Apophyllitgruppe

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Apophyllitgruppe
Apophyllite-(KF)-119082.jpg
Fluorapophyllit-(K) aus dem Distrikt Jalgaon, Maharashtra, Indien
Andere Namen
  • Endglieder: Fluorapophyllit-(K), Hydroxylapophyllit-(K), Fluorapophyllit-(Na)
  • veraltet: Apophyllit-(KF), Apophyllit-(KOH), Apophyllit-(NaF)
Chemische Formel

(K,Na)Ca4Si8O20(F,OH)·8H2O [1]

Mineralklasse Silikate und Germanate
9.EA.15 (8. Auflage: VIII/H.01) nach Strunz
72.03.01.01 nach Dana
Kristallsystem tetragonal
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin 4/mmm
Raumgruppe (Raumgruppen-Nr.) P4/mnc (Raumgruppen-Nr. 128)
Farbe farblos bis weiss, aber auch rosa hellgrün gelb und violett
Strichfarbe weiss
Mohshärte 4,5 bis 5
Dichte (g/cm3) 2,37 (berechnet) 2,36 gemessen
Glanz Glasglanz auf {100}, Perlglanz auf {001}
Transparenz klar bis durchscheinend
Spaltbarkeit perfekt nach {001},
Bruch uneben
Habitus prismatisch gestreckt, {100} oft gestreift
Häufige Kristallflächen {100}, {111}, {001}[2]
Zwillingsbildung multiple Zwillinge möglich
Kristalloptik
Brechungsindex no = 1,536 bis 1,542 ne = 1,537 bis 1,543
Doppelbrechung einachig positiv
Weitere Eigenschaften
Besondere Kennzeichen Aufblättern beim Erhitzen

Die Apophyllitgruppe (kurz Apophyllit) ist eine Bezeichnung für eine Gruppe von relativ häufig vorkommenden Mineralen aus der Mineralklasse der Silikate und der Abteilung der Schichtsilikate. Sie kristallisieren im tetragonalen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung (K,Na)Ca4Si8O20(F,OH)·8H2O[1] Die in den runden Klammern angegebenen Elemente Kalium und Natrium bzw. Fluor und Hydroxidionen können sich in der Formel jeweils gegenseitig vertreten (Substitution, Diadochie), stehen jedoch immer im selben Mengenverhältnis zu den anderen Bestandteilen des Minerals. Die Mineralien werden als sekundäre Mineralien in Hohlräumen in Basalt oder anderen magmatischen Gesteinen gefunden.

In reiner Form sind Apophyllite farblos und durchsichtig, Stufen mit Kristallen im Zentimeterbereich sind häufig im Handel zu finden. Diese Stufen stammen meist aus der indischen Provinz Poona.

Besondere Eigenschaften[Bearbeiten]

Die Oktaeder-Flächen {111} bilden oft eine deutliche, steile Pyramidenspitze. Das Mineral zeigt durch die Abspaltung des Kristallwassers eine deutliche Reaktion vor dem Lötrohr. Dabei blättert es in charakteristischer Weise auf.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Apophyllit wurde von C. Rinman im Jahre 1784 als eines der "Zeolithe" aus Hellesra in Dänemark beschrieben. Historisch wurde Apophyllit auch Fischaugenstein oder Ichthyophthalmit (griechisch für "Fischaugenstein") genannt. Der Name nimmt Bezug auf den strahlend weißen Glanz,ähnlich einem gekochten Fischauge. Im Jahr 1801 gab Hauy den Namen "mesotype epoinlee" für Apophyllit aus Island und vier Jahre später den Namen Apophyllit ("ab" griechisch ἀπό, apo und "Blatt" griechisch φύλλον, Phyllon) in Hinblick auf das Verhalten vor dem Lötrohr. Eine Übersicht weiterer historischer Namen wird von Dunn et. al.[2] gegeben.

Während Gruppenname Apophyllit nicht für ein einzelnes Mineral steht, sondern für eine Mischkristallreihe, wurden die Namen der Endglieder im Jahr 1978 von der IMA neu benannt. Die Apophyllit-Gruppe besteht aus nun folgenden, von der IMA anerkannten Mineralien:[3][4]

Klassifikation[Bearbeiten]

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörten die Apophyllite zur Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ und dort zur Abteilung der „Schichtsilikate (Phyllosilikate)“, wo die drei Endglieder die Apophyllitgruppe mit der System-Nr. VIII/H.01 bildeten.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet die Apophyllite ebenfalls in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung der „Schichtsilikate (Phyllosilikate)“ ein. Diese Abteilung ist allerdings weiter unterteilt nach der Struktur der Schichten, so dass das Mineral entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „Einfache Tetraedernetze mit 4, 5, (6) und 8 beteiligten Ringen“ zu finden ist, wo die drei Endglieder wiederum die Apophyllitgruppe mit der System-Nr. 9.EA.15 bilden.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet die Apophyllite in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung der „Schichtsilikatminerale“ ein. Hier bilden die drei Apophyllit-Endglieder ebenfalls die „Apophyllitgruppe“ mit der System-Nr. 72.03.01 innerhalb der Unterabteilung der „Schichtsilikate: Zweidimensionale unbegrenzte Lagen mit anderen als sechsgliedrigen Ringen: 3-, 4-, oder 5-gliedrige Ringe und 8-gliedrige Ringe“.

Modifikationen und Varietäten[Bearbeiten]

Die drei Gruppen-Endglieder bilden Msichkristallreihen. Diese sind ohne aufwendige Analysen nicht zu unterscheiden und treten in der Regel nicht in der idealen Zusammensetzung auf.[2]

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

transparenter Apophyllit-(KF)-Kristall neben dunklen Heulandit aus dem Distrikt Jalgaon, Maharashtra, Indien (Größe: 8 x 4,5 x 3 cm)

Die Kristalle werden als sekundäre Mineralien in Hohlräumen in Basalt oder anderen magmatischen Gesteinen gefunden. Diese Stufen stammen häufig aus der indischen Provinz Poona.

Weltweit sind bisher rund 1000 Fundstellen bekannt.[5] Die Typlokalität des Apophyllit-(Hydroxy) ist die Ore Knob Mine, Ore Knob, Ashe Co., North Carolina, USA.[6] (Koordinaten der Ore Knob Mine36.4-81.329166666667) Die Typlokalität des Apophyllit-(NaF) ist die Sampo-Mine in Japan[7][8]

Morphologie[Bearbeiten]

Apophyllite bilden meist prismatische Kristalle mit den Hauptflächen {100}, {111} und untergeordnet {001}. Die {100}-Flächen weisen häufig eine deutliche kantenparallele Streifung auf. Der Winkel zwischen der Fläche (111) und (001) beträgt 119,5°, zwischen zwei (111)-Flächen 104° und 128° zwischen (111) und (100).[2]

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Apophyllit-Struktur: __ Ca2+, __ (Na,K)+, __ O2−, __ F, __ H+, __ Si4+

Die Apophyllite kristallisieren tetragonal in der Raumgruppe P/4mnc (Raumgruppen-Nr. 128) mit den Gitterparametern a = 8.965 Å; und c = 15.767 Å; sowie Z=2 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[9]

Eine Basis-Baugruppe sind ringförmige Si8O20-Schichten, die aus eckenverknüpften Tetraedern aufgebaut sind. Das Kristallwasser wird zwischen 330 °C und 440 °C ausgetrieben.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Hans Jürgen Rösler: Lehrbuch der Mineralogie. 4. durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S. 454-460.
  •  Helmut Schröcke, Karl-Ludwig Weiner: Mineralogie. Ein Lehrbuch auf systematischer Grundlage. de Gruyter, Berlin; New York 1981, ISBN 3-11-006823-0, S. 654.
  • Fluorapophylite, In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 76 kB)
  • Hydroxyapophyllite, In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 70 kB)
  • Natroapophylite, In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 76 kB)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Apophyllite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b  Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X.
  2. a b c d Pete J. Dunn und Wendell E. Wilson: Nomenclature revisions in the Apophyllite group: Hydroxyapophyllite, Apophyllite, Fluorapophyllite, in: The Mineralogical Record, March-April 1978, RRUFF.info (PDF, englisch)
  3. IMA/CNMNC List of Mineral Names; March 2014 (PDF 1,5 MB)
  4.  Malcom E. Back: Fleischers Glossary of Mineral Species. 11. Auflage. Mineralogical Record, Tucson, Arizona (AZ) 2014, S. 12.
  5. Mindat - Apophyllite
  6. Typlokalität bei mindat.org
  7. Typlokalität bei mindat.org - Typlokalität Sampo mine, Takahashi City, Okayama Prefecture, Chugoku Region, Honshu Island, Japan
  8. Hiruharo Matseuda, Yasuno Minurua, John Rucklidge: Natroapophyllite, a new orthorhombic sodium analog of apophyllite - Description, occurrence, and nomenclature, in: American Mineralogist, Band 66 (l981), S. 410-423, RRUFF.info, (PDF, englisch)
  9. G.Y. Chao: The Refinement of the Crystal Structure of Apophyllite - Determination oh the hydrogen positions by x-ray diffraction, in: The American Mineralogist, Band 56, Juli-August 1971, auf Ruff.info (PDF, 468 KB, englisch)