Antonio Chichi

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Tempel des Portunus, Korkmodell von Chichi, ausgestellt im Herzoglichen Museum Gotha

Antonio Chichi (* 7. Januar 1743 in Rom; † 30. September 1816 in Rom) war ein römischer Architekt, der sich als Phelloplastiker (Korkbildner) auf die Herstellung von Korkmodellen antiker Gebäude spezialisiert hatte.

Die Modelle[Bearbeiten]

In Deutschland wurden die Modelle Chichis durch den Kunsthändler Rost (1742-1798) in Leipzig angeboten. Das Russlandgeschäft mit der Zarin Katharina wurde durch den in Rom ansässigen deutschen Kunstagenten Reiffenstein[1][2] eingefädelt und abgewickelt. Ein Prospekt von 1786 nennt 36 verschiedene Modelle mit Preisen zwischen 15 und 168 Dukaten. Es handelt sich um das Kolosseum, das Pantheon, diverse römische Tempel, Ehrenbögen, Theater, Ingenieurbauten und Grabbauten.

Die Modelle sind mit archäologischer Genauigkeit gearbeitet. Häufig werden seinerzeit noch vorhandene nachantike Anbauten weggelassen und in einigen Fällen sogar Teilrekonstruktionen des ursprünglichen Zustandes versucht. Einige Modelle stellen Bauten dar, die inzwischen stark verändert oder verloren sind.

Technik[Bearbeiten]

Die Gebäude sind auf einer hölzernen Trägerplatte montiert und bestehen aus hölzernen Kernen, auf die Korkstücke zur Darstellung der Maueroberflächen aufgeklebt wurden. Häufig wurden auch Mauern aus quaderartigen Korkstücken zusammengesetzt. Reliefs und Kapitelle wurden aus Terrakotta gefertigt, wobei sie häufig typisiert wurden. Gips, Zweige und Moos wurden für die Darstellung von Erdreich und Pflanzen verwendet.

Die Maßstäbe liegen bei 1:100 für die größeren Modelle und steigen auf bis zu 1:25 für kleinere Bauten. Alle Modelle sind mit einem Maßstab in römischen Palmi versehen. Ihre Abmessungen betragen bis zu 1,70 x 1,40 m.

Sammlungen[Bearbeiten]

Bedeutende Sammlungen der Modelle Chichis befinden sich in der Kunstakademie St. Petersburg (34 erhaltene Exemplare, angefertigt um 1774), im Schloss Wilhelmshöhe in Kassel (33 Modelle erhalten, gefertigt 1777-1782), dem Hessischen Landesmuseum Darmstadt (26 Modelle erhalten, 1790/91 erworben) und dem Herzoglichen Museum Gotha. Einzelne Modelle werden im Rijksmuseum van Oudheden in Leiden (drei 1786 gefertigte Modelle), Allard Pierson Museum in Amsterdam (ein Modell) und der Akademie der Künste Berlin (eines von sieben Modellen erhalten, 1798 erstmals ausgestellt), Schloss Rájec nad Svitavou (zwei Modelle erhalten, 1790-1800) aufbewahrt.

In Carl May fand Chichi einen bedeutenden deutschen Nachahmer, dessen begehrte Modelle ebenfalls in Museen und Sammlungen gelangten.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Felicitas v. Aretin: Katharinas "Göttlicher". in: Der Tagesspiegel vom 24. November 2007
  2. Christoph Frank: Die römische Agententätigkeit des Antiquars Johann Friedrich Reiffenstein (1719-1793)

Literatur[Bearbeiten]

  • Antike Bauten. Korkmodelle von Antonio Chichi 1777–1782. Katalog bearbeitet von Peter Gercke und Nina Zimmermann-Elseify. Kataloge der Staatlichen Museen Kassel Nr. 26 (2001) ISBN 3-931787-13-3

Weblinks[Bearbeiten]