Aphthe

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Klassifikation nach ICD-10
K12.0 Rezidivierende orale Aphthen
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Eine Aphthe (sprich: Afte; Transliteration von griech. ἄφθη, vom Verb ἅπτω haptō „entfachen“) ist eine schmerzhafte, von einem entzündlichen Randsaum umgebene Schädigung der Schleimhaut des Zahnfleischs, der Mundhöhle einschließlich der Lippen, der Tonsillen oder der Zunge. In Einzelfällen sind andere Schleimhäute, z. B. im Genitalbereich, betroffen. Es handelt sich dabei um ein Ulcus mit weißlichem Fibrinbelag. Diskutiert wurden als Auslöser Bakterien, insbesondere Streptokokken, die jedoch als unwahrscheinlich eingestuft wurden. Ebenso wurden Viren als Ursache diskutiert, insbesondere Adenoviren und Herpesviren Typ 1 bis 6, jedoch konnten hier bisher keine Zusammenhänge nachgewiesen werden.[1] Beim gleichzeitigen Auftreten mehrerer solcher Stellen im Rahmen einer Primärinfektion spricht man vom Krankheitsbild der Stomatitis aphthosa (auch Gingivostomatitis herpetica oder Mundfäule).[2] Treten Aphthen häufig wiederkehrend auf, spricht man von chronisch rezidivierender Aphthose. Die Häufigkeit (Prävalenz) beträgt 5 bis 21 %.[3]

Ursachen[Bearbeiten]

Ursachen (Ätiologie) und Entstehungsmechanismus (Pathogenese) der rezidivierenden Aphthose sind weitgehend unklar. Eine multifaktorielle Entstehung mit genetischer Komponente wird angenommen.[4]

Sicher ist jedoch, dass bei einer bestehenden Zöliakie, Gluten ein Auslöser sein kann.[3][4] Mögliche assoziierte Faktoren sind Verletzungen der Mundschleimhaut, Zusammenhänge mit verschiedenen Nahrungsmitteln (Walnüsse, Haselnüsse, Nussschokolade, Tomaten, scharf gewürzte Speisen, Zitrusfrüchte, Alkoholische Getränke),[2] Nahrungsdefiziten (Vitamin B12-, Eisen- oder Folsäuremangel) sowie Veränderungen des Hormonhaushaltes. In schweren Fällen können Systemerkrankungen wie chronisch-entzündliche Darmerkrankungen,Morbus Behçet oder HIV-Infektionen zu Grunde liegen.[3][4]

Es wird keine Verbindung zu Menstruationszyklus, Schwangerschaft oder Menopause gesehen.[5] Stress als Ursache wird seit Jahrzehnten diskutiert[6] und ist mittlerweile als ein Einflussfaktor unter vielen nachgewiesen.[7]

Chemische Irritation durch Inhaltsstoffe wie beispielsweise Natriumlaurylsulfat (SLS), das häufig in Zahnpasta enthalten ist, wird als möglicher Auslöser diskutiert.[8]

Raucher sind seltener betroffen als Nichtraucher.[9] Rauchverzicht kann das Auftreten von Aphthen negativ beeinflussen. Als Ursache wird die Hyperkeratose der Schleimhaut bei Rauchern vermutet.[10]

Krankheitsbild[Bearbeiten]

Aphthe auf der Unterlippen-Innenseite
Mehrere Aphthen am Gaumensegel
Aphthen auf der Zunge

Kleinere Aphthen (Minor-Form) haben einen Durchmesser von unter einem Zentimeter, sie heilen innerhalb von ein bis zwei Wochen aus. Es wird aber auch von seltenen Aphthen mit einem Durchmesser von über einem Zentimeter bis etwa 30 mm und mehr berichtet. Bei diesen größeren Aphthen wird von der Major-Form, die Wochen bis Monate persistieren können und unter Narbenbildung abheilen, gesprochen. Bei herpetiformen Ulcera tritt eine große Zahl kleiner Aphthen auf, diese Form ist jedoch selten.[4][11]

Wie schmerzhaft Aphthen sind, ist individuell stark unterschiedlich. Aphthen können sehr schmerzhaft sein, bei stärkerem Befall ist oft die tägliche Lebensführung deutlich beeinträchtigt. Das Sprechen, Essen, Schlucken von Wasser oder Speichel ist schmerzhaft. Die Größe von Aphthen ist oft nicht ausschlaggebend für das Ausmaß an Schmerzen, das sie verursachen. Vielmehr ist die Stelle im Mund, an der die Aphthe auftritt, entscheidend. So kann etwa eine relativ kleine Aphthe mit einem Durchmesser von wenigen Millimetern, die auf der Zungenspitze auftritt, wesentlich schmerzhafter sein als eine größere, die an einer mechanisch weniger beanspruchten Stelle im Mund (z. B. im zentralen Wangengewebe) entsteht. In wenigen Fällen treten auch nahezu nicht schmerzende Aphthen auf.

Diagnostik[Bearbeiten]

Die Diagnose der rezidivierenden Aphthose basiert auf Anamnese und klinischem Bild, da spezifische Labortests nicht zur Verfügung stehen. Zur Erkennung zugrunde liegender Erkrankungen (Immunerkrankungen, Infektionen, Mangelzustände) können neben der Krankengeschichte auch verschiedene Laborparameter weiterhelfen.[4]

Behandlung[Bearbeiten]

Neben der lokalen Behandlung steht bei systemischen Erkrankungen deren Behandlung im Vordergrund. Eine ursächliche Therapie rezidivierender Aphthen ohne zugrunde liegende systemische Grunderkrankung ist bislang nicht bekannt. Antibiotika, Virostatika oder die Gabe von Gammaglobulinen zeigten keine Wirkung.[2]

Zur symptomatischen Behandlung von Aphthen werden schmerzstillende Wirkstoffe wie beispielsweise Lidocain, Polidocanol oder Benzydamin eingesetzt; es stehen Sprays, Gurgellösungen und Gele bzw. Salben (Haftsalben für die Mundschleimhaut) für die Therapie zur Verfügung. Auch adstringierende Mittel wie Rhabarberwurzelextrakt, Myrrhentinktur, Silbernitrat,[12] Phenolsulfonsäureverbindungen und das Kresolsulfonsäure-Polykondensat Policresulen kommen zur Anwendung; ihre zusammenziehende bzw. ätzende Wirkung soll durch Abstoßung von abgestorbenem Gewebe den Heilungsprozess beschleunigen. Einen ähnlichen Effekt haben Zinksulfat und verdünnte Wasserstoffperoxidlösung, letztere wirkt zudem leicht antiseptisch. Bei Ausschluss einer infektiösen Ursache kann das entzündungshemmende, verschreibungspflichtige Triamcinolonacetonid, etwa als Haftsalbe, verwendet werden.

Volksheilkundlich werden entzündungshemmende Mittel wie Teebaumöl, Melissenextrakt sowie Spülungen mit Kamillen- und Salbeitee angewendet.

Die Vermeidung des in Zahnpasten verwendeten Stoffes Natriumlaurylsulfat soll in Studien eine Reduktion der Aphthenentstehung um 64 % bewirkt haben.[8]

Eine Mischung aus sulfonierten Phenolen und Schwefelsäure reduziert die durch Aphthen ausgelösten Beschwerden durch Auflösung des Biofilms mittels Dehydrierung. Sie wird durch den Zahnarzt mittels einer stumpfen Kanüle lokal appliziert.[13][14][15] Es sind auch Applikatoren zur Selbstanwendung verfügbar.

Bednar-Aphthen[Bearbeiten]

Als Bednar-Aphthen (benannt nach dem österreichischen Arzt Alois Bednar, 1816-1888) bezeichnet man bei Säuglingen die während der ersten Lebensmonate auftretenden Ulzerationen der Mundschleimhaut, die meist am harten Gaumen auftreten. Auch Sauggeschwüre durch Auswischen des Mundes fallen darunter. Sie entstehen durch Mikrotraumen. Bednar-Aphthen heilen spontan ab.[2] Es handelt sich um unechte Aphthen, die zwar den Aphthen ähneln, aber nicht viral bedingt sind.[16]

Literatur[Bearbeiten]

  •  P. Coli, M. Jontell, M. Hakeberg: The effect of a dentifrice in the prevention of recurrent aphthous stomatitis. In: Oral Health Prev Dent. 2, Nr. 2, 2004, S. 133–142 (PMID 15646947, PDF).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Aphthous ulcer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Chronisch rezidivierende Aphthen Wissenschaftliche Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde.
  2. a b c d Konrad Bork; Walter Burgdorf; Nikolaus Hoede. Mundschleimhaut- und Lippenkrankheiten: Klinik, Diagnostik und Therapie ; Atlas und Handbuch ; mit 37 Tabellen. Schattauer Verlag; 2008. ISBN 978-3-7945-2486-0. S. 60–.
  3. a b c  W. C Gonsalves, A. C Chi, B. W Neville: Common oral lesions: Part I. Superficial mucosal lesions. In: Am Fam Physician. 75, Nr. 4, 2007, S. 501–507 (Review; PMID 17323710, online).
  4. a b c d e Scully C, Gorsky M, Lozada-Nur F. The diagnosis and management of recurrent aphthous stomatitis: a consensus approach. J Am Dent Assoc. 2003 Feb;134(2):200-7. Review. PMID 12636124
  5. McCartan BE, Sullivan A: The association of menstrual cycle, pregnancy, and menopause with recurrent oral aphthous stomatitis: a review and critique. Obstet Gynecol. 1992 Sep;80(3 Pt 1):455–458, PMID 1495706.
  6. Pedersen A: Psychologic stress and recurrent aphthous ulceration. J Oral Pathol Med 1989;18(2):119–22, PMID 2746521.
  7. Handa R: A study to evaluate the impact of examination stress on recurrent aphthous ulceration in professional college students in Jaipur district. Minerva Stomatol 2012;61(11-12):499–507, PMID 23207675.
  8. a b S. L. Zunt: Recurrent aphthous stomatitis. In: Dermatologic clinics. Band 21, Nummer 1, Januar 2003, S. 33–39, ISSN 0733-8635, PMID 12622266.
  9. Tüzün B, Wolf R, Tüzün Y, Serdaroğlu S. Recurrent aphthous stomatitis and smoking. Int J Dermatol. 2000 May;39(5):358-60, PMID 10849126.
  10. Winn DM. Tobacco use and oral disease. J Dent Educ. 2001 Apr;65(4):306–312, PMID 11336115
  11. Rogers RS 3rd. Recurrent aphthous stomatitis: clinical characteristics and associated systemic disorders. Semin Cutan Med Surg. 1997 Dec;16(4):278–283, PMID 9421219.
  12. Alidaee, M.R.; Taheri, A.; Mansoori, P; Ghodsi, S. Z.: Silver nitrate cautery in aphthous stomatitis: a randomized controlled trial. In: Br J Dermatol. 2005 Sep;153(3):521-5, PMID 16120136.
  13. S. R. Porter, K. Al-Johani u. a.: Randomised controlled trial of the efficacy of HybenX in the symptomatic treatment of recurrent aphthous stomatitis. In: Oral diseases. Band 15, Nummer 2, März 2009, S. 155–161, ISSN 1601-0825. doi:10.1111/j.1601-0825.2008.01503.x. PMID 19207485.
  14. EP 1 587 477 B1, Europäisches Patentamt.
  15. Sicherheitsdatenblatt HybenX.
  16. Norbert Schwenzer. Zahn-Mund-Kiefer-Heilkunde: Zahnärztliche Chirurgie. Georg Thieme Verlag; 2000. ISBN 978-3-13-116963-1. p. 234–.
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