Apfelstädt (Nesse-Apfelstädt)

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50.90138888888910.889722222222251Koordinaten: 50° 54′ 5″ N, 10° 53′ 23″ O

Apfelstädt
Landgemeinde Nesse-Apfelstädt
Wappen von Apfelstädt
Höhe: 251 m ü. NN
Fläche: 12,16 km²
Einwohner: 1385 (1. Dez. 2009)
Eingemeindung: 1. Dezember 2009
Postleitzahl: 99192
Vorwahl: 036202
Apfelstädt Gamstädt Ingersleben Kleinrettbach Kornhochheim NeudietendorfKarte
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Lage von Apfelstädt in Nesse-Apfelstädt

Blick auf den Ort von Süden mit dem markanten Turm der Kirche St. Walpurgis

Blick auf den Ort von Süden mit dem markanten Turm der Kirche St. Walpurgis

Apfelstädt ist ein Ortsteil der Landgemeinde Nesse-Apfelstädt im thüringischen Landkreis Gotha.

Geografische Lage[Bearbeiten]

Kanzelaltar und Orgel der Kirche (bis 2008 ein neuer Altar errichtet wurde)

Apfelstädt liegt im Thüringer Becken nördlich des Thüringer Waldes im Gebiet der Drei Gleichen. Das Ortsgebiet grenzt im Osten an Neudietendorf und Kornhochheim, im Süden an Sülzenbrücken, im Westen an Wandersleben und im Norden an Großrettbach. Am Nordrand des Ortes fließt der gleichnamige Fluss vorbei.

Geschichte[Bearbeiten]

Im August 2005 wurde bei Grabungen im Zusammenhang mit dem Bau einer Erdgasleitung in der Nähe von Apfelstädt als Grabbeigabe Goldschmuck für einen Würdenträger aus der spätneolithischen Zeit vor etwa 4000 Jahren gefunden. Es handelte sich dabei um Haar- oder Lockenringe. Das ist der erste Goldschmuckfund aus dieser Zeit im mitteldeutschen Raum und belegt, dass das Gebiet um Apfelstädt schon sehr früh besiedelt war.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Apfelstädt in einer in Düren ausgestellten Schenkungsurkunde Karls des Großen an das Kloster Hersfeld vom 25. Oktober 775 als Aplast. Dieser Ortsname wird vom germanischen Aplasta oder Aplosta zu indogermanisch apelo = "Kraft" abgeleitet und hat nichts mit dem heutigen "Apfel" zu tun. Der Flussname war ursprünglich Aphiliste, was so viel wie "Wasser" bedeutet. Diese beiden unterschiedlichen Schreibweisen wurden im 14. Jahrhundert zur einheitlichen Schreibweise "Apfelstädt" zusammengefasst. In einem bis heute bekannten Dienstsiegel ist der Apfel als Symbol für Apfelstädt enthalten. Aus diesem Grund wurde der Apfel auch ins Wappen übernommen.[1]

1450 wurde die Ortschaft im Sächsischen Bruderkrieg von den Truppen des Kurfürsten Friedrich II. niedergebrannt. 1652 fiel die Hälfte des Ortes einem Brand zum Opfer.[2] Der Ort gehörte zum Amt Wachsenburg, welches 1640 zum Herzogtum Sachsen-Gotha, ab 1672 zum Herzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg und 1826 zum Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha kam.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs waren bei amerikanischem Artilleriebeschuss in der Nacht vom 8. zum 9. April 1945 zivile Opfer zu beklagen.[3] Auf dem Ortsfriedhof findet sich das Gemeinschaftsgrab von drei gefallenen deutschen Soldaten; auch das Grab einer vierköpfigen Familie, die am 15. April 1945 - eine Woche nach Besetzung von Apfelstädt - auf unnatürliche Weise ums Leben kam.

Seit dem 1. Dezember 2009 ist Apfelstädt ein Ortsteil der neugegründeten Gemeinde Nesse-Apfelstädt.[4]

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „Durch silbernes Wellenband schräggeteilt; oben in Blau ein goldener Apfel mit zwei goldenen Blättern, unten in Rot ein goldener spitzbedachter Turm.“ Die Darstellung des Turms steht für den Turm der ehemaligen St.-Marien-Kirche.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Kirche St. Walpurgis[Bearbeiten]

(→ Hauptartikel: Walpurgis-Kirche)

Die Walpurgis-Kirche ist schon ob der Höhe ihres Turms von weither sichtbar. Sie stammt in ihren Ursprüngen aus dem 11. Jahrhundert und weist interessante bauhistorische Merkmale auf. In den Jahren nach 1992 wurden Kirch- und Pfarrhofensemble umfangreich restauriert. Scheune und Stall des Pfarrhofes beherbergen eine Dauerausstellung zur Ortsgeschichte, in der die bäuerliche Lebensweise sowie die Geschichte des Schul- und Backwesens dokumentiert werden.

Turm der ehemaligen St.-Marien-Kirche[Bearbeiten]

Turm der ehem. St.-Marien-Kirche (Lage→50.90278248916710.891884863333)

Der romanische Turm befindet sich in der Hainstraße und ist seit Ende des 19. Jahrhunderts Bestandteil eines Schulgebäudes. Die Marienkirche, wahrscheinlich aus dem Jahre 1396, war eine Filialkirche, wurde später als Malz- und Darrhaus genutzt und dann bis auf den Turm abgerissen.[5] 1992 wurde der Turm saniert. In den Folgejahren wurde dort ebenfalls eine Ausstellung zur ländlichen Lebensweise eingerichtet.

Weitere Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Steinkreuz an der Straße nach Wandersleben (Lage→50.89925557138910.879707634444)
  • Die Öl- und die Mahlmühle: Zwei Mühlen wurden schon von Galletti 1780 als vorhanden berichtet.
  • Das mittelalterliche Steinkreuz am westlichen Ortsausgang in Richtung Wandersleben. Hierzu berichtet die Infotafel am Steinkreuz, dass es zwischen 1400 und 1450 zum Gedenken an einen an dieser Stelle verunglückten oder getöteten Menschen errichtet wurde. Seit 1657 ist es in Flurkarten nachweisbar („am Creutze“). Eine örtliche Sage sagt hierzu aus, dass die Apfelstädter hier einen dänischen Obristen getötet und begraben haben. Daher der Name „Schwedenkreuz“. Eine andere volksmündliche Überlieferung berichtet von einem verunglückten Fuhrmann. Standort und Orientierung des Kreuzes deuten den Verlauf der von Erfurt kommenden alten Handelsstraße an, die von hier aus direkt auf den Fuhrmannsgasthof Freudenthal zustrebte.
Steinkreuz an der Straße nach Sülzenbrücken (Lage→50.89342922861110.889985859444)
  • Das Steinkreuz aus dem 19. Jahrhundert am Radweg in Richtung Sülzenbrücken. Dieses wurde am 23. März 1898 vom Erfurter Rentner Seitz zum Andenken an seinen 18-jährigen Sohn errichtet, der hier am 27. Juni 1897 „bei einer Corsofahrt hiesiger und auswärtiger Radfahrer“ verunglückte und einen Tag später in Erfurt seinen Verletzungen erlag. Das Steinkreuz war bis zu einer Beschädigung um 1970 etwa doppelt so hoch und musste im Laufe der Zeit mehrfach wieder aufgerichtet werden. In seiner Formgebung ist es einmalig in Thüringen, wie die Infotafel berichtet. Eine ähnliche Form, mit nicht ganz so stark ausgeprägten Verjüngungen zur Kreuzmitte hin, hat allerdings das „Erfurter Steinkreuz“ in Kleinrettbach. Das hiesige Kreuz ist jedoch mit etwa 60 cm sichtbarer Höhe (heute) wesentlich kleiner. Seitz verband die Errichtung des Kreuzes mit einer Stiftung zu Gunsten bedürftiger Einwohner in Apfelstädt.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Apfelstädt war viele Jahrhunderte geprägt von der Landwirtschaft, die im Thüringer Becken einen fruchtbaren Boden vorfand.

Mit seiner Lage in der Nähe des Erfurter Autobahnkreuzes (A 4 und A 71) bzw. durch eine in den 1990er Jahren erbaute Stichstraße zur Anschlussstelle Neudietendorf der A 4 siedelte sich hier ein großer Standort des Logistikkonzerns Fiege an. In diesem Zusammenhang steht auch das etwa zur gleichen Zeit eröffnete Hotel Park Inn Erfurt-Apfelstädt mit knapp 100 Zimmern. (Lage→50.89938582694410.8817756175)

Vereine[Bearbeiten]

  • Freiwillige Feuerwehr
  • Sportverein SV Eintracht Apfelstädt e.V.
  • Apfelstädter Carneval Club e.V.
  • Apfelstädter Jugendkirmesgesellschaft e.V.
  • Geflügelverein
  • Kleingartenverein
  • Seniorenclub e.V.
  • Apfelstädter Traditions-, Männer- und Schützenverein e.V.
  • Reitsportverein

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Eduard Fiedler (* 14. Mai 1871 in Apfelstädt, † 25. Juni 1931 in Galtür/Österreich), Lehrer (in Manebach, Gotha und Berlin), bekannt als Maler von Wandgemälden, Porträts und Ansichtskarten mit Thüringer Bezügen, insbesondere zur Wachsenburg
  • Christian Friedrich Gotthard Westfeld (* 2. Juni 1746 in Apfelstädt; † 23. März 1823 in Weende), Klosteramtmann und Autor

Literatur[Bearbeiten]

  • Klaus-Jürgen Fiedler: Auszüge aus der umfangreichen Quellensammlung, den Entwürfen und Bildern des Kunstmalers Ernst Louis Eduard Fiedler, zu einer Chronik von Apfelstädt, Stammort der Familie Fiedler seit 1625. Vom Enkel von Eduard Fiedler zusammengestellt anläßlich des im Jahre 2000 stattfindenden Jubiläums 1225 Jahre Apfelstädt. Berlin, 1999.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hartmut Ulle: Neues Thüringer Wappenbuch, Band 3, Hsg. Arbeitsgemeinschaft Genealogie Thüringen e.V., 1998, ISBN 3-9804487-3-8
  2. Galletti: Geschichte und Beschreibung des Herzogthums Gotha, 1780
  3. Horst Benneckenstein: Im Gasthof der Brüdergemeine Angriff geplant. Thüringische Landeszeitung, 8. Mai 2009
  4. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2009, 2. Liste
  5. Prof. Dr. P. Rehfeldt: Bau- und Kunst-Denkmäler Thüringens, Heft VIII., 1891, S. 6

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Apfelstädt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien