Apollonios von Perge

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Apollonios von Perge (auch: Apollonius Pergaeus; * ca. 262 v. Chr. in Perge; † ca. 190 v. Chr. in Alexandria) war ein griechischer Mathematiker, bekannt für sein Buch über Kegelschnitte.

Leben[Bearbeiten]

Über sein Leben ist nur wenig bekannt. Er studierte und arbeitete in Alexandria unter Ptolemaios III. und Ptolemaios IV. und lebte später für kurze Zeit in Pergamon, wo sich wie in Alexandria eine große Bibliothek befand (ein Eudemos aus Pergamon und der Besuch werden in seinem Buch Kegelschnitte erwähnt). Apollonios erwähnt in seinen Kegelschnitten auch seinen Sohn gleichen Namens, den er mit Buch 2 der Kegelschnitte zu Eudemos nach Pergamon schickte. Die Kegelschnitte sind Eudemos gewidmet bzw. nach dessen Tod einem Attalos aus Pergamon (wahrscheinlich der König Attalos I.).

Der Mondkrater Apollonius ist nach ihm benannt.

Werk[Bearbeiten]

In seinem bedeutendsten Werk Konika ("Über Kegelschnitte") widmete er sich eingehenden Untersuchungen über Kegelschnitte, Grenzwertbestimmungen und Minimum-Maximum-Problemen. Er wies nach, dass die vier verschiedenen Kegelschnitte (Ellipse, Kreis, Parabel und Hyperbel), deren Namen und Definitionen er einführte, vom selben allgemeinen Kegeltypus stammen. Nach Apollonios von Perge sind auch der Kreis des Apollonios und das Apollonische Problem benannt.

In der Astronomie trug Apollonios zur Epizykeltheorie bei und zeigte deren Verbindung zur Exzenter-Theorie. Er erklärte damit die rückläufige Planetenbewegung und die Bewegung des Mondes. Seine Theorien wurden unter anderem von Hipparchos und Claudius Ptolemäus aufgegriffen und weiterentwickelt. Er soll auch eine verbesserte Sonnenuhr entwickelt haben mit Stundenlinien auf Kegelschnitten.

Lange galten die Bücher V bis VIII der Kegelschnitte als verloren (und verschiedene Mathematiker des 17. Jahrhunderts bemühten sich um eine Rekonstruktion, so Franciscus Maurolicus), bis sich in der Biblioteca Medicea Laurenziana in Florenz ein arabisches Manuskript (Übersetzung von Thabit ibn Qurra) mit den verloren geglaubten Büchern V bis VII fand, das von Giovanni Alfonso Borelli und Abraham Ecchellensis 1661 in Florenz als Übersetzung veröffentlicht wurde. Buch VIII gilt als verloren.

Buch 1 bis 4 behandeln als Einführung die elementare Theorie der Kegelschnitte, und das Material war größtenteils schon Euklid bekannt (wie Apollonios selbst schreibt), Buch 3 enthält aber auch neue Resultate. Von Buch 1 und 2 scheint es Vorversionen gegeben zu haben, die Apollonios zirkulieren ließ, auf denen einige der überlieferten Manuskripte beruhen. Buch 5 bis 7 enthalten völlig neues, sonst unbekanntes originäres Material von Apollonios, zum Beispiel zu Normalen an Kegelschnitte in Buch 5, die die spätere Konstruktion der Evolute an Kegelschnitte vorwegnehmen. In der Darstellung folgt Apollonios dem Stil von Euklids Elementen.

Pappos von Alexandria erwähnt die Titel weiterer Werke von Apollonius. Davon sind nur Ausschnitte bei Pappos, Proklos und anderen erhalten, abgesehen von einem arabischen Manuskript von De Rationis Sectione aus dem 10. Jahrhundert (weitere arabische Manuskripte sollen nach Ibn al-Nadim existiert haben, sind aber nicht erhalten). Pappos erwähnt noch De spatii sectione (Schnitt einer Fläche), De sectione determinata, De Tactionibus (Über Berührungen, Apollonisches Problem)[1], De Inclinationibus (Neigungen), De locis planis (Ebene Örter)[2], jeweils in zwei Büchern. Claudius Ptolemäus überlieferte zwei Lehrsätze aus einem verlorenen astronomischen Buch von Apollonios.

Weitere Bücher von Apollonios sind nur dem Titel nach bekannt: Hypsikles erwähnt ein Werk, in dem Apollonios die einer Kugel eingeschriebenen Dodekaeder und Ikosaeder vergleicht, Marinos erwähnt in einem Euklid-Kommentar ein allgemeines Werk von Apollonios über Grundlagen der Mathematik (Bedeutung von Axiomen, Definitionen u. a.), nach Proklus schrieb er ein Buch über irrationale Zahlen und über die Helix auf einem Zylinder. Er soll auch ein Buch über Brennspiegel geschrieben haben und nach Eutokios in einem Buch eine bessere Näherung an \pi als Archimedes gegeben haben.

Von Eutokios stammt ein Kommentar zu den ersten vier Büchern der Kegelschnitte.

Literatur[Bearbeiten]

Ausgaben und Übersetzungen

  • Apollonios: Die Kegelschnitte. Übers. von Arthur Czwalina. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1967
  • Apollonius: Conics, books V to VII. The Arabic translation of the lost Greek original in the version of the Banū Mūsā. In two volumes. Ed. with transl. and commentary by G. J. Toomer. Springer, New York, Berlin, Heidelberg, Springer (Sources in the history of mathematics and physical sciences, 9). ISBN 3-540-97216-1
  • Michael Fried: Edmond Halley's Reconstruction of the Lost Book of Apollonius's Conics: Translation and Commentary., Springer, New York, 2011. ISBN 978-1-4614-0145-2 (Rekonstruktion von Buch VIII der Kegelschnitte)
  • Apollonios Treatise on conic sections, englische Übersetzung, Herausgabe und Kommentar von Thomas Heath, Cambridge 1896, Oxford 1961
  • Paul ver Eecke Les coniques de Apollonios, Brüssel 1924 (französische Übersetzung)
  • Robert Catesby Taliaferro (Übersetzer): Apollonios of Perga: Conics Book I-III, Santa Fe: Green Lion Press 1998
  • Michael N. Fried (Übersetzer): Apollonius of Perga: Conics Book IV, Santa Fe 2002
  • M. N. Fried, Sabetai Unguru Apollonius of Perga's 'Conica': Text, Context, Subtext, Leiden: Brill 2001
  • Roshdi Rashed, M. Decorps-Foulquier, M. Federspiel (Übersetzer und Herausgeber) Apollonius de Perge, Coniques: Texte grec et arabe etabli, traduit et commenté, De Gruyter 2008-2010 (französische Übersetzung und griechischer bzw. arabischer Text)
  • Ausgabe des Griechischen Texts der ersten vier Bücher (sowie Fragmenten und dem Kommentar von Eutokios) von Heiberg, Leipzig, Teubner 1891, 1893 (2 Bände): Apollonius Pergaeus, quae Graece extant, cum commemtariis antiquis
  • Eine ältere Ausgabe des Griechischen Texts der Bücher 1 bis 4 mit lateinischer Übersetzung und lateinischer Übersetzung des arabischen Texts der Bücher 5 bis 7 stammt von Edmond Halley, Oxford 1710. Noch ältere Ausgaben sind von Federico Commandino (1566) und Isaac Barrow (1675).

Sekundärliteratur:

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Versuche zur Rekonstruktion unternahmen François Viète in seinem Apollonius Gallus (1600) und Johann Wilhelm Camerer (1796)
  2. Einen Rekonstruktionsversuch unternahm Robert Simson 1749