Annie Proulx

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Edna Annie Proulx [pruː] (* 22. August 1935 in Norwich, Connecticut) ist eine kanadisch-US-amerikanische Schriftstellerin und Journalistin.

Leben[Bearbeiten]

Proulx’ Mutter kam aus einer alteingesessenen bürgerlichen Familie Connecticuts, der Vater war Frankokanadier. Somit hat Proulx die US-amerikanische und die kanadische Staatsangehörigkeit.

1969 machte Proulx ihr Examen (B.A.) an der Universität von Vermont. Anschließend studierte sie in Montréal, Kanada, weiter und schloss dort 1973 mit dem Master of Arts (M.A.) ab. Zunächst begann sie als Journalistin und Sachbuchautorin zu schreiben. Erst spät, mit über 50 Jahren, wandte sie sich der Belletristik zu.

Sie lebte mehr als 30 Jahre in Vermont, war dreimal verheiratet, hat drei Söhne und eine Tochter. In ihrem sechzigsten Lebensjahr zog sie nach Wyoming, wo sie sich u.a. zu ihrer Kurzgeschichte "Brokeback Mountain" (1997) inspirieren ließ. 2003 kaufte sie dort vierzig Morgen Land mit Blick über den North Platte River ohne Elektrizitäts- oder Telefonanschluss und baute sich dort ein Haus. Vor einigen Jahren gab sie ihren abgeschiedenen Wohnort auf und zog nach Seattle, wo sie heute lebt. Zur Begründung sagte sie, dass die täglichen Besorgungen in Wyoming sehr lange Autofahrten erforderten, die sie im Alter nicht mehr auf sich nehmen wolle. Außerdem seien die Winter im Mittleren Westen sehr hart und erforderten eine gute körperliche Kondition. [1][2][3]

Werke und ihre Auszeichnungen[Bearbeiten]

1988 veröffentlichte Proulx in den USA eine Sammlung von Kurzgeschichten Heartsongs and Other Stories (dt. Herzenslieder).

Ihr erster Roman Postcards (dt. „Postkarten“, 1992) über das Leben einer Farmerfamilie brachte ihr als erster Frau den begehrten PEN/Faulkner Award ein.

Der folgende in Neufundland angesiedelte Roman The Shipping News (dt. „Schiffsmeldungen“, 1993) wurde ein weltweiter Erfolg. Für ihn erhielt die Autorin den Pulitzer-Preis, den National Book Award und den The Irish Times International Fiction Prize. Der Roman handelt von einem verwitweten Mann, der in der Abgelegenheit einer kleinen Neufundland-Küstenstadt einen Neuanfang versucht. Der Roman wurde in Hollywood unter gleichem Titel von Regisseur Lasse Hallström mit prominenten Schauspielern verfilmt und lief weltweit erfolgreich in den Filmkunst-Kinos.

Weitere Werke von Proulx sind der Roman Accordion Crimes (dt. „Das grüne Akkordeon“, 1996) und der Roman That Old Ace in the Hole (dt. „Mitten in Amerika“, 2002). Außerdem erschienen drei Bände mit Erzählungen aus Wyoming: Close Range (dt. „Weit draußen“, 1999), Bad Dirt (dt. „Hinterland“, 2004) sowie Fine Just the Way It Is (dt. „Hier hat's mir schon immer gefallen“, 2008).

Close Range wurde 1999 mit dem Buchpreis des The New Yorker-Magazins ausgezeichnet und 2000 mit dem English-Speaking Union's Ambassador Book Award und Borders Original Voices Award in Fiction prämiert.

2005 verfilmte Ang Lee Proulx' Kurzgeschichte Brokeback Mountain, die erstmals am 13. Oktober 1997 in einer Ausgabe des Magazins The New Yorker erschienen war. Die Erzählung gewann 1998 den O. Henry-Preis und den National Magazine Award. Bereits im Jahr 1997 hatten der Schriftsteller und Pulitzer-Preisträger Larry McMurtry und die Filmproduzentin Diana Ossana die nur ca. fünfzig Seiten lange Geschichte für die Kinoleinwand adaptiert. 1999 veröffentlichte Proulx eine überarbeitete Fassung in ihrem Sammelband Close Range. Der Film von Ang Lee über die lebenslange Liebe zweier Cowboys, die ihre Liebe nur bei sporadischen Angelausflügen ausleben können, wurde 2006 mit vier Golden Globes und drei Oscars ausgezeichnet, unter anderem für das beste adaptierte Drehbuch. Proulx war sowohl bei "Schiffsmeldungen" als auch bei "Brokeback Mountain" selbst Drehbuchautorin. 2014 erlebte die gleichnamige Oper mit der Musik von Charles Wuorinen am Teatro Real in Madrid ihre Uraufführung, das Libretto stammt ebenfalls von Annie Proulx. [4]

Im Herbst 2011 erschien die deutsche Übersetzung ihrer Memoiren Ein Haus in der Wildnis.[5]

2014 wurde Proulx in die American Academy of Arts and Sciences gewählt.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise, Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Die Aura der guten alten Dinge in: FAZ vom 31. Januar 2012, Seite 28
  2. Bernadette Conrad: Weisskopfseeadler und Tatami-Matten – Annie Proulx schreibt über ihr Haus am Hudson. In: NZZ vom 2. August 2012, abgerufen am 2. August 2012
  3. Interview Bayerischer Rundfunk vom 27. Januar 2014 [1]
  4. Brokeback Mountain. An opera in two acts based on the short story of Annie Proulx. In: „Charleswuorinen.com“. Abgerufen am 16. Februar 2014.
  5. Die Suche geht weiter – Annie Proulx: „Ein Haus in der Wildnis“. Rezension von Rainer Moritz auf Deutschlandradio Kultur vom 15. Dezember 2011, abgerufen am 2. August 2012.