Antonio Rosetti

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Antonio Rosetti

Antonio Rosetti (* 1750 in Leitmeritz; † 30. Juni 1792 in Ludwigslust) war ein Komponist und Kapellmeister. Viele seiner Werke wurden später unter dem Namen Anton Rös(s)ler oder Franz Anton Rösler veröffentlicht.

Rosettis Herkunft und Name[Bearbeiten]

Antonio Rosetti wurde wahrscheinlich 1750 im nordböhmischen Leitmeritz (heute: Litoměřice) geboren. Ein entsprechender Eintrag fehlt aber im Kirchenbuch. Daher wurde vermutet, dass er auch Anton Rös(s)ler geheißen haben könnte. Aber auch für diesen Namen ist kein Eintrag zu finden. Sein Heirateintrag im Wallersteiner Kirchenbuch vermerkt nur den Namen Antonio Rosetti und den Geburtsort Leitmeritz. Er selbst hat sich – soweit bekannt – nie anders als Anton oder Antonio Rosetti genannt. Schon zu seinen Lebzeiten hieß es aber: „Wir Patrioten nennen ihn mit seinem Namen Rößler“ [1]

Die in fast allen Nachschlagewerken zu findenden Angaben zur frühen Biographie entstammen dem Artikel Noch etwas von Rosetti (1792) in der von Heinrich Philipp Bossler herausgegebenen Musikalischen Korrespondenz. Obwohl diese Angaben größtenteils archivalisch bislang nicht untermauert werden konnten, sind sie doch als zuverlässig einzustufen, da Bossler in engem persönlichen Kontakt zu Rosetti stand[2]. Bossler schreibt in dem betreffenden Artikel auch: Er „hieß nie Rösler, sondern von Geburt an Rosetti“[3]. Er zeigt aber dann durch eine Anekdote, dass es schon zu Rosettis Lebzeiten Verwechslungen gab, die anscheinend bewusst herbeigeführt wurden.

Der häufig genannte Vorname Franz beruht auf einem Irrtum eines Musikwissenschaftlers, der einen Franz Anton Rösler, geboren 1746, für Antonio Rosetti hielt. Dieser Franz Anton Rösler war jedoch Schuhmacher.

Seine musikalische Ausbildung erhielt Rosetti wahrscheinlich bei den Jesuiten in Prag. Danach führte er einige Zeit ein Wanderleben. Es gibt Belege, dass Rosetti Anfang der 1770er Jahre in Russland im Dienst eines Grafen Orlow stand.[4][5]

Künstlerisches Wirken[Bearbeiten]

Seit Herbst 1773 war er als Diener und Musiker (Kontrabassist) in der Hofkapelle des Fürsten Kraft Ernst zu Oettingen-Wallerstein angestellt − Mozart hatte kurz zuvor vergeblich versucht, in den dauerhaften Dienst desselben Fürsten zu treten.

Ende 1781 reiste Rosetti nach Paris, wo er mit seinen Kompositionen sehr erfolgreich war. Im Mai 1782 kehrte er nach Wallerstein zurück. Zahlreiche seiner Werke erschienen in der Folge nicht nur bei Pariser, sondern auch bei Verlagen anderswo in Europa im Druck. Er avancierte zu einem der beliebtesten Komponisten seiner Zeit.

Nach dem Weggang von Joseph Reicha im Jahr 1785 wurde Rosetti zum Kapellmeister der Wallersteiner Hofkapelle ernannt, wobei er das Orchester auch schon früher oft geleitet haben dürfte.

Geplagt von ständigen Geldsorgen, wechselte er 1789 als Kapellmeister an den Hof des Herzogs von Mecklenburg-Schwerin in Ludwigslust. Rosettis Einkommen vervielfachte sich mit diesem Schritt; hinzu kamen noch verschiedene Naturalzulagen.

Als Rosetti am 30. Juni 1792 starb, hinterließ er seine Frau und drei Töchter. Das Fürstenhaus setzte eine Rente aus, zwei von Rosettis Töchtern waren später als Hofsängerinnen angestellt. Der Verwaltungsjurist Karl Prosch war sein Enkel.

Am 14. Dezember 1791 wurde anlässlich der Prager Trauerfeier für Wolfgang Amadeus Mozart ein Requiem von Rosetti aufgeführt, das dieser bereits 1776 auf den Tod der Gemahlin von Fürst Kraft-Ernst zu Oettingen-Wallerstein komponiert hatte.

Werke[Bearbeiten]

  • 43 Sinfonien
  • 16 Konzerte für Horn und Orchester
  • 8 Konzerte für 2 Hörner und Orchester
  • 10 Konzerte für Fagott und Orchester
  • außerdem zahlreiche Konzerte für Klavier, Violine, Viola, Flöte, Oboe und Klarinette
  • etwa 20 Harmoniemusiken
  • zahlreiche Werke der Kammermusik
  • Klaviermusik
  • Lieder
  • geistliche Musik

Werkverzeichnisse[Bearbeiten]

  • Sterling E. Murray: The Music of Antonio Rosetti. A Thematic Catalog. Warren, Mich.: Harmonie Park Press, 1996. ISBN 0-89990-105-0
  • älteres Werkverzeichnis von Oskar Kaul

Literatur[Bearbeiten]

  • Constantin von Wurzbach: Rößler, Anton. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. Band 26. Verlag L. C. Zamarski, Wien 1874, S. 250–253 (Digitalisat).
  • H. P. Bossler in: Musikalische Korrespondenz der teutschen Filharmonischen Gesellschaft für das Jahr 1792 (Digitalisat)
  • Robert Haas: Anton Röslers Requiem für Mozart. Eger 1930
  • Günther Grünsteudel: Wallerstein. Das schwäbische Mannheim. Begleitband zur Ausstellung der Universitätsbibliothek Augsburg, Wallerstein, Neues Schloß, 1. Juni – 9. Juli 2000. Rieser Kulturtage, Nördlingen 2000, ISBN 3-923373-43-0. (Exzerpt)
  • Günther Grünsteudel: Das „Schwäbische Mannheim“. Zur Geschichte der Wallersteiner Hofkapelle. In: Rosetti-Forum. 2, 2001, S. 19–28 (Digitalisat)
  • Günther Grünsteudel: Rosetti in russischen Diensten – ein neuerlicher Fund. In: Rosetti-Forum. 3, 2002, S. 67–71 (Digitalisat; PDF; 90 kB)
  • Günther Grünsteudel: Der König liebt seine Kompositionen ausserordentlich...“. Rosetti und Bossler in Berlin 1792. In: Rosetti-Forum. 6, 2005, S. 23–32 (Digitalisat; PDF; 47 kB)
  • Stephan Hörner: Rosetti, Antonio. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 22, Duncker & Humblot, Berlin 2005, ISBN 3-428-11203-2, S. 89–91 (Digitalisat).
  • Hans-Joachim Schädlich: Concert Spirituel. In: Vorbei. Drei Erzählungen. Reinbek 2007, S. 123–159.
  • Roland Biener: Die geistlichen Werke Antonio Rosettis: Werke - Quellen - Echtheitsfragen, ortus musikverlag 2012, ISBN 978-3937788272

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. H. P. Bossler in: Musikalische Korrespondenz der teutschen Filharmonischen Gesellschaft für das Jahr 1792, Sp. 3
  2. Bossler berichtet in der Musikalischen Korrespondenz der teutschen Filharmonischen Gesellschaft für das Jahr 1792, Sp. 83 f., wie er seinen „alten Freund“ wiedertrifft
  3. H. P. Bossler in: Musikalische Korrespondenz der teutschen Filharmonischen Gesellschaft für das Jahr 1792, Sp. 147 f.
  4. Günther Grünsteudel: Rosetti in russischen Diensten – ein neuerlicher Fund. In: Rosetti-Forum. 3, 2002, S. 67–71 (Digitalisat; PDF; 90 kB)
  5. Der ganze Abschnitt folgt der Argumentation in den Veröffentlichungen der Rosetti-Gesellschaft, die z. T. online zu finden sind.