Annette Groth

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Annette Groth (2014)
Video-Vorstellung (2014)

Annette Groth (* 16. Mai 1954 in Gadderbaum, heute zu Bielefeld) ist eine deutsche Soziologin und Politikerin (MdB, Die Linke) aus Baden-Württemberg.

Ausbildung und Beruf[Bearbeiten]

Von 1974 bis 1979 studierte sie an der Freien Universität Berlin Entwicklungssoziologie, Volks- und Betriebswirtschaft und Internationale Politik. Ihr Diplom legte sie im Fach Soziologie ab. Ihre Diplomarbeit beschäftigte sich mit dem Thema Die Rolle der Brigaden im Entwicklungsprozess Botswanas.

Nach dem Studium war Annette Groth u.a. als Gastdozentin an der Fachhochschule Lüneburg und als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Gesamthochschule Wuppertal tätig. Sie spricht Englisch, Französisch, Niederländisch und Spanisch.

Von 1981 bis 1984 arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin beim europäischen Forschungsinstitut Ecumenical Research Exchange (ERE) in Rotterdam zum Thema Wanderarbeiter in der EG. Von 1984 bis 1987 arbeitete sie in der Geschäftsstelle der Evangelischen Studentengemeinde Stuttgart als Ökumenereferentin. Von 1992 bis 1997 war sie Education Officer beim United Nations High Commissioner for Refugees (UNHCR) in Genf. 1997 bis 1999 arbeitete Annette Groth als Direktorin der Ecumenical Coalition on Third World Tourism (ECTWT) und Herausgeberin der Vierteljahreszeitschrift Contours in Barbados. Eine Zeit lang war sie u.a. beim Diakonischen Werk der EKD tätig, bevor sie 2007 wissenschaftliche Referentin in der Bundestagsfraktion Die Linke wurde.

Partei[Bearbeiten]

Von 2007 bis 2009 war Groth Mitglied im Landesvorstand der Partei Die Linke in Baden-Württemberg, Mitglied im AK Europäische Integration, der BAG Frieden und Internationale Politik und aktiv in der Europäischen Linkspartei in den feministischen Strukturen „EL-Fem“. Gleichzeitig ist sie Mitglied im Forum der Rosa-Luxemburg-Stiftung Baden-Württemberg und der NaturFreunde.

Annette Groth war aktiv bei attac und hier Mitbegründerin der „attac Anti-GATS Kampagne“ und der bundesweiten „attac EU-AG“.

Abgeordnete[Bearbeiten]

Groth wurde für die Bundestagswahl 2009 von der Partei Die Linke als Direktkandidatin für den Bundestagswahlkreis Pforzheim aufgestellt und erreichte 6,8 Prozent der Erststimmen. Sie wurde über die Landesliste Baden-Württemberg der Partei Die Linke in den 17. Bundestag gewählt. Bei der Bundestagswahl 2013 trat sie im Bundestagswahlkreis Bodensee an und zog erneut über die Landesliste ein.

Für die Fraktion Die Linke ist Annette Groth die menschenrechtspolitische Sprecherin. Sie ist Mitglied im Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe, im Ausschuss für Verkehr und digitale Infrastruktur und im Parlamentarischen Beirat für nachhaltige Entwicklung als Obfrau ihrer Fraktion.

Sie wurde zur Vorsitzenden der Deutsch-Griechischen Parlamentariergruppe des Deutschen Bundestags gewählt. Darüber hinaus ist sie Mitglied im Migrationsausschuss des Europarates.

Kontroversen[Bearbeiten]

Zusammen mit Inge Höger und Norman Paech begleitete Groth Ende Mai 2010 im Rahmen der deutschen Sektion des Free Gaza Movement und auf Einladung von Pax Christi einen internationalen Konvoi in den Gazastreifen.[1] Als der Konvoi von der israelischen Marine angehalten wurde, war Groth an Bord des Schiffs Mavi Marmara, auf dem neun Menschen ums Leben kamen. Nach ihrer Rückkehr beschrieb sie den Zwischenfall als „Akt der Piraterie“.[2] Annette Groth erhob außerdem schwere Vorwürfe gegen die israelische Marine. Laut Groth sei den Verletzten medizinische Hilfe verweigert worden, wodurch viele verbluteten.[3]

Groth und andere Teilnehmer wurden in einem Bericht des 3sat-Fernsehmagazins Kulturzeit dafür kritisiert, dass sie „im gleichen Boot mit Islamisten und Rechtsextremisten“ gesessen hätten und „wenn es um ihre Ziele geht, offenbar wenig Berührungsängste“ zeigen würden.[4] Die tageszeitung thematisierte die „zweifelhaften Passagiere“ der Flotte;[5] Die Welt, dass sich kriegerisch-islamistische Aussagen verschiedener Organisatoren schwer mit dem Anspruch der Linkspartei vereinbaren ließen, eine „Antikriegspartei“ zu sein.[6] Des Weiteren bezeichnete Groth die IHH als „eine humanitäre Organisation, das heißt, für Menschenrechte und Freiheit“.[4]

Im Rahmen des Programms des Deutschen Bundestages „Parlamentarier schützen Parlamentarier“ hat Groth im Jahre 2010 die Patenschaft für die palästinensisch-israelische Knesset­abgeordnete Hanin Soabi übernommen, die ebenfalls an der Gazaflotte teilgenommen hatte und nach Groths Darstellung ständigen Bedrohungen ausgesetzt war, die israelische Staatsbürgerschaft abgesprochen zu bekommen.[7]

„Toilettengate“[Bearbeiten]

Am 10. November 2014 wurden die beiden antizionistischen Journalisten Max Blumenthal und David Sheen von den Bundestagsabgeordneten Inge Höger und Annette Groth in die Sitzungsräume der Linksfraktion im Bundestag eingeladen. Eine davor anberaumte Veranstaltung für den 9. November, Datum der Novemberpogrome 1938, in der Berliner Volksbühne, organisiert von Inge Höger eigenmächtig im Namen der Fraktion, war vom Fraktionsvorsitzenden Gregor Gysi zuvor gestoppt worden. Groth, Höger und die ebenfalls anwesende Heike Hänsel führten die Journalisten zu Gysis Büro.[8] Als er es verließ, wurde Gysi von den beiden bedrängt und bezichtigt, Blumenthal einen Antisemiten genannt zu haben. Er wurde bis auf die Bundestags-Toilette verfolgt, was den Begriff „Toilettengate“ prägte. Die Eskalation der Lage rief starke, teils heftige Gegenreaktionen in der Partei hervor und wurde von der Bundespartei scharf verurteilt. Der ebenfalls anwesende israelkritische Journalist Martin Lejeune veröffentlichte später einen Mitschnitt der Hetzjagd auf der Video-Plattform Youtube. Die drei Abgeordneten kritisierten die Veröffentlichung der Hetzjagd auf Gysi und baten um Entschuldigung, was Gysi akzeptierte, die Fraktion jedoch nur zur Kenntnis nehmen wollte. Zu personellen Konsequenzen kam es nicht.[9][10][11][12]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Annette Groth – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stefan Reinecke: Israelische Militäraktion gegen Soliflotte: Rückkehrer erheben schwere Vorwürfe. auf: taz.de, vom 1. Juni 2010.
  2. Nach Hochsee-Angriff: Linke-Politiker werfen Israel Kriegsverbrechen vor. auf: Handelsblatt.com, 1. Juni 2010.
  3. Interview: Die Toten hatten Kopfschüsse. auf: stuttgarter-zeitung.de, vom 7. Juni 2010.
  4. a b Kulturzeit: Fragwürdige Friedensmission.
  5. Doris Akrap, Philipp Gessler: Gaza-Hilfs-Flottille im Zwielicht: Die zweifelhaften Passagiere. auf: taz.de, vom 1. Juli 2010.
  6. Boris Kálnoky: Naher Osten: Der islamistische Hintergrund der Gazaflotte. auf: Welt Online. vom 12. Juni 2010.
  7. http://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2012/39773542_kw28_psp_groth/index.html
  8. http://www.berliner-zeitung.de/politik/-fluegelkaempfe-ruecktrittsforderungen-in-der,10808018,29060662.html
  9. "http://www.spiegel.de/politik/deutschland/gysi-israel-kritiker-verfolgen-linken-fraktionschef-auf-toilette-a-1002329.html" auf Spiegel Online, abgerufen am 16. November 2014
  10. Ihr sprecht nicht für uns!, eine eigens eingerichtete Seite mit namhaften Politikern der Partei Die Linke, die sich von der Aktion distanzieren, abgerufen am 16. November 2014
  11. Gregor Gysi flieht vor Antizionisten auf Toilette
  12. http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/20904 André Anchuelo: Linke. Windelweiches zum Toilettengate. Weder Fraktion noch Partei ziehen Konsequenzen aus Attacke gegen Gysi. In Jüdische Allgemeine. 4. Dezember 2014.