Another Country

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Filmdaten
Deutscher Titel Another Country
Originaltitel Another Country
Produktionsland Großbritannien
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1984
Länge 90 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Marek Kanievska
Drehbuch Julian Mitchell
Produktion Robert Fox,
Julian Seymour,
Alan Marshall
Musik Michael Storey
Kamera Peter Biziou
Schnitt Gerry Hambling
Besetzung

Another Country ist ein Filmdrama aus dem Jahre 1984 auf der Grundlage des gleichnamigen Theaterstücks von Julian Mitchell. Die Handlung basiert frei auf dem Leben von Guy Burgess, der im Laufe des Zweiten Weltkrieges mit dem sowjetischen Geheimdienst KGB kollaborierte. Erzählt wird aus der Internatszeit.

Handlung[Bearbeiten]

Die Handlung des Films folgt den Erzählungen des ehemaligen Spions Guy Bennett, der im Moskau der 1980er Jahre einer amerikanischen Journalistin ein Interview gibt und dabei zu erklären versucht, warum er vom englischen Eliteschüler zum Kommunisten und sowjetischen Spion wurde. Der Film spielt daher in den 1930er Jahren am englischen Eliteinternat Eton und zeigt, wie hinter einer Fassade aus guten Manieren und Sportsgeist in Wahrheit Intrigen und Opportunismus blühen. In der Schule gibt es eine fein abgestufte Hierarchie: Ganz unten stehen in den einzelnen „Häusern“ des Internats die jüngsten Schüler, die für die Gemeinschaft die Hausarbeiten erledigen, und ganz oben zwei „Lords“ – ältere Schüler, die für die Disziplin verantwortlich sind und Prügelstrafen durchführen dürfen.

Tommy Judd ist dort ein Außenseiter, weil er sich offen zum Kommunismus bekennt und lieber Das Kapital liest, als an Gemeinschaftsveranstaltungen teilzunehmen. Ihn verbindet eine lose Freundschaft mit Guy Bennett, der es als einziger wagt, den „Lords“ Paroli zu bieten, weil er ihre Schwächen durchschaut und zur Not bereit ist, sie zu erpressen; beide eint ihre Verachtung für das System der Schule und den Alltag dort. Auf Grund seiner sozialen Herkunft ist es aber Guy Bennetts erklärter Ehrgeiz, einmal britischer Botschafter in Paris zu werden. Vorerst ist sein wichtigstes Ziel daher trotzdem, einer der beiden „Lords“ zu werden, die in der strengen Hierarchie der Schule das höchste Ansehen genießen; die Aufnahme in diesen elitären Kreis von Schülern kann der erste Schritt einer großen Karriere sein. Zugleich entwickelt er aber einige kritische Ansichten über die Gesellschaft und äußert sie auch – als seine verwitwete Mutter den Offizier Arthur heiratet, verursacht Bennett auf der Hochzeitsfeier einen Eklat, als er eine abwertende Bemerkung über das Militär macht.

Zwischen Guy Bennett und dem Mitschüler James Harcourt (Cary Elwes)entwickelt sich langsam eine Beziehung, die natürlich geheim gehalten werden muss, da Homosexualität an der Schule streng verpönt ist: Als ein Lehrer zwei Schüler bei gegenseitiger Masturbation in den Umkleideräumen erwischt, begeht einer der beiden Jungen daraufhin aus Scham Selbstmord. Die Lehrerschaft und die älteren Schüler versuchen ihr Bestes, um den Skandal von den Eltern und dem Rest der Außenwelt fernzuhalten, damit der Ruf der Schule nicht gefährdet wird. Dabei wird die Doppelmoral der Schule deutlich: Man gibt vor, homosexuelle Handlungen streng abzulehnen und zu bekämpfen, obwohl sich so ziemlich jeder Schüler, auch die „Lords“, schon einmal daran beteiligt hat. Der Skandal liefert jedoch dem konservativ-puritanischen Kapitän Fowler einen willkommener Grund, Guy Bennett nicht zum Lord zu ernennen: Er hat nämlich einen Liebesbrief von Guy Bennett an Harcourt abgefangen. Bennett lässt sich eine Bestrafung (Prügel auf das Gesäß) durch die „Lords“ gefallen, da sonst der Verbleib Harcourts im Internat gefährdet wäre. Bei einer früheren Gelegenheit hatte er die anderen „Lords“ noch mit der Ankündigung erpresst, dass er eine Liste von allen Mitschülern herausgeben werde, mit denen er bisher sexuellen Kontakt hatte, und war so der Strafe entgangen.

Obwohl Judd klar das „System der Unterdrückung“ erkennt, erklärt er sich auf Bitten Bennetts schließlich doch bereit als „Präfekt“ zu kandidieren, um Fowler als „Chef des Hauses“ zu verhindern. Als Gegenleistung sabotiert Bennett eine militärische Übung, so dass das „Haus“ der beiden einen Pokal verliert, was ihm endgültig den Hass Fowlers einträgt. Die Kandidatur Judds kommt jedoch nie zustande, weil der Mitschüler Donald Devenish zustimmt, an der Schule zu bleiben, und sich bereit erklärt, „Präfekt“ zu werden, wenn er anstelle von Guy Bennett nominiert wird. Die Bestrafung Bennetts und die Aufdeckung seiner sexuellen Orientierung geben Fowler den willkommenen Anlass, ihn bei der Nominierung zurückzusetzen.

Am Boden zerstört über den Verlust seines Traums, „Präfekt“ oder gar „Lord“ zu werden, erkennt Guy Bennett, dass das britische Klassensystem stark vom äußerlich korrekten Erscheinungsbild abhängt und seine offene Homosexualität eine schwere Behinderung zu seiner beabsichtigten Karriere als Diplomat ist. Er wendet sich daher unter dem Einfluss Judds dem Kommunismus zu und schlägt so den Weg ein, der ihn zum Spion für die Sowjetunion werden lässt.

Der Film erklärt im Epilog, dass Tommy Judd wenige Jahre später im Spanischen Bürgerkrieg gefallen ist und einige der Mitschüler die von Bennett prophezeiten Karrieren eingeschlagen haben. Guy Bennett selbst, bereits viele Jahre als Spion für die russische Seite arbeitend, ist in den 1950er Jahren in die Sowjetunion geflohen.

Das Eliteinternat ist in dem Film ein Spiegelbild der damaligen englischen Gesellschaft mit ihren engen konservativen Moralvorstellungen, in der Abweichungen stark sanktioniert werden.

Kritiken[Bearbeiten]

Lexikon des Internationalen Films: „Ein frei an die Biografien der Überläufer Burgess und Maclean angelehntes, differenziertes Regiedebüt, das allerdings gelegentlich zu klischeehaften Vorstellungen greift.“[1]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.filmevonabisz.de/filmsuche.cfm?wert=47036&sucheNach=titel

Weblinks[Bearbeiten]