Antonow An-70
| Antonow An-70 | ||
|---|---|---|
Antonow An-70 beim Start |
||
| Typ: | Militärischer Transporter | |
| Entwurfsland: | ||
| Hersteller: | O.K. Antonow | |
| Erstflug: | 16. Dezember 1994 | |
| Indienststellung: | In der Flugerprobung | |
| Produktionszeit: | bisher keine Serienproduktion | |
| Stückzahl: | 2 | |
Die An-70 ist ein Transportflugzeug für die Mittel- und Langstrecke aus den 1990er-Jahren. Angetrieben wird es von vier Turboprop-Triebwerken des Typs Iwtschenko Progress D-27. Die Besonderheit dieses Propellertriebwerks sind die zwei gegenläufigen Propeller pro Triebwerk (vordere Propeller mit acht, hintere mit sechs Blättern). Es ist nach der Antonow An-22 der zweite Antonow-Flugzeugtyp mit gegenläufigen Propellern. Weitere Forderungen bei der Konstruktion dieser Maschine waren niedrige Betriebskosten und hohe Zuverlässigkeit.
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte[Bearbeiten]
Die Projektarbeiten für einen Nachfolger der An-12 begannen Mitte der 1970er-Jahre. Der Erstflug des Prototyps erfolgte am 16. Dezember 1994, nachdem er am 20. Januar gleichen Jahres seinen Rollout durchgeführt hatte. Diese Maschine stürzte beim vierten Erprobungsflug am 10. Februar 1995 nach einer Kollision mit dem An-72-Begleitflugzeug über Borodjanka bei Kiew in einen Wald und explodierte. Die siebenköpfige Besatzung unter Sergei Maksimow wurde beim Absturz getötet.[1] Der zweite Prototyp hatte seinen Erstflug am 24. April 1997. Ein Triebwerksausfall am 27. Januar 2001 endete in einer Bruchlandung, bei der die unversicherte Maschine erheblich beschädigt wurde.[2][3] Die Maschine wurde mittlerweile repariert und führt wieder Erprobungsflüge durch. Nach anfänglichem Interesse insbesondere von russischer Seite erscheint zum gegenwärtigen Zeitpunkt (Stand: Frühjahr 2007) allerdings aufgrund eines Mangels an Kunden unklar, ob bzw. wann die Maschine in Serienproduktion gehen wird.
Zum Ende des Jahres 1997 zog die Bundeswehr in Betracht, einige Antonow An-70 zum Ausbau der Langstreckentransportkapazitäten zu beschaffen, die durch das bisherige Transportflugzeug Transall nicht mehr bewältigt werden können. Im Sommer 1998 wurde eine Studie gemeinsam mit Antonow, russischen und ukrainischen Zulieferern, der DASA-Military Aircraft und DASA Deutsche Airbus in Hallbergmoos bei München durchgeführt. Die Studie war vom Bundesministerium der Verteidigung beauftragt worden. Die Untersuchung sollte klären, wie weit die An-70 den Anforderungen der europäischen Luftwaffen entspricht (European Staff Requirements) und wie groß der Umfang der eventuell erforderlichen Modifikationen sein würde. Das Ergebnis zeigte, dass die An-70 bezogen auf Nutzlast, Geschwindigkeit, Reichweite sowie Lande- und Starteigenschaften die Anforderungen des ESR erfüllte bzw. sogar übererfüllte. Die Cockpitauslegung (Fünf-Mann-Cockpit) und die Triebwerkssteuerung dagegen entsprachen nicht den Anforderungen und hätten komplett neu entwickelt werden müssen („westernising“). Außerdem entsprachen die Werkstoffe, Normen, Zulassungskriterien usw. nicht den westlichen Anforderungen und hätten teilweise umfangreiche Neuentwicklungen erforderlich gemacht. Dies war aber nicht der Hauptgrund, die An-70 als neues europäisches Transportflugzeug nicht weiter in Betracht zu ziehen. Ausschlaggebend waren die Risiken einer langfristigen industriellen Zusammenarbeit (30 Jahre und mehr) und Zweifel an der Aufrechterhaltung der erforderlichen technischen Unterstützung über Jahrzehnte hinweg. Die Risiken wollten weder die DASA noch der öffentliche Auftraggeber übernehmen. Außerdem war der Wunsch vorhanden, eine europäische Unabhängigkeit bei der Neubeschaffung von Wehrtechnik zu erreichen. So wurde schließlich der Entscheidung anderer europäischer Regierungen folgend Airbus mit der Konstruktion der A400M beauftragt.[4]
Auf der Luft- und Raumfahrtmesse MAKS 2009 unterzeichneten Russland und die Ukraine ein Abkommen über die Wiederaufnahme des Projektes. Neue Chancen werden der An-70 in einer modernisierten Form angesichts der Verzögerungen im Airbus-A400M-Projekt eingeräumt.[5]
Weitere Versionen[Bearbeiten]
- An-70PS – SAR-Version
- An-70T – zivile Frachtmaschine.
- An-112KC – Von der US-Airforce abgelehnte Tankerversion auf Basis der An-70, mit zwei Strahltriebwerken.
Technik[Bearbeiten]
Die An-70 ist ein militärisches Transportflugzeug mit vier Propellerturbinentriebwerken, das mit einer kurzen Start- und Landestrecke auskommt. Der Laderaum (Querschnitt 4,00 m × 4,10 m) kann bis zu 47 t Nutzlast aufnehmen. Güter bis zu 20 t Gewicht können aus großer und niedriger Höhe abgesetzt werden. Mit einer Nutzlast von 20 bis 35 Tonnen hat die An-70 eine Reichweite von 5.000 bis 6.600 Kilometern. Dabei fliegt sie mit einer Reisegeschwindigkeit von 750 km/h. Ein Merkmal der An-70 sind die von dem Triebwerk Progress D-27 angetriebenen gegenläufigen Propeller. Dabei hat der vordere Propeller acht und der hintere sechs Blätter. Durch die gegenläufigen Propeller wird eine Aufhebung des Propellerdralls und eine Verbesserung des Vortriebswirkungsgrads erreicht, was eine höhere Reisegeschwindigkeit bei reduziertem Kraftstoffverbrauch (etwa 25 % gegenüber Turbofantriebwerken) erlaubt. Außerdem werden die Lärmemissionen verringert. Zusätzlich wird die Aufhängung des Triebwerks an den Tragflächen statisch vereinfach, da das Triebwerksdrehmoment erheblich verringert wird. Die Nachteile dieses Antriebskonzept – ein höheres Getriebegewicht und höherer Wartungsaufwand für das Getriebe – werden von den Vorteilen überwogen.
Um neben einer hohen Reisegeschwindigkeit für den Betrieb von kurzen Start- und Landestrecken (STOL) eine möglichst geringe Mindestgeschwindigkeit zu erreichen, wurden umfangreiche Windkanaluntersuchungen durchgeführt. In mehr als 1400 Windkanalstunden wurden 22 Flugzeugmodelle mit zehn verschiedenen Tragflügeln sowie vier verschiedenen Landeklappenkonfigurationen untersucht. Die meisten Windkanaltests wurden mit einer Triebwerkssimulation durchgeführt. Das Ergebnis waren Tragflächen mit einem moderaten superkritischen Profil, zusammen einem mehrfach unterteilten Landeklappensystem (Fowlerklappen) mit einem doppelten Vorflügel, das einen Landeklappenausschlag von 65° bzw. im äußeren Landeklappenbereich 85° erlaubt. Möglich war dieser ungewöhnliche hohe Landeklappenausschlag durch den Coandă-Effekt, der durch den starken und gleichmäßigen Propellerluftstrom der gegenläufigen Propeller erzeugt wird. Zusätzlich haben die Tragflächen und das Höhenleitwerk Vorflügel. Das Ergebnis waren Tragflächen mit einem maximalen Auftriebsbeiwert von bis zu 7,2.[6] Dies erlaubt beispielsweise eine Endanfluggeschwindigkeit von 95 Kts (176 km/h)[7].
Der Rumpf und die Tragflächen der An-70 sind in konventioneller Leichtbauweise ausgeführt. Die Zelle ist dabei für 45.000 Flugstunden und 15.000 Landungen ausgelegt. Das Höhen- und Seitenleitwerk besteht aus einer aus Kohlefasern gefertigten Torsionsbox.[8] Das Seitenruder ist dreigeteilt, das Höhenruder zweigeteilt. Hierdurch wird eine höhere Überlebensfähigkeit des Flugzeuges bei Beschuss durch leichte Handwaffen erreicht.
Die Antonow kann von unbefestigten Start-und Landebahnen aus operieren. Dabei genügen 700 m Startstrecke, um mit 20 bis 30 t Nutzlast abheben zu können.[7] Die Flug-, Navigations-und Systeminformationen werden digital verarbeitet und im Cockpit auf Bildschirmen dargestellt. Die An-70 ist als erstes russisches Transportflugzeug mit einem Fly-by-Wire-System ausgerüstet. Ein bordeigenes Überwachungs-und Diagnosesystem erleichtert Wartung und Instandsetzung des Luftfahrzeuges. Mit dem automatisierten autonomen Lastenmanagementsystem des Flugzeuges können unterschiedliche Güter an Bord genommen und aus der Luft oder am Boden wieder abgesetzt werden.Vier elektrische Laufkatzen an zwei Laufschienen, die in der Oberschale des Flugzeuges befestigt sind, können Lasten bis 12 t im Laderaum heben und bewegen. Zur Ausrüstung des Laderaumes gehören außerdem zwei elektrische Winden mit 1,5 t Zugkraft.[9][10]
Technische Daten[Bearbeiten]
| Kenngröße | Daten |
|---|---|
| Länge: | 40,73 m |
| Flügelspannweite: | 44,06 m |
| Höhe: | 16,38 m |
| Frachtraumabmessung: |
|
| Leergewicht: | 73.000 kg |
| Normales Startgewicht: | 112.000 kg |
| Maximales Startgewicht: | 135.000 kg |
| Maximale Zuladung: | 47.000 kg |
| Reisegeschwindigkeit: | 750 km/h (auf 9.600 m Flughöhe) |
| Dienstgipfelhöhe: | 12.000 m |
| Flugreichweite: |
|
| Besatzung: | 3 Mann |
| Triebwerke: | vier Iwtschenko Progress D-27-Propellerturbinen mit je 10.440 kW |
Siehe auch[Bearbeiten]
Weblinks[Bearbeiten]
Einzelnachweise[Bearbeiten]
- ↑ Ulrich Unger: Ein schwerer Schlag für das „sowjetische FLA“ – Absturz des Prototypen gefährdet das An-70-Transporterprogramm. In: Flieger Revue 3/1995, S. 40–43.
- ↑ Bruchlandung des zweiten An-70-Prototyps
- ↑ Design flaws with its D-27 turboprop engines
- ↑ An-70's uncertain future (englisch, 2003)
- ↑ Nach A400M-Desaster: Wird An-70-Projekt wiederbelebt? (deutsch, 2010)
- ↑ ICAS 2002 CONGRESS, AN-70 STOL AIRCRAFT CHARACTERISTICS AT HIGH ANGLES
- ↑ a b http://wn.com/Antonov_An-70
- ↑ http://www.compositesworld.com/articles/ukrainian-aerospace-developer-employs-clean-sheet-design
- ↑ Antonov-70 Globel Security .org
- ↑ http://www.cthomas.de/an_70.htm
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