Antinatalismus

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Arthur Schopenhauer 1859

Antinatalismus ist eine Philosophie, die der menschlichen Reproduktion ablehnend gegenübersteht. Das Wort leitet sich vom lateinischen natalis, „zur Geburt gehörig“, ab. Das Gegenteil von Antinatalismus ist der Pronatalismus.

Antinatalistische Positionen vertreten unter anderem Arthur Schopenhauer, Brother Theodore, E. M. Cioran, Matti Häyry[1][2][3], David Benatar[4] sowie das Voluntary Human Extinction Movement. Als radikaler Vertreter dieser Position gilt Chris Kordas in den Vereinigten Staaten als Religionsgemeinschaft anerkannte Organisation Church of Euthanasia (CoE), die mit der Forderung Thou shalt not procreate („Du sollst dich nicht fortpflanzen“) das anhaltende rapide Bevölkerungswachstum kritisiert.[5]

Gründe für Antinatalismus[Bearbeiten]

Als Gründe für antinatalistische Positionen werden neben religiösen Überzeugungen (Shaker (Religion), Katharer) unter anderem durch Überbevölkerung entstehende Hungersnöte[6] und Umweltprobleme genannt.[7] Es wird argumentiert, dass der Verzicht auf Kinder oder die Beschränkung auf kleine Familien letztendlich dem Überleben der Menschheit diene, da die Ressourcen der Erde beschränkt seien.[7] Als weiterer Grund für antinatalistische Positionen wird angeführt, dass man der kommenden Generation die Bürde der Existenz ersparen solle.[8] Kinderlosigkeit könne Einzelnen oder Paaren bessere Entfaltungsmöglichkeiten bieten[9], oder es gebe schlicht ein Missbehagen beim Zusammenleben mit Kindern (s.a.: W. C. Fields). Benatar argumentiert, dass jedes neu erschaffene Menschenkind immer unter seiner Existenz leiden müsse, auch dann, wenn sich die Lebensbedingungen der heutigen Welt extrem verbessern würden.

Antinatalistische Politik[Bearbeiten]

Eine Reihe von Staaten verfolgt eine antinatalistische Politik. Der Grund dafür ist meistens die Sorge über ein zu schnelles Bevölkerungswachstum. Zu diesen Staaten gehören zum Beispiel Indien[10] und die Volksrepublik China. Mit der chinesischen Ein-Kind-Politik, laut der eine Familie nur ein Kind haben darf, soll das Bevölkerungswachstum unter Kontrolle gehalten werden.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. [1] (PDF; 42 kB) Matti Häyry, The rational cure for prereproductive stress syndrome, Journal Of Medical Ethics, 2004, 30(4), s. 377–378.
  2. [2] (PDF; 49 kB) Matti Häyry, The rational cure for prereproductive stress syndrome revisited, Journal Of Medical Ethics, 2005, 31(10), s. 606–607.
  3. [3] Matti Häyry, Arguments and Analysis in Bioethics, Rodopi, 2010, s. 171-174.
  4. David Benatar: Better Never to Have Been. Oxford University Press, USA 2006.
  5. Henryk M. Broder: Macht Liebe, nicht Babies. In: DER SPIEGEL. 48/1996.
  6. BRIAN E. DIXON: In food crisis, family planning helps. 28. April 2008.
  7. a b Donella Meadows: Die neuen Grenzen des Wachstums: die Lage der Menschheit: Bedrohung und Zukunftschancen. Dt. Verl.-Anst., Stuttgart 1993, ISBN 3-421-06626-4.
  8. Arthur Schopenhauer in: Nachträge zur Lehre vom Leiden der Welt.
  9. Andrew Hacker: The case against kids.
  10. Heinz Werner Wessler: Indien – eine Einführung: Herausforderungen für die aufstrebende asiatische Großmacht im 21. Jahrhundert. Bundeszentrale für politische Bildung, 30. Januar 2007.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]