Anti-Folk

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Anti-Folk ist ein Musikgenre, in dem vom Punk geprägte Musiker den US-amerikanischen Folk aufgreifen und ihn auf ihre Weise interpretieren. Dabei werden aggressive, raue und vor allem auch oft (jedoch nie direkt) politisch gefärbte Texte des Punk mit akustischer Folk-Musik kombiniert. Bewusst werden eine kindliche Naivität und Dilettantismus gepflegt.

Geschichte[Bearbeiten]

Mitte der 1980er Jahre entstand in New York rund um das Sidewalk Café im East Village eine Amateurmusikerszene. Sie bezieht sich auf die urbane Folkszene der frühen 1960er Jahre im Greenwich Village und deren Sessions, bei denen unter anderem der junge Bob Dylan auftrat. Mit dem Präfix "Anti-" wollen sie sich jedoch von dessen kommerziellen, glatten Auswüchsen distanzieren. Vorbilder sehen sie so auch in schrägen Bands der 1960er Jahre, die wie sie selbst bewussten Dilettantismus pflegten, wie die Holy Modal Rounders und die Fugs. Auch The Velvet Underground, auf die auch der Punk und New Wave Bezug genommen haben, werden als historischer Eckpunkt genannt, ebenso wie Beat-Dichter Allen Ginsberg und die US-amerikanischen Punks der späten 1970er wie Richard Hell and the Voidoids. Bezüge gibt es auch zum Naive Pop eines Jonathan Richman oder Daniel Johnston.

Der Musiker Lach (benannt nach einem nordeuropäischen Pornomagazin) prägte den Begriff "Antifolk" und ist seit Mitte der 1980er Jahre Gastgeber des "Open Mic" im "Sidewalk Café". Heute findet dies einmal in der Woche - montags - statt, und es gibt eine "Open Stage" im benachbarten Etablissement "Raven" (mittwochs), bei denen jeder, der den Mut hat, seine Musik vorspielen darf. Die Künstler aus diesem Umfeld veröffentlichen zumeist Eigenproduktionen. Haben sie einen Plattenvertrag, dann meistens beim Independent-Plattenlabel Rough Trade Records. Hier erschienen 2002 auch zwei Antifolk-Sampler, welche die Szene einem größeren Publikum vorstellten.

Die bekanntesten Musiker, die aus der New Yorker Antifolkszene stammen, sind Ani DiFranco, Beck, Michelle Shocked, The Moldy Peaches und Regina Spektor.

Anti-Folk-Musiker und -Bands[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Martin Büsser: "Antifolk. Von Beck bis Adam Green". Ventil Verlag, Mainz 2005.

Weblinks[Bearbeiten]

  • www.antifolk.net Webpräsenz gebündelter Antifolk-Aktivitäten betrieben von Lach, dem langjährigen Gastgeber des Open Mic im "Sidewalk Café" im New-Yorker East Village
  • www.ravenopenstage.com Open Stage des Clubs "Raven" im New-Yorker East Village
  • www.beatpunk.org Interview mit Martin Büsser über das Phänomen und sein Antifolk-Buch
  • www.zeit.de Ausführlicher Zeit-Artikel von 2002 zu dem Phänomen
  • www.arte.tv Anti-Folk bei der Fernsehsendung ARTE Tracks im Dezember 2006