Anton Voyls Fortgang

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Anton Voyls Fortgang ist der Titel der deutschen Übersetzung von Georges Perecs Roman La Disparition, der 1969 zum ersten Mal erschien. Genau wie im Original verzichtet der Übersetzer Eugen Helmlé auf die Verwendung des Vokals e, schafft somit also ein Leipogramm. La Disparition gilt als wichtiges Werk der potentiellen Literatur, es wurde außer ins Deutsche unter anderem auch ins Spanische (El secuestro, 1997), ins Schwedische (Försvinna, 2000) ins Englische (A Void, Gilbert Adair 1995, und A Vanishing) und ins Russische (Исчезание, 2005) übersetzt. Alle Übersetzungen sind Leipogramme und kommen ohne den häufigsten Buchstaben der jeweiligen Sprache aus (im Englischen und Schwedischen e, im Spanischen a, im Russischen о).

Handlung[Bearbeiten]

Vorwort[Bearbeiten]

Die Abhängigkeit der Regierung von den USA und eine drohende Hungersnot lassen in Frankreich das Volk auf die Barrikaden gehen. Es kommt zu einer blutigen Revolution, das Land stürzt ins Chaos.

Kap. 1 Anton Voyl[Bearbeiten]

Anton Voyl leidet längere Zeit unter Schlaflosigkeit, ein Nachbar bringt ihn schließlich ins Krankenhaus, wo man ihn untersucht und zu einer Hals-Nasen-Ohren-Ärztin schickt. Er wird operiert und liegt acht Tage in der Klinik. Als er entlassen wird, gilt er als geheilt, doch schlafen kann er immer noch nicht. Anton hat Visionen, glaubt an seinen baldigen Tod. In einer Vision lebt er als Flüchtling Ismail auf der Insel Tahili, als eine Art Robinson Crusoe. Eine Gruppe Reisender kommt an und bewohnt eine alte Kolonialzeit-Villa, Ismail verliebt sich in Faustina, eine der Reisenden. Doch weder Faustina noch die Männer können Ismail wahrnehmen, auch er kann nicht mit ihnen in Kontakt treten. Bevor Weiteres passieren kann, beginnt die Insel zu verfallen und wird schließlich vom Monsun zerstört. Um seine Visionen in den Griff zu bekommen, beginnt Anton Tagebuch zu schreiben, fast ein halbes Jahr lang jeden Tag. Er entwickelt auch das Konzept für einen Roman, dessen Hauptfigur Aigan, ein afrikanischer Prinz, ein ähnliches Schicksal erleidet wie Ödipus. Nur verschwindet Aigan im Gegensatz zu Ödipus plötzlich. Später liest Anton einen Zeitungsartikel über Major Didot und Dupont, die einen gestohlenen Umschlag, der wichtige interne Informationen der Polizei enthält, suchen, aber nicht finden. Er beendet sein Tagebuch mit drei Strichen und dem geheimnisvollen Satz Bringt Advokat H., wo im Zoo ständig raucht, acht Whisky von Ia Qualität. Dann ist Anton Voyl verschwunden.

Kap. 2 Hassan Ibn Abbou[Bearbeiten]

Anton Voyls Freund Armaury Conson durchsucht dessen Haus und befragt die Nachbarn. Er blättert in Antons Büchern und liest Manuskripte, die von Anton stammen müssen, sowie Antons Tagebuch. Er ist überzeugt, dass Anton entführt wurde, doch die Polizei glaubt ihm nicht, aber vom Quai d'Orsay (Sitz des Außenministeriums, Verwendung ähnlich wie 10 Downing Street) wird ein gewisser Ottaviani geschickt. Armaury denkt an den letzten Satz in Antons Tagebuch und geht in den Zoo, wo er Olga trifft, die eine Affäre mit Anton hatte. Die beiden treffen tatsächlich Advokat H. bzw. den Anwalt Hassan Ibn Abbou, der meint, 8 Whiskey sei ein Rennpferd, und ihnen verspricht, am Montag ein Manuskript zu geben. Armoury trifft Ottaviani, und die beiden sehen, wie ein Mann entführt wird, den Armoury fälschlicherweise für den Anwalt hält. Sie diskutieren, ob Anton in seinem Schlusssatz wirklich auf Hassan Ibn Abbou hinweist oder ob der Anwalt sie täuschen will. Armoury bittet Ottaviani herauszufinden, ob der Taxifahrer Armaud Karamazow etwas über Antons Verschwinden weiß. Sie verabreden sich zum Pferderennen am nächsten Tag. Am nächsten Tag sitzt Ottaviani im Bistro und trifft dort seinen Vorgesetzten Aloysius Swann, er gibt ihm einen Brief des Konsuls Alain Gu.rin. Der Konsul fordert, dass keine weiteren Nachforschungen im Fall Anton Voyl angestellt werden. Die beiden unterhalten sich über die Verdächtigen, über Antons Geliebte Olga, Karamazow, der eine Alarmanlage in Antons Auto eingebaut hat, und Hassan Ibn Abbou, mit dem Ottaviani und Conson ja verabredet sind. Nachmittags treffen sich Ottaviani, Conson und Olga auf der Pferderennbahn Longchamp, doch das Pferd 8 Whiskeys gewinnt nicht. Enttäuscht fahren die drei nach Paris zurück und betrinken sich. Olga wird sentimental und erzählt von Antons rätselhafter Schlaflosigkeit. Am nächsten Morgen besuchen Conson und Ottaviani wie verabredet Hassan Ibn Abbou in seiner Villa, doch bevor sie ihn zu Gesicht bekommen, wird er in einem Nebenraum von einem Unbekannten mit einem vergifteten Dolch erstochen. Conson durchsucht daraufhin das Haus des Anwalts und findet im Tresor den fünften Teil von Antons Aufzeichnungen, er liest ihn noch in derselben Nacht. Es handelt sich um eine wirre Geschichte über Ismail und Moby Dick. Auf Hassan Ibn Abbous Beerdigung erzählt Conson ein Fremder, dass der Anwalt Ärger mit Carpocino hatte, der auch eine Grabrede hält. Als der Sarg auf den Boden stürzt, stellt sich heraus, dass er leer ist. Was mit Hassans Leiche passiert ist, wird nicht geklärt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Anton Voyls Fortgang. Übers. und Nachwort Eugen Helmlé. Diaphanes, Zürich 2013 ISBN 3037343222 (zuerst deutsch 2001-Verlag), 1986
  • Uwe Schleypen: Schreiben aus dem Nichts. Gegenwartsliteratur und Mathematik. Das Ouvroir de littérature potentielle. Meidenbauer, München 2004 Reihe: Romania viva, Bd. 1 (Zugl. Diss. Univ. Eichstätt 2004) ISBN 3-89975-036-5