Anton Maegerle

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Anton Maegerle (Autorenname; * um 1962) ist ein deutscher Journalist und Autor. Seine Themen sind die organisatorischen und personellen Verflechtungen im Rechtsextremismus, Rechtsradikalismus und der Neuen Rechten. Er verfasst neben Sachbüchern und Zeitschriftenartikeln auch Beiträge für verschiedene Fernsehsendungen.

Leben[Bearbeiten]

2002 soll Maegerle etwa 40 Jahre alt gewesen sein. Persönliche Daten veröffentlicht er nicht, da er wegen seiner beruflichen Tätigkeit Anfeindungen und Bedrohungen bis hin zu Mordaufrufen von Neonazis ausgesetzt ist. Zeitweise war er deswegen auf staatlichen Personenschutz angewiesen. Daher hat er ein Pseudonym gewählt,[1] unter dem seine Artikel, Buch- und TV-Beiträge erscheinen.[2] Einige Rechtsextremisten und der Neuen Rechten zugeordnete Medien[3] starteten 1996 eine Kampagne gegen Maegerle, in deren Verlauf sie seinen Klarnamen und seine Adresse bekannt machten, so dass er Bedrohungen von Rechtsextremisten ausgesetzt war.[4] Der als Holocaustleugner verurteilte Rechtsextremist Germar Rudolf benutzte Anton Mägerle als eines seiner Pseudonyme für seine Schriften, um Maegerles Recherchen über Holocaustleugnung zu diskreditieren.[1]

Wirken[Bearbeiten]

Maegerle beobachtet seit der Gründung der Partei Die Republikaner 1983 sowohl die rechtsextreme als auch die rechtskonservative Szene in Deutschland und international. Er schreibt regelmäßig Artikel für das SPD-nahe Internetmagazin Blick nach Rechts und war Autor für den 2006 eingestellten Informationsdienst gegen Rechtsextremismus. Von 1991 bis 1994 schrieb er gelegentlich Artikel, die in der Zeitschrift Der Rechte Rand – Infos für AntifaschistInnen veröffentlicht wurden. Weiterhin verfasst er Artikel für die Bundeszentrale für politische Bildung und das Netz gegen Nazis. Artikel von ihm erscheinen zudem in verschiedenen Printmedien, darunter dem Spiegel und dem Stern. Er ist Autor der Zeitschrift Tribüne.[5]

Maegerle arbeitet mit dem Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS) zusammen. Gemeinsam mit dessen Archivar Martin Dietzsch publizierte er Bücher und Aufsätze. Außerdem produziert Maegerle kritische Berichte für Fernsehsendungen, darunter für den NDR, dort für das Medienmagazin Zapp, für die ARD-Magazine Panorama, Report Mainz und Monitor. Auf Grund eines von ihm verfassten Berichts von Report Mainz im Herbst 2000 wurden Bankkonten von Rechtsextremisten enttarnt und von den Banken gekündigt.[1]

Das Aufdecken organisatorischer und personeller Verflechtungen zwischen verschiedenen Gruppen, Medien und Institutionen im Bereich Rechtsextremismus und Neue Rechte gehört zu den Hauptanliegen Maegerles. Dazu hat er im Verlauf seiner Recherchen ein umfassendes Privatarchiv aufgebaut, das mit 550.000 Einzeleinträgen und etwa 17.000 Personendateien als eines der größten Archive zu diesem Themenbereich in Deutschland gilt. Informationen daraus stellt er auf Anfrage anderen Journalisten und Bundesbehörden, darunter auch Verfassungsschutzämtern, zur Verfügung. 2001 veröffentlichte er zusammen mit dem damaligen baden-württembergischen Verfassungsschutzpräsidenten Helmut Rannacher und dessen Stellvertreter Hans-Jürgen Doll den Sammelband Rechtsextremismus in Baden-Württemberg, den auch die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg herausgibt.

Durch ständiges Auswerten der Medien und eigene Recherchen protokolliert Maegerle laufend Gewalttaten und sonstige Vergehen mit rechtsextremem, ausländerfeindlichem und antisemitischem Hintergrund. Die Chroniken dieser Vorfälle werden regelmäßig von Initiativen und Medien, die sich dagegen einsetzen, herangezogen und veröffentlicht.

Kontroversen[Bearbeiten]

2007 behauptete Felix Krautkrämer, ein Redakteur der Jungen Freiheit, in einem von ihm verfassten Dossier, Maegerle schreibe für linksextreme Publikationen.[6] Nach erfolgreichen Unterlassungsklagen Maegerles musste die Junge Freiheit sich verpflichten, diese Behauptungen zurückzunehmen und nicht zu wiederholen.[7] Michael Klonovsky und das Wochenmagazin Focus, die Krautkrämers Behauptungen über Maegerle 2007 übernommen hatten,[8] mussten die Behauptung, Maegerle arbeite „gleich für fünf verfassungsschutzrelevante Periodika“, nach einem Gerichtsbeschluss vom Februar 2008 unterlassen.[9]

Auszeichnung[Bearbeiten]

Am 16. November 2007 zeichnete die Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche Maegerle zusammen mit Andrea Röpke und Thomas Kuban mit dem von ihr gestifteten Leuchtturm-Preis für „besondere publizistische Leistungen“ aus. In der Begründung heißt es:

„Die Preisträger arbeiten unter hohem persönlichen Risiko. Sie beginnen mit ihren Recherchen, wo andere aufhören. Ohne den Einsatz der drei Fachjournalisten wäre das Dunkelfeld Rechtsextremismus in Deutschland noch dunkler.[10]

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Rechtsextreme Publikationsorgane und -strategien. Verlage, Antiquariate, Zeitschriften und Internet. In: Thomas Fliege, Kurt Möller (Hrsg.):Rechtsextremismus in Baden- Württemberg. Verborgene Strukturen der Rechten. Dezember 2001, S. 85–101, ISBN 3-89902-019-7.
  • Globalisierung aus Sicht der extremen Rechten. Bildungsvereinigung Arbeit und Leben Niedersachsen Ost, Braunschweig 2005, ISBN 3-932082-12-5
  • Rechte und Rechtsextreme im Protest gegen Hartz IV. Bildungsvereinigung Arbeit und Leben Niedersachsen Ost, Braunschweig 2006, ISBN 3-932082-22-2.
  • Gewerkschaften im Visier von Rechten und Rechtsextremisten. Bildungsvereinigung Arbeit und Leben Niedersachsen Ost, Braunschweig 2007, ISBN 3-932082-30-3.
  • Criticon: Die Junge Freiheit im Zeitschriftenformat. In: Helmut Kellershohn (Hrsg.): Das Plagiat. Der Völkische Nationalismus der Jungen Freiheit. Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung e. V., 1994, ISBN 3-927388-44-0.
  • „Antideutsche Hetze“. In: Helmut Donat, Arn Strohmeyer: Befreiung von der Wehrmacht? Donat Verlag, Bremen 1997, ISBN 3-931737-42-X, S. 200 ff.
  • Autoren des Grabert-Verlags und des Hohenrain-Verlags. Ihre Funktion und ihre Bedeutung in der rechten Szene. In: Martin Finkenberger, Horst Junginger (Hrsg.): Im Dienste der Lügen. Herbert Grabert (1901–1978) und seine Verlage. Alibri-Verlag, Aschaffenburg 2004, ISBN 3-932710-76-2, S. 155–174.
  • Autorengeflecht in der Grauzone. In: Stephan Braun, Daniel Hörsch: Rechte Netzwerke - eine Gefahr. Verlag für Sozialwissenschaften, 2004, ISBN 3-8100-4153-X, S. 35–44.
  • Blätter gegen Zeitgeist und Dekadenz. Profile und Beziehungen neurechter Periodika an Beispielen. In: Wolfgang Gessenharter, Thomas Pfeiffer (Hrsg.): Die Neue Rechte - eine Gefahr für die Demokratie? Verlag für Sozialwissenschaften, 2004, ISBN 3-8100-4162-9, S. 199–220.
  • Studienzentrum Weikersheim. In: Wolfram Wette (Hrsg.): Filbinger, eine deutsche Karriere. Zu Klampen, Springe 2006, ISBN 3-934920-74-8, S. 123–146 (Volltext online; PDF; 71 kB).
  • Politischer und publizistischer Werdegang von Autoren der "Jungen Freiheit". In: Stephan Braun, Ute Vogt (Hrsg): Die Wochenzeitung "Junge Freiheit". Kritische Analysen zu Programmatik, Inhalten, Autoren und Kunden. VS Verlag für Sozialwissenschaften. Wiesbaden 2007, ISBN 978-3-531-15421-3, S. 193–215.
  • Rechtsanwälte der extremen Rechten. In: Stephan Braun, Alexander Geisler, Martin Gerster (Hrsg.): Strategien der extremen Rechten: Hintergründe – Analysen – Antworten. Verlag für Sozialwissenschaften, 2009, ISBN 3-531-15911-9, S. 378–403.
  • Vom Obersalzberg bis zum NSU. Die extreme Rechte und die politische Kultur der Bundesrepublik 1988–2013. NS‐Verherrlichung, rassistische Morde an Migranten, Antisemitismus und Holocaustleugnung. Edition Critic, Berlin 2013, ISBN 978-3-981-45486-4.

Mit Martin Dietzsch

  • Das Plagiat. Der Völkische Nationalismus der Jungen Freiheit. Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung e. V., 1994, ISBN 3-927388-44-0.
  • Digitales Braun. Die Nutzung Neuer Medien durch Neonazis. In: Jens Mecklenburg (Hrsg.): Handbuch deutscher Rechtsextremismus. Berlin (Elefanten Press) 1996, ISBN 3-88520-585-8.
  • Rechtsextremisten und Neue Medien. In: Jens Mecklenburg (Hrsg.): Antifa Reader. Antifaschistisches Handbuch und Ratgeber. Berlin (Elefanten Press) 1996, ISBN 3-88520-574-2.

Mit Friedrich Paul Heller

  • Thule. Vom völkischen Okkultismus bis zur Neuen Rechten. Schmetterling Verlag, 2. aktualisierte und überarbeitete Auflage, Stuttgart 1998, ISBN 3-89657-090-0.
  • Die Sprache des Hasses. Rechtsextremismus und völkische Esoterik: Jan van Helsing und Horst Mahler. Schmetterling-Verlag, Stuttgart 2001, ISBN 3-89657-091-9.
  • Thule. Von den völkischen Mythologien zur Symbolsprache heutiger Rechtsextremisten. Schmetterling-Verlag, 3. überarbeitete Auflage, Stuttgart 2007, ISBN 3-89657-092-7.
  • Rechtsextreme deutsche Homepages. In: Das Netz des Hasses. Rassistische, rechtsextreme und neonazistische Propaganda im Internet. Deuticke, 1997, ISBN 3-216-30329-2, S. 47–77.
  • Rechtsextremisten und Neue Medien. In: Jens Mecklenburg (Hrsg.): Antifa Reader. Antifaschistisches Handbuch und Ratgeber. Elefanten Press, Berlin 1996, ISBN 3-88520-574-2.

Fachartikel (Auswahl)

TV-Beiträge (Auswahl)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelbelege[Bearbeiten]

  1. a b c Annett Heide: Sammler und Jäger. In: Berliner Zeitung, 15. April 2002.
  2. u. a. ARD: Panorama; Berliner Zeitung; Bundeszentrale für politische Bildung; Stern; Südwestrundfunk (PDF; 94 kB)
  3. z. B. Verfassungsschutzbericht 2005, S. 124 f.
  4. BNR Ausgabe 23/1996: Anti-Antifaschismus als Mission: Der Feind steht links (Archiv, kostenpflichtig); ARD-Fernsehmagazin Panorama, Sendung vom 28. Oktober 1996; Der Spiegel, 3. Februar 1997: Karrieren: Taube im Stahlhelm
  5. Tribüne – Zeitschrift zum Verständnis des Judentums: Editorial.
  6. Felix Krautkrämer: Die offene Flanke der SPD: der Fall Stephan Braun und die Zusammenarbeit von Sozialdemokraten mit Linksextremisten. Edition JF, 2. Ausgabe 2008, ISBN 3-929886-29-4, S. 30ff
  7. BNR, Meldungen 12/07: „Junge Freiheit“ muss Falschangaben unterlassen (kostenpflichtig für Nichtmitglieder); Mathias Brodkorb: Die Junge Freiheit und ihre Gegner. In: Berliner Republik, 1/2008.
  8. Volker Schmidt: Wein, Weib und Meinungsfreiheit. Die merkwürdige Allianz eines Focus-Redakteurs mit der rechten Postille „Junge Freiheit“ gegen SPD-Politiker. Frankfurter Rundschau, 31. Dezember 2007/1. Januar 2008, 63. Jahrgang Nr.303, S. 31 (Text online)
  9. Beschluss des Landgerichts Berlin vom 10. Januar 2008 (PDF; 3,1 MB); Beschluss des Landgerichts Berlin vom 14. Februar 2008 (PDF; 7,2 MB)
  10. Leuchtturm 2007 geht an Andrea Röpke, Anton Maegerle und Thomas Kuban