – Avantgarden. Bielefeld: Aisthesis, 2009 (Reisen Texte Metropolen 8), S. 82-105. ISBN 978-3-89528-731-2
  • Walter Fähnders / Andreas Tobler: Briefe von Annemarie Schwarzenbach an Otto Kleiber aus den Jahren 1933-1942. In: Zeitschrift für Germanistik 2/2006, S. 366-374.
  • Elio Pellin: Ein Vermögen zerrinnt - Annemarie Schwarzenbach. Millionenerbin in Geldnot. In: Brotlos? Quarto Zeitschrift des Schweizerischen Literaturarchivs Nr. 20 (2005), S. 28-33. ISBN 2-05-101959-2.
  • Annemarie Schwarzenbach. Analysen und Erstdrucke. Mit einer Schwarzenbach-Bibliographie. Hrsg. Walter Fähnders / Sabine Rohlf. Bielefeld: Aisthesis 2005. ISBN 3-89528-452-1
  • Walter Fähnders: Paris, Berlin, Moskau und das "Glückliche Tal". Zu Annemarie Schwarzenbachs Städte- und Reiseprosa. In: Berlin, Paris, Moskau – Reiseliteratur und die Metropolen. Hg. W. Fähnders, N. Plath u.a. Bielefeld: Aisthesis 2005, S. 91-106. ISBN 3-89528-487-4
  • Dominique Laure Miermont: Annemarie Schwarzenbach ou le mal de l'Europe. Payot 2005. ISBN 2-228-89874-0
  • Walter Fähnders: In Venedig und anderswo. Annemarie Schwarzenbach und Ruth Landshoff-Yorck. In: „Laboratorium Vielseitigkeit“. Zur Literatur der Weimarer Republik. Hg. Petra Josting/Walter Fähnders. Bielefeld 2005, S. 227-252. ISBN 3-89528-546-3
  • Melania G. Mazzucco: Die so Geliebte. Piper, 2004. ISBN 3-492-24149-2
  • Alexis Schwarzenbach: Die Geborene. Renée Schwarzenbach-Wille und ihre Familie Scheidegger&Spiess, 2004. ISBN 3-85881-161-0
  • Kurt Wanner: Wo ich mich leichter fühle als anderswo. Annemarie Schwarzenbach und ihre Zeit in Graubünden. 1997. ISBN 3-905241-83-8
  • Areti Georgiadou: Das Leben zerfetzt sich mir in tausend Stücke. Annemarie Schwarzenbach. Campus Verlag, 1996. ISBN 3-593-35350-4 und dtv 2001 ISBN 3-423-30662-9
  • Nicole Müller und Dominique Grente: Der untröstliche Engel. Knesebeck, 1995. ISBN 3-926901-74-8
  • Roger Perret: Ernst, Würde und Glück des Daseins. In: Annemarie Schwarzenbach, Lyrische Novelle, Basel, 1988.
  • Niklaus Meienberg: Eine lehnt sich auf und stirbt daran. In: Niklaus Meienberg, Die Welt als Wille und Wahn, Zürich, 1987.
  • Ella Maillart: Der bittere Weg. Erste Auflage 1948, Lenos Verlag Basel, 2001. ISBN 3-85787-663-8 (die Reise nach Afghanistan aus Maillarts Sicht)

[Bearbeiten] Film

[Bearbeiten] Weblinks

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