Antje Hermenau

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Antje Hermenau, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im sächsischen Landtag.

Elisabeth Antje Sina Hermenau (* 3. Juli 1964 in Leipzig) ist eine deutsche Politikerin von Bündnis 90/Die Grünen. Seit 2004 ist sie Mitglied des Sächsischen Landtags, wo sie von 2004 bis 2014 Fraktionsvorsitzende ihrer Landtagsfraktion vorstand.

Ihre politischen Aktivitäten nahmen in der Wendezeit, als sie Mitglied des Runden Tischs der Stadt Leipzig war, ihren Anfang. Von 1990 bis 1994 war Hermenau erstmals Mitglied des sächsischen Landtags. Zwischen 1994 und 2004 war sie Mitglied des Deutschen Bundestages. 2004 gab sie nach dem Wiedereinzug von Bündnis 90/Die Grünen Sachsen in den Landtag ihr Bundestagsmandat auf, um als Abgeordnete und Fraktionschefin der bündnisgrünen Landtagsfraktion tätig zu sein.

Leben[Bearbeiten]

Antje Hermenau wurde am 3. Juli 1964 als Tochter einer Hausfrau und eines Metallarbeiters in Leipzig geboren und wuchs unter einfachen Verhältnissen auf. Sie besuchte keinen Kindergarten oder Hort. Ihre Kindheit beschreibt sie als frei und unabhängig, diese Zeit erlebte sie als prägend.[1]

Nachdem Hermenau 1983 ihr Abitur an der Erweiterten Oberschule (EOS) Thomas in Leipzig abgelegt hatte, nahm sie im gleichen Jahr ein Studium der Pädagogik mit der Fachrichtung Deutsch/Englisch an der Karl-Marx-Universität Leipzig auf. Während des Studiums arbeitete sie nebenbei als Nachtwächterin, um vom Elternhaus finanziell unabhängig zu werden. Mit der Diplomarbeit zum Politischen Wortschatz im KSZE-Prozeß erwarb Hermenau 1989 das Diplom zur Sprachlehrerin. Anschließend war sie als Lehrerin an der 4. Oberschule Leipzig tätig.[2] In der Zwischenzeit lernte sie den US-Amerikaner David Rush kennen, den sie 1990 heiratete. Von 2000 bis 2002 studierte sie berufsbegleitend an der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer und schloss dieses Studium als Diplom-Verwaltungswissenschaftlerin ab. Bis heute ruht ihre Tätigkeit im öffentlichen Dienst Sachsen als Lehrerin.

Seit 1990 wohnt die Abgeordnete ununterbrochen in Dresden. Ihre Ehe mit David Rush hielt vier Jahre, nach der Scheidung nahm Antje Rush wieder ihren Geburtsnamen Hermenau an.

Seit 2006 ist sie Mutter eines Sohnes.

Politisches Engagement[Bearbeiten]

Antje Hermenau beim Landesparteitag 2008 in Dresden

Mit den Ereignissen der Wendezeit wurden die Rushs politisiert. Während ihr Mann bei Demokratie Jetzt aktiv war, beteiligte sich Antje Rush bei der Grünen Partei in der DDR. Im Februar 1990 übernahm Antje Rush den Sitz der Grünen am Runden Tisch der Stadt Leipzig, wo sie unter anderem Wolfgang Tiefensee kennenlernte. Bei den ersten freien Kommunalwahlen der DDR am 6. Mai 1990 kandidierte sie erfolglos für den Leipziger Stadtrat. In der Folgezeit wirkte sie als einzige Frau an der Gründung eines sächsischen Landesverbandes der Grünen mit. Auf der Gründungsversammlung des grünen Landesverbandes im September 1990 in Freiberg wurde sie auf den 10. Platz der gemeinsamen Listenverbindung des Neuen Forums mit anderen Bürgerbewegungen und den Grünen gewählt. Dort lernte sie auch die späteren Landtagsabgeordneten Klaus Gaber und Kornelia Müller kennen. Bei den ersten sächsischen Landtagswahlen am 14. Oktober 1990 erreichte die Listenverbindung 5,6 % und zehn Sitze. Damit zog Rush als jüngste der zehn Fraktionsmitglieder des Forums in den ersten Sächsischen Landtag ein. In der Landtagsfraktion unter ihrem Vorsitzenden Klaus Gaber bearbeitete sie Fragen der Bildungspolitik in Sachsen.

Antje Hermenau im Sächsischen Landtag (2013)

Bei der Wahl für die sächsische Landesliste für die Bundestagswahl 1994 wurde Antje Rush auf den zweiten Platz hinter Werner Schulz gewählt. Nachdem am 11. September 1994 Bündnis 90/Die Grünen mit 4,1 % der Listenstimmen den Wiedereinzug in den zweiten Sächsischen Landtag verfehlte, erhielt die Partei bei der fünf Wochen später stattfindenden Wahl zum 13. Deutschen Bundestag 4,8 % der sächsischen Listenstimmen. Der sächsische Landesverband von Bündnis 90/Die Grünen durfte zwei Abgeordnete entsenden und Hermenau wurde Mitglied des Bundestages. Dort betätigte sie sich im Haushaltsausschuss. 1998 zog Hermenau erneut über den ersten Platz der bündnisgrünen Landesliste Sachsen in den Bundestag ein. Erneut war sie Mitglied des Haushaltsausschusses.

Bei der sächsischen Landtagswahl am 19. September 2004 war sie Spitzenkandidatin der Grünen. Während des Wahlkampfes, bei dem Bündnis 90/Die Grünen thematisch Umweltfragen, Schul- und Hochschulpolitik und Kultur in den Vordergrund rückten, repräsentierte Antje Hermenau personell den bündnisgrünen Landesverband. Unter dem Titel „Sachsens grüne Power-Frau. Antje Hermenau“ verfolgten die sächsischen Bündnisgrünen die Form der Personalisierung im Landtagswahlkampf.[3] Mit dieser Wahl gelang der bündnisgrünen Landespartei mit 5,1 % der Listenstimmen (6 Mandate) der Sprung zurück in den sächsischen Landtag. Unter anderem wird die frühzeitige und relativ unumstrittene Einigung auf Hermenau als Spitzenkandidatin und ihre Versicherung, beim Einzug in den Landtag ihr Bundestagsmandat aufzugeben, als einer von mehreren Faktoren für den Erfolg der Grünen angesehen.[4] Nachrückerin für das aufgegebene Bundestagsmandat war Monika Lazar aus dem Landkreis Leipzig.

Antje Hermenau zusammen mit Winfried Kretschmann und Volkmar Zschocke im Landtagswahlkampf 2014

Am 10. Juni 2007 stellte Antje Hermenau die Idee einer kollektiven Steuersenkung für alle Frauen vor. Sie könne das durchschnittliche Einkommensdefizit der Frauen in Deutschland ausgleichen. Nach ihren Worten sei dies eine „positive Diskriminierung", die einer negativen vorzuziehen sei.[5]

Bei der Landtagswahl am 30. August 2009 erreichten Bündnis 90/Die Grünen mit ihrer Spitzenkandidatin Antje Hermenau 6,4 Prozent der Stimmen (9 Mandate). Antje Hermenau wurde als Fraktionsvorsitzende wieder gewählt. Für ihre Äußerung „Wenn ich mit der sächsischen FDP auf Augenhöhe irgendetwas besprechen wollte, müsste ich mich flach auf den Boden legen.“ wurde Hermenau am 17. Juni 2010 auf dem Sommerfest der Landespressekonferenz für das Zitat des Jahres ausgezeichnet.[6]

Gemeinsam mit drei weiteren Fraktionsvorsitzenden, Martin Dulig (SPD), Holger Zastrow (FDP) und Steffen Flath (CDU) erhielt Hermenau von Landtagspräsident Matthias Rößler in Würdigung ihres Wirkens um die Aufnahme des Neuverschuldungsverbots in die Sächsische Verfassung am 24. Mai 2014 die Sächsische Verfassungsmedaille verliehen.[7]

Bei der Landtagswahl am 31. August 2014, bei der die Grünen einen Stimmenanteil von 5,7 % erreichten, war sie Spitzenkandidatin ihrer Partei. In der Folge erklärte sie am 4. September ihren Verzicht auf eine Kandidatur um den Fraktionsvorsitz, den sie seit 2004 innegehabt hatte.[8]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kurze Autobiographie auf antje-hermenau.de
  2. Sächsischer Landtag (Hrsg.): Volkshandbuch 1. Wahlperiode, Neue Darmstädter Verlagsanstalt, Rheinbreitbach 1991, ISBN 3-87576-265-7
  3. Christian Demuth, Jakob Lempp (Hrsg.): Parteien in Sachsen. be.bra verlag GmbH, Dresden/Berlin 2006
  4. Ulrich H. Brümmer: Parteiensystem und Wahlen in Sachsen. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2006
  5. Weniger Steuern für Frauen, mehr Gleichberechtigung? In: Der Tagesspiegel vom 10. Juni 2007
  6. Freie Presse Online: Grünen-Fraktionschefin Hermenau für "Zitat des Jahres" geehrt, abgerufen am 17. Juni 2010
  7. Verleihung der Verfassungsmedaille 2014, abgerufen am 3. Juni 2014.
  8. Hermenau erklärt Verzicht auf Fraktionsvorsitz

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Antje Hermenau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien