Annia Faustina

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Denar der Annia Faustina

Annia Aurelia Faustina war die dritte Frau des römischen Kaisers Elagabal, der von 218 bis 222 regierte. Auf ihren Münzen wird sie Annia Faustina genannt; ihr voller Name Annia Aurelia Faustina ist nur inschriftlich bezeugt. Nachdem sie im Juli oder August 221 den damals siebzehnjährigen Elagabal geheiratet hatte, erhielt sie als Kaiserin den Titel Augusta.

Annia Faustina stammte von Claudius Severus ab, dem Schwiegersohn des Kaisers Mark Aurel.[1] Wahrscheinlich war sie eine Urenkelin Mark Aurels und seiner Gattin Annia Galeria Faustina, die als Faustina die Jüngere bekannt ist.[2] Ihr Vater war wohl der Sohn des Claudius Severus, Tiberius Claudius Severus Proculus, der im Jahr 200 das ordentliche Konsulat bekleidete. In erster Ehe war sie mit Pomponius Bassus verheiratet, der im Jahr 211 ordentlicher Konsul war.[3] Wie der zeitgenössische Geschichtsschreiber Cassius Dio berichtet, ließ Elagabal Bassus hinrichten, um Annia heiraten zu können, und erlaubte ihr keine Trauer über seinen Tod. Bassus wurde beschuldigt, Maßnahmen des Kaisers kritisiert zu haben. Das Todesurteil ließ Elagabal nachträglich vom Senat bestätigen.[4]

Zuvor war Elagabal in zweiter Ehe mit Iulia Aqulia Severa verheiratet gewesen. Da Aquilia vor dieser Ehe Vestalin gewesen war, hatte er einen schweren Verstoß gegen das römische Sakralrecht und die religiöse Tradition begangen, denn die Vestalinnen waren zur Bewahrung ihrer Jungfräulichkeit verpflichtet. Diese Heirat des Kaisers war ein Skandal schlimmsten Ausmaßes. Sie wirkte sich auf sein Ansehen in der Öffentlichkeit verheerend aus und verschlechterte sein auch aus anderen Gründen schwer gestörtes Verhältnis zum Senat dramatisch. Darin sah seine Großmutter Julia Maesa eine Gefahr für den Fortbestand der Dynastie. Daher bemühte sie sich um eine Entspannung. Auf ihr Drängen löste Elagabal seine anstößige Verbindung mit Aquilia im Juli oder August 221 auf und heiratete Annia Faustina.[5] Ein Vorteil der neuen Ehe war, dass Annia wegen ihrer vornehmen Abstammung in der römischen Führungsschicht respektiert wurde. Ihre Erhebung zur neuen Kaiserin sollte einen Kurswechsel markieren und im Senat als positives Signal wahrgenommen werden.[6]

Dieser Versuch einer Besänftigung der aufgebrachten Römer scheiterte jedoch bald, denn Elagabal trennte sich schon gegen Ende 221[7] von Annia. Er kehrte zu Aquilia zurück und heiratete sie ein zweites Mal. Über Annias weiteres Schicksal ist nichts bekannt.

Das Aussehen Annias lässt sich nur ihren Münzbildnissen entnehmen. Es ist bisher nicht gelungen, ihr eine Rundplastik plausibel zuzuordnen.[8]

Literatur[Bearbeiten]

  • Martin Frey: Untersuchungen zur Religion und zur Religionspolitik des Kaisers Elagabal. Franz Steiner, Stuttgart 1989, ISBN 3-515-05370-0, S. 96–98, 103–105

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Cassius Dio 80 (79),5,4.
  2. Unrichtig ist die Angabe bei Herodian 5,6,2, sie stamme von Mark Aurels Sohn Commodus ab.
  3. Zu Bassus siehe Ladislav Vidman: Pomponius Bassus. In: Leiva Petersen, Klaus Wachtel (Hrsg.): Prosopographia Imperii Romani, 2. Auflage, Teil 6, Berlin 1998, S. 308 (P 700); vgl. die Stammtafel S. 310.
  4. Cassius Dio 80 (79),5,1–4.
  5. Zur Chronologie siehe Martin Frey: Untersuchungen zur Religion und zur Religionspolitik des Kaisers Elagabal, Stuttgart 1989, S. 96.
  6. Siehe dazu Martin Frey: Untersuchungen zur Religion und zur Religionspolitik des Kaisers Elagabal, Stuttgart 1989, S. 96f., 103f.; Martijn Icks: The Crimes of Elagabalus, London 2011, S. 38, 65.
  7. Zur Chronologie siehe Martin Frey: Untersuchungen zur Religion und zur Religionspolitik des Kaisers Elagabal, Stuttgart 1989, S. 97f.
  8. Max Wegner: Iulia Cornelia Paula, Iulia Aquilia Severa, Annia Faustina. In: Heinz Bernhard Wiggers, Max Wegner: Caracalla, Geta, Plautilla. Macrinus bis Balbinus (= Max Wegner (Hrsg.): Das römische Herrscherbild, Abteilung 3 Band 1), Berlin 1971, S. 167–176, hier: 170, 174–176.