Anrufbeantworter

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Analoger Anrufbeantworter mit Doppelkassette
Digitaler Anrufbeantworter

Ein Anrufbeantworter (AB) ist ein elektrischer oder elektronischer Audiorekorder, der Telefonanrufe annimmt und nach Abspielen einer Nachricht für den Anrufer, beispielsweise mit dem Text „Bitte sprechen Sie nach dem Signalton...“, (optional) eine gesprochene Nachricht des Anrufers aufzeichnet. Das geschieht bei Nichterreichbarkeit alternativ zum Telefongespräch.

Bei aktivem Gerät gibt es folgende grundsätzliche Möglichkeiten (Schaltungen):

  • Abspielen der Abwesenheitsnotiz mit Aufnahme einer Nachricht
  • Abspielen der Abwesenheitsnotiz ohne Aufnahme einer Nachricht

Per Knopfdruck kann der Anrufbeantworter auch deaktiviert werden.

Anrufbeantworter-Endgerät[Bearbeiten]

Schnurlostelefon mit integriertem Anrufbeantworter

Im Festnetzbereich ist ein Anrufbeantworter meist als teilnehmerseitig am lokalen Telefonanschluss installiertes Endgerät ausgeführt.

Bei diesen Geräten kann der Angerufene den Anruf noch entgegennehmen, während der Anrufer (A-Teilnehmer) einen Text aufspricht. Das Zeitfenster bis zur Aktivierung der Ansage nach der Anrufsignalisierung kann meist flexibel gewählt werden.

Die Aufzeichnung kann analog oder digital erfolgen.

In der ursprünglichen Form – meist als separates Gerät ausgeführt – wurden normale Compact Cassetten (Audiokassetten) oder spezielle Mini- bzw. Mikrokassetten verwendet. Bessere Geräte hatten zwei Cassettenlaufwerke, eines für den Ansagetext, das andere für die Nachrichten der Anrufer. Wurde eines für alle Texte eingesetzt, waren durch das Umspulen der Cassette längere Wartezeiten bis zum Aufsprechen der Nachricht vonnöten. Geräte dieser Bauart werden seit dem 21. Jahrhundert nicht mehr produziert. Bei digitalen Geräten werden die Sprachdaten in einem geräteinternen RAM gespeichert. Bei früheren Versionen war zum Speichererhalt bei Stromausfall eine Batterie integriert. Bei heutigen Geräten wird die nichtflüchtige Flash-Speicher-Technologie verwendet, eine Batterie ist nicht mehr nötig. Auch analog-digitale Mischformen waren auf dem Markt.

Während frühere Geräte in den 1990er Jahren meist als separates Gerät ausgeführt waren, sind Anrufbeantworter heute häufig auch in Festnetztelefone bzw. deren Basisstationen oder Telefonanlagen integriert.

Sonderfunktionen[Bearbeiten]

  • Fernabfrage: Die meisten Geräte erlauben es, aufgesprochene Nachrichten von einem anderen Telefon aus abzufragen, wobei man sich durch eine voreingestellte PIN identifiziert und seine Nachrichten über das Telefonnetz abhören kann.
  • Einige Geräte sind in der Lage, automatisiert eine Meldung abzusetzen, um das Vorhandensein neuer Nachrichten anzuzeigen; das kann durch einen Anruf an eine vorgegebene Rufnummer geschehen, wo dann eine Ansage zu hören ist, oder durch Absetzen einer Textnachricht als SMS oder über Cityruf.
  • Weiterhin bieten einige Hersteller (zum Beispiel U.S. Robotics) Geräte an, die neben Sprachnachrichten auch Faxe entgegennehmen können.

Im Mobilfunkbereich gibt es für Smartphones Software-Implementierungen von teilnehmerseitigen Anrufbeantwortern. Diese haben jedoch den Nachteil, dass sie nur funktionieren, wenn das Gerät eingeschaltet ist.

Voice-Mailbox[Bearbeiten]

Ist der Anrufbeantworter kein eigenständiges Gerät, sondern ein System, das mehrere Telefonanschlüsse zugleich bedienen kann, so spricht man bei dem virtuellen Anrufbeantworter von Voice-Mailbox, kurz nur Mailbox, oder auch von Sprachspeicher, bei Mobilfunk-Mailboxen auch von Mobilbox.

Die Sprachnachrichten werden nicht über das Gerät selbst abgehört, sondern mit dem Telefon kann die Mailbox über eine Zugangsnummer angerufen werden.

Voice-Mailbox im Mobilfunk und Festnetzbereich[Bearbeiten]

Bei den Mobilfunkanbietern und in zunehmendem Maß auch bei VoIP-Anschlüssen und Festnetzanschlüssen (zum Beispiel T-NetBox) wird ein Anrufbeantworter netzseitig zentral durch die Telefongesellschaft bereitgestellt.

Die Voice-Mailbox befindet sich physisch auf Audiotex-Servern im Netz der Telefongesellschaft und kann dort per Telefon abgerufen werden, was je nach Anbieter gebührenpflichtig sein kann. Die Mobilboxfunktion wird von vielen Mobilfunkanbietern massiv beworben, da durch deren Nutzung zusätzliche Verbindungsminuten generiert werden. Die Ansagen können meist zwischen den Vorgaben der Telefongesellschaft gewählt oder selbst individuell aufgesprochen (hinterlegt) werden.

Die Mobilbox lässt sich in vielen Netzen durch Eingabe der Kombination ##002# abstellen.[1] Die Einstellung der PIN für die Mailbox ist hingegen bei den Netzanbietern meist unterschiedlich geregelt. [2] [3]

Solche netzseitig implementierten Lösungen haben gegenüber dem Anrufbeantworter als teilnehmerseitig installiertem Endgerät den Nachteil, dass ein Anruf nicht mehr nachträglich entgegengenommen werden kann, nachdem ihn die Mailbox übernommen hat. Des Weiteren kann die Zeitspanne ab Beginn der Anrufsignalisierung, nach der die netzseitige Mailbox den Anruf übernehmen soll, nur mit Einschränkungen gewählt werden – so beim üblichen GSM-Standard etwa von 0 bis 30 Sekunden in Fünf-Sekunden-Schritten, zum Teil bestehen noch größere Einschränkungen.

Viele Voiceboxen können auch Faxe entgegennehmen und speichern. Wenn neben der bei Mobilboxen üblichen SMS-Benachrichtigung bei neuen Nachrichten weitergehende Funktionen wie E-Mail-Benachrichtigung sowie -Weiterleitung der aufgesprochenen Mitteilungen und Faxe (Fax2mail) in der Voicebox-Lösung integriert sind, spricht man auch von Unified Messaging.

Voice-Mailbox bei Systemtelefonen[Bearbeiten]

Bei Systemtelefonanlagen im Geschäftsbereich werden firmeneigene Voicemail-Dienste für jeden Anwender anlagenseitig zur Verfügung gestellt.

Voicemail ist oft auch in Unified-Messaging-Lösungen integriert, so dass in einer Software am Arbeitsplatz-PC neben z. B. E-Mail und Fax auch Sprachnachrichten zur Verfügung stehen.

Voice-Mailboxen werden entweder von der Telefonanlage direkt, von einer modularen Erweiterung oder von einem per VoIP angeschlossenen Server entgegengenommen, verarbeitet und gespeichert.

Geschichte[Bearbeiten]

Anrufbeantworter Ipsophon in Röhrentechnik

Den ersten bekannten automatischen Anrufbeantworter entwickelte 1938 der Erfinder Willy Müller. Erst vier Jahre später wurde er vom Reichspostzentralamt unter der Bezeichnung Ipsophon zugelassen.

Deutschlandlastige Artikel Dieser Artikel oder Absatz stellt die Situation in Deutschland dar. Hilf mit, die Situation in anderen Staaten zu schildern.

Im Jahre 1953 waren in Deutschland erstmals Anrufbeantworter für Privathaushalte verfügbar. Die von Willy Müller & Co in München hergestellten Geräte wurden zunächst Sprachspeichergeräte genannt und als vereinfachte Versionen der für Ansagedienste eingesetzten Geräte der damaligen Deutschen Bundespost betrachtet:[4]

  • Das 1957 erschienene Alibiphon konnte in der Grundausstattung nur eine Ansage von maximal 40 Sekunden Dauer wiedergeben (heute würde man das Nur-Ansagemodus nennen). Der Anwender konnte die Ansage selbst auf einer Magnettonplatte aufnehmen und jederzeit ändern. Das Gerät war rund 30 x 19 x 11 cm groß und enthielt neben Netzteil und Laufwerk zwei Elektronenröhren, zwei Relais, einen Umschalter für die Betriebsart (Aufnahme, Wiedergabe, Telefon) sowie eine Anzeige für die Sprechdauer. Mittels eines extra anzuschließenden Tonbandgerätes konnten auch Nachrichten des Anrufers aufgezeichnet werden. Das Alibiphon wurde 1961 in Deutschland zugelassen.
  • Der Teleporter konnte darüber hinaus eine Mitteilung des Anrufenden von maximal 30 Sekunden Dauer aufnehmen. Dabei wurde zunächst die vom Anwender selbst aufgenommen Ansage und anschließend der fest aufgenommene Text „Bitte sprechen Sie jetzt“ abgespielt. Das Ende der Aufzeichnung wurde mit „Aufzeichnung abgeschaltet“ quittiert; anschließend konnten sofort weitere eingehende Anrufe aufgezeichnet werden. Ein Abhören der Nachrichten war nur am Gerät selbst möglich. Der Teleporter konnte auch als Diktiergerät eingesetzt werden.
  • 1953 war mit dem Notaphon bereits ein Gerät verfügbar, das die heute übliche Funktion (Anrufbeantworter mit Fernabfrage) bot. Da es diesen Begriff damals noch nicht gab, wurde das in Deutschland zunächst nicht zugelassene Gerät in der Fachpresse als „Telefon-Roboter“ bezeichnet. Die Fernabfrage war von jedem fremden Telefon aus möglich und mit einer „Geheimhaltevorrichtung“ (heutige PIN) geschützt. Der Anwender musste am Gerät mit sechs Schaltern eine von 63 möglichen Zahlen einstellen. Die Fernabfrage wurde gestartet, indem man nach einem bestimmten Wort der Ansage ein deutliches „A“ sprach. Daraufhin sagte das Notaphon dem Anrufer Ziffern an; bei einer zur eingestellten Zahl gehörenden Ziffer musste man jeweils ein deutliches „A“ sprechen. Nach erfolgreicher Bestätigung der Geheimzahl wurden die eingegangenen Nachrichten abgespielt. Am Ende wurde man gefragt, ob alle Nachrichten gelöscht werden sollen, was man mit „A“ bestätigen konnte.
  • Es gab mehrere Modelle des Gerätes Alibicord der Firma Alois Zettler, das mit einem zweiten Tonträger zusätzlich eingehende Nachrichten aufzeichnen konnte.
  • Als Vater des Anrufbeantworters gilt darüber hinaus der Japaner Kazuo Hashimoto, der 1958 das Ansa Fone entwickelte, den ersten kommerziell rentablen AB, der direkt an Firmen und Privathaushalte vertrieben wurde. Entsprechende Geräte kosteten in der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1980 noch rund 1.300 bis 3.000 DM. Als Alternative bot die Deutsche Bundespost einen Telefonauftragsdienst an, der für 3,00 DM pro Tag auch Anrufe entgegennahm.

Ab den späten 1980er Jahren wurde der Anrufbeantworter in Deutschland vom Luxusgut zum alltäglichen Gebrauchsgegenstand. Da von der Bundespost zugelassene Modelle sehr teuer waren und funktionelle Einschränkungen hatten, waren viele nichtzugelassene Geräte auf dem Markt, deren Betrieb damals illegal war.

Symbol[Bearbeiten]

Symbol

Ein seitenverkehrtes Q kann vor die Rufnummer gesetzt werden, wenn ein Anrufbeantworter angeschlossen ist. Der zugehörige Unicode-Codepunkt ist U+2315 (). Auf Telefongeräten ist ein Zeichen aus zwei nebeneinanderliegenden, oben mit einer Linie verbundenen Kreisen üblich (symbolische Darstellung zweier Tonbandspulen).

Sonstiges, GEMA[Bearbeiten]

Die Einspielung von GEMA-pflichtiger Musik in Telefonanlagen, zum Beispiel auf Anrufbeantwortern (zur Untermalung von Telefonansagen) oder in Warteschleifen, ist anmeldepflichtig. Das ist vielen kleinen Unternehmen unbekannt. Zur Vermeidung dieser Gebühren gibt es GEMA-freie Musik, also Musik, deren Lizenzgeber nicht von der GEMA vertreten werden und das beim Verkauf auch ausdrücklich dokumentieren.

Literatur[Bearbeiten]

  • Rainer Knirsch: Sprechen Sie nach dem Piep: Kommunikation über Anrufbeantworter; eine gesprächsanalytische Untersuchung, Tübingen: Niemeyer 2005, Schriftenreihe: Reihe Germanistische Linguistik, 260, zugl.: Göttingen, Univ., Diss., 2004; ISBN 3-484-31260-2

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. babel.de: Wie man seinen Anrufbeantworter loswird
  2. http://www.mm-studio.eu/musik/pin_einrichten.pdf Übersicht zum Einrichten der PIN bei verschiedenen Netzbetreibern
  3. http://www.anrufbeantworter24.com/produkte/einspielservice-fritzbox-sprachbox Aktualisierte und erweiterte Version der Quelle 2 inkl. aktueller Änderungen der Netzbetreiber
  4.   In: Radio-Magazin mit Fernseh-Magazin. Nr. 8, 1953.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Anrufbeantworter – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen