Apostolisches Glaubensbekenntnis

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Das Apostolische Glaubensbekenntnis, auch Apostolikum genannt, ist eine Form der christlichen Glaubensbekenntnisse; eine fortgebildete Variante des altrömischen Glaubensbekenntnisses. Es ist umstritten, ob seine Ursprünge in einer frühen Ausformulierung der Regula fidei oder in einer Weiterentwicklung von Tauffragen zu suchen ist.

Funktion[Bearbeiten]

Ein Glaubensbekenntnis wie das Apostolische Glaubensbekenntnis benennt die wichtigsten Glaubensinhalte zum Zwecke des liturgischen (gottesdienstlichen) Betens und Bekennens. Das Apostolische Glaubensbekenntnis wird von den westlichen Kirchen allgemein anerkannt. In der Kirche von England hat es eine herausragende Bedeutung, da es morgens und abends zu rezitieren ist. In der römisch-katholischen Kirche wird es in der Heiligen Messe an Sonn- und Feiertagen gesprochen bzw. gesungen, es sei denn es wird das Nicäno-Konstantinopolitanum vorgezogen. Zudem ist es das Taufbekenntnis (in Frage- und Antwortform, auch bei der Tauferneuerung) sowie der Anfang des Rosenkranzgebets. In den reformierten Kirchen findet es ausschließlich im Taufritus und nicht im Gottesdienst Anwendung. Auch in der Neuapostolischen Kirche ist es Teil des allgemeinen Glaubensbekenntnisses, findet jedoch keine Verwendung in der Liturgie. In den östlichen Kirchen ist es im Allgemeinen unbekannt; dort wird stattdessen das Nicäno-Konstantinopolitanum verwendet.

Inhaltlich besteht das Glaubensbekenntnis aus drei Artikeln, die die Dreieinigkeit (Trinität) Gottes verdeutlichen: in jedem Artikel wird eine Person der Trinität betrachtet. Im ersten Artikel Gottvater, der Schöpfer, dann Jesus Christus, der Sohn und Weltenrichter, dann der Heilige Geist, der besonders die Gemeinschaft in der Kirche wirkt.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Glaubensbekenntnis ist in der vorliegenden Form wahrscheinlich in Gallien im 5 Jh. entstanden. Es soll überliefert sein, dass es von den Aposteln verfasst wurde und in Jerusalem entstanden ist.[1] Im 20. Jahrhundert wuchs seine Bedeutung sowohl infolge der ökumenischen Bewegung als auch der Liturgiereform. Hierzu wurde 1971 eine dem heutigen Sprachgebrauch angepasste Form erstellt, die neben der lateinischen Fassung zitiert wird.

Wortlaut[Bearbeiten]

Detail aus dem Apostelcredo der Frauenkirche zu Memmingen, mittelalterliche bildliche Zuordnung der zwölf Apostel zu Artikel des Glaubensbekenntnisses
Lateinisch Deutsch (ökumenische Fassung)

Credo in unum Deum,
Patrem omnipotentem,
Creatorem caeli et terrae.

Et in Iesum Christum,
Filium eius unicum, Dominum nostrum:
qui conceptus est de Spiritu Sancto,
natus ex Maria Virgine,
passus sub Pontio Pilato,
crucifixus, mortuus, et sepultus,
descendit ad inferos:
tertia die resurrexit a mortuis;
ascendit ad caelos;
sedet ad dexteram Dei Patris omnipotentis:
inde venturus est
iudicare vivos et mortuos.

Credo in Spiritum Sanctum,
sanctam Ecclesiam catholicam,
Sanctorum communionem,
remissionem peccatorum,
carnis resurrectionem,
vitam aeternam.
Amen.

Textfassung aus dem Missale Romanum von 1970.

Ich glaube an Gott,
den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige katholische (christliche/allgemeine)[2] Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.
Amen.

Übersetzung, die am 15./16. Dezember 1970 von der Arbeitsgemeinschaft für liturgische Texte der Kirchen des deutschen Sprachgebietes verabschiedet wurde.

Kontroversen[Bearbeiten]

In der Passage „die heilige katholische Kirche“ wird in evangelischen Kirchen des deutschen Sprachraums der inzwischen zur Konfessionsbezeichnung gewordene Begriff „katholisch“ (von griechisch katholikos ‚allgemein‘, ‚weltumspannend‘ oder ‚universal‘) vermieden und durch Formulierungen wie „christliche Kirche“ (vor allem in lutherischen Kirchen), „allgemeine Kirche“ oder „allgemeine christliche Kirche“ (vor allem in unierten und reformierten Kirchen) ersetzt. Der evangelische Pfarrer Herbert Goltzen formulierte, dass die Zeile „die heilige katholische Kirche“ entsprechend der ursprünglichen Bedeutung auch in den evangelischen Kirchen verwendet werden sollte.[3]

1974 äußerte die Theologische Kommission der Vereinigung selbständiger evangelisch-lutherischer Kirchen zur Neuformulierung der ökumenischen Fassung, sie sei „nicht frei von sinnverändernden Übersetzungsfehlern“, wobei vor allem die Artikel „hinabgestiegen in das Reich des Todes“ und „Auferstehung der Toten“ strittig sind. In einer Stellungnahme aus dem Jahr 2004 heißt es dagegen, diese Artikel seien zwar sachgerechte Übersetzungen, die Formulierungen „niedergefahren zur Hölle“ bzw. „Auferstehung des Fleisches“ dennoch vorzuziehen.[4] Eine schärfere Kritik der ökumenischen Übersetzung und ihres Zustandekommens veröffentlichte 1989 Heinrich Kraft.[5]

Die Übersetzung der Aussage communionem sanctorum wurde stets dreifach verstanden:

  1. als Gemeinschaft der Heiligen, das heißt der Kirchenglieder untereinander,
  2. als Neutrum, „Gemeinschaft am Heiligen“, das heißt an den Sakramenten oder sogar allen Gütern der Kirche (Thomas von Aquin),
  3. als „Gemeinschaft mit den Heiligen“, also den bereits Vollendeten/Gestorbenen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Deutsche Bischofskonferenz (Hrsg.): Katholischer Erwachsenen-Katechismus. Erster Band. Das Glaubensbekenntnis der Kirche. Herder u.a., Freiburg 1985. ISBN 3-7666-9388-3
  • Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands, Katechismuskommission (Hrsg.): Evangelischer Erwachsenenkatechismus. Mohn, Gütersloh 1982. ISBN 3-579-04900-3
  • Wolfhart Pannenberg: Das Glaubensbekenntnis – ausgelegt und verantwortet vor den Fragen der Gegenwart. GTB Siebenstern, Gütersloh 1979. ISBN 3-579-03846-X
  • Theodor Schneider: Was wir glauben – Eine Auslegung des Apostolischen Glaubensbekenntnisses. Patmos, Düsseldorf 1985. ISBN 3-491-77256-7
  • Hans Küng: Credo – Das Apostolische Glaubensbekenntnis Zeitgenossen erklärt. Piper, München/Zürich 1995. ISBN 3-492-12024-5
  • J.N.D. Kelly: Early Christian Creeds. Longman, Harlow 1975 (3.Aufl.). ISBN 0-582-49219-X
  • Eberhard Busch: Credo. Das Apostolische Glaubensbekenntnis. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2003. ISBN 3-525-01625-5
  • Joseph Ratzinger (Papst Benedikt XVI.): Einführung in das Christentum. Kösel, München 2006 (8.Aufl.). ISBN 3-466-20455-0
  • Horst Georg Pöhlmann: Das Glaubensbekenntnis ausgelegt für Menschen unserer Zeit. Lembeck, Frankfurt/M. 2003. ISBN 3-87476-438-9
  • Markus Vinzent: Der Ursprung des Apostolikums im Urteil der kritischen Forschung. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen. ISBN 978-3-525-55197-4

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Günter Stemberger: 2000 Jahre Christentum. Salzburg 1980. ISBN 3-85012-092-9
  2. Aus historischen Gründen und um eine Verwechslung mit der römisch-katholischen Kirche zu vermeiden, übersetzen Kirchen reformatorischer Tradition „katholische Kirche“ mit „christliche Kirche“ oder „allgemeine Kirche“.
  3. Herbert Goltzen: Ich glaube die heilige katholische Kirche; in: Quatember 21 (1972)
  4. Theologische Kommission der SELK: Zum Wortlaut des Apostolischen Glaubensbekenntnisses; Stellungnahme verabschiedet am 9. Juni 2004 (PDF; 52 kB).
  5. Heinrich Kraft: Lex Orandi – Lex Credendi. Bemerkungen zum Vorentwurf des neuen Gesangbuches; in: Lutherische Beiträge 12 (2006), S. 208–220 (pdf; 88 kB).