Apostolic United Brethren

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Die Apostolic United Brethren, AUB, „Apostolische Vereinte Brüder“, sind eine fundamentalistische, polygame Konfession des mormonischen Fundamentalismus innerhalb der Bewegung der „Heiligen der Letzten Tage“ (auch. „Rocky-Mountain-Heilige“). Sie besitzt seit den 1990er Jahren einen Tempel im mexikanischen Ozumba, das 50 km südöstlich von Mexiko-Stadt liegt, sowie seit den 1980er Jahren ein Begabungshaus in Utah – so nannte die Hauptkirche ihre improvisierten Tempel in der Zeit von 1846 bis 1877, als kein offizieller Tempel existierte. Die Bezeichnung Apostolic United Brethren wird nicht grundsätzlich von den Mitgliedern genutzt; einige bevorzugen eher „das Werk“, „die Priesterschaft“ oder „die Gruppe“. Außenstehende verwendeten früher eher „Allred-Gruppe“, da zwei ihrer Leiter diesen Namen trugen.

Mitgliedschaft[Bearbeiten]

Die AUB haben zwischen 5.000 und 8.000 Mitglieder, die meisten davon in Utah und Mexiko. Der Sitz befindet sich in Bluffdale (Utah), wo es eine Kirche, eine Schule, ein Archiv und Sportstätten gibt.

United-Order-Gemeinschaften existieren in Rocky Ridge, Harvest Haven, das zu Eagle Mountain gehört, Cedar City und Granite, alle Utah; weitere Gemeinden und Versammlungen bestehen in Pinesdale (Montana), Lovell (Wyoming), Mesa (Arizona), Humansville (Missouri) sowie Ozumba (Mexiko).

Die AUB unterhalten mindestens drei Privatschulen; viele Familien unterrichten ihre Kinder zu Hause.

Einige Mitglieder blieben zugleich bei der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, LDS, und halten ihre Zugehörigkeit zu den AUB geheim, da die Förderung, das Beibehalten oder das Leben in einer Mehrehe einen Grund zum Ausschluss aus der LDS darstellt.

Organisation[Bearbeiten]

Den AUB steht der Präsident der Priesterschaft vor. Die nächsthöhere Autorität stellt der Priesterrat, zu dem auch der Präsident gehört, dar. Danach folgen die Vorsitzenden der Siebziger, der Hohepriester, der Ältesten, der Aaronischen Priesterschaft, der Frauenhilfsvereinigung („Relief Society“), der Sonntagsschule, der Jungen Damen, der Pfadfinder und der Primarorganisationen, die je nach Region unterschiedlich sein können. Auf örtlicher Ebene gibt es Bischöfe, Priesterratsvertreter und Patriarchen.

Zusammenkünfte[Bearbeiten]

Abendmahlsversammlung und Sonntagsschultreffen finden wie auch einige privat in Familien organisierte Sonntagsschulen und Kollegiumsversammlungen sonntags statt. Die Treffen der Relief Society, der jungen Frauen, Primar- und Scouttreffen finden während der Woche statt.

In den Versammlungshäusern gibt es Tanz- und Musikveranstaltungen, Spiel- und Familienheimabende; zuweilen treffen sich auch die verschiedenen Klassen dort.

Lehren und Bräuche[Bearbeiten]

Die AUB betrachten die Glaubensartikel von Joseph Smith als gültige Zusammenfassung des mormonischen Glaubens. Sie glauben, dass die LDS durch die Verbreitung des Buches Mormon und die genealogische Forschung auch heute noch eine Rolle im göttlichen Heilsplan spielt. Am bekanntesten sind die Brüder wegen des Festhaltens an der mormonischen Polygynie, der Vereinigten Ordnung, der Adam-Gott-Lehre, sowie wegen des Treffens von 1886. Kindesmissbrauch, sexuelle Nötigung der Ehefrau und Inzucht werden als schwerste Sünden betrachtet. Mitglieder, die wiederholt dieser Taten überführt werden, werden ausgeschlossen. Opfern steht es frei, solche Delikte der Polizei zu melden.

Die Polygamie wird wegen der staatlichen Verbote in der Form gelebt, dass nur die erste Ehe staatlich eingegangen wird, die weiteren Ehen gelten als „spirituell“.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Der Anspruch der AUB auf Autorität beruft sich auf Erzählungen von John Wickersham Woolley, Lorin Woolley und anderen, die im September 1886 an einem Gespräch zwischen LDS-Präsident John Taylor (1808–1887), den Woolleys und anderen teilnahmen. Nach Erzählungen kam Taylor vor dieser Begegnung mit Kirchengründer Joseph Smith und Jesus Christus zusammen. Dabei erhielt er eine Offenbarung, dass die Polygamie nicht aufgegeben werden dürfe; Gemeinschaften, die sich von der LDS trennten, sollten diese Lehre auf Erden bewahren. Am darauf folgenden Tag wurden die Woolleys und Taylors Anwalt, George Q. Cannon, dazu ausersehen, dieses Prinzip lebendig zu halten.

Die Mitglieder führen ihre Geschichte bis auf Joseph Smith und den Glaubensaussagen, die er verbreitete, sowie den Praktiken, die er lebte, zurück. Weil die AUB davon überzeugt ist, dass die LDS ihre Lehren und Ordnungen verändert habe, sehen sie ihre Verantwortung in der Bewahrung der ursprünglichen Offenbarungen und dem Befolgen aller von Gott gegebenen Gesetze.

Bis in die 1950er Jahre hinein waren die Fundamentalisten im Wesentlichen eine Gruppe. Aber mit der Ordination des nicht ganz so konservativen Heilpraktikers Rulon C. Allred durch Joseph W. Musser im Jahr 1951 und der folgenden Präsidentschaft Allreds über die Fundamentalisten in Short Creek (heute Colorado City in Arizona) und in weiteren Gegenden, kam es in nur wenigen Jahren zu immer weiterer Entfremdung voneinander, so dass die noch konservativeren Gläubigen von Short Creek schließlich eine eigene Gruppe unter dem Namen „Fundamentalistische Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“ bildeten.

Als im Jahr 1977 Rena Chynoweth auf Veranlassung des Leiters der „Kirche der Erstgeborenen der Fülle der Zeit“, einer anderen sehr kleinen fundamentalistischen Mormonengruppe, Ervil LeBaron, Rulon C. Allred erschoss, gelangten die AUB ins Rampenlicht. Nachfolger wurde sein Bruder Owen Allred, der die AUB bis 2005 leitete. Heute leitet J. LaMoine Jenson die AUB.

2011 erhob eine Familie aus den AUB Verfassungsklage gegen das Polygamie-Verbot des Staates Utah.[2] Sie berufen sich auf die Entscheidung Lawrence v. Texas des Supreme Court von 2003, nach der volljährige Bürger das Recht haben, bei ihrer einvernehmlichen Ausübung der Sexualität durch den Staat in Ruhe gelassen zu werden.[1]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Jonathan Turley: One Big, Happy Polygamous Family, New York Times, 20. Juli 2011
  2. Ronaled Gerste: Die Amerikaner diskutieren über Polygamie. Neue Zürcher Zeitung, 12. August 2011, Seite 16