Anton Afritsch (Journalist)

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Anton Afritsch (* 8. Dezember 1873 in Klagenfurt; † 7. Juli 1924 in Graz) war ein österreichischer Journalist und Politiker. Er war der Initiator der Kinderfreunde-Bewegung.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Anton Afritsch kam in Klagenfurt als Sohn einer Fabrikarbeiterin zur Welt; seinen früh verstorbenen Vater kannte er nicht. Er lernte zunächst das Tischlerhandwerk, schloss sich nach seiner Übersiedlung in Graz der Sozialdemokratie an und wurde Redakteur der steirischen sozialistischen Parteizeitung Arbeiterwille. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde er Stadtrat in Graz und war zuständig für das Wohlfahrtswesen und die Jugendfürsorge.

Kinderfreund[Bearbeiten]

Nachdem sich den Spielen und Ausflügen, die er mit den eigenen Kindern unternahm, immer mehr Kinder von der Straße angeschlossen hatten, erkannte Afritsch den Mangel an Zuwendung und Fördermöglichkeiten, unter dem die Kinder der meisten Arbeiter litten, und gründete 1908 den offiziell unpolitischen Grazer „Arbeiterverein Kinderfreunde“. Bei seinem Bemühen um das Wohlergehen von Kindern und geistige Freiheit hatte der Humanist Afritsch, entgegen dem Zeitgeist, keine Berührungsängste gegenüber dem bürgerlichen Lager. Er selbst war sehr bemüht, die Aktion von Parteiinteressen freizuhalten, also weder sozialistisches Liedgut gegenüber Volksliedern oder sozialistische gegenüber anderen Kinderbüchern zu bevorzugen, noch mit den Kindern an Maiaufmärschen teilzunehmen.[1]

Seine Person beschreibt Alois Jalkotzy als „liebenswert, aber nicht redselig, sehr selbständig in seinen Urteilen und nicht zurückhaltend damit.“ Ansonsten war Afritsch, wie unter der Elite der Arbeiterbewegung üblich, ein Gegner des Alkohols, doch zum Verdruss mancher Genossen ein großer Liebhaber von Virginiazigarren (auch das Nichtrauchen gehörte zu den Idealen der Arbeiterbewegung).[2]

Einige seiner Kurzgeschichten, etwa Um ein Paar Schuhe oder Der Wettlauf, bezeugen ohne jegliches Pathos die eigene harte Kindheit und erinnern an die Erzählungen des von ihm sehr geschätzten Peter Rosegger.[3]

Afritschs Wunsch von 1909 „Schön wäre es, wenn auch an anderen Orten etwas geschehen könnte, ...“[4] verwirklichte sich binnen weniger Jahre: Ähnliche Vereine, die bald an anderen Orten entstanden waren, schlossen sich 1917 zu einer Reichs-Organisation zusammen, die 1921 der Partei (SDAPDÖ) eingegliedert wurde. Auch in anderen Ländern entwickelten sich solche Organisationen.

Nachleben[Bearbeiten]

Zu ihrem 50-jährigen Gründungsjubiläum konnten die Kinderfreunde 1958 im Steinbergschlössl bei Graz ihr erstes Kinderdorf, das Anton-Afritsch-Kinderdorf, eröffnen. Die Afritschgasse im 22. Wiener Gemeindebezirk ist seit 1927 nach ihm benannt, weiters die Afritschgasse in Graz sowie etliche Wohlfahrtseinrichtungen (z.B. Anton-Afritsch-Heim, Wr. Neustadt; Anton-Afritsch-Kindergarten, Graz).

Afritschs Sohn Josef war Politiker und österreichischer Innenminister, Anton junior ebenfalls Politiker (beide SPÖ) und zeitweise Mitglied des Bundesrates. Der jüngste, Viktor, wurde Schauspieler.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. A. Afritsch in Der Kampf, 1. November 1909, zitiert in "75 Jahre..." S. 61.
  2. A. Jalkotzy in "75 Jahre..." S. 115.
  3. Franz Taucher, Der Kinderfreund Anton Afritsch, in "75 Jahre..." S. 28.
  4. A. Afritsch in Der Kampf, 1. November 1909, zitiert in "75 Jahre..." S. 63.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Anton Afritsch (Journalist) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien