Antibiotika-assoziierte Diarrhoe

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Klassifikation nach ICD-10
K52.9 Nichtinfektiöse Diarrhoe, nicht näher bezeichnet
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Die Antibiotika-assoziierte Diarrhoe bezeichnet einen durch die Einnahme von Antibiotika entstandenen Durchfall.

Begriffserläuterung[Bearbeiten]

Unter dem Begriff Antibiotika-assoziierte Diarrhoe werden unterschiedliche Krankheiten zusammengefasst, die alle zu einem Durchfall während oder wenige Tage nach Einnahme eines oder mehrerer Antibiotika führen. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Antibiotikum geschluckt oder als Infusion direkt in das Blut gegeben wird. Oft handelt es sich um ein harmloses Phänomen. Selten jedoch kann die Antibiotika-assoziierte Diarrhoe lebensbedrohlich werden. Es ist durch Antibiotika allerdings auch eine bleibende Schädigung der Mikrobengemeinschaft im Darm möglich, insbesondere bei häufiger oder hochdosierter Gabe dieser Medikamente in der Kindheit.[1]

Ursachen[Bearbeiten]

Man unterscheidet drei verschiedene Krankheitsursachen:

  • MeistensBeleg fehlt! handelt es sich um eine direkte Wirkung des Antibiotikums oder von Zusätzen des Antibiotikums auf den Darm, der dadurch zu einer schnelleren Bewegung des Darminhalts, der sogenannten Peristaltik, angeregt wird, was zu einem breiartigen Durchfall führt. Dieser Effekt tritt vor allem bei Penicillinen, insbesondere in Kombination mit Clavulansäure auf. Der Effekt ist harmlos und verschwindet beim Absetzen des Antibiotikums.
  • In 10 bis 20 %Beleg fehlt! der Fälle handelt es sich um eine Infektion, die durch die Antibiotika begünstigt wurde. Dabei vernichtet das Antibiotikum einen Teil der normalerweise den Darm besiedelnden Bakterien (Symbionten), und zwar gezielt die für dieses Antibiotikum empfindlichen Mikroorganismen der Darmflora. Resistentere oder weniger empfindliche Keime können Durchfall verursachende Bakterien sein, die sich sodann rasch vermehren können, da weniger konkurrierende Bakterien am Ort vorhanden sind. Meist handelt es sich um einen harmlosen bis mittelschweren Durchfall. In seltenen Fällen kann es jedoch zu einem lebensbedrohlichen Verlust von Flüssigkeit und Salzen über den Darm kommen. Besonders gefürchtet ist die Infektion mit Clostridium difficile, das die pseudomembranöse Colitis verursacht. Daneben können Infektionen mit Salmonellen durch bestimmte Antibiotika begünstigt werden. Andere Keime wie Staphylococcus aureus oder Pilze wie Candida albicans werden ebenfalls als Verursacher des Durchfalls vermutet.
  • Selten kommt es im Rahmen einer allergischen oder toxischen Reaktion des Darms auf die Antibiotika zu einem Durchfall. Durch das Absterben der Darmzellen entsteht ein schwerer Durchfall. Bei der allergischen Reaktion ist jedoch meist der den gesamten Körper betreffende anaphylaktische Schock die gefährlichere Komplikation.

Klinik[Bearbeiten]

Das Ausmaß und der Verlauf des Durchfalls hängen von der Ursache ab. Während eine angeregte Peristaltik harmlos ist, kann eine Infektion oder eine Allergie lebensbedrohliche Folgen haben. Neben einem massiven Verlust von Flüssigkeit und Salzen über den Darm kann es auch zu einem Eindringen von Bakterien in das Blut kommen, wo sie sich rasch vermehren können. Man spricht in diesem Fall von einer Sepsis.

Therapie (Behandlung)[Bearbeiten]

  • Der Verlust von Flüssigkeit und Salzen muss ausgeglichen werden. Oft braucht es dafür eine Infusion.
  • Daneben muss eine Infektion mit Bakterien oft antibiotisch behandelt werden – trotz der Risiken einer erneuten Antibiotika-Therapie. Hier kommen folgende Wirkstoffe zum Einsatz:
    • Erste Wahl: Metronidazol (3 × 500 mg) oral über 10 Tage
    • Zweite Wahl: Vancomycin (4 × 125 mg) oral über 10 Tage (bei schweren Verläufen eher bevorzugt)
  • Bei allergischen Reaktionen wie auch bei Infektionen muss das auslösende Antibiotikum abgesetzt werden. Bei allergischen Reaktionen muss das überschießende Immunsystem mit Immunmodulatoren wie Steroiden rasch unterdrückt werden.

Prophylaxe[Bearbeiten]

Mehrere Studien haben ergeben, dass Probiotika das Auftreten der Antibiotika-assoziierten Diarrhoe verhindern können, indem sie prophylaktisch bzw. zeitgleich zu einer notwendigen Antibiotikatherapie verabreicht werden. So ergab zum Beispiel eine kontrollierte, randomisierte Doppelblindstudie aus dem Jahre 1999,[2] die mit 202 Kindern im Alter von 6 Monaten bis 10 Jahren durchgeführt wurde (wovon 188 in die Auswertung einflossen), dass bei 25/95 (25 von 95 Kindern) der Placebogruppe, aber nur bei 7/93 (7 von 93 Kindern) der mit Lactobacillus rhamnosus GG behandelten Kinder (= Verumgruppe) Durchfälle nach der notwendigen Antibiotikatherapie auftraten. Eine weitere Studie verwendete parallel zur Antibiotikagabe eine definierte Menge Joghurt (227 g) als Nahrungsergänzung. Ergebnis: Die Gabe von Joghurt halbierte die Zahl der Patienten mit Durchfällen und reduzierte noch deutlicher die Gesamtzahl der Tage mit Durchfall: Nur 12 % (gegenüber 24 %) klagten in der Joghurtgruppe über Durchfall, und 23 Durchfall-Tagen in der Joghurtgruppe standen 60 Durchfall-Tage in der Nicht-Joghurtgruppe gegenüber.[3]

Eine Metaanalyse, in der neun randomisiert kontrollierte Studien ausgewertet wurden, kommt zum Schluss, dass Probiotika bei der Prävention der Antibiotika-assoziierten Diarrhoe hilfreich sind. Saccharomyces boulardii und Lactobacillus sind bei dieser Indikation am wirksamsten.[4] Die gleichzeitige Einnahme von Milchprodukten ist jedoch bei Antibiotika der Tetrazyklin-Gruppe und so genannte Gyrasehemmer nicht möglich, da ansonsten die Wirkung der Antibiotika verloren geht.[5] Diese genannten Antibiotika sollten deshalb immer mindestens 2 bis 3 Stunden zeitversetzt zum Verzehr von Milchprodukten eingenommen werden.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • W. L. George, R.D. Rolfe, V. L. Sutter, S. M. Finegold: Diarrhea and colitis associated with antimicrobial therapy in man and animals. In: Am J Clin Nutr., Jan. 1979, 32(1), S. 251–257
  • A. H. Lishman, I. J. Al-Jumaili, C. O. Record: Spectrum of antibiotic-associated diarrhoea. Gut. Jan. 1981, 22(1), S. 34–37
  • E. Mylonakis, E. T. Ryan, S. B. Calderwood: Clostridium difficile-associated diarrhea: a review. In: Arch Intern Med, 2000, 161, S. 525–533
  • C. Van Dessel, J. Flamaing, M. Hiele: Antibiotic associated diarrhea and Clostridium difficile associated diarrhea in the elderly. In: Tijdschr Gerontol Geriatr. Dez. 2005, 36(6), S. 247–50
  • JA Vanderhoof, DB Whitney, DL Antonson, TL Hanner, JV Lupo, RJ Young: Lactobacillus GG in the prevention of antibiotic-associated diarrhea in children. In: J Pediatr. 1999 Nov, 135(5), S. 535–537, PMID 10547243.
  • R S Beniwal, V C Arena, L Thomas et al.: A randomized trial of yoghurt for prevention of antibiotic-associated diarrhea. In: Dig Dis Sci 2003, 48, S. 2077–2082
  • Burkhard Göke, Frank Kolligs, Christian Rust: Interner Klinikleitfaden. München 2005, ISBN 3-00-017647-0

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Joël Doré: Die Wirkung von Darmbakterien geht über den Verdauungstrakt hinaus. 11. Juni 2012, abgerufen 16. Juni 2012 (INSA)
  2. JA Vanderhoof et al.
  3. R S Beniwal et al., 2003
  4. Metaanalyse BMJ 2002: Probiotics in prevention of antibiotic associated diarrhoea: meta-analysis
  5. Interaktionen mit Antibiotika. Focus
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