Annette Schavan

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Annette Schavan (2013)

Annette Schavan (* 10. Juni 1955 in Jüchen, Kreis Grevenbroich) ist eine deutsche Politikerin (CDU) und Mitglied des Deutschen Bundestages. Sie war von 1995 bis 2005 Ministerin für Kultus, Jugend und Sport in Baden-Württemberg und von 2005 bis 2013 Bundesministerin für Bildung und Forschung. Von diesem Amt trat sie nach der Aberkennung ihres Doktorgrads aufgrund von Plagiaten zurück. Im Februar 2014 nahm sie ihre Nominierung als Botschafterin Deutschlands beim Heiligen Stuhl an.

Leben[Bearbeiten]

Annette Schavan ist Rheinländerin. Sie wuchs mit zwei jüngeren Brüdern in einer römisch-katholisch geprägten Mittelschichtfamilie in Neuss auf.[1] Ihre Mutter war Hausfrau, ihr Vater kaufmännischer Angestellter.

Ausbildung und Beruf[Bearbeiten]

Schavan legte ihr Abitur 1974 am Nelly-Sachs-Gymnasium in Neuss ab. Danach studierte sie zwölf Semester Erziehungswissenschaften, Philosophie und Katholische Theologie an den Universitäten in Bonn und Düsseldorf. Sie beendete ihr Studium 1980 mit einer grundständigen Promotion[2] zum Dr. phil. bei Gerhard Wehle in Erziehungswissenschaften an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. Der Titel ihrer interdisziplinären Dissertation ist Person und Gewissen – Studien zu Voraussetzungen, Notwendigkeit und Erfordernissen heutiger Gewissensbildung.

Ihren Berufsweg begann sie 1980 unmittelbar nach ihrem Studium als Referentin bei der bischöflichen Studienförderung Cusanuswerk. 1984 wechselte sie als Abteilungsleiterin für außerschulische Bildung zum Generalvikariat in Aachen. Von 1987 bis 1988 war Schavan Bundesgeschäftsführerin der Frauen Union. Danach kehrte sie als Geschäftsführerin zum Cusanuswerk zurück, das sie von 1991 bis 1995 leitete.[3]

Vom Wintersemester 2009/10 bis zum Wintersemester 2013/14 lehrte sie als Honorarprofessorin katholische Theologie an der Freien Universität Berlin[4][5] und wurde dann auf eigenen Wunsch im Hinblick auf ihre künftige Tätigkeit in Rom von der Professur entbunden.[6]

Parteilaufbahn[Bearbeiten]

Schavan ist seit 1972 Mitglied der Christlich Demokratischen Union.

1987 holte Rita Süssmuth, damals Vorsitzende der Frauen-Union, Schavan als Bundesgeschäftsführerin der Frauen-Union nach Bonn in das Konrad-Adenauer-Haus.

Seit 1996 gehört Schavan dem CDU-Landesvorstand von Baden-Württemberg an. Von November 1998 bis Dezember 2012 war Schavan als eine der stellvertretenden Bundesvorsitzenden auch Mitglied des CDU-Bundesvorstands.[7][8] Seit Dezember 2002 leitet sie die Kommission zur Erarbeitung eines neuen Grundsatzprogramms für die CDU in Baden-Württemberg.

Schavan gehörte bis zur Nominierung von IWF-Generaldirektor Horst Köhler am 4. März 2004 zu den möglichen Kandidaten von Union und FDP für die Kandidatur zur Wahl des deutschen Bundespräsidenten 2004.

Im August 2012 kündigte Schavan nach 14 Jahren an der CDU-Parteispitze an, nicht mehr als stellvertretende CDU-Vorsitzende zu kandidieren.[9][10][7]

Öffentliche Ämter[Bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten]

Schavan wurde ab 1975 in der Kommunalpolitik in Neuss politisch aktiv. Von 1982 bis 1984 war sie Mitglied des Stadtrats. Ihre Schwerpunkte waren kommunale Schul- und Umweltpolitik. Ihr Selbstverständnis als Kommunalpolitikerin fasste sie in den Satz: „Kommunalpolitik ist nicht die unterste Stufe der Politik. Kommunalpolitik ist das Fundament der politischen Kultur.“[11]

Landtagsabgeordnete und Kultusministerin[Bearbeiten]

Ab 2001 war Schavan Mitglied des Landtags von Baden-Württemberg.

Von 1995 bis zu ihrem Einzug in den Bundestag am 5. Oktober 2005 war Schavan baden-württembergische Ministerin für Kultus, Jugend und Sport. Zu Beginn ihrer Amtszeit übernahm sie Reformprojekte ihrer Vorgängerin Marianne Schultz-Hector, unter anderem zur Neugestaltung des Übergangs vom Kindergarten in die Grundschule. Schavan initiierte das Programm Schulanfang auf neuen Wegen, das den Trend zur immer späteren Einschulung eigentlich schulreifer sechsjähriger Kinder stoppte.[12]

Während ihrer Amtszeit führte sie eine umfassende Bildungsplanreform durch:[13] Früher als in allen anderen Bundesländern wurden Fächerverbünde geschaffen, Unterrichtszeiten neu strukturiert und die Vermittlung von Kompetenzen anstelle allein des Fachwissens in den Mittelpunkt gerückt.

Auch der Fremdsprachenunterricht an Grundschulen wurde eingeführt: Im Schuljahr 2001/02 startete an 470 Grundschulen im Land und rund 80 Sonderschulen mit Grundschulstufe die Pilotphase von Fremdsprachen in der Grundschule.[14]

Zudem setzte Schavan das umstrittene Abitur nach Klasse 12 in Baden-Württemberg durch.

Nach der Ankündigung von Ministerpräsident Erwin Teufel im Oktober 2004, mit Wirkung zum April 2005 sowohl das Amt des Ministerpräsidenten als auch das Amt des CDU-Parteivorsitzenden in Baden-Württemberg aufgeben zu wollen, meldete Schavan ihre Ansprüche auf beide Ämter an. Bei einer Mitgliederbefragung der baden-württembergischen CDU erreichte sie jedoch nur 39,4 % der Stimmen und zog ihre Kandidatur zurück. Stattdessen übernahm der damalige Landtagsfraktionschef Günther Oettinger beide Ämter. Schavan blieb ein weiteres Jahr im Kabinett.

Schavan wurde im Wahlkreis 14 (Bietigheim-Bissingen) direkt in den Landtag gewählt. Nachdem sie als Abgeordnete in den Bundestag gewählt worden war, legte sie am 30. September 2005 ihr Landtagsmandat nieder.

Bundestagsabgeordnete und Bundesministerin[Bearbeiten]

Schavan zusammen mit Norbert Lammert, 2007

Seit 2005 ist Schavan Mitglied des Deutschen Bundestages. Sie errang 2005 mit 48,7 %, 2009 mit 42,0 % (2009) und 2013 mit 52,1 % der Erststimmen das Direktmandat im Bundestagswahlkreis Ulm.

Am 22. November 2005 wurde Schavan als Bundesministerin für Bildung und Forschung in die von Bundeskanzlerin Angela Merkel geführte Bundesregierung berufen.

In ihre Amtszeit fallen zahlreiche Reformen wie die Hightech-Strategie[15][16] und die Exzellenzinitiative. Der Hochschulpakt[17] und der Pakt für Forschung und Innovation wurden geschlossen,[18] die Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung[19] und das 2013 eröffnete Berliner Institut für Gesundheitsforschung[20] gegründet.

Schavan verantwortete die verstärkten internationalen Aktivitäten in der Forschungspolitik, die Einführung der Bildungsberichterstattung von Bund und Ländern[21] und das Rahmenprogramm Bildungsforschung, um der empirischen Wende in der Bildungspolitik Rechnung zu tragen.

Schavan war im Jahr 2012 Vorsitzende der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz.

Nach der Aberkennung ihres Doktorgrades wurde sie am 14. Februar 2013 in ihrem Ministeramt von Johanna Wanka abgelöst und später Mitglied im Bundestagsausschuss für Entwicklungszusammenarbeit.[22]

Am 22. September 2013 wurde sie im Wahlkreis Ulm mit deutlicher Mehrheit von 52,1 % in den 18. Deutschen Bundestag wiedergewählt. [23][24]

Sonstiges Engagement[Bearbeiten]

Als Leiterin des Cusanuswerks wurde Schavan 1991 Mitglied des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken (ZdK) und gehörte diesem als von der Vollversammlung gewählte „Einzelpersönlichkeit“[25] bis November 2008 an.[26] Von 1994 bis April 2005 war sie eine der vier Vizepräsidenten des Zentralkomitees.[27]

Schavan wurde im September 2011 als Nachfolgerin von Manfred Kock Vorsitzende des Kuratoriums der ökumenischen Stiftung Bibel und Kultur.[28]

Von 2010 bis 2011 war Schavan als Vertreterin des Bundes Mitglied im ZDF-Fernsehrat.

Schavan war bis zum 14. Februar 2013 Mitglied des Kuratoriums des Deutschen Museums, München, Mitglied des Stiftungsrates der Alexander von Humboldt-Stiftung, Bonn, und der Deutsche Telekom Stiftung, Bonn. Außerdem war sie bis zu diesem Zeitpunkt Mitglied des Senats der Max-Planck-Gesellschaft (München), Mitglied des Kuratoriums der VolkswagenStiftung (Hannover) sowie stellvertretende Vorsitzende des Stiftungsrates der Wissenschaftsstiftung Ernst Reuter (Berlin).

Die Ludwig-Maximilians-Universität München bestellte Schavan per 1. Oktober 2013 als „eine herausragende Persönlichkeit mit umfassender Expertise und langjähriger Erfahrung im Wissenschaftssystem“ auf zwei Jahre zum externen Mitglied ihres Hochschulrats. Am 7. April 2014 kündigte Schavan an, dem Wissenschaftsminister ihr Ausscheiden zu erklären. Die Dekane hatten darum in einer Sitzung mit dem Präsidium gebeten, weil nach dem Urteil des Verwaltungsgerichts Düsseldorf vom 20. März 2014 über die Aberkennung ihres Doktorgrades die notwendige Akzeptanz für Schavans Verbleib im Hochschulrat fehle.[29][30]

Aberkennung des Doktorgrads und Rücktritt[Bearbeiten]

Im Mai 2012 geriet Schavans Dissertation Person und Gewissen. Studien zu Voraussetzungen, Notwendigkeit und Erfordernissen heutiger Gewissensbildung aus dem Jahre 1980 unter Plagiatsverdacht. Nach Darstellung des Blogs schavanplag,[31] das ein Mitglied des Recherchenetzwerks VroniPlag Wiki eingerichtet hatte,[32] hatte Schavan auf 94 von 325 Seiten ihrer Dissertation Textstellen ohne Quellenangaben übernommen. Die Arbeit war im VroniPlag seit Dezember 2011 untersucht worden; eine knappe Mehrheit der Mitarbeiter hatte sich aber gegen eine Veröffentlichung auf VroniPlag entschieden.[33][34][35] Schavan erklärte, „nach bestem Wissen und Gewissen“ gearbeitet zu haben, und bat die Promotionskommission der Universität Düsseldorf, die Vorwürfe zu prüfen.[36][37]

Mit der Berichterstattung des Sachverhalts wurde der Judaist Stefan Rohrbacher beauftragt.[38] Sein vertrauliches Gutachten, welches der Redaktion des Nachrichtenmagazins Der Spiegel zugespielt wurde, attestiert etlichen Stellen der Dissertation „das charakteristische Bild einer plagiierenden Vorgehensweise“: „Eine leitende Täuschungsabsicht ist nicht nur angesichts der allgemeinen Muster des Gesamtbildes, sondern auch aufgrund der spezifischen Merkmale einer signifikanten Mehrzahl von Befundstellen zu konstatieren.“[39][40] Schavan widersprach diesem Vorwurf; ihr sei noch keine Gelegenheit gegeben worden, das Gutachten in Gänze in Augenschein zu nehmen. Schavans Doktorvater Gerhard Wehle sagte in einem Interview: „Die Arbeit entsprach damals absolut dem wissenschaftlichen Standard“. Man könne nicht eine Doktorarbeit von 1980 nach den heutigen Maßstäben bewerten.[41]

Am 22. Januar 2013 befasste sich der Fakultätsrat der Philosophischen Fakultät mit den Vorwürfen und folgte in seinem Beschluss, der mit 14 Ja-Stimmen, einer Enthaltung und ohne Gegenstimme erfolgte, der im Dezember publik gewordenen Empfehlung des Promotionsausschusses, das Hauptverfahren der Aberkennung aufzunehmen.[42] In einem Interview mit dem ZEITmagazin räumte Schavan „Flüchtigkeitsfehler“ ein. Zum Beispiel habe sie jetzt erst entdeckt, dass im Literaturverzeichnis eine Quelle zweimal genannt sei, eine andere dafür gar nicht. Vor 33 Jahren habe es noch keine technischen Möglichkeiten gegeben, einen Text noch einmal zu überprüfen. Man habe nur selbst genau lesen und auf die Prüfer vertrauen können. „Ich kann für mich nicht in Anspruch nehmen, keine Flüchtigkeitsfehler gemacht zu haben. Aber ich kann in Anspruch nehmen, nicht plagiiert oder gar getäuscht zu haben.“[43]

Wagen, der Schavans Rücktritt thematisiert, im Rosenmontagszug 2013 des Düsseldorfer Karnevals

Am 5. Februar 2013 stellte der Fakultätsrat mit 13 Ja-Stimmen bei zwei Enthaltungen den „Tatbestand einer vorsätzlichen Täuschung durch Plagiat“ fest: „Die Häufung und Konstruktion dieser wörtlichen Übernahmen, auch die Nichterwähnung von Literaturtiteln in Fußnoten oder sogar im Literaturverzeichnis ergeben der Überzeugung des Fakultätsrats nach das Gesamtbild, dass die damalige Doktorandin systematisch und vorsätzlich über die gesamte Dissertation verteilt gedankliche Leistungen vorgab, die sie in Wirklichkeit nicht selbst erbracht hatte. Die Entgegnungen von Frau Schavan konnten dieses Bild nicht entkräften.“ Mit 12:2 Stimmen bei einer Enthaltung erklärte der Fakultätsrat die Promotionsarbeit Schavans für ungültig und sprach die Entziehung des Doktorgrades aus. Der lange Zeitabstand seit der Anfertigung der Arbeit und der Umstand, dass Schavan neben ihrer Promotion über keinen anderen Studienabschluss verfügt, seien bei dieser Entscheidung berücksichtigt worden.[44][45][46]

Schavan kündigte noch am selben Tag an, dagegen Anfechtungsklage zu erheben. Am 9. Februar 2013 gab Bundeskanzlerin Angela Merkel bekannt, den von Schavan am Vorabend angebotenen Rücktritt von ihrem Ministeramt „sehr schweren Herzens“ angenommen zu haben. Schavan erklärte: „Ich habe in meiner Dissertation weder abgeschrieben noch getäuscht. […] Wenn eine Forschungsministerin gegen eine Universität klagt, dann ist das mit Belastungen verbunden für mein Amt, für das Ministerium, die Bundesregierung und auch die CDU. Genau das möchte ich vermeiden; das geht nicht, das Amt darf nicht beschädigt werden.“[47] Ihre Ablösung durch Johanna Wanka nahm der Bundespräsident am 14. Februar 2013 vor.

Am 20. Februar 2013 reichte Schavan die Anfechtungsklage ein. Das Angebot der Universität, die Unterlagen des Verfahrens zu veröffentlichen, lehnte sie ab.[48][49][50]

Im März 2013 wurde auf schavanplag ein weiterer Plagiatsvorwurf erhoben. In dem 2008 erschienenen Aufsatz Die Frage nach Gott und dem Menschen[51] habe Schavan im Umfang von etwa einer Buchseite Passagen aus einem Aufsatz des Theologen Peter Walter übernommen, ohne diese als Zitate zu markieren.[52][53]

Am 20. März 2014 wies das Verwaltungsgericht Düsseldorf die Anfechtungsklage ab. Die dem Fakultätsrat obliegende Ermessensentscheidung lasse keine Rechtsfehler erkennen. Sie sei von einer zutreffenden Tatsachengrundlage ausgegangen und habe alle in Betracht kommenden widerstreitenden öffentlichen und privaten Belange umfassend gewürdigt und gegeneinander abgewogen.[54] Gegen dieses Urteil hätte Schavan die Zulassung der Berufung beantragen können, § 124a Abs. 4 VwGO. Am 10. April 2014 teilte sie jedoch mit, „keine Berufung einzulegen und damit die juristische Auseinandersetzung zu beenden.“[55]

Botschafterin beim Heiligen Stuhl[Bearbeiten]

Am 3. Februar 2014 erklärte sich Schavan bereit, deutsche Botschafterin beim Heiligen Stuhl in Rom zu werden.[56] Das Forum Deutscher Katholiken stuft eine derartige Berufung als „Affront gegenüber der katholischen Kirche“ ein.[57] Der Personalrat des Auswärtigen Amts kritisiert in einem internen Schreiben, Schavan fehlten die "Eingangsvoraussetzungen für den höheren Auswärtigen Dienst", der grundsätzlich nicht zur "Versorgungsanstalt" für Politiker werden dürfe.[58]

Ehrendoktorwürde der Universität Lübeck[Bearbeiten]

2014 wurde Schavan die Ehrendoktorwürde der Universität Lübeck verliehen. Diese Entscheidung wurde in der ZEIT kritisiert, da Schavan gerade ihren akademischen Doktortitel wegen wissenschaftlichen Fehlverhaltens verloren habe und daran beteiligt gewesen sei, durch finanzielle Umschichtungen dem Land Schleswig-Holstein einen wirtschaftlichen Vorteil in Höhe 25 Millionen Euro zu verschaffen.[59]

Politische Positionen[Bearbeiten]

Pro Reli[Bearbeiten]

Schavan unterstützte die im April 2009 gescheiterte Berliner Pro-Reli-Kampagne. In einem Gastbeitrag für die Berliner Zeitung erklärte sie im Dezember 2008, Schüler müssten „die freie Wahl haben, ob sie in den Ethik- oder in den Religionsunterricht gehen wollen“. Religion gehöre „in die Mitte der Gesellschaft“. Kinder und Jugendliche hätten einen Anspruch darauf, „dass sie erfahren, worauf Menschen seit über zweitausend Jahren ihre Hoffnung setzen“.[60]

Kernkraft[Bearbeiten]

Schavan war lange eine Befürworterin der Kernkraft. Im Jahr 2000 hatte das rot-grüne Kabinett Schröder I einen Atomausstieg beschlossen; Mitte 2008 verkündete Schavan, die Kernforschung weiter vorantreiben und in den folgenden Jahren hierfür 45 Millionen Euro bereitstellen zu wollen, um die Förderung konsequent auszubauen und die Ausbildung junger Nuklearwissenschaftler zu verbessern.[61] Eine Laufzeitverlängerung deutscher Kernkraftwerke wurde im Wahlkampf vor der Bundestagswahl 2009 ein Thema, mit dem sich CDU/CSU und FDP von SPD und Grünen absetzten. Nach einer Reihe von Zwischenfällen in deutschen Kernkraftwerken bekräftigte Schavan acht Wochen vor der Wahl ihre Position: „Wer will, dass Deutschland bei der Energieversorgung eine vernünftige Perspektive hat, darf die Kernkraft nicht verteufeln.“[62] Etwa zwei Wochen vor der Wahl wurde bekannt, dass Schavan ein von ihrem Ministerium in Auftrag gegebenes Gutachten zum Neubau weiterer Kernkraftwerke längere Zeit zurückgehalten hatte. In diesem hatten etwa hundert Forscher den Neubau von Kernkraftwerken in Deutschland und die Suche nach anderen Standorten als Gorleben als Atommüll-Endlager empfohlen.[63]

Zuzug ausländischer Arbeitnehmer[Bearbeiten]

Im Jahr 2007 stieß Schavan eine Initiative zu Erleichterung des Zuzugs ausländischer Arbeitnehmer an. Sie schlug vor die Grenze, ab der ausländische Fachkräfte in Deutschland arbeiten dürfen, von 85.000 auf 60.000 Euro zu senken. Bezugnehmend auf den zu diesem Zeitpunkt aktuellen Migrationsbericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erklärte sie in diesem Zusammenhang: „Auch wenn alle gut gebildet und ausgebildet in Deutschland sind, braucht es darüber hinaus qualifizierte Fachkräfte von anderswo.“[64][65]

Kabinette[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Veröffentlichungen (Auszug)[Bearbeiten]

Bibliografie[Bearbeiten]

  • mit Bernhard Welte (Hrsg.): Person und Verantwortung. Zur Bedeutung und Begründung von Personalität. Patmos-Verlag, Düsseldorf 1980, ISBN 3-491-77381-4.
  • Person und Gewissen. Studien zu Voraussetzungen, Notwendigkeit und Erfordernissen heutiger Gewissensbildung. R. G. Fischer, Frankfurt 1980, ISBN 3-88323-220-3
  • Gott ist Licht. Einhard, Aachen 1986, ISBN 3-920284-17-8.
  • (Hrsg.): Dialog statt Dialogverweigerung. Impulse für eine zukunftsfähige Kirche. Butzon und Bercker, Kevelaer 1994, ISBN 3-7666-9887-7.
  • Schule der Zukunft. Bildungsperspektiven für das 21. Jahrhundert (= Herder-Spektrum. 4611). Herder, Freiburg (Breisgau) u. a. 1998, ISBN 3-451-04611-3.
  • mit Stefanie Aurelia Spendel (Hrsg.): Der du die Zeit in Händen hältst. Reden über eine Zukunft mit Gott. Don Bosco, München 2000, ISBN 3-7698-1217-4.
  • Bildung – Wege zu Wissen, Urteilskraft und Selbständigkeit. Vortrag der Ministerin für Kultus, Jugend und Sport des Landes Baden-Württemberg Annette Schavan zur Eröffnung des Akademischen Jahres an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg am 18. Oktober 2000 (= Freiburger Universitätsreden. Bd. 2). Rombach, Freiburg (Breisgau) 2001, ISBN 3-7930-9293-3.
  • (Hrsg.): Schulen in Baden-Württemberg. Moderne und historische Bauten zwischen Rhein, Neckar und Bodensee. Hohenheim, Stuttgart u. a. 2001, ISBN 3-89850-050-0.
  • „Bildung – aktuelle Herausforderungen für Wirtschaft und Gesellschaft“. Rede der Kultusministerin des Landes Baden-Württemberg zum Jahresempfang der IHK Münster am 14. Januar 2002 (= Industrie- und Handelskammer Nord-Westfalen. IHK-Schriftenreihe. Heft 109). IHK, Münster 2002, ISBN 3-936876-01-0.
  • Der Geist weht, wo er will. Christliches Zeugnis in Kirche und Welt. Schwabenverlag, Ostfildern 2002, ISBN 3-7966-1086-2.
  • Welche Schule wollen wir? PISA und die Konsequenzen (= Herder-Spektrum 5308). Herder, Freiburg (Breisgau) u. a. 2002, ISBN 3-451-05308-X.
  • (Hrsg.): Bildung und Erziehung. Perspektiven auf die Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen (= Edition Suhrkamp. 2329). Suhrkamp, Suhrkamp, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-518-12329-7.
  • (Hrsg.): Leben aus Gottes Kraft. Denkanstöße. Schwabenverlag, Ostfildern 2004, ISBN 3-7966-1149-4.
  • (Hrsg.): Keine Wissenschaft für sich. Essays zur gesellschaftlichen Relevanz von Forschung. edition Körber-Stiftung, Hamburg 2008, ISBN 978-3-89684-124-7.
  • Gott ist größer, als wir glauben. Visionen für Kirche und Welt. St. Benno, Leipzig 2010, ISBN 978-3-7462-2909-6.

Diskografie[Bearbeiten]

  • Preist ihn Seiner Welt Zuliebe: Gesänge der Synagogen – Ausgewählte Psalmen. Ebs Recording (Note 1 Musikvertrieb), 2006.
  • Sie folgten dem Stern – Annette Schavan liest weihnachtliche Texte umrahmt von festlicher Musik mit Siegfried Gmeiner an der Orgel. SCM Hänssler, September 2010.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Annette Schavan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Carsten Sommerfeld: Schavans Jüchener Wurzeln. In: Neuß-Grevenbroicher Zeitung. 10. Juni 2010, abgerufen am 1. Oktober 2013.
  2. Amory Burchard, Anja Kühne & Tilmann Warnecke: Rechtsprofessor empfiehlt Verjährungsfrist. In: Der Tagesspiegel. 8. Mai 2012, abgerufen am 1. Oktober 2013.
  3. Annette Schavan: Vita
  4. Freie Universität Berlin: Bundesministerin Schavan wird Honorarprofessorin. 22. Oktober 2008, abgerufen am 1. Oktober 2013.
  5. Freie Universität Berlin: Bundesministerin Schavan zur Honorarprofessorin der Freien Universität Berlin ernannt. 2. Februar 2009, abgerufen am 1. Oktober 2013.
  6. tagesspiegel.de 11. April 2014
  7. a b Margarete van Ackeren: Schavan: »14 Jahre sind genug«. In: Focus. Nr. 34, 20. August 2012
  8. Hannelore Crolly, Kristian Frigelj & Thomas Vitzthum: Das große Personalkarussell hinter Angela Merkel. In: Die Welt. 4. Dezember 2012, abgerufen am 1. Oktober 2013.
  9. Michael Bröcker: Schavan will sich aus der Parteiführung zurückziehen: CDU-Vize: Klöckner für Schavan? In: Rheinische Post. 1. August 2012
  10. Das Stühlerücken hat begonnen: Schavan-Rückzug stürzt CDU in Personaldebatte. In: Rheinische Post. 19. August 2012
  11. Neusserin am Kabinettstisch. In: Neuß-Grevenbroicher Zeitung.18. Oktober 2005
  12. Arbeitskreis Wissenschaftliche Begleitung „Schulanfang auf neuen Wegen“: Abschlussbericht zum Modellprojekt. Website des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg. Mai 2006 (PDF; 707 KB)
  13. Bildung stärkt Menschen: Der Bildungsplan 2004 kurz vorgestellt
  14. Christa Engemann, Meike Geesmann & Brigitte Kieser (Hrsg.): Fremdsprachen in der Grundschule: Lehren und Lernen mit dem Konzept des kommunikativen Unterrichts. Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg, 2002 (PDF)
  15. Christiane Junker: Interview mit Prof. Dr. Annette Schavan. In: Hightech-Strategie. 2009
  16. Bundesministerium für Bildung und Forschung: Schavan legt Hightech-Strategie 2020 im Kabinett vor. 14. Juli 2010, abgerufen am 1. Oktober 2013.
  17. Margarete Limberg & Norbert Wassmund: Schavan erwartet rasche Einigung bei Hochschulpakt. In: Deutschlandradio Kultur. 6. Mai 2006, abgerufen am 1. Oktober 2013.
  18. Bundesministerium für Bildung und Forschung: Bundesforschungsministerin Annette Schavan zur Fortsetzung der drei großen Initiativen Hochschulpakt, Exzellenzinitiative und Pakt für Forschung und Innovation. 4. Juni 2009, abgerufen am 1. Oktober 2013.
  19. Philipp Grätzel von Grätz: Die Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung. Gebündelte Erforschung von Volkskrankheiten. Bundesministerium für Bildung und Forschung, 2011 (PDF)
  20. Presse- und Informationsamt der Bundesregierung: Neues Institut für Gesundheitsforschung in Berlin. 6. November 2012, abgerufen am 1. Oktober 2013.
  21. Bundesministerium für Bildung und Forschung: Neue Steuerungselemente für weitere Verbesserung des Bildungswesens. 28. Februar 2007, abgerufen am 1. Oktober 2013.
  22. Deutscher Bundestag: Mitglieder des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
  23. Bundesland Baden-Württemberg Wahlkreis 291 – Ulm. In: Endgültiges Ergebnis der Wahl zum 18. Deutschen Bundestag. Der Bundeswahlleiter, Oktober 2013, abgerufen am 12. Oktober 2013.
  24. Wie prominente Politiker in ihrem Wahlkreis punkten konnten. In: Berliner Morgenpost. 23. September 2013, abgerufen am 12. Oktober 2013.
  25. http://www.zdk.de/organisation/mitglieder/
  26. http://www.zdk.de/veroeffentlichungen/reden-und-beitraege/detail/Bericht-zur-Lage-Prof-Dr-Hans-Joachim-Meyer--180F/
  27. http://www.zdk.de/veroeffentlichungen/pressemeldungen/detail/ZdK-waehlt-Vizepraesidenten-286k/
  28. Evangelische Kirche in Deutschland: Schavan neue Kuratoriumsvorsitzende der Stiftung Bibel und Kultur. 13. September 2011
  29. uni-muenchen.de: Pressemitteilung der Universität 7. April 2014
  30. spiegel.de: Schavan verlässt Münchner Hochschulrat
  31. Dokumentation mutmaßlicher Plagiate in der Dissertation von Prof. Dr. Annette Schavan. In: schavanplag. 4. November 2012 (PDF; 360 KB)
  32. Christoph Titz: Anonymer Schavan-Ankläger: „Ich wollte das nicht unter den Tisch fallen lassen“. In: Spiegel Online. 5. Mai 2012
  33. VroniPlag Wiki: Analyse:As
  34. Markus Verbeet: VroniPlag-Rechercheur über Schavan: „Sie hat es sich zu bequem gemacht“. In: Spiegel Online. 6. Mai 2012
  35.  Christoph Titz & Markus Verbeet: Jäger im Dunkeln. In: Der Spiegel. Nr. 19, 2012, S. 44 (online).
  36. Roland Preuß & Tanjev Schultz: Täuschung bei der Doktorarbeit? – Schavan will Plagiatsvorwürfe klären. In: Süddeutsche Zeitung. 2. Mai 2012.
  37. Christiane Hoffmann: Annette Schavan unter Druck: „Kein Zufall, kein Irrtum, sondern Absicht“. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 5. Mai 2012.
  38. Plagiatsvorwürfe gegen Ministerin Schavan: Heinrich-Heine-Uni stellt Strafanzeige wegen Indiskretion. In: Focus. 16. Oktober 2012, abgerufen am 1. Oktober 2013.
  39. Plagiatsaffäre um Bildungsministerin: Uni-Prüfer wirft Schavan Täuschung vor. In: Spiegel Online. 14. Oktober 2012, abgerufen am 1. Oktober 2013.
  40.  Klaus Brinkbäumer, Jan Friedmann, Barbara Schmid & Markus Verbeet: In Autopsie. In: Der Spiegel. Nr. 42, 2012, S. 16–20 (online).
  41. Michael Bröcker: Ministerin Schavan weiter unter Druck: Doktorvater hält Arbeit für „beachtlich“. In: Rheinische Post. 16. Oktober 2012, abgerufen am 1. Oktober 2013.
  42. Ministerin unter Plagiatsverdacht: Uni Düsseldorf eröffnet Verfahren gegen Schavan. In: Spiegel Online. 22. Januar 2013, abgerufen am 1. Oktober 2013.
  43.  Christoph Amend: Plagiatsvorwürfe: Unter Verdacht. In: ZEITmagazin. Nr. 6, 2013.
  44. Heinrich Heine Universität Düsseldorf: Aktuelle Sitzung des Fakultätsrats der Philosophischen Fakultät und Presseerklärung vom 5. Februar 2013. 5. Februar 2013, abgerufen am 6. Februar 2013.
  45. Kritisch dazu:
  46. Positive Bewertung:
  47. Presse- und Informationsamt der Bundesregierung: Statements von Bundeskanzlerin Merkel und Bundesforschungsministerin Schavan. 9. Februar 2013, abgerufen am 9. Februar 2013.
  48. Anja Kühne: Fall Schavan: Uni Düsseldorf will Transparenz. In: Der Tagesspiegel. 21. Februar 2013
  49. Schavan lehnt Offenlegung ab. In: Süddeutsche Zeitung. 21. Februar 2013
  50. Die Zeit 13/2014 vom 20, März 2014: Reines Glücksspiel
  51. Die Frage nach Gott und dem Menschen. Theologie in der Universität. In: George Augustin & Klaus Krämer (Hrsg.): Gott denken und bezeugen. Festschrift für Kardinal Walter Kasper zum 75. Geburtstag. Herder, Freiburg/Basel/Wien 2008, ISBN 978-3-451-29786-1, S. 89–98
  52. Amory Burchard & Tilmann Warnecke: Neuer Plagiatsvorwurf gegen Schavan. In: Der Tagesspiegel. 11. März 2013
  53. Dokumentation von Plagiaten in dem Aufsatz „Die Frage nach Gott und dem Menschen. Theologie in der Universität“ von Annette Schavan. In: schavanplag. 15. März 2013 (PDF; 72 KB)
  54. 15 K 2271/13: kostenlose-urteile.de; lto.de; dpa 20. März 2014
  55. http://annette-schavan.de/pages/Meine_Wahltermine/Meine_Wahltermine.php
  56. http://blogschavan.aaksis.de/?p=558
  57. Forum Deutscher Katholiken: Berufung Schavans ist Provokation, kath.net, 4. Februar 2014
  58. http://www.bild.de/bildlive/2014/12-schavan-kritik-34804440.bild.html
  59. http://www.zeit.de/2014/17/ehrendoktor-abschaffung-schavan-snowden
  60. Annette Schavan: Religion gehört zum Menschen. In: Berliner Zeitung. 13. Dezember 2008
  61. Jörg Michel: Ministerin Schavan forciert die Atomforschung. In: Berliner Zeitung. 30. Juli 2008
  62. Bernward Janzing: Energiebranche demoliert ihr Image: Atompannen in Serie. In: die tageszeitung. 26. Juli 2009
  63. Joachim Müller-Soares: Brisantes Gutachten: Schavan hält Atomstudie zurück. In: Financial Times Deutschland. 16. September 2009
  64. Schavan weist Kritik zurück. In: Kölnische Rundschau. 27. Juni 2007
  65. Klausur in Meseberg: Koalition beschließt Fachkräfte-Zuzug und Klimaschutzpakt. In: Spiegel Online. 23. August 2007
  66. Abraham-Geiger-Kolleg: Annette Schavan erhält den Abraham-Geiger-Preis 2013. 18. Februar 2013
  67. Abraham-Geiger-Kolleg: Verleihung des Abraham-Geiger-Preises an Bundesministerin a.D. Dr. Annette Schavan MdB. 18. März 2013
  68. Pressemitteilung 7. April 2014 uni-luebeck.de