Antoine Perrenot de Granvelle

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Granvelle, Porträt von Antonio Moro (1549)

Antoine Perrenot de Granvelle (* 20. August 1517 in Besançon; † 21. September 1586 in Vallecas bei Madrid), ältester Sohn des Nicolas Perrenot de Granvelle, war Kardinal und spielte als Minister eine wichtige Rolle in den Spanischen Niederlanden. Ferner war er ein bedeutender Kunstsammler.[1]

Leben[Bearbeiten]

Antoine Perrenot studierte in Padua unter dem berühmten Pietro Bembo Jura, dann in Löwen Theologie und wurde daraufhin von seinem Vater in politische Kreise eingeführt. Kurz nach seinem 23. Geburtstag wurde er durch Papst Paul III. zum Bischof von Arras ernannt, 1540 zum Priester geweiht und am 21. Mai 1543 durch Kardinal Juan Tavera, Erzbischof von Toledo, zum Bischof geweiht. Selten in Arras präsent, ließ er seine Diözese durch Titularbischöfe verwalten, zunächst durch Paschasius Maupair OP und ab 1556 durch François Richardot.

Er wohnte den Reichstagen in Worms und Regensburg bei, hielt bei der Eröffnung des Tridentiner Konzils eine Rede und diente, unter der Leitung seines Vaters, 1545–50 bei vielen Gelegenheiten dem Kaiser als Unterhändler. Dabei erwarb er sich geschäftliche Gewandtheit und Kenntnis der europäischen Politik, wodurch er 1550 als Nachfolger seines Vaters Staatssekretär des Kaisers wurde. Als solcher hatte er jedoch weder das Glück noch die Sicherheit, geschweige denn den Takt seines Vaters in schwierigen Lagen. Als die Regierung von Karl V. auf Philipp II. überging, blieb Antoine Perrenot im Staatsrat des spanischen Königs, war jedoch nicht mehr der eigentliche tonangebende Leiter der spanischen Politik.

Er führte die Verhandlungen zwischen Spanien und Frankreich, die 1559 zum Frieden von Cateau-Cambrésis führten. Im selben Jahr trat er der Statthalterin der Niederlande, Margarete von Parma, als Minister zur Seite und wurde vom König 1560 zum Erzbischof von Mecheln, von Papst Pius IV. 10. März 1561 bestätigt, schon zuvor, am 26. Februar 1561, zum Kardinalpriester ernannt, 1562–1565 nur in commendam der Titelkirche San Silvestro in Capite, ab 1570 der Titelkirche Sant’Anastasia. Seine Erzdiözese ließ er durch Generalvikare und Weihbischöfe verwalten.

Als Fremdling wurde er jedoch bald der Gegenstand des Hasses der Niederländer, die ihm alle strengen Maßregeln zur Last legten, während er bei Philipp verdächtigt wurde, dass seine Haltung die Fortschritte der neuen Lehre fördere. Die steigende Opposition der Niederländer gegen Granvelle und eine persönliche Verstimmung der Statthalterin Margarete bewogen den König, 1564 ihn aus den Niederlanden abzuberufen.

Granvelle begab sich nach Besançon und pflegte dort den Kontakt mit Gelehrten und Künstlern. 1565 schickte ihn Philipp nach Rom, um im Kardinalskollegium und in der unmittelbaren Umgebung des Papstes die Interessen Spaniens zu vertreten. Von Rom ging Granvelle 1571 bis 1575 als Vizekönig nach Neapel und wurde, nach erneutem Aufenthalt in Rom, 1579 mit dem Titel eines Präsidenten des höchsten Rats von Italien und nach Madrid in den Staatsrat berufen. 1578 wurde er Kardinalpriester mit der Titelkirche Santa Maria in Trastevere.

Er verhandelte noch die Vereinigung Portugals mit Spanien (1580) und brachte die Verbindung der Infantin Katharina mit dem Herzog von Savoyen zustande (1584).

Nach seinem Rücktritt als Erzbischof von Mechelen wurde Granvelle 1584 zum Erzbischof von Besançon gewählt und von Papst Gregor XIII. bestätigt und mit dem Pallium ausgezeichnet. Die Verwaltung der Diözese übernahmen seine Verwandten Jacues de Saint-Maurice, Prior von Bellefontaine, und François de Grammont.

Nach seinem Tod am 21. September 1586 und den Begräbnisfeierlichkeiten in Madrid wurde sein Leichnam nach Besançon übergeführt. Zu seinem Nachlass gehörte eine bedeutende Sammlung von Manuskripten und Drucken.


Seine Briefe und Memoiren liegen im Archiv zu Besançon. Mitteilungen daraus machte

  • Prosper Levesque in „Mémoires pour servir à l'histoire du cardinal Granvelle“ (Paris 1753);
  • der größte Teil ist herausgegeben von Charles Weiß: „Paplers d'État du cardinal de Granvelle“ (Paris 1842-61, 9 Bde.);
  • eine Fortsetzung gaben Edmond Poullet und Charles Piot heraus („Correspondance du cardinal Granvelle 1565–86“, Brüssel 1878-84, Bd. 1–4).

Von seinen Brüdern war der ältere, Thomas Perrenot, comte de Cante-Croix (* 1521), spanischer Gesandter in Paris und Wien und starb 1571; der andere, Friedrich Perrenot de Champagne (* 1536), wurde 1571 Gouverneur von Antwerpen und 1578–84 wegen Begünstigung des niederländischen Aufstandes in Haft gehalten und starb 1600.

Literatur[Bearbeiten]

  • Claudia Banz: Höfisches Mäzenatentum in Brüssel. Kardinal Antoine Perrenot de Granvelle (1517–1586) und die Erzherzöge Albrecht (1559–1621) und Isabella (1566–1633) (= Berliner Schriften zur Kunst. Bd. 12). Gebr.Mann, Berlin 2000, ISBN 3-7861-2309-8 (Zugleich: Berlin, Freie Universität, Dissertation, 1996).
  • Friedrich Wilhelm Bautz: Antoine Perrenot de Granvelle. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 2, Bautz, Hamm 1990, ISBN 3-88309-032-8, Sp. 286–287.
  • Luc Courchetet d’Esnans: Histoire du cardinal de Granvelle, archevesque de Besançon, viceroi de Naples, ministre de l'empereur Charles-Quint, et de Philippe Second, roi d'Espagne. Duchesne, Paris 1761.
  • Hélène Richard, Germaine Mathieu: La bibliothèque de Granvelle (= Re-découvertes. Bd. 2). Fédération française de coopération entre bibliothèques, Paris 1992, ISBN 2-907420-04-6 (Ausstellungskatalog: Besançon, Bibliothèque d'étude et de conservation, 2 octobre–12 décembre 1992).
  • Maurice van Durme: Antoon Perrenot, Bischop van Atracht, Kardinaal van Granvelle, Minister van Karel V en van Filips II (1517–1586) (= Verhandelingen van de Koninklijke Vlaamse Academie voor Wetenschappen, Letteren en Schone Kunsten van België. Klasse der Letteren. Jg. 15 = 18, ISSN 0770-1047). AWLSK, Brüssel 1953 (Durchgesehene und erweiterte Ausgabe in spanischer Übersetzung: El Cardenal Granvela (1517–1586). Imperio y Revolución bajo Carlos V y Felipe II (= El Hombre y su Tiempo. Bd. 2, ZDB-ID 2454695-1). Edición revisada y ampliada por el autor. Teide, Barcelona 1957).
  • Krista de Jonge, Maurice van Durme: Les Granvelle et les anciens Pays-Bas (= Symbolae Facultatis Litterarum Lovaniensis. Series B, Bd. 17). Universitaire Pers, Leuven 2000, ISBN 90-5867-049-X.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hugh Trevor-Roper: Princes and Artists. Patronage and Ideology at Four Habsburg Courts. 1517–1633. Thames & Hudson, London 1976, S. 112.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Antoine Perrenot de Granvelle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien


Vorgänger Amt Nachfolger
Eustache de Croy Bischof von Arras
1538–1559
François Richardot
Erzbischof von Mecheln
1561–1582
Johannes Hauchin
Giovanni Antonio II. Serbelloni Kardinalbischof von Sabina
1578–1586
Inigo d'Avalos d'Aragona
Claude III. de la Beaume Erzbischof von Besançon
1584–1586
Ferdinand de Rye
Meyers Dieser Artikel basiert auf einem gemeinfreien Text aus Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888–1890.
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