Ansaldo STS

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Ansaldo STS
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Rechtsform Società per Azioni
ISIN IT0003977540
Gründung 1853
Sitz ItalienItalien Italien, Genua
Mitarbeiter 4.100 (2011)
Umsatz 1 212 Mio. Euro (2011)
Branche Elektrotechnik
Website www.ansaldo-sts.com
Emblem
Ansaldo von 1922
Ansaldo von 1924

Ansaldo STS ist ein italienisches Elektrotechnikunternehmen, das heute vorwiegend im Bereich Verkehrstechnik tätig ist. Gemeinsam mit seinem Schwesterunternehmen AnsaldoBreda (Schienenfahrzeuge) bildet das Unternehmen das Transport-Segment der Finmeccanica-Gruppe. Es ist im Mailänder Aktienindex FTSE MIB gelistet.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Unternehmen wurde 1853 vom Genuesischen Ingenieur Giovanni Ansaldo als Kommanditgesellschaft gegründet, an dem auch der Bankier Carlo Bombrini, der Reeder Raffaele Rubattino und der Unternehmer Filippo Penco beteiligt waren. Die Grundlagen für das Unternehmen hatte 1846 der Turiner Geschäftsmann Fortunato Prandi zusammen mit dem britischen Ingenieur Philip Taylor geschaffen. Deren Unternehmen wurde 1852 von Ansaldo übernommen.

In den ersten Jahren hatte Ansaldo eine recht bunte Produktpalette, doch spezialisierte man sich recht bald auf den Schiffbau. Es wurde zu einem der führenden Unternehmen im Dampflokomotivbau. Auch Eisenbahnwagen wurden hergestellt. Während des Ersten Weltkriegs produzierte man auch Artilleriegeschütze (Haubitze 210/22) und Flugzeuge (SVA-Doppeldecker). Nach dem Krieg geriet das Unternehmen wegen des Wegfalls der kriegsbedingten Nachfrage in Schwierigkeiten. Die Banca d’Italia rettete das Unternehmen. Es konzentrierte sich für einige Zeit auf den Bau von Automobilen, insbesondere die Modelle der 4er Serie war in den 1920er Jahren erfolgreich. Aus dem Engagement Ansaldos im Automobilsektor entwickelte sich später eine eigenständige Tochterfirma, die S.A. Ansaldo, die 1932 von O.M. übernommen wurde.

1932 übernahm die von Mussolini gegründete Staatsholding IRI das Unternehmen, das sich wieder auf den Bau von Rüstungsgütern konzentrierte. So stellte es unter anderem die Cannone da 75/46 modello 34 her.

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die damals nur als IRI-Finanzholding operierende Finmeccanica 1948 Ansaldo. Mit der Auflösung der Staatsholding IRI begann in den 1990er Jahren ein tiefgreifender Restrukturierungsprozess. Finmeccanica wurde zu einem operativen Technologiekonzern, der im Zug der Privatisierung seine Konzerntöchter und deren Geschäftsfelder umfassend rationalisierte. So wurde 1993 Ansaldo als eigenes Unternehmen aufgegeben, Die Eisenbahnaktivitäten wurden 2011 mit Breda zu AnsaldoBreda vereinigt.

Automobilentwicklung und Renn-Geschichte[Bearbeiten]

Das erste Ansaldo-Automobil hieß Tipo 4A und hatte einen 1,8 Liter Vierzylinder mit hängenden Ventilen. Das traf ebenso auf die Nachfolger Tipo 4B' und Tipo 4C zu, die ab 1921 bzw. 1922 angeboten wurden. Ab 1922 folgte die Sportversion namens Tipo 4CS, die sogleich von vielen Rennfahrern benutzt wurde, um an den Wettbewerben teilzunehmen. Am 11. Juni 1922 wurde in Florenz die "Coppa della Consuma" ausgetragen, ein 15 km langes Bergrennen, das Cesare Lotti auf einem Ansaldo in der 2-Liter-Klasse gewann (Gesamtsieger wurde der Conte Giulio Masetti auf Mercedes). In jenen Jahren beherrschte ohnehin nur die Klasse der "oberen Zehntausend" die Rennkurse, denn es gab nur wenige Werksteams, die talentierten, aber armen Nachwuchsfahrern eine Chance gaben, wie zum Beispiel dem später berühmt gewordenen Tazio Nuvolari, der am Rennen in Garda 1922 im Gesamtklassement gegenüber der etablierten und viel stärkeren Konkurrenz den 2. Platz im Gesamtklassement auf Ansaldo erreichte. Von da an riss die Serie hervorragender Plätze bei Autorennen auf Ansaldo (und später auf Alfa Romeo) nicht mehr ab - doch Nuvolari feierte seinen ersten Grand Prix Sieg erst 1928.

Ebenfalls 1922 stellte die Marke mit den gekreuzten Kanonen im Logo das Modell 6A mit einem 2-Liter-Sechszylinder vor. Meist wurden von diesem Modell nur Chassis ausgeliefert, die dann von verschiedenen Karosserieherstellern eingekleidet wurden. Doch es gab auch Werkskarosserien wie den 6-sitzigen Tourenwagen, der 1924 auch als 6AS mit einem stärkeren Motor lieferbar war und normalerweise mit Drahtspeichenrädern mit Zentralverschluss ausgestattet wurde. Diese Autos, die einen sehr guten Ruf hatten, was Verarbeitung und Fahrverhalten anbelangte, erreichten 110 km/h, kosteten allerdings umgerechnet etwa 20.000 Mark (soviel wie ein Lancia Lambda) und fielen damit in die Klasse der teuren Luxusautos. Ab 1925 gab es erneut Verbesserungen. Als Modelle Tipo 6BC mit 295 cm Radstand und Tipo 6 BN mit 320 cm Radstand entstanden wunderschöne Klassiker, die auf den Concorsi d´eleganza viele Trophäen gewannen.

Auch die Vierzylinder-Wagen wurden in der Zwischenzeit weiterentwickelt. Als Tipo 4D und Tipo 4F hatten sie mittlerweile verschiedene Radstände. Die letzte Version dieser äußerst robusten Fahrzeuge hörte auf die Bezeichnung Tipo 14. Zusätzlich entstand ein kleinerer Tipo 10 mit 1,5-Liter-Vierzylindermotor, der aber in der Ansaldo-Hierarchie kaum eine Chance hatte und als kleines Auto viel zu teuer war.

Ab 1927 erhielten die großen Sechszylinder ein 4-Gang-Getriebe und einen vergrößerten Motor mit nun 2,2 Litern Hubraum. Spitzenmodell war der Tipo 6 BS, der eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h erreichte. Doch ein neuer Sechszylinder war bereits in Arbeit. 1929 erschien der Tipo 18 mit 2,8 Litern Hubraum und 70 PS (51 kW), hängenden Ventilen und vielen Details, die diese Fahrzeuge in die damalige automobile Oberklasse einordneten.

Für die Renn-Klientel konstruierte man bei Ansaldo inzwischen einige wenige Zwei-Liter Vierzylinder mit zwei obenliegenden Nockenwellen und zwei Vergasern. Am Chassis hatte man nach aufwendigen Tests deutlich Gewicht sparen können. Die Spitzengeschwindigkeit lag bei knapp 140 km/h. Rennfahrer wie Mario Borzacchini und Marchese Paolo Niccoletti setzten diesen Tipo 15GS recht erfolgreich in Langstreckenrennen ein - denn das war der Trumpf der Ansaldos: Die hervorragende Verarbeitung und die durchdachte Konstruktion machten diese Wagen sehr zuverlässig.

Das Spitzenmodell der Baureihe wurde 1929 dem Markt präsentiert, der Tipo 22. Schon lange hatte man bei Ansaldo an einem modernen Reihen-Achtzylinder mit leicht schräg hängenden Ventilen und 90 PS (66 kW) gearbeitet, der sich durch eine seidenweiche Laufruhe auszeichnete. Die Spitzengeschwindigkeit einer voll ausgestatteten Limousine lag bei 140 km/h, für diese Zeit ein beeindruckender Wert. Industriemagnaten, Künstler, Adlige und sonstige Prominente entdeckten den Ansaldo Tipo 22. Er ließ sich sehr gut chauffieren, war eine sehr komfortable Reiselimousine und bot durch seine sehr gute Strassenlage auch bei höherer Geschwindigkeit die gewünschte Sicherheit. Ansaldo konnte sich rühmen, eine für damalige Zeiten recht leichtgängige und dabei doch exakte Lenkung entwickelt zu haben. Das 4-Gang-Getriebe war geräuschlos und mit dem Motorgehäuse verblockt.

So wurden auch einige Tipo 22-Chassis für prominente Kunden von Castagna (Milano) und Montescani (Turin) mit individuellen Sport-Karosserien versehen. Für einen Aktionär des Ansaldo-Konzerns wurde bei Viotti ein Rennwagen gebaut, der mit einer Stromlinien-Karosserie angeblich 160 km/h erreicht haben soll. Dieses Fahrzeug kam nie zum Renneinsatz und gilt heute als verschollen. Überhaupt haben nicht viele dieser großen Achtzylinder-Ansaldos die Zeit überstanden. Wie viele tatsächlich insgesamt gebaut wurden, ist nicht bekannt. Der Ausbruch der Weltwirtschaftskrise machte außerdem dem Höhenflug ein Ende. Im Mai 1931 wurde das Aktienkapital reduziert und die Ansaldo Automobilfabrik an die italienische Firma OM verkauft, die wiederum 1933 von FIAT übernommen wurde. Dennoch lief die Produktion der Sechs- und Achtzylinder-Chassis bis 1937 (!) weiter. In äußerst geringen Stückzahlen verkaufte man die ab 1934 Tipo 33 (Sechszylinder) und Tipo 42 (Achtzylinder) genannten Fahrgestelle, um die noch vorhandenen Teile zu verwerten. Heraus kamen noch einmal oft sehr elegante Kreationen, denn jeder Kunde ließ sich sein Chassis bei einer Karosseriefabrik nach eigenen Wünschen karossieren.

Die durchdachten Konstruktionen mit hervorragender Technik und vor allem kultivierter Fahrsicherheit, gepaart mit der Möglichkeit zu hohen Dauergeschwindigkeiten, hatten die Ansaldos in den 1920er und 30er Jahren im Fahrzeugbau bekannt gemacht.

Modelle[Bearbeiten]

Ansaldo Zyl. Bohrung x Hub ccm PS bei 1/min Vent. Gänge Spitze
km/h
Radstand cm Baujahre
4C, 4D, 4F 4 70/120 1846 35 3000 OHC 3 90 275, 278, 300 1922-28
4CS 4 72,5/120 1981 48 3000 OHC 3 100-110 278 1922-26
6A, 6AS 6 65/100 1991 45-55 3000 OHC 3 90-110 295, 315 1923-24
4H, HC 4 72,5/120 1981 38 3000 OHC 3 90 278 1926-29
6BC, 6BN 6 65/100 1991 45 3000 OHC 3 100-110 300, 325 1925-26
10 4 68/100 1453 32 3200 OHC 3 90 278 1926-29
6BC, 6BN, 6BS 6 68/100 2179 55 3500 OHC 4 120 295, 300, 315, 325 1927-28
14 4 70/120 1846 37 3500 OHC 4 95 280 1928-30
18 6 75/105 2870 67 3750 OHV 4 110-115 295, 320 1929-32
15 4 72,5/ 120 1981 40 3500 OHC 4 95 305 1928-29
15 GS Rennsport 4 72,5/120 1981 60 4000 2OHC 4 120-130 280 1929-30
22 8 75/100 3534 86 3500 OHV 4 130 331 1929-32
33 6 75/105 2780 70 OHV 4 320 1934-37
42 8 75/100 3534 OHV 4 331 1934-37

Heute[Bearbeiten]

Ansaldo ist heute das führende Verkehrstechnikunternehmen in Italien. Heute baut Ansaldo noch Panzer und Lokomotiven und Schnellbahnzüge, so unter anderem baut sie zusammen mit Alstom u. a. den Hochgeschwindigkeitszug ETR 500. Ansaldo hat in den letzten Jahren für viele Städte Stadt- und U-Bahnen gebaut, u. a. für Genua, Kopenhagen, Lima, Birmingham, Manchester, Dublin, Brescia und Neapel.

Im Energiebereich baut das Tochterunternehmen Ansaldo Energia u. a. geothermische Anlagen, Turbinen und Generatoren; Ansaldo Nucleare ist auch noch im Bereich Kernenergie tätig. Es gab nach der Katastrophe von Tschernobyl 1986 einen Volksentscheid; dieser führte zu einem Atomausstieg; der einzige italienische Leistungsreaktor wurde am 1. Juli 1990 abgeschaltet (siehe Kernenergie_nach_Ländern#Italien).

Literatur[Bearbeiten]

  • Autorenkollektiv: Enzyklopädie des Automobils. Marken · Modelle · Technik. Weltbild Verlag, Augsburg, 1989

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ansaldo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien