Anus

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zur gleichnamigen Sprache siehe Anus (Sprache).

Der Anus (lat. ānus „(Fuß)ring“, griech. πρωκτός prōktos[1]), auch After[2], ist die Austrittsöffnung des Darmkanals vielzelliger Tiere. Durch den After verlässt der Kot den Darm.

Entstehung des Anus

Der Anus entstand evolutiv gemeinsam mit dem Darm als dessen Austrittsöffnung und trat erstmals bei den Bilateria auf, die aus drei Keimblättern bestehen. Gebildet wird er dabei vom Entoderm, das mit der Einstülpung eines Urmundes (Blastoporus) in die Blastula eine so genannte Gastrula bildet. Die dabei entstehende Höhle entwickelt sich zum Darm, der am anderen Körperende eine weitere Öffnung bildet. Auf diese Weise entsteht ein Darmkanal mit einer Eintritts- und einer Austrittsöffnung, die zum späteren Mund und After werden. Dabei wird bei den Urmündern (Protostomia) der Urmund zum endgültigen Mund und der Durchbruch zum After. Bei den Neumündern (Deuterostomia), zu denen auch die Wirbeltiere und damit auch der Mensch gehört, wird dagegen der Urmund zum späteren After und der Durchbruch zur Mundöffnung.

Anus des Menschen

Anatomie

Der Analkanal (Canalis analis) kann in drei Abschnitte untergliedert werden, die durch einen allmählichen Übergang von der Schleimhaut des Darmes zur äußeren Haut gekennzeichnet sind:

  • Zona columnalis: mit Längsfalten (Columnae anales) und dazwischen liegenden Einsenkungen (Analkrypten) mit den Mündungen der Proktodealdrüsen (Glandulae anales)
  • Zona intermedia: mit einem mehrschichtigen Plattenepithel
  • Zona cutanea: mit verhorntem mehrschichtigen Plattenepithel, Schweiß- und Talgdrüsen sowie Haaren.

In der Analgegend sind bei vielen Tierarten Analdrüsen ausgebildet.

Um die Öffnung des Anus sind unter der Haut bzw. Schleimhaut zwei Schließmuskeln angeordnet:

  • Musculus sphincter ani internus (innerer Afterschließmuskel): Er stellt eine Verstärkung der glatten Muskulatur der Darmwand dar.
  • Musculus sphincter ani externus (äußerer Afterschließmuskel): Er besteht aus quergestreifter Muskulatur, ist also willkürlich beeinflussbar.

Innervation

Die Peristaltik des Analkanals wird über parasympathische Nervenfasern aus dem Kreuzabschnitt des Rückenmarks (Nervi pelvini) angeregt. Diese bewirken auch eine Erschlaffung des inneren Afterschließmuskels. Im Zusammenspiel mit den Bauchmuskeln (Bauchpresse) führt dies über den Defäkationsreflex zu einer Entleerung des Mastdarms (Kotabsatz, Defäkation). Dabei schiebt sich die Kotsäule aus dem Darm. Wenn die Bauchmuskulatur zur Ausscheidung nicht verwendet wird, dauert die Defäkation länger.

Die sympathischen Nervenfasern des Nervus hypogastricus reduzieren die Peristaltik und erhöhen den Tonus des inneren Afterschließmuskels. Dadurch wird die Stuhlverhaltung (Continentia alvi) ermöglicht. Durch willkürliche Beeinflussung des äußeren Afterschließmuskels kann der Kotabsatz unterdrückt werden. Er wird durch den Nervus pudendus (bzw. dessen Nervus rectalis caudalis) innerviert.

Die sensible Innervation des Afters erfolgt über die Nervi anococcygei und den Nervus perinealis superficialis („oberflächlicher Dammnerv“) des Nervus pudendus. Da am After eine Vielzahl von Nervenendigungen liegen, ist er sehr empfindsam und wird auch als erogene Zone betrachtet, insbesondere der Musculus sphincter ani externus und die sich davon absetzende Dammmuskulatur (siehe auch Analreflex, Analverkehr).

Untersuchungsmethoden

Der Anus und Enddarm werden vom Proktologen untersucht und behandelt:

  • Äußere Inspektion
  • Rektal-digitale Untersuchung (als eine der wichtigsten und kostengünstigsten Methoden)
  • Proktoskopie als eine sogenannte „Spiegelung“ des Enddarms mit einem besonderen Endoskop oder einem starren Proktoskop; eventuell erweiterte Untersuchung als Rektoskopie oder Rektosigmoidoskopie
  • Endosonographie
  • Manometrie
  • Defäkogramm

Erkrankungen des Anus

Ein operativ künstlich angelegter Anus wird als Anus praeter (verkürzend für Anus praeternaturalis, lat. für „Darmausgang vor dem natürlichen Ende“) bezeichnet.

Siehe auch

Belege

  1. Pape
  2. J. M. Stowasser, M. Petschenig, F. Skutsch, R. Pichl, H. Reitterer, E. Sattmann, J. Semmler, K. Smolak, W. Winkler: Der Kleine Stowasser: Lateinisch-deutsches Schulwörterbuch. Zweite Auflage. Verlag Hölder-Pichler-Tempsky, Wien 1987, ISBN 3-209-00225-8.

Literatur

  • A. Benninghoff, D. Drenckhahn (Hrsg.): Anatomie. 16. Auflage. Urban und Fischer, München 2004, ISBN 3-437-42350-9.
  • F.-V. Salomon: Verdauungsapparat, Apparatus digestorius. In: F.-V. Salomon, H. Geyer, U. Gille (Hrsg.): Anatomie für die Tiermedizin. Enke Verlag, Stuttgart 2004, ISBN 3-8304-1007-7, S. 235–323.
  • Jean Pütz, Christine Niklas, Ellen Norten: Hobbythek. Darm und Po: gesunde Pflege von innen und außen. 5. Auflage. Vgs Verlagsgesellschaft, 2003, ISBN 3-8025-6201-1.

Weblinks

 Commons: Anus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Anus – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen