Antonio Salvo

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Antonio (Nino) Salvo (* 14. Juli 1929 in Salemi; † 19. Januar 1986 in Bellinzona) war ein italienischer Geschäftsmann und ein Mitglied der Cosa Nostra.

Leben[Bearbeiten]

Salvo war als Unternehmer in verschiedenen Bereichen tätig. Er besaß mehrere große Hotels und Grundstücke und war auch in der Landwirtschaft tätig, wo er die Subventionspolitik der EU zu seinem eigenen Vorteil ausnutzte. Aufgrund seiner guten Beziehungen zur Partei Democrazia Cristiana, zu dem damaligen Minister Giulio Andreotti und zum Bürgermeister Palermos Salvatore Lima erhielt er sehr lukrative Aufträge von der Regierung.

Im Gegenzug unterstützte er diverse Politiker bei Wahlen. Aufgrund seiner Einflussnahme in die Politik galt Salvo in den 1980er Jahren - zusammen mit seinem Cousin Ignazio Salvo - als erfolgreichster Unternehmer Siziliens. Unter anderem wurde ihrer Firma die Steuereintreibung für ganz Sizilien erteilt, die damals noch in privater Hand lag und ungemein profitabel für die Salvos war. Außerdem gelang es den Salvos durch ihre politischen Kontakte hohe Subventionen der EU für sich zu beanspruchen.

Durch Ermittlungen von Giovanni Falcone und Paolo Borsellino sowie der Aussagen des Pentito Tommaso Buscetta wurde Salvo am 12. November 1984 verhaftet und während des Maxi-Prozesses als Mitglied der Cosa Nostra verurteilt. Er und sein Cousin Ignazio gehörten laut Aussage mehrerer Pentiti zur Mafia-Familie von Salemi; auch wenn beide die wohl reichsten und wichtigsten Unternehmer von Sizilien waren, waren sie innerhalb ihrer Mafia-Familie immer nur einfache Soldaten einer dazu noch unbedeutenden Familie. Die Salvos standen innerhalb der Cosa Nostra besonders mit dem Boss Stefano Bontade und Tommaso Buscetta auf engem Fuß; ihre Mitgliedschaft war innerhalb der Cosa Nostra nicht allen bekannt. Im zweiten Mafiakrieg wurden diese Freunde alle ausgeschaltet und die Salvos mussten sich fortan mit den nun dominierenden Corleonesern arrangieren.

Während eines Gerichtsprozesses 1993 wurde festgestellt, dass Salvo den Mord an Carmine Pecorelli in Auftrag gegeben hat, um Andreotti einen Gefallen zu erweisen und diesen weiterhin an der Regierung zu halten. (Es wurde befürchtet, dass Andreotti aufgrund der Berichte von Pecorelli seine Ämter verlieren könnte und die Mafia somit ihren Einfluss auf die Politik verliert).

1986 verstarb Salvo in einer Schweizer Klinik an Krebs. Sein Cousin Ignazio wurde im Herbst 1992 auf Befehl von Salvatore Riina durch Giovanni Brusca ermordet; der Mord war eine exemplarische Strafe, da Salvo es nicht geschafft hatte, die Cosa Nostra vor der Verfolgung durch den Staat zu schützen. Obwohl Nino und sein Cousin nie wie viele andere ‚Ehrenmänner‘ am Drogenhandel, an der Schutzgelderpressung oder anderen illegalen Aktivitäten beteiligt waren, spielten sie doch als Verbindungsglieder zur Politik eine wichtige Rolle.

Literatur und Quellen[Bearbeiten]

  • Anonymus: Mein Leben für die Mafia, Rowohlt Verlag, ISBN 3-498-00027-6
  • Salvatore Lupo: Die Geschichte der Mafia, Albatros Verlag
  • Rene Seindal: Mafia: Money and Politics in Sicily 1950-1997