Apodolirion

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Apodolirion
Systematik
Monokotyledonen
Ordnung: Spargelartige (Asparagales)
Familie: Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae)
Unterfamilie: Amaryllidoideae
Tribus: Haemantheae
Gattung: Apodolirion
Wissenschaftlicher Name
Apodolirion
Baker

Die Pflanzengattung Apodolirion gehört zur Unterfamilie Amaryllidoideae innerhalb der Familie der Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae). Die etwa sechs Arten sind im südlichen Afrika beheimatet.

Beschreibung[Bearbeiten]

Erscheinungsbild und Laubblätter[Bearbeiten]

Die Apodolirion-Arten wachsen als ausdauernde krautige Pflanzen, die Wuchshöhen von nur wenigen Zentimetern erreichen. Sie besitzen lange, fleischige Wurzeln. Sie bilden Zwiebeln als Überdauerungsorgane, um lange Trockenperioden zu überstehen; sie ragen nicht aus dem Boden heraus. Oft besitzen die Zwiebeln ein auffälliges oberes Ende und dort sind oft am Ansatz der Laubblätter eine oder wenige, die Laubblätter umgebende, Blattscheiden älterer Blätter vorhanden. Bei diesen Geophyten sind während der Blütezeit in der Trockenzeit die Blätter vertrocknet. Frische Blätter treiben erst nach der Blütezeit wieder aus.

Es sind nur ein bis wenige nur grundständige Laubblätter vorhanden, die ungestielt sind. Die einfachen, kahlen Blattspreiten sind parallelnervig, schlank und manchmal spiralig gedreht. Der Blattrand ist glatt.

Blütenstand und Blüten[Bearbeiten]

Der kurze Blütenstandsschaft befindet sich unter der Erdoberfläche. Die Blüten stehen einzeln in einem stark reduzierten Blütenstand kurz über dem Boden. Im knospigen Zustand umhüllt eine Spatha den Blütenstand, die aus zwei verwachsenen, häutigen Tragblättern gebildet wird und zweiteilig endet, aber im „Zwiebelnacken“ versteckt ist. Die steifen bis laschen Blütenstiele sind so lang oder deutlich länger als die Blütenhülle. Die Blüten sind dicht zusammen hängend angeordnet oder stehen weit ausgebreitet im Blütenstand. Die Blütenstiele sind während der Anthese nur wenige Millimeter lang und verlängern sich bis zur Fruchtreife.

Die Blütezeit aller Apodolirion-Arten liegt im südafrikanischen Sommer, während der trockenen Phase. Die duftenden, zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und dreizählig. Die nur relativ kurz haltbare Blütenhülle ist stielteller- oder trichterförmig. Die sechs Blütenhüllblätter sind zu einer langen, meist sehr schlanken, zylindrischen Röhre verwachsen, die sich zum Schlund hin etwas erweitert. Die freien Bereiche der Blütenhüllblätter sind viel kürzer als die Blütenröhre, fast gleichgeformt und oft ausgebreitet bis zurückgekrümmt. Die Farbe der Blütenhüllblätter ist meist weiß, seltener leicht rosafarben bis matt-rot. Es sind zwei Kreise mit je drei Staubblättern vorhanden; sie sind viel kürzer als die Blütenhülle und gleichmäßig verteilt. Die untereinander vollständig freien, kurzen, fadenförmigen Staubfäden des einen Kreises sind im Blütenschlund und die des anderen etwas tiefer in der Blütenröhre inseriert. Die Staubbeutel sind mehr oder weniger gleich lang wie die Staubfäden. Die leuchtend gelben bis creme-gelben, linealen Staubbeutel des inneren Kreises sind basifix und die des äußeren Kreises sind medifix bis dorsifix. Die Staubbeutel öffnen sich, indem sie sich vom oberen Ende ausgehend nach rückwärts einrollen. Drei Fruchtblätter sind zu einem dreikammerigen, unterständigen Fruchtknoten verwachsen, der von der Spatha umhüllt ist und im „Zwiebelnacken“ steckt sowie unterirdisch ist. Jede Fruchtknotenkammer enthält viele Samenanlagen. Der dünne, aufrechte bis oft gebogene Griffel endet immer mit einer deutlich dreilappigen, breiten Narbe. Es liegen keine Beobachtungen zu den Bestäubern vor.

Früchte und Samen[Bearbeiten]

Die keulenförmigen bis ellipsoiden, relativ dünnwandigen Beeren zerreißen bei Reife zu unregelmäßigen Teilen und enthalten viele Samen. Die bei einem Durchmesser von 2,5 bis 4 mm fast kugelförmigen Samen sind dunkel oder besitzen eine durchscheinende oberste Schicht. Der Embryo ist grün. Die Früchte reifen schnell bis zu den Herbstregenfällen. Dann werden die Samen entlassen und keimen ohne Ruhezeit in dieser feuchten Periode meist in der Nähe der Elternpflanze.

Chromosomenzahl[Bearbeiten]

Die Chromosomengrundzahl beträgt x=6.

Vorkommen[Bearbeiten]

Die etwa sechs Arten sind im südlichen Afrika beheimatet. Drei Arten sind Elemente der Capensis. Die Gattung Apodolirion kommt in Swaziland und den südafrikanischen Provinzen Gauteng, Mpumalanga, von Free State bis KwaZulu-Natal sowie im West- und Ostkap vor. Apodolirion-Arten kommen hauptsächlich in semiariden Gebieten mit Sommerregen vor.

Systematik sowie Gefährdung der Arten[Bearbeiten]

Der Gattungsname Apodolirion wurde 1878 durch John Gilbert Baker in Journal of Botany, British and Foreign, Volume 16, S. 74 erstveröffentlicht. Als Lectotypusart wurde Apodolirion buchananii (Baker) Baker durch Edwin Percy Phillips in The Genera of South African Flowering Plants, 2. Auflage, S. 203 festgelegt.[1]

Die Gattung Apodolirion gehört zur Subtribus Gethyllidinae (namensgebende Gattung) aus der Tribus Haemantheae in der Unterfamilie Amaryllidoideae innerhalb der Familie der Amaryllidaceae. Früher wurde sie auch in die Familie der Liliaceae eingeordnet.[2]

Es gibt etwa sechs Arten in der Gattung Apodolirion:[3][4][5]

  • Apodolirion amyanum D.Müll.-Doblies: Die Heimat ist das Ostkap. Sie wurde 2009 in der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten Südafrikas als „Endangered“ = „stark gefährdet“ bewertet.
  • Apodolirion bolusii Baker: Die Heimat ist das Ostkap. In der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten Südafrikas ist über den Grad der Gefährdung nichts bekannt.
  • Apodolirion buchananii (Baker) Baker (Syn.: Apodolirion ettae Baker, Apodolirion mackenii Baker, Cyphonema buchananii Baker): Sie wird in der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten Südafrikas als „Least Concern“ = „nicht gefährdet“ bewertet.
  • Apodolirion cedarbergense D.Müll.-Doblies: Sie wurde 2009 in der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten Südafrikas als „Rare“ = „selten, aber nicht gefährdet“ bewertet.
  • Apodolirion lanceolatum (Thunb.) Benth. & Hook.f. ex B.D.Jacks. (Syn.: Gethyllis lanceolata (Thunb.) L.f., Papiria lanceolata Thunb.): In der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten Südafrikas ist über den Grad der Gefährdung nichts bekannt.
  • Apodolirion macowanii Baker: Sie wurde 2009 in der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten Südafrikas als „Vulnerable“ = „gefährdet“ bewertet.

Nutzung[Bearbeiten]

Apodolirion-Arten werden auf Grund der kurzen Blühdauer selten als Zierpflanzen verwendet.

Quellen[Bearbeiten]

  • John C. Manning, Peter Goldblatt & Deirdré A. Snijman: The Color Encyclopedia of Cape Bulbs, 2002, Timber Press, Portland. ISBN 0-88192-547-0: Apodolirion auf S. 68-70 (Abschnitt Beschreibung, Vorkommen und Nutzung)
  • Emily Smith, 27. April 2009: Apodolirion - Datenblatt bei Gateway to African Plants. (Abschnitt Beschreibung)
  • A. W. Meerow, & J. R. Clayton: Generic relationships among the baccate-fruited Amaryllidaceae (tribe Haemantheae) inferred from plastid and nuclear non-coding DNA sequences, In: Plant Systematics and Evolution, Volume 244, 2004, S. 141-155. Fulltext-PDF. (Abschnitt Systematik)
  • Dietrich Müller-Doblies: De Liliifloris notulae 3. Enumeratio specierum generum Gethyllis et Apodolirion (Amaryllidaceae), In: Willdenowia, Band 15, 1986, S. 465-471.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eintrag bei Tropicos. abgerufen am 20. Februar 2012
  2. Apodolirion im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 20. Februar 2012.
  3. Apodolirion in Suchmaske eingeben bei World Checklist of Selected Plant Families von Royal Botanic Gardens, Kew. abgerufen am 20. Februar 2012
  4. Eintrag bei amaryllidaceae.org. (französisch, abgerufen am 20. Februar 2012)
  5. D. A. Snijman & J. E. Victor, 2004: Apodolirion, In: National Assessment: Red List of South African Plants. abgerufen am 20. Februar 2012

Weblinks[Bearbeiten]