Antonio Casali

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Antonio Casali
Kardinal Antonio Casali

Antonio Casali (* 25. Mai 1715 in Rom; † 14. Januar 1787 in Rom) war ein Kardinal der katholischen Kirche.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Antonio Casali wurde geboren als zweites von sieben Kindern des italienischen Adeligen Giovanni Battista Casali, Marquis von Postina und dessen Gattin Maria Magdalena geb. Mellini (oft auch Millini). Von Seiten seiner Mutter war er der Großneffe des Kardinals Savio Mellini (1644–1701)[1] und der Neffe von Kardinal Mario Mellini (1677–1756).[2]

Ab 1725 studierte er am Collegio San Carlo[3] zu Modena, kehrte später nach Rom zurück und erwarb den Grad eines Doktors iuris utriusque (weltliches und geistliches Recht). Der junge Adelige fühlte keine Berufung zum Priestertum, trat jedoch 1742 als Laie in die Verwaltung der Kirche bzw. des Kirchenstaates ein, wo er infolge eigener Begabung und durch Protektion von Verwandten und Bekannten rasch aufstieg. Casali wirkte in der römischen Kurie als Laienprälat ohne geistliche Weihen und war vor allem um die Armenversorgung der Stadt Rom bemüht. Im November 1761 wurde er Sekretär an der Kongregation Consulta, Hauptbehörde der weltlichen Regierung des Kirchenstaates, am 26. September 1766 Apostolischer Protonotar, Vize-Camerlengo (stellvertretender Leiter der Apostolischen Kammer) und Gouverneur der Stadt Rom. Papst Klemens XIV. kreierte Casali am 12. Dezember 1770 in pectore zum Kardinal, was er am 15. März 1773 bekannt gab.[4] Als Kardinals-Titeldiakonie erhielt er jene der römischen Kirche San Giorgio in Velabro,[5] welche er ab 1777 mit der von Sancta Maria ad Martyres (bekannter unter dem Profannamen Pantheon) vertauschte.[6] In seiner hohen Position reformierte und straffte er nachhaltig die Verwaltungsabläufe der päpstlichen Regierung, nahm sich der Bedürftigen an, sorgte für eine menschenwürdigere Behandlung der Strafgefangenen und gründete die Textilmanufaktur Conservatorio di San Pietro in Montorio.[7]

Am 26. März 1773 erfolgte Casalis Ernennung zum Präfekten (Leiter) der Kongregation von der Guten Regierung, die sich vornehmlich um die Haushalte der Kommunen des Kirchenstaates kümmerte.[8] Im gleichen Jahr wurde er Mitglied einer Kommission unter Leitung Kardinals Mario Marefoschi Compagnoni, die die Auflösung des Jesuitenordens überwachen sollte. Hier setzte er sich mäßigend zugunsten der in der Engelsburg gefangen gehaltenen Jesuiten ein.

Antonio Casali nahm am Konklave des Jahres 1774/1775 teil, das Papst Pius VI. wählte. Auch unter dessen Pontifikat blieb er ein gesuchter Verwaltungsfachmann, der eine Steuerreform durchführte und sich im Handels- bzw. Straßenbauwesen stark engagierte.

Der Kardinal war zeitlebens historisch und archäologisch sehr interessiert. U.a. entdeckte er den nach ihm benannten Ara Casali, einen antiken Altar mit römisch-trojanischen Darstellungen, welchen er der Kirche überließ und der heute zu den besonderen Stücken der Vatikanischen Museen zählt.[9][10] Auf einem seiner Güter bei der der Porta San Sebastiano fand er einen kostbaren, römischen Sarkophag, den er Papst Pius VI. schenkte und von dessen Figurendarstellungen Gipsabdrücke in Berlin ausgestellt waren.[11] Der Original-Sarkophag, Casali-Sarkophag genannt, befindet sich heute in der Ny Carlsberg Glyptotek zu Kopenhagen,[12] da er von dem Bierbrauer und Kunstsammler Carl Jacobsen[13] 1883 in Rom erworben worden war.[14]

Antonio Casali litt im Alter an Gicht. Er wurde nach seinem Tod in der Kirche Sant’Agostino (Rom) beigesetzt, in der sich das Familienbegräbnis befindet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Politisches Journal; nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen, Jahrgang 1787, Band 1, Nachruf auf den Seiten 478–481; Digitalscan aus der Quelle

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kardinal Savio Mellini in der italienischen Wikipedia
  2. Webseite zu Kardinal Mario Mellini
  3. Zum Collegio San Carlo in der italienischen Wikipedia
  4. Fortgesetzte neue genealogisch-historische Nachrichten von den vornehmsten Begebenheiten, welche sich an den europäischen Höfen zugetragen, Leipzig, 1773, Band 73, Seite 97; Digitalscan des zeitgenössischen Berichtes über die Kardinalserhebung (mit Anmerkungen zur Person)
  5. Zur Titeldiakonie San Giorgio in Velabro
  6. Zur Titeldiakonie Sancta Maria ad Martyres
  7. Hanns Gross: Rome in the Age of Enlightenment, Cambridge University Press, 2004, Seite 97ISBN 052189378X Scan zum Conservatorio di San Pietro in Montorio
  8. Birgit Emich: Territoriale Integration in der Frühen Neuzeit: Ferrara und der Kirchenstaat, Böhlau Verlag Köln und Weimar, 2005, Seite 70, ISBN 3412127051 Scan aus der Quelle, zur Kongregation von der Guten Regierung
  9. Webseite zum Ara Casali
  10. Webseite mit Großaufnahme des Ara Casali
  11. Karl Friederichs: Berlins antike Bildwerke, 1868, Band 1, Seite 480 Scan zum Fund des Casali-Sarkophags in Rom
  12. Baedeker Allianz-Reiseführer Kopenhagen, 2009, Seite 192, ISBN 3829711395; Zur Aufstellung des Casali-Sarkophags in Kopenhagen
  13. Carl Jacobsen in der englischen Wikipedia
  14. Ludwig Pollak: Römische Memoiren: Künstler, Kunstliebhaber und Gelehrte 1893-1943, 1994, Seite 90, ISBN 8870628639; Scan zum Kauf des Casali-Sarkophags, 1883